Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 9 › Seite 67

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-21, Seite 67

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und ihnen zurufe, wie einst dem Propheten Jeremias (15, 19.): „Ehe du solltest zu ihnen fallen, so müssen sie eher zu dir fallen.“

Das Grabauische Informatorium.

Da von diesem Blatt seit dem Erscheinen der letzten Nummer unseres „Lutheraner“ wieder eine Nummer erschienen ist, so erstatten wir wieder hiervon den nöthigen Bericht.

No. 1. ist die Fortsetzung der Kritik der Lehre von der Kirche, welche wir in der Schrift: „Die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt“ aus den Schriften unserer alten Lehrer vorgelegt haben. Der Meister jener Kritik müht sich darin ab, zu beweisen, daß wir unter der catholischen Kirche im uneigentlichen Sinne die Gesammtheit aller Sekten, als solcher, verstehen. Der arme Mann scheint in seiner Ungeübtheit im Unterscheiden nicht begriffen zu haben, daß jede falsche Kirche, die sich noch nicht eines völligen Abfalls schuldig gemacht hat, auf zweifache Art betrachtet werden kann und muß; erstlich, sofern sie sich eines theilweisen Abfalls theilhaftig gemacht hat und sofern sie also eine Sekte ist, und sodann, sofern sie noch so viel von den Gütern der Kirche, nehmlich von den Gnadenmitteln, der reinen Lehre, den Sacramenten, hat, wodurch auch innerhalb der irrgläubigen Kirche noch Kinder Gottes geboren werden, und sofern sie also, obgleich nicht eine rechtgläubige, doch nicht eine Nichtkirche ist, wie sich unsere alten lutherischen Theologen ausdrücken. Wer freilich das nicht fassen und reimen kann oder will, der wird in der lutherischen Theologie lauter Widersprüche finden; bald wird er meinen, die lutherischen Theologen seien auf seiner Seite, wenn er eine rechtgläubige Particularkirche für die allgemeine christliche Kirche hält, außer welcher kein Heil ist, — bald wird er meinen, jene Lehrer machten aus der allgemeinen christlichen Kirche ein unionistisches Gemengsel von allerlei Kirchen, Sekten und Rotten. Und so geht es auch leider unserem, uns dermalen noch unbekannten, lieben Herrn Critiker. Wir können uns jedoch auch diesmal bei seinem Galimathias von Lehre nicht aufhalten, werden aber, was wir in dem angezogenen Buche für geübte Leser aphoristisch vorgelegt haben, den Lesern des „Lutheraner“ seiner Zeit in einfachem klarem Zusammenhange vorlegen.

No. 2. enthält die Fortsetzung der Grabauischen so gen. christlichen Betrachtung. Bei Durchlesung dieser Fortsetzung haben wir uns, wir müssen es gestehen, des Gedankens nicht erwehren können: Es ist wahr, Pastor Grabau ist in der That ein begabter Mann! Er hat nehmlich die seltene Gabe, sich nie Verlegenheit anmerken zu lassen, ja, gerade wenn er geschlagen ist, mit desto größerer Dreistigkeit seinen Gegner als den Besiegten und Ueberführten zu behandeln. Das thut er nehmlich auch in diesem Aufsatz. Aus Musäus bewiesen wir ihm, daß bei ungerechtem Bann sich eigentlich nicht der Gebannte von der Kirche, sondern die Kirche von dem Gebannten trennt, daß Grabau daher von diesem nicht fordern könne, bei seiner angeblichen lieben Mutter, der bannenden Kirche, zu bleiben, sondern daß diese vielmehr die Pflicht habe, das verschuldete Schisma aufzuheben. Was thut nun der Herr Pastor? Er erkennt das Zeugniß des Musäus an, dreht es aber so, als ob dieser nur von der papistischen Kirche geredet habe, in welcher der falsche Bann ein tagtägliches Werk ist, und als ob derselbe nicht die Lehre vom ungerechten Bann im Allgemeinen dargelegt hätte, so daß dieselbe auch auf Protestanten ihre Anwendung finden könnte. Und hierauf zieht nun Herr Grabau auf uns los, gibt uns allerlei böse Titel, wie „Verleumdungskönig“ u. dergl., kommt hierauf auf die, seinen vormaligen Kirchkindern auf deren Verlangen gesendeten, Prediger, die denselben allein aus Ehrsucht gesendet worden sein sollen, schilt uns einen donatistischen Bischof (weil wir ihm die Geschichte von den Donatisten und dem von denselben ausgeschlagenen Colloquium in No. 4. des „Lutheraner“ vorerzählt haben), erklärt daß er nur um unserer Unbußfertigkeit willen das ihm angetragene Gespräch ausgeschlagen*) und das in Nro. 5. erwähnte Bedenken Neumeister's aus ganz anderen Gründen publicirt habe, was man schon aus den Worten habe abnehmen können: „Wie ein evangelischer Christ sich zu verhalten habe, wenn zwischen ihm und einem andern, der eines fremden Glaubens ist, ein Religionsgespräch vorfällt?“! Wundersam klingt es, wenn es in dem Aufsatz u. A. heißt: „Wir haben die Kirche der missourischen Synode nie für eine falsche Kirche erklärt.“ So erfreulich diese Erklärung einerseits ist, indem sie zeigt, daß Herr Pst. Grabau in seinem Gewissen noch abgehalten ist, unsere Kirche für eine Sekte zu erklären (obwohl er's mit Mund und Feder schon unzählige Male gethan hat), so scheint doch diese Veröffentlichung seiner Ueberzeugung nur ein Kunstgriff zu sein, womit er den Schreiber dieses allein als den Stifter der Zerwürfnisse bezeichnen, uns allein zum Sündenbock machen, uns unserer Synode entfremden und dieselbe für sich ködern will; obwohl er recht gut weiß, daß der Herausgeber des „Lutheraner“ in unserer Synode nur Eine Stimme hat, ja seit 3 Jahren nur berathendes Mitglied derselben ist und daß alles, was seit dem Bestehen unserer Synode von unserer Seite wider ihn gethan worden, von der ganzen Synode gehandelt worden ist.†) — Herr Pst. Grabau schließt mit dem Versprechen, wider unser Treiben zeugen zu wollen „bis in den Tod, und mit der Vermahnung, uns, als „demokratische Verwüster des Weinbergs Gottes, zu fliehen;“ wir schließen mit dem Wunsche, daß Gott unserem Gegner Augen und Herz noch vor seinem und unserem Tode öffnen möge, damit wir nicht Ursache haben, wider seine hierarchischen und romanisirenden, die Freiheit der christlichen Gemeinden untergrabenden, Lehren und Handlungsweisen bis an unseren Tod zu zeugen.

*) Pst. Grabau meint wahrscheinlich, Luther habe mit Zwingli um dessen Bußfertigkeit willen colloquirt.

†) Es ist übrigens eine Entstellung, wenn Herr Pastor Grabau die Sache so hinstellt, als hätten wir uns hauptsächlich der von ihm Gebannten angenommen; die Allermeisten sind vielmehr, so viel wir wissen, wider allen Verstand von dem Wesen des Bannes erst dann von den Herrn Buffalovern in den Bann gethan worden, nachdem sie schon deren Gemeinden verlassen und sich einen Prediger aus unserer Mitte berufen hatten.

Nro. 4. ist eine Einsendung von Herrn von Rohr. Darin sucht derselbe, weil wir lehren, daß in allen Partheien innerhalb der Christenheit Seelen selig werden, zu beweisen, daß nach unserer Lehre Herr Florencourt getrost habe römisch werden können. Er meint, um das Catholischwerden zu verhüten, sei die Lehre nöthig, nicht allein die Gemeinschaft mit der unsichtbaren Kirche sei unbedingt zur Seligkeit nöthig. Da Herr von Rohr noch ein Prediger geworden ist, so sollte er freilich wissen, was das heißt, zur Seligkeit unbedingt nöthig ist nur die Gemeinschaft mit mit der unsichtbaren Kirche. Dies heißt nehmlich: so nöthig zum Seligwerden unter gewissen Bedingungen, Umständen, Verhältnissen rc. es ist, sich zu einer sichtbaren Kirche zu halten, so ist doch dies nicht unbedingt, nicht unter allen Verhältnissen so nöthig (so daß man nehmlich ohne die Gemeinschaft mit einer sichtbaren Kirche schlechterdings nicht selig werden könnte), wenn z. B. die rechtgläubige sichtbare Kirche, wie zu Elias Zeiten, nirgends zu finden ist; — hingegen die Gemeinschaft und Gliedschaft der unsichtbaren Kirche der Gläubigen ist unbedingt d. h. unter allen Verhältnissen und Umständen zur Seligkeit nöthig, weil nehmlich niemand zum Vater kommt, denn durch Christum, weil allein der Glaube an Christum vor Gott gerecht und selig macht. — In Anbetracht jedoch, daß Hr. von Rohr erst spät dem Studium der Theologie sich zugewendet und Herrn Pst. Grabau zum Lehrer gehabt hat, ist ihm dieser Schnitzer, so groß er auch ist, wohl zu verzeihen.

Nro. 5. ist von Pastor Winkler. Er erklärt es in seiner alten einfachen Weise wieder für Lüge, was wir von ihm schrieben: daß er nehmlich selbst das schon im Voraus für Lüge erklärt habe, was wir von ihm schreiben würden! Herr Winkler hatte aber wirklich wörtlich Folgendes geschrieben: „Statt dessen droht Herr Prof. Walther im „Lutheraner,“ künftighin Koth zu fahren d. i., „ärgerliche Geschichten“ -- wie er's selbst nennt — über Herrn Pastor Grabau rc. mitzutheilen. Es ist gemeint der Koth der Lügen und Verläumdungen, den er von den Feinden dieses Mannes hat.“ — Nun urtheile der Leser selbst, mit welcher Stirn Herr Winkler uns der Lüge zeihen kann, wenn wir ihm auf Grund obiger seiner Worte die Erklärung zugeschrieben haben: es sei selbst das Lüge, was wir über ihn noch schreiben werden. Ist etwa das das Hinterthürchen, daß Herr Winkler im zweiten-

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and call to them as once to the prophet Jeremiah (15, 19): "Before thou shouldest fall to them, they must rather fall to thee."

The Grabau Informatorium.

Since another number of this paper has appeared since the appearance of the last number of our "Lutheraner," we again render the necessary report concerning it.

No. 1 is the continuation of the criticism of the doctrine of the Church which we laid before the public from the writings of our old teachers in the book: "Die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt." The master of that criticism toils therein to prove that by the catholic Church in the improper sense we understand the totality of all sects, as such. The poor man, in his lack of practice in distinguishing, appears not to have grasped that every false church which has not yet made itself guilty of a complete apostasy can and must be regarded in a twofold manner: first, insofar as it has made itself partaker of a partial apostasy and insofar as it is therefore a sect; and then, insofar as it still has so much of the goods of the Church, namely of the means of grace, the pure doctrine, the sacraments, whereby even within the erring church children of God are still born, and insofar as it therefore, though not an orthodox church, is yet not a non-church, as our old Lutheran theologians express themselves. Whoever, to be sure, cannot or will not grasp and reconcile this will find nothing but contradictions in Lutheran theology; at one time he will think the Lutheran theologians are on his side, when he holds an orthodox particular church to be the universal Christian Church outside of which there is no salvation, — at another time he will think those teachers made of the universal Christian Church a unionistic medley of all sorts of churches, sects and factions. And so, alas, it goes also with our dear Herr Critic, as yet unknown to us. Yet we cannot this time either linger over his galimatias of doctrine, but will lay before the readers of the "Lutheraner," in due season, in plain and clear connection, what we have set forth aphoristically for practiced readers in the book cited.

No. 2 contains the continuation of the so-called Christian Consideration of Grabau. In reading through this continuation we could not, we must confess, refrain from the thought: It is true, Pastor Grabau is indeed a gifted man! For he has the rare gift of never letting any embarrassment be noticed, indeed, just when he is beaten, of treating his opponent with all the greater boldness as the vanquished and convicted one. This he does in this essay also. From Musäus we proved to him that in an unjust ban it is properly not the banned man who separates from the Church, but the Church that separates from the banned man, that Grabau therefore cannot demand of him that he remain with his alleged dear mother, the banning church, but that the latter rather has the duty to remove the guilty schism. What does the Herr Pastor do now? He acknowledges the testimony of Musäus, but twists it as if he had spoken only of the papistical church, in which the false ban is a daily work, and as if he had not set forth the doctrine of the unjust ban in general, so that it might find its application also to Protestants. And upon this Herr Grabau now falls upon us, gives us all kinds of evil titles, such as "king of slanderers" and the like, then comes to the preachers sent to his former church children at their request, who are said to have been sent to them solely out of ambition, calls us a Donatist bishop (because we related to him beforehand the history of the Donatists and of the colloquy rejected by them in No. 4 of the "Lutheraner"), declares that only on account of our impenitence did he decline the conversation offered to him*) and published the opinion of Neumeister mentioned in No. 5 for quite other reasons, which one might have gathered already from the words: "How an evangelical Christian is to conduct himself when a religious conversation takes place between him and another who is of a strange faith?"! It sounds strange when the essay says, among other things: "We have never declared the church of the Missouri Synod to be a false church." Gratifying as this declaration is on the one hand, in that it shows that Herr Pst. Grabau is still restrained in his conscience from declaring our Church a sect (although he has done so with mouth and pen countless times), yet this publication of his conviction seems to be only an artifice, whereby he would designate the writer of this alone as the author of the discords, make us alone the scapegoat, alienate us from our Synod and decoy the latter for himself; although he knows very well that the editor of the "Lutheraner" has only One vote in our Synod, indeed has for three years been only an advisory member of it, and that everything that has been done against him on our part since the existence of our Synod has been acted upon by the whole Synod.†) — Herr Pst. Grabau closes with the promise to testify against our doings "unto death," and with the admonition to flee us as "democratic wasters of the vineyard of God;" we close with the wish that God may open the eyes and heart of our opponent before his death and ours, so that we may not have cause to testify against his hierarchical and Romanizing doctrines and practices, which undermine the freedom of the Christian congregations, until our death.

*) Pst. Grabau probably means that Luther colloquized with Zwingli on account of the latter's penitence.

†) It is, moreover, a distortion when Herr Pastor Grabau represents the matter as though we had chiefly taken up the cause of those banned by him; the great majority have rather, so far as we know, been put under the ban by the Buffalo gentlemen against all understanding of the nature of the ban only after they had already left their congregations and called a preacher from our midst.

No. 4 is a communication from Herr von Rohr. Therein he seeks to prove, because we teach that in all parties within Christendom souls are saved, that according to our doctrine Herr Florencourt might calmly have turned Roman. He thinks that, to prevent becoming Catholic, the doctrine is necessary that not only communion with the invisible Church is unconditionally necessary to salvation. Since Herr von Rohr has still become a preacher, he ought indeed to know what this means: unconditionally necessary to salvation is only communion with the invisible Church. This means, namely: however necessary to salvation it is, under certain conditions, circumstances, relations, etc., to hold to a visible church, yet this is not unconditionally, not under all circumstances so necessary (so that one could not at all be saved without communion with a visible church), when, for example, the orthodox visible church, as in the times of Elijah, is nowhere to be found; — whereas communion and membership in the invisible Church of believers is unconditionally, that is, under all circumstances and conditions, necessary to salvation, because namely no man cometh unto the Father but by Christ, because faith in Christ alone makes righteous and saved before God. — In consideration, however, that Hr. von Rohr turned late to the study of theology and had Herr Pst. Grabau for his teacher, this blunder of his, great as it is, is surely to be forgiven.

No. 5 is by Pastor Winkler. He declares, in his old simple way, again to be a lie what we wrote of him: that he himself, namely, had already declared beforehand to be a lie what we would write of him! But Herr Winkler had really written verbatim as follows: "Instead of this, Herr Prof. Walther threatens in the 'Lutheraner' henceforth to drive filth, that is, to communicate 'offensive stories' — as he himself calls them — about Herr Pastor Grabau, etc. What is meant is the filth of lies and slanders which he has from the enemies of this man." — Now let the reader himself judge with what face Herr Winkler can charge us with lying, when on the ground of these his words above we have ascribed to him the declaration that what we shall yet write about him is itself a lie. Is that perhaps the little back door that Herr Winkler in the second