Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 10 › Seite 77

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-01-07, Seite 77

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dessen sie sich schämt und von dem sie sich feierlich lossagt, sondern auch frei von jenem edlen Licht im Menschen, dessen sie sich vor allen anderen rühmt und das sie allein leuchten lassen will.

(Eingesandt.)

Die Kirchen-Gesang-Bücher.

Beleuchtung und Vertheidigung.

Lieber Andreas!

Ich finde mich veranlaßt, noch einige Zeilen an Dich zu richten, und Dir zu melden, daß wider die Briefe, welche ich in Bezug auf das Pennsylvanische Gesangbuch an Dich gerichtet habe, bereits mehrere Aufsätze im „Lutheran Standard" und „Weylschen Kirchenboten" erschienen sind. *)

*] Diese Antikritik des Weylschen K. B. ist uns leider! nicht selbst zu Gesichte gekommen: Unsere l. Leser wissen schon, daß es zur Taktik dieses Helden gehört, diejenigen Nummern, worin er uns angreift, uns klüglich nicht zuzusenden. Durch diese edle Kriegslist soll der Bote schon die mächtigsten Feinde zum Schweigen gebracht haben. Vergleiche die Fabel von dem muthigen Ziegenböcklein auf dem Dach. D. R.

Die Correspondenten finden sich hart beleidigt, daß das fragliche Gesangbuch so sehr verdächtigt worden sei, indem doch viele Lieder aus der Reformationszeit in demselben enthalten seien. — Nun, das wußte ich auch wohl, hab' es auch in meinem ersten Brief sogleich selbst angezeigt, mit folgenden Worten: „Daß eine bedeutende Anzahl alter Kernlieder in dem neu herausgegebenen Gesangbuche sich vorfänden;" — und ich füge jetzt nur noch hinzu: daß leider die meisten dieser selbigen abgeändert, oder abgekürzt sind. Es versteht sich von selbst, daß ich das Gute, welches im Pennsylvanischen Gesangbuch enthalten, nicht verworfen habe. Aber eben, weil das Falsche neben dem Guten steht habe ich Einiges von dem Falschen ans Licht stellen wollen; und eben weil jenes Buch ein Gemisch von Wahrem und Falschem enthält, welches für allerlei Leute paßt, sowohl für Reformirte und Unirte, als auch für Rationalisten, und im Nothfall auch für Lutheraner, habe ich eine Warnung nöthig erachtet. Oder sollte die lutherische Kirche so arm sein, und daher nöthig haben, bei den Reformirten, Unirten ꝛc. Materialien zu entlehnen? Im Gegentheil ist sie so reich an kernhaften Kirchenliedern, daß vielmehr die Reformirten, Unirten, und andere Sekten von ihrem Reichthum zehren müssen. Aus den Gesangbüchern der Sekten ist leicht zu beweisen, daß das Reine, was dieselben neben dem Unreinen noch haben, ursprünglich aus der Quelle der Lutherischen Kirche geflossen ist. Aber eben weil unsere Kirche, Wort und Sakrament in reinem Bekenntniß bei sich tragend, die Brunnenstube ist, an deren hellen klaren Wassern selbst noch Glieder anderer Gemeinschaften mitunter ihren Durst löschen, so ists desto mehr Noth, daß die Kinder dieser Kirche mit hell leuchtenden Angesichtern und mit scharfen Schwerdtern um die reine Quelle sich stellen, dieselbe zu bewachen, daß sie nicht getrübt werde, und daß gegen jede Fälschung alsbald Protest eingelegt werde. Der Correspondent des „Lutheran Standard" scheint zwar ein ziemlicher Lutheraner zu sein, denn er bemerkt, in seinem ersten Aufsatz, daß er in Bezug auf Lehr-Grundsätze mit allen wahren Lutheranern auf derselben Basis stehe, und nennt die Grundsätze des Dr. Schmucker eine „miserable Theorie;" ebenso will er von der Richtung des „Weylschen Kirchenboten" auch nichts wissen; er meint, daß derselbe weder „Alt-Maaßregel-, noch Neu-Maaßregelmann" — somit „Nichts" sei: jedoch will dieser Correspondent nachweisen, daß „kein Lied im Pennsylvanischen Gesangbuch enthalten sei, in welchem die Lehre und der Geist unsrer Kirche vermißt werde!" In seinem zweiten Aufsatz spricht er sich aus, daß er mit der Abänderung der alten Lieder auch nicht ganz zufrieden sei, begeht aber daselbst einen großen Irrthum, wenn er sagt: „daß beinahe alle Lieder von Dr. Martin Luther im Pennsylvanischen Gesangbuch zu finden seien." Möchte doch der werthe Correspondent die Sache besser prüfen, so würde er finden, daß dem nicht also sei; indem im Pennsylvanischen Gesangbuch — die veränderten Lieder von Dr. Martin Luther zugerechnet — sich nicht viel über ein Dutzend vorfinden, während im St. Louis Gesangbuch sich nahe an vierzig unveränderter Lieder von Dr. Martin Luther befinden. Wir hoffen, der werthe und einsichtsvolle Correspondent werde seinen Irrthum widerrufen. — Derselbe führt ferner an, daß doch Abendmahlslieder im Pennsylvanischen Gesangbuch enthalten seien, in welchen die Lehre der Lutherischen Kirche enthalten sei. Wohl wahr, aber hat denn der Correspondent diejenigen Abendmahls-Lieder daselbst nicht bemerkt, unter welchen die Namen reformirter Liederdichter stehen? Ist da die reine oder die falsche Lehre zu suchen? Der Herr Correspondent, als ein Lutheraner, wie er sich nennt, kann das unmöglich gut heißen. Oder kann es ihm gleichgültig sein, daß gerade die zwei vortrefflichen Abendmahlslieder von Dr. Martin Luther im neuen Pennsylvanischen Buche ausgelassen sind, da doch eines derselben im alten Pennsylvanischen Gesangbuch unverändert enthalten ist, und daß im „neuen" reformirte Abendmahlslieder anstatt der von Luther gesetzt wurden? — Gesetzt aber, der Correspondent wäre damit zufrieden, so sollte er doch nicht glauben, wir Lutheraner im Busch sollten auch damit zufrieden sein, namentlich, da man uns immer mit Gewalt den Namen „altlutherisch" aufdringt; ja, wissen soll er: wenn wir denn durchaus „Altlutheraner" heißen müssen, wohlan, so wollen wir auch die wahre reine unverfälschte „altlutherische" Lehre haben, gemäß den symbolischen Büchern unserer ev. luth. Kirche.

In Betreff des im neuen Pennsylvanischen Gesangbuch sich befindenden Lieds von Woltersdorf sagt der Correspondent wohlweislich nichts, denn er mag wohl gefunden haben, daß dasselbe im alten Pennsylvanischen Gesangbuch Nro. 218 im 3ten Vers jenen Reim: „Hier darf Seel' und Leib ihn essen," ganz wörtlich enthält, wie wir bewiesen haben. In Bezug auf Luthers Lied: „Christ unser Herr zum Jordan kam," meint der Correspondent, es sei die Veränderung und Abkürzung nicht geschehen, um die Lehre von der Taufe zu verfälschen, setzt aber doch hinzu: „We are not as well pleased with the Changes in Luthers Hymns." — Nun, wenn dem also, warum läßt man denn Luthers Lieder nicht alle unverändert, wie sie von Luther verfertigt sind? Denn wenn da ein jeder mit seiner Feile daran herum feilen wollte, so würden die Nachkommen wenig mehr von Luthers Liedern vorfinden; und wenn die Kirche, als die Trägerin und Bewahrerin des edlen Kleinodes unsrer Kirchenlieder, mit einem so bösen Beispiele vorangeht, was soll man von andern Sekten erwarten? Da möchte die Kirche wohl einst Ursache haben, aus „dem Lied der Lieder" mit tiefem Schmerz zu klagen, wie der Ehrwürdige G. Schaller poetisirte:

Den Weinberg mir anvertraut
Den hab ich, ach, nicht bewahrt
O! wie der Königin grauet!
Ich habe mir Kummer verspart!"

Was den andern Correspondenten betrifft, mein lieber Andreas! wollen wir mit demselben bald fertig sein. — Derselbe hat in dem „Weylschen Kirchenboten" seinen Zorn gegen uns ausgeschüttet. Erstlich sagt derselbe, wir hätten uns in unsern Briefen „Schmähungen" erlaubt, aber davon ist uns nichts bewußt, es wäre denn Sache, daß derselbe den Ausdruck: „Neumaßregel-Lutheraner" für Schmähung hielte. Es scheint, daß er sich damit getroffen gefunden habe, dieweil derselbe, wie aus seinem Aufsatz hervorgeht, auch ein „Neumaßregler" sein muß. Allein, wenn derselbe genannten Ausdruck für Schmähung hält, so könnten wir es auch für Schmähung halten, wenn derselbe in seinem Aufsatze uns „Altlutheraner" schilt. — Jedoch, wir wollen deswegen keinen Wort-Krieg mit ihm führen und die Sache auf sich beruhen lassen. Doch wollen wir die Unwissenheit, welche derselbe in seinem Aufsatz kund gibt, ans Licht stellen; er schreibt: „Luther wird im Himmel nichts dagegen haben, daß man seine Lieder so weit verändert, daß man statt „han" „haben" singt": Nun, davon war und ist auch nicht die Rede, denn solch ein Streit wäre wohl zu kindisch. — Ferner schreibt derselbe: „Auch wird er (Luther) nicht so sehr zürnen, wenn man einigen seiner Lieder, die eine schwere und unbekannte Melodie haben, wie das mit dem: Christ unser Herr zum Jordan kam, der Fall ist, eine bekanntere Melodie anpaßt, nur zu dem Zweck, um es brauchbar zu machen. — Hier beweist der Correspondent seine grenzenlose Unwissenheit, indem er behauptet, daß man dem Liede Luthers eine bekanntere Melodie angepaßt habe. Es ist dies eine ganz grundlose Behauptung, denn dieses Lied hat in der veränderten Gestalt im neuen Pennsylvanischen Gesangbuche noch eben dasselbe Sylbenmaaß, und somit dieselbe alte Melodie, wie im alten Pennsylvanischen Gesangbuch, in welchem nicht nur drei veränderte, sondern alle sieben unveränderte Verse Nro. 202, zu finden sind. — Indem nun dieser Correspondent nichts Gründliches für seine Sache vorzubringen vermag, geht derselbe von seinem Zweck ganz ab, und hält den „Altlutheranern" im Westen eine derbe Predigt, indem er unter anderem schreibt: „Wir wollen es auch mit dieser Lehre

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of which she is ashamed and from which she solemnly renounces, but also free from that noble light in man of which she boasts above all others and which she alone would have shine.

(Submitted.)

The Church Hymn-Books.

Elucidation and Defense.

Dear Andreas!

I find myself moved to address a few more lines to you, and to inform you that against the letters which I addressed to you concerning the Pennsylvania hymn-book, several articles have already appeared in the "Lutheran Standard" and the "Weylscher Kirchenbote." *)

*] This counter-criticism of the Weylschen K. B. has unfortunately! not come to our own sight: Our dear readers already know that it belongs to the tactics of this hero that he prudently does not send us those numbers in which he attacks us. By this noble stratagem the Bote is said to have already reduced the mightiest enemies to silence. Compare the fable of the bold little kid on the roof. Ed.

The correspondents find themselves grievously offended that the hymn-book in question has been so much suspected, since many hymns from the time of the Reformation are indeed contained in it. — Well, I knew that also very well, and even indicated it myself at once in my first letter, in the following words: "That a considerable number of old hymns of the core were to be found in the newly published hymn-book;" — and I now add only this: that unfortunately most of these same have been altered or abridged. It goes without saying that I have not rejected the good which is contained in the Pennsylvania hymn-book. But precisely because the false stands beside the good, I wished to bring some of the false to light; and precisely because that book contains a mixture of true and false, which suits all sorts of people, Reformed and Unionists as well as Rationalists, and in a pinch even Lutherans, I deemed a warning necessary. Or should the Lutheran Church be so poor, and therefore be in need of borrowing materials from the Reformed, the Unionists, etc.? On the contrary, she is so rich in sterling church hymns that the Reformed, the Unionists, and other sects must rather live upon her wealth. From the hymn-books of the sects it is easy to prove that the pure which they still have alongside the impure has originally flowed from the fountain of the Lutheran Church. But precisely because our Church, bearing Word and Sacrament in pure confession within her, is the well-house at whose bright clear waters even members of other communions sometimes quench their thirst, it is so much the more needful that the children of this Church, with brightly shining faces and with sharp swords, take their stand about the pure fountain to guard it, that it be not troubled, and that against every falsification protest be entered at once. The correspondent of the "Lutheran Standard" seems indeed to be a tolerable Lutheran, for he remarks in his first article that in respect of doctrinal principles he stands upon the same basis with all true Lutherans, and calls the principles of Dr. Schmucker a "miserable theory;" likewise he will have nothing to do with the tendency of the "Weylscher Kirchenbote"; he thinks that the same is neither "Old-Measure man nor New-Measure man" — thus "Nothing": yet this correspondent wishes to prove that "no hymn is contained in the Pennsylvania hymn-book in which the doctrine and spirit of our Church is missed!" In his second article he declares that he also is not quite satisfied with the alteration of the old hymns, but commits there a great error when he says: "that nearly all hymns of Dr. Martin Luther are to be found in the Pennsylvania hymn-book." Would that the worthy correspondent examined the matter better; he would then find that it is not so; for in the Pennsylvania hymn-book — counting the altered hymns of Dr. Martin Luther — there are not much more than a dozen, while in the St. Louis hymn-book there are nearly forty unaltered hymns of Dr. Martin Luther. We hope the worthy and judicious correspondent will retract his error. — The same further adduces that communion hymns are indeed contained in the Pennsylvania hymn-book in which the doctrine of the Lutheran Church is contained. Quite true, but has the correspondent then not noticed those communion hymns there under which stand the names of Reformed hymn-writers? Is the pure or the false doctrine to be sought there? The Herr Correspondent, as a Lutheran, as he calls himself, cannot possibly approve of this. Or can it be a matter of indifference to him that precisely the two excellent communion hymns of Dr. Martin Luther have been omitted in the new Pennsylvania book, though one of them is contained unaltered in the old Pennsylvania hymn-book, and that in the "new" Reformed communion hymns were put in place of those by Luther? — But supposing the correspondent were satisfied with that, he should not think that we Lutherans in the bush should also be satisfied with it, especially since the name "Old Lutheran" is forever being forced upon us by violence; yea, he shall know: if we must by all means be called "Old Lutherans," very well, then we also want to have the true, pure, unadulterated "Old Lutheran" doctrine, according to the symbolical books of our Ev. Luth. Church.

In regard to the hymn by Woltersdorf found in the new Pennsylvania hymn-book the correspondent prudently says nothing, for he may well have found that the same in the old Pennsylvania hymn-book, No. 218, in the 3rd verse, contains that rhyme: "Here may soul and body eat Him," quite literally, as we have proved. With regard to Luther's hymn, "Christ unser Herr zum Jordan kam," the correspondent thinks that the alteration and abridgment were not made in order to falsify the doctrine of Baptism, yet adds: "We are not as well pleased with the Changes in Luthers Hymns." — Well, if that is so, why then are Luther's hymns not all left unaltered, as they were composed by Luther? For if every man were to file away at them with his file, posterity would find little more of Luther's hymns; and if the Church, as the bearer and keeper of the noble jewel of our church hymns, goes before with so bad an example, what is one to expect of other sects? Then the Church might well some day have cause to lament with deep sorrow, from "the Song of Songs," as the Reverend G. Schaller put it in verse:

The vineyard entrusted to me
That have I, alas, not kept
O! how the Queen shudders!
I have stored up sorrow for myself!"

As for the other correspondent, my dear Andreas, we shall soon be done with him. — The same has poured out his wrath against us in the "Weylscher Kirchenbote." First, he says that we allowed ourselves "revilings" in our letters, but we are conscious of nothing of the kind, unless he took the expression "New-Measure Lutherans" for a reviling. It appears that he found himself hit by it, since he, as appears from his article, must also be a "New-Measure man." But if he holds the said expression to be a reviling, we might also hold it a reviling when in his article he scolds us as "Old Lutherans." — Yet we will not on that account wage a war of words with him, and will let the matter rest. Yet we will bring to light the ignorance which he displays in his article; he writes: "Luther will have nothing against it in heaven, that his hymns be altered so far that one sings "haben" instead of "han"": Well, of that there was and is no question, for such a quarrel would be too childish. — Further the same writes: "Neither will he (Luther) be so very angry if to some of his hymns which have a difficult and unknown melody, as is the case with: Christ unser Herr zum Jordan kam, a better-known melody is fitted, merely for the purpose of making it serviceable. — Here the correspondent proves his boundless ignorance, in that he asserts that a better-known melody has been fitted to Luther's hymn. This is a quite groundless assertion, for this hymn in its altered form in the new Pennsylvania hymn-book has still precisely the same syllabic measure, and thus the same old melody, as in the old Pennsylvania hymn-book, in which not only three altered, but all seven unaltered verses, No. 202, are to be found. — Since now this correspondent is able to bring forward nothing thorough for his cause, he departs entirely from his purpose, and preaches to the "Old Lutherans" in the West a rough sermon, writing among other things: "We will also with this doctrine