Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 9 › Seite 65

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-21, Seite 65

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Der Lutheraner.
(Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6, 7.)
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 9.  St. Louis, Mo., den 21. Dezember 1852.  No. 9.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

(Eingesandt.)

Buffalo den 2. Dec. 1852.

Ehrwürdiger und geliebter Herr Professor!

Die Unterzeichneten haben es vor Gott und ihrem Gewissen für nothwendig erachtet in dem Grabauischen Streite ein öffentliches Zeugniß abzugeben. Sie sind bisher um der Wahrheit willen genug geschmäht worden. Es ist Zeit, daß auch diejenigen, welche sich mit Ihnen Eins in der Wahrheit erkennen und wissen, einen Theil der Schmach auf sich nehmen. Wir haben, ebenfalls zum Zeugniß der Wahrheit, Ihre uns theure Person gegen Grabau's schändliche Verunglimpfungen, wie's billig ist, in Schutz genommen. Denken Sie nicht, daß wir irgendwie Ihnen schmeicheln oder wohlgefallen wollten. Nein, wie wir von Ihnen geschrieben, so ist unsre, auf Thatsachen gegründete, Ueberzeugung; so würden wir Sie unsern Freunden im Vertrauen geschildert haben. Darum haben Sie die Güte und nehmen unser ganzes Zeugniß ohne Bedenken im „Lutheraner“ auf, sofern nämlich, als Sie es für Wahrheit erkennen. Nur erlauben Sie uns die Bemerkung, daß wir Ihnen in Betreff Ihrer eigenen Person nicht gerne ein eigenes richtiges Urtheil einräumen möchten. Aus Stolz sagt man über sich selbst gerne zu viel, aus Demuth gerne zu wenig aus. Lassen Sie sich deßhalb gütigst unser Zeugniß gefallen. Wenn's nur Wahrheit ist. Wollen Sie ein Uebriges thun, so mögen Sie dies Brieflein mitdrucken und unserm Zeugniß an die Stirne setzen. Es ist dann ein Zeugniß mehr.

In herzlicher Liebe und Hochachtung Ihre Brüder

Ernst M. Bürger.
A. Ernst.
C. Diehlmann.*)

*) Die folgende Einsendung hat uns, den Redakteur des „Lutheraner,“ in nicht geringe Verlegenheit versetzt. Unter anderen Umständen würden wir die Aufnahme derselben schlechterdings verweigert haben; erstlich, weil dieselbe die uns etwa verliehenen Gaben und unser geringes Wirken ganz offenbar zu hoch anschlägt, und sodann, weil die Aufnahme jedes dem Herausgeber günstigen Zeugnisses den Verdacht der Ehrliebe von Seiten desselben erweckt. Da wir aber nun schon seit Jahr und Tag durch Pastor Grabau und seine Freunde persönlich auf eine Weise angegriffen und vermittelst Verdächtigung unserer Wirksamkeit innerhalb unserer Synode auch die letztere so arg verleumdet worden ist, daß völliges Schweigen zu allem diesem von Seiten anderer Glieder unserer Synode als Eingeständniß ausgelegt und so dem Werke Gottes, das wir treiben, zum Nachtheil gereichen könnte, so mag obige Einsendung hier ihren Platz finden. Wir bitten jedoch unsere freundlichen Leser, sie wollen das für uns abgegebene Zeugniß und so viel bei sich gelten lassen, nach der Liebe zu glauben, daß wir es bei dem gegenwärtigen Streite wirklich redlich meinen und in unserer Synode keinen Einfluß begehren, noch auch laut unserer Synodalconstitution genießen können, als den, den jeder hat oder den sich jeder sichern kann, der zu ihr gehört, wenn er nur seinen Brüdern in Bescheidenheit bezeugt, was er aus Gottes Wort als Wahrheit erkannt hat. Alles andere, was die lieben Brüder oben für uns vorbringen, wollen die Leser auf Rechnung der Liebe und Demuth derselben schreiben, die in Anderen die Gabe und Gnade immer größer sieht und anschlägt, als bei sich selbst. Wir reden die Wahrheit, wenn wir bekennen, daß wir, so Gottes Ehre und Sache dadurch gefördert werden könnte, die tiefste Schande und Verachtung, die Lügner und Verleumder auf uns bringen, der glänzendsten Rettung unseres guten Namens vorziehen würden. Und wir können wohl zu Gottes Ehre sagen, daß wir dies bereits durch die That bewiesen haben; denn als wir uns einst auf dem stephanistisch-hierarchisch-romanisirenden Irrwege erkannten, haben wir auch unsere Irrthümer und Sünden ohne Hehl vor unseren Gemeinden und vor aller Welt bekannt, trotz der großen Schande, die in Folge solcher Bekenntnisse auf uns fallen mußte, 1. weil jenes Bekenntniß zu wahrer Buße nöthig war und 2. weil wir wußten, daß diese Schändung unseres eigenen sündhaften Ich's dem Reiche Gottes nicht schaden, sondern nur dienlich sein könne.
D. R.

Zeugniß etlicher Glieder der Synode von Missouri, Ohio u. a. St. in Betreff des Grabauischen Streites.

Schon früher ist im „Lutheraner“ eine Beurtheilung dieses Streites von zwei ehrwürdigen Gliedern unsrer Synode erschienen, die wir mit Freuden als ein Zeugniß der Wahrheit gelesen haben. Wir halten uns vor Gott und unserm Gewissen verpflichtet auch unsrerseits in dieser traurigen Sache eine öffentliche Erklärung abzugeben.

Das Grabauische Informatorium ist stets beflissen Hrn. Professor Walther in Ansehung seiner Stellung zu unsrer Synode gewissermaßen als unbedingtes Oberhaupt oder Papst darzustellen, vor welchem sämmtliche Glieder besagter Synode, in eigener geistiger Unselbstständigkeit und Abhängigkeit, nach Weise der Römlinge sich unterthänigst und ohne Weiteres beugen. Die Wahrheit und der compromittirte gute Name der Synode erfordert es, daß alle Glieder derselben wider solche unwahre, gehässige Behauptung ihre Stimme erheben, die Würde der Synode wahren und der gröblich beleidigten Wahrheit öffentliches Zeugniß geben.

Es ist Gottes schöpferische Ordnung in der Welt und Kirche, daß der Stärkere und Reichbegabte stets den Vorgang habe und solche Aemter bekleide, die seiner Kraft und Gabe entsprechen. Zur Führung der kirchlichen Aemter hat Gott Seiner Kirche Gaben gegeben (Ephes. 4, 8-11.), und solche allgemein anerkannte reiche Begabung und theologische Wissenschaftlichkeit ist unserm ehrw. Herrn Professor Walther von Gott verliehen worden, der deßhalb auch mit Recht, nach Gottes Ordnung, seine hervorra-

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Der Lutheraner.
(Rev. John, ch. 14, v. 6, 7.)
"God's Word and Luther's doctrine pure shall to eternity endure."
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Year 9.  St. Louis, Mo., December 21, 1852.  No. 9.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who pay for it in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents. Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the Editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

(Submitted.)

Buffalo, December 2, 1852.

Reverend and beloved Herr Professor!

The undersigned have deemed it necessary, before God and their conscience, to give a public testimony in the Grabau controversy. They have been abused long enough for the truth's sake. It is time that those also who recognize and know themselves to be one with you in the truth should take upon themselves a part of the reproach. We have, likewise as a testimony to the truth, taken your person, dear to us, under our protection against Grabau's shameful calumnies, as is only right. Do not think that we wished in any way to flatter you or to curry favor. No; as we have written of you, so is our conviction, grounded on facts; so we should have described you to our friends in confidence. Therefore be so good as to receive our whole testimony without scruple into the "Lutheraner," insofar, that is, as you recognize it to be true. Only permit us the remark that, with regard to your own person, we would not gladly concede to you a proper judgment of your own. Out of pride a man likes to say too much about himself, out of humility he likes to say too little. Therefore be pleased graciously to let our testimony stand. If only it is true. If you would do something more, you may print this little letter along with it and set it at the head of our testimony. It is then one testimony the more.

In hearty love and esteem, your brethren

Ernst M. Bürger.
A. Ernst.
C. Diehlmann.*)

*) The following communication has placed us, the editor of the "Lutheraner," in no small embarrassment. Under other circumstances we should have refused its insertion altogether; first, because it plainly rates too highly such gifts as may have been granted us and our small labors, and secondly, because the insertion of any testimony favorable to the editor awakens the suspicion of vainglory on his part. But since we have now for a year and a day been attacked personally by Pastor Grabau and his friends in such a manner, and since, by casting suspicion upon our activity within our Synod, the latter also has been so grievously slandered, that complete silence toward all this on the part of other members of our Synod might be construed as an admission, and so redound to the injury of the work of God which we are carrying on, let the above communication therefore find its place here. We ask, however, that our friendly readers let the testimony given on our behalf count with them only so far, believing in charity that we mean honestly in the present controversy and desire no influence in our Synod, nor, according to our synodical constitution, can enjoy any other than that which every man has, or which every man who belongs to it can secure, if only he testifies with modesty to his brethren what he has recognized as truth from God's Word. Everything else which the dear brethren above put forward on our behalf, the readers will please set down to the account of the love and humility of the same, which sees in others the gift and grace always greater, and rates it higher, than in themselves. We speak the truth when we confess that, if God's honor and cause could thereby be furthered, we would prefer the deepest shame and contempt which liars and slanderers may bring upon us to the most brilliant rescue of our good name. And we may well say to the honor of God that we have already proved this by deed; for when we once recognized ourselves to be on the Stephanite-hierarchical-Romanizing path of error, we also confessed our errors and sins without concealment before our congregations and before all the world, in spite of the great shame which must fall upon us in consequence of such confessions, 1. because that confession was necessary for true repentance, and 2. because we knew that this disgracing of our own sinful self could not harm the kingdom of God, but only be serviceable to it.
D. R.

Testimony of Several Members of the Synod of Missouri, Ohio and other States Concerning the Grabau Controversy.

Already earlier there appeared in the "Lutheraner" a judgment upon this controversy from two reverend members of our Synod, which we have read with joy as a testimony to the truth. We hold ourselves bound before God and our conscience to give, on our part also, a public declaration in this sad matter.

The Grabau Informatorium is constantly busy representing Herr Professor Walther, in regard to his position toward our Synod, as a sort of unconditional head or pope, before whom all members of the said Synod, in their own spiritual dependence and lack of independence, bow most submissively and without further ado, after the manner of the Romanists. The truth and the compromised good name of the Synod demand that all its members raise their voices against such an untrue and spiteful assertion, uphold the dignity of the Synod, and give public testimony to the grossly insulted truth.

It is God's creative order in the world and in the Church that the stronger and the more richly endowed should always take the lead and fill such offices as correspond to his strength and gift. For the administration of the offices of the Church God has given gifts to His Church (Eph. 4, 8-11), and such generally acknowledged rich endowment and theological learning has been bestowed by God on our reverend Herr Professor Walther, who therefore also rightly, according to God's order, takes his eminent-