Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 16, Nummer 21 › Seite 166
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. Mai 1860, Seite 166
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ehe 8 · Ebeleute · Erziehung · Erziehung 11 · Hoffart
II. Ein Irrthum mancher Ehemaͤnner.
Gemeiniglich sind die Männer der Meinung,
das Weib miisse thun, was sie wollen, und wenns
nicht geschehe, so haben sie das Recht, sie mit
Gewalt dazu anzuhalten und es zu erzwin⸗
gen. Wenn man sie fragt, inwiefern sie ein Recht
dazu haben, so berufen sie sich auf den Spruch:
„Der Mann ist des Weibes Haupt.“
Allein da antworte ich: Mit dem Haupt
schlägt man nicht zu, sondern man besinnt
sich nur mit dem; also just deswegen, weil der
Mann des Weibes Haupt ist, stehet ihm nicht zu,
sie zu mißhandeln; denn das kann ein jeder Narr,
sondern Ver stannd soll er brauchen, wie Petrus
sagt: Ihr Männer, wohnet bei euren
Weibern mit Vernunft!“ Ein Mann soll
also immer darauf bedacht sein, wie er dem Weib
anständig begegnen wolle, daß es keine Händel
gebe und Frieden gestiftet werde. Die Schrift
sagt zwar: „Ihr We iber, seid unterthan!“
aber sie sagt nicht: „Ihr Männer, wenn euch
eure Weiber nicht unterthan sein wollen, so
machet sie euch unterthan!“ Also hat ein Mann
das Recht nicht, mit Gewalt sein Weib zu nö⸗
thigen, oder zum Gehorsam zu zwin gen. Pau⸗
lus sagt: „Ihr Männer, liebet eure
Weib er, gleichwie auch Christus gelie—
bet hat die Gemeinde und hat sich
selbst für sie dargegeben.“ Also soll sich
der Mann hanptsächlich recht auf die Liebe
legen gegen sein Weib; ja nicht nur bei seinem
Weib, sondern auch bei seinen Kindern, Dienst⸗
boten und allen Menschen soll er zeigen, daß
er wolle dem Exempel Christi nachahmen, wie
auch Christus der allerniedrigste unter seinen
Jüngern war und ihnen die Füße gewaschen
hat. —
Von dem beregten Irrthum handelt nun auch
Dr. Luther bei den Worten 1 Petri 3, 7: „Ihr
Männer wohnet bei euren Weibern
mit Vernunftꝛc.“ Er sagt: „Ein Weib soll
zwar leben, wie sie der Mann regiert, was er sie
heißt und schaffet, das soll gethan sein; aber er
soll sie gleichwohl nach seinem tollen Kopf nicht
regieren, noch verachten, sondern nicht allein säu-
berlich mit ihr umgehen und ihrer schonen, als
eines schwachen Gefäßes und Werkzeuges Gottes,
sondern auch sie ehren, als die auch der Gnade
des Lebens theilhaftig ist: daß also der Mann,
der ein stärker Werkzeug Gottes ist, mit seinem
Weibe, das schwächer von Leib und an Muth
blöder und verzagter ist, also handle und um-
gehe, daß sie es ertragen könne. Er soll eben
mit ihr handeln, wie sonst mit einem Werkzeug,
damit man arbeitet. Als: wenn er ein gut Mes⸗
ser will haben, muß er nicht damit in Stein ha⸗
cken. Darauf kann man nun keine Regel geben:
Gott stellets Jedermann selbst heim, daß er handle
mit seinem Weib mit Vernunft, darnach ein
iegliches Weib geschickt ist. Denn du sollst der
Gewalt nicht brauchen, die du hast, wie du selbst
willst; ja, du bist darum ihr Mann, daß du ihr
helfest, enthaltest und schützest sie, nicht daß du sie
verderbest. Da kann man dir das Ziel
nicht eben setzen, du mußt hie selbst
wissen, wie du sollst mit Vernunft fah⸗
ren. . Es wird aber nicht alleweg grad
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zugehen können, wie du gern wolltest.
Drum siehe darauf, daß duein Mann
seiest und desto mehr Vernunft habest,
wo sie im Weibe zu wenig ist. Du
mußt zuweilen Geduld haben, Etwas nachlassen
und dem schwachen Gefäß, wenns die Noth er⸗
fordert, nicht allein weichen, sondern auch seine
Ehre geben.“ *
III. Ein beachtenswerther Wink für miß⸗
vergnügte Ehefrauen.
Flattich besuchte einst eine Edeldame, die sich
sehr bei ihm über ihren Mann beklagte
und dessen Fehler aufdeckt e. Flattich hör⸗
te ihr eine Weile ruhig zu, dann sagte er: „Gnä⸗
dige Frau! thun Sie dies ja nimmer, daß sie
die Fehler Ihres Mannes so aufdecken und ihn
verkleinern, denn das Weib hat den Namen von
dem Manne. Wenn sie also ihren Mann zum
Bärenhäuter macht und ihn verklagt und ver—
kleinert, so ist sie die Bärenhänterin.
IV. Vom Weiberschmuck.
St. Petrus sagt in seiner ersten Epistel Cap. 3,
3. 4: „Welcher Gesschmuck soll nicht
auswendig sein mit Haarflechten und
Goldumhängen oder Kleideranlegen:
sondern der verborgene Mensch des
Herzens unverrückt mit sanftem und
stillem Gesist, das ist köstlich vor
Gott.“ Zu diesen Worten schreibt Dr. Luther:
„Hier möchte aber Jemand fragen, ob St. Peter
den christlichen Weibern den Geschmuck verbiete?
Wir lesen von Esther, daß sie eine gülden Kron
und köstlichen Geschmuck getragen habe, wie ei⸗
ner Königin ziemet; also auch von Judith.
Aber Esther spricht in ihrem Gebet: „HErr, du
weißest, daß ich nicht achte den herrlichen
Schmuck, den ich auf meinem Haupt trage, wenn
ich prangen muß, sondern halts wie ein unrein
Tuch, und trags nicht außer dem Gepränge;“
und von Judith stehet geschrieben, daß sie sich
nicht aus Fürwitz geschmuckt habe, sondern Gott
zu Lobe. Drum sagen wir also: Ein christlich
Weib soll sich nicht aus Fürwitz schmücken,
noch Lu st und Lie be zum Schmuck haben, wie
gemeiniglich das Frauenvolk pfleget: sondern
dem Exempel Esther und Judith folgen, sich zu
Ehren schmücken, sonderlich wenns der
Mann haben will oder sonst ein redlich
Ur sach ist. Das soll aber ihr (wie hie St.
Peter sagt) rechter Schmuck sein, daß der ver⸗
borgene Mensch des Herzeus unverrückt sei, rein
und lauter im Glauben, ohn allen Irrthum und
Zweifel, mit sanftem und stillem Geiste: das ist
ein herrlicher, köstlicher Schmuck für Gott. Sie
ist hübschgenuggeschmückt, wenn sie
ihrem Mann geschmückt ist. St. Peter
wills nicht haben, daß sie sich darum schmücke,
daß sie andern Leuten gefalle und daß man
sie eine schöne Frau heiße Es
ist ein gewiß Anzeichen, daß da nicht viel Gei⸗
stes ist, wo man viel auf den Schmuck legt: ist
aber Glaube und Geist da, der wird gewißlich den
Schmuck mit solchen Augen ansehen wie Esther ..
Der christlichen Weiber Schmuck ist, wie ge⸗
sagt, der verborgene Mensch des Herzens, der
von allerlei Irrthum und Befleckung des Geistes
rein ist. Welch Weib so geschmücket ist, das ist,
t m◻tr̃ eeärτß/ ʒ. Idd-᷑enee
einen rechtschaffenen Glauben und einen stillen
sanften Geist hat, daß sie ihrem Mann gehorchen
kann, und sich freundlich gegen ihn mit Worten
und Geberden stellen, die hat alles, was Christus
hat. Von diesem Schmuck soll man dem Wei⸗
bervolk predigen, daß sie darnach streben. Wenn
sie den haben, so können sie denn
des äußerlichen auch recht und wohl
brauchen, denn den Reinen ist alles rein ꝛ.“
V. Etwas von der Rinderzucht.
Flattich: Wenn eine Mutter haben
will, daß ihr ihre Kinder gehorsam sein sollen, so
suche sie es nicht durch scharfe Zucht zu erzwingen,
sondern beweise ihnen Liebe. Wollen die Kinder
ihr nicht gehorsam sein, so soll sie nicht mit ihnen
zanken, auch nicht schlagen, sondern ihnen
nur nichts geben; mit diesem gewinnt sie am
meisten. Auch die Zucht der Vä ter soll nicht
im Dreinschlagen bestehen, sonst werden die Kin⸗
der erbittert und zum Zorn gereizt.
Luther: Man soll lernen, daß die Aeltern
ihren Kindern nicht allzuviel zu weich sein,
sondern sie zwingen sollen, gleichwie sie von ihren
Vätern und Vorältern in Zucht und Zwang sind
gehalten worden.
Wenn Kinder böse sind, Schaden und Schall⸗
heit aurichten, so soll man sie darum strafen, son⸗ x
derlich, wenn sie lauschen und stehlen,
Jedoch muß man in der Strafe auch eine Maß
halten; denn was puerilia sind, als Kirschen,
Aepfel, Birnen, Nüsse, muß mans nicht also stra⸗
fen, als wenn sie Geld, Rock und Kasten wollen
angreifen, da ist dann Zeit, ernstlich zu strafen.
Mau muß also strafen, daß der Apfel
bei der Ruthen sei.
Möchte man die Jugend kindlicher Weise
und spielens aufziehen in Gottesfurcht und Ehr, 1
daß das erste und andere Gebot im Catechismuß
fein im Schwang und steter Uebung gingen! .
Das wäre auch die rechte Weise, Kinder wohl zu
ziehen, weil man sie mit Gutem und Lust kann
gewöhnen. Denn was man allein mit Ruthen ö
und Schlägen zwingen soll, daraus wird keine
gute Art, und wenn mans weit bringet, so blei⸗
ben sie doch nicht länger fromm, denn die Ruthe
auf dem Nacken liegt. Aber hier wurzelt es int
Herz, daß man sich mehr vor Gott, alz
vor der Ruthen und Knittel fürchtet.
Flattich: Wenn die Kinder nicht gerathen,
so muͤssen die Aeltern meistens sich selbst die Schul ö
geben; denn wenn die Aeltern kein gut Eren
pel geben, üppig leben, hoffärtig sind, auch ⸗
der Haushaltung: so führen sie ihre Kinder in
die Lüste hinein, und da ist es nicht möglich, daß
sie gerathen köͤnnen. So auch wenn die Ehe⸗
leute nicht in der Liebe und im Frieden beisan⸗
men wohnen, und die Kinder nicht mit Saus.
muth behandeln. 7*
Die Hauptsache bei der Erziehung ist: di
Kinder zum Guten anhalten, nichts Böses von
ihnen leiden, ihnen Gehorsam gegen die Aeltem
einschärfen, so werden sie gewiß gut fortkommn
in der Welt. Man muß sich sehr hüten, ch
man den Kindern keinen Ehrgeiz einpflaup, I
denn das gehört zum Aergerniß, wovon Christ
sagt: „Wehe euch, so ihr einen dieser Kleinen ür⸗
gert!“ Vornehmlich muß man sichs auch angel⸗“
—
V
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