# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 10 11_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 29 frauen einkehrte, warnte er als ein großer Heiliger, der am Sonntag kein Werk thut, die Mutter des nachmals ertrunkenen Kindes, die in den Wald gehen und Beeren pflücken wollte, daß sie am Sonntag nicht solches Werk thun sollte. Die Frau aber, jedenfalls von der Noth getrieben, thut, wie sie sich vorgenommen hat; sie geht in den Wald und pflückt Beeren. Und wie sie zu Hause kömmt, findet sie diese Jammersscene, ihr Kind ertrunken und die Angehörigen vom tiefsten Schmerz ergriffen über diesen traurigen Vorfall. Noch an demselben Tage bringen die Methodisten die Post von dem traurigen Falle nach Bethanien herauf, und schreien: „Das kömmt von der falschen Lehre dieser Weißen; die Leute werden nicht recht unterrichtet in der Feier des Sabbaths.“ Das ist ihr Thema Jahr aus und Jahr ein. Nun, es war mir nicht gerade einerlei, daß der traurige Fall unter diesen Umständen geschehen war, und daß die Methodisten ein so scheinbares Recht zu diesen Lästerungen bekommen hatten, doch befahl ich die Sache dem Herrn und ließ ihn für den Erfolg sorgen. Nun kam aber noch etwas Anderes hinzu. Es ging nämlich die Rede, daß sich die beiden ältesten oben genannten Frauen in Saginaw betrunken hätten. Was Wunder, daß uns dieses auch zur Last gelegt wurde. Es ist jedoch zu bemerken, daß gerade diejenige, die sich zuerst zum Trinken hat lassen verführen, (durch den Häuptling aus Sibiwaing, mit dem sie in Saginaw zusammentrafen), zu den Methodisten gehört oder doch früher gehört hat. Es kommt dann und wann vor, daß Einzelne unserer Christen der so oft an sie kommenden Versuchung zum Saufen wieder einmal unterliegen und damit zeigen, wie schwer es ist, das sündliche Wesen gänzlich zu verleugnen und züchtig, gerecht und gottselig zu leben in dieser Welt. Aber das bedenken die Methodisten nicht, unter denen noch gräulichere Laster im Schwange gehen. Concordia-College bei St. Louis, Mo. Unter den lieben Lesern des Lutheraners ist gewiß mancher, der bei warmem Antheil an obgenannter Anstalt, den er auch wohl bereits durch die That bewiesen hat, doch wenig Kenntniß von derselben besitzt. Desgleichen sind unter den lieben Lesern des Lutheraners vielleicht einige, die, wenn ihnen die Anstalt nur bekannter wäre, derselben ihre Söhne oder Pflegebefohlenen gern zur Erziehung anvertrauten. Solchen insonderheit zu Gefallen ist folgende Nachricht geschrieben. In dem Namen der Anstalt ist das Wort College im weiteren Sinne genommen, als es gewöhnlich genommen zu werden pflegt. Es bedeutet nemlich eigentlich eine gelehrte Anstalt, die aus 4 Classen besteht, welche, was Unterrichtsgegenstände, Leistungen und Alter der Zöglinge betrifft, ungefähr den vier obersten Classen der Gymnasien in Deutschland gleichkommen. Unsere Anstalt umfaßt aber ein theologisches Seminar und ein Gymnasium, also in diesem ein College im engeren Sinn und noch niederere Classen. Für die Leser, welche noch nicht in dieser Gegend gewesen sind, wollen wir die Oertlichkeit mit einigen Worten beschreiben. Der Missisippi fließt bekanntlich in südlicher Richtung. Am rechten, also am westlichen Ufer, liegt St. Louis. Der Boden, auf welchem die Stadt erbaut ist, steigt von dem Flusse sowohl in westlicher als in südlicher Richtung allmählig an, bis er nach Erreichung einiger Höhe sich als gebrochene oder wellenförmige Ebene fortsetzt. Eine (Engl.) Meile südlich von der Stadt, auf einer Anhöhe, liegt das College-Gebäude. Es sind bekanntlich erst die beiden Flügel aufgeführt. Dies sind zwei große backsteinerne Gebäude, zwei Stockwerke hoch mit einem Erdgeschoß (basement) u. Dachzimmern. Sie liegen mit der Vorderseite nach Osten und lassen zwischen sich Raum für das Mittelgebäude. Vor denselben geht die breite Jefferson Avenue, die von Norden nach Süden streicht, vorbei. Hinter denselben sind Hofraum, Gärten und Spielplatz der Anstalt. Der dem College zugehörige Grund und Boden beträgt zwei Acker. Fast alle Nachbaren sind größere Landbesitzer, von denen einige ihre Sitze bereits gar schön eingerichtet haben. Besonders sind in den Gärten umher viele Pfirsichbäume angepflanzt, die im Frühjahr, wenn sie über und über mit rothen Blüthen bedeckt sind, einen prächtigen Anblick gewähren. Aus der Lage des Colleges kann der Leser schon schließen, daß seine Bewohner immer frische Luft und eine weite Aussicht haben, und so ist es auch. Selbst in der heißesten Jahreszeit weht immer ein leises kühlendes Lüftchen, und die Aussicht ist nicht nur weit, sondern auch schön. Im Nordosten zeigen sich über die in der guten Jahreszeit mit weidendem Vieh bedeckten Commons her die Kirchthürme der Stadt St. Louis; im Osten ragt hinter Obstgärten das schöne Marinehospital hervor; im Süden, wo eine kleine Schlucht nach dem Missisippi sich hinunterzieht, gewahrt man auf der dem College gegenüberliegenden Anhöhe rothe und weiße Landhäuser in Gärten, die zwischen denselben sich hinziehende breite Straße nach Carondolet und durch die Schlucht den Wasserspiegel des Missisippi, wo oft Dampfschiffe mit ihren schwarzen und weißen Wolken hintennach vorbeigleiten; den Blick begrenzen in dieser Richtung schon in blauer Ferne die dem Missisippi sich entlang ziehenden Bluffs im Nachbarstaate Illinois. Der Westen bietet eine weite, hin und wieder mit Höfen besetzte und am Horizont mit Wald begrenzte Ebene dar. Im Nordwesten sieht man den Gottesacker der evangelisch-lutherischen Gemeinde von St. Louis mit seinen Gräbern und Grabzeichen unter jungen Bäumen und nahe genug, um den andächtigen Gesang der ihre Lieben zur Erde bestattenden Freunde herüberschallen zu hören. Der zuerst erbaute Flügel wird jetzt von den Lehrern mit ihren Familien bewohnt. Den im vorigen Jahre vollendeten nördlichen Flügel nehmen die Zöglinge und der Hausverwalter ein. Die innere Einrichtung des letztern ist folgende. Durch mittlere Gänge (passages) sind sowohl das Erdgeschoß, als die beiden Stockwerke und der Dachraum in zwei Hälften geschieden. Im Erdgeschoß ist die südliche Hälfte in zwei Räume getheilt, von welchen der eine als Küche, der andere als Wohnzimmer des Hausverwalters dient; die nördliche Hälfte ist der Speisesaal der Zöglinge. In dem untern Stock ist die südliche Hälfte ebenfalls in zwei Räume getheilt; der vordere ist das Lehr- und Studirzimmer der Zöglinge des theologischen Seminars, der hintere die Bibliothek; die nördliche Hälfte ist Lehr- und Studierzimmer der Zöglinge des Gymnasiums. Im zweiten Stock sind beide Hälften ungetheilt und dienen als Schlafzimmer. Das südliche Dachzimmer ist zum Krankenzimmer bestimmt; das nördliche dient als Lehr- und Studirzimmer für ältere Zöglinge des Gymnasiums. Die Zimmer in den Stockwerken sind 11 Fuß hoch und mit großen Fenstern hinreichend versehen, die nördlichen Hälften, jede mit zwei Fenstern im Osten, im Norden und im Westen. An den Hinterseiten der beiden Flügel sind für beide Stockwerke weite Porticus angebracht. Es dürfte den Leser vielleicht interessiren, einmal einen Blick in das Innere des Gebäudes zu thun. In dem Lehr- und Studirzimmer der Gymnasiasten stehen jetzt 9 lange Tische, alle von den Fenstern nach dem Innern des Zimmers zu gestellt, um welche die Zöglinge auf Bänken sitzen, je drei oder vier an einem Tisch. An der vierten innern Seite des Zimmers stehen Bücherrepositorien, in welchen die Zöglinge ihre Bücher haben. In den Schlafzimmern stehen an den Wänden umher lauter einschläfrige Betten, je ein hohes und ein niedriges, so daß die niedrigen den Tag über unter die hohen geschoben werden können. Die Tage gehen zwar meist einförmig, aber schnell und glücklich hin. Das Tagewerk wird durch eine Uhr im neuen Flügel und eine weit hin schallende Glocke im Hofe geregelt. Um 5 Uhr Morgens giebt letztere denen, die sie nicht etwa schon bei der Arbeit findet, das Zeichen zum Aufstehen. Fünfzehn Minuten darauf wird in dem großen Lehrzimmer unter Leitung eines der Lehrer gemeinschaftliche Morgenandacht gehalten. Um halb sechs Uhr wird gefrühstückt und darauf geht's an die Arbeit. Um drei Viertel auf neun giebt die Glocke das Zeichen, sich für die Morgen-Lehrstunden bereit zu machen, die um neun ihren Anfang nehmen und bis 12 Uhr währen. Nach zwölf wird zu Mittag gegessen und die Zöglinge haben frei bis zwei. Fünf Minuten vorher wird wieder geläutet und die Nachmittags-Lehrstunden fangen an, die bis fünf Uhr dauern. Von da bis halb acht ist frei, um halb sieben wird zu Abend gegessen. Um halb acht giebt die Glocke das Zeichen, noch einmal an die Arbeit zu gehen, und um drei Viertel auf neun ruft sie zum Abendgottesdienst, welcher wieder in Beisein eines Lehrers gehalten wird, und wornach sich die jüngern Zöglinge zur Ruhe begeben. Während der Arbeitsstunden werden die jüngern Zöglinge des Gymnasiums stets von einem Zögling des Seminars