Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 1 › Seite 2
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-09-02, Seite 2
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thronet die Moira (Fatum) das allbeherrschende Schicksal über allen ihren s. g. Göttern, in denen sie meist die wohlthätigen oder zerstörenden Naturkräfte vergötterten. Die Stimme Gottes im Gewissen bezeuget deutlich ein Sokrates und redet hie und da von einer Gottesfurcht, die den Menschen abhalte, das Böse zu thun; die Trauerspiele der edleren griechischen Dichter ruhen durchaus auf der wahren sittlichen Weltanschauung, die sie eben aus dem Lichte der natürlichen Gottes-Erkenntniß besaßen (diesem zurückgebliebenen Fünklein der vor dem Sündenfall im göttlichen Ebenbilde anerschaffenen ursprünglichen Gottes-Erkenntniß), daß der heil. und gerechte Gott der Sünde das Übel als Strafe folgen lasse, daß er das verletzte Recht durch strafende Vergeltung an dem Schuldigen räche und herstelle; ja wenn heidnische Dichter in sinnreichen Dichtungen abbilden, wie diese und jene Uebelthäter, nach der Art ihrer Übertretung, in der Unterwelt ewige Strafe und Pein leiden, so bezeugen sie darin, daß und wie die ewige Strafgerechtigkeit Gottes ein der menschlichen Vernunft und dem natürlichen Lichte der Gottes-Erkenntniß wesentlich einwohnende unaustilgbare Wahrheit sei.
Und wenn wir schließlich unter allerlei heidnischen Völkern alter und neuer Zeit auf die noch so fratzenhaften Selbstpeinigungen, auf die blutigen Opferungen ihrer Kinder u. dergl. hinschauen: — sind diese nicht lebendige Zeugnisse von dem im erwachten Gewissen richtenden und rächenden Geiste Gottes und von der unerträglichen Qual dieser innerlichen Strafe? sind sie ferner nicht ein kläglicher Nothschrei der unter der Herrschaft der Sünde, in der Angst des Gewissens, unter dem Fluche des Gesetzes und dem Zorne Gottes, in der Furcht des Todes und der ewigen Verdammniß dahin schmachtenden Menschenkinder? — ein Nothschrei nach Versöhnung und Erlösung, die sie freilich aus eigenem Vermögen, durch jene ohnmächtigen Versuche den beleidigten Gott zu sühnen, nicht bewirken können? — ein Nothschrei, der aber klärlich ihre Erlösungsbedürftigkeit anzeigt, der jedoch nur durch einen gottmenschlichen Erlöser, nämlich durch den HErrn Christum konnte abgeholfen werden?
Also dachten, redeten und thaten Heiden aus dem Lichte der Vernunft und der natürlichen Gottes-Erkenntniß.
Unsere heutigen verlogenen und abgefallenen Christen aber, die da wähnen frei zu sein und doch nichts als Knechte und Narren des Satans sind, haben sich von diesem jenes natürliche Licht ausblasen und ein Blendwerk vorgaukeln lassen, das sie „religiöse Aufklärung“ zu nennen belieben.
In diesem Lichte, wollt' sagen Finsterniß, schauen diese Aufklärer oder eigentlich Verfinsterer, Wahrheiten, wollt' sagen Lügen, über denen sie dereinst, so sie nicht durch Gottes allmächtige Gnade daraus errettet werden, von jenen Heiden werden verdammt werden am Tage des Gerichts.
Zu diesen groben Lügen und Leugnungen der heutigen Freigeister und Gottesleugner gehören nun vornämlich folgende: daß es keinen persönlichen Gott außer und über der Welt gebe, sondern diese selbst Gott und aus sich selbst entstanden sei; daß der Mensch ursprünglich der bildnerischen Kraft der Erde sein Dasein verdanke, indem er aus einem Urstoffe erst durch niedere Lebensstufen (Pflanzen und Thiere) hindurch gegangen sei und daß in ihm erst Gott (d. i. die Welt) zum Selbstbewußtsein komme; daß demgemäß der Mensch, da er wesentlich der selbstbewußte Gott sei, auch das nicht thun könne, was die dumme, abergläubische, von den Pfaffen verführte Menge und auch sonstig sog. moralische Menschen Sünde wider Gott und seine Gebote nennen: es sei eben nur der Mangel an „religiöser Aufklärung“ daß solche Pfaffenknechte und Finsterlinge noch nicht einsähen, wie das, was sie bis jetzt, aus abergläubischer Befangenheit, noch Fluchen, Lästern, Falsch-Schwören, Morden, Huren, Ehebrechen, Stehlen, Rauben, Fressen, Saufen, Lügen und Betrügen ꝛc. nenneten, eigentlich und wesentlich göttliche Werke seien; denn da der Mensch nun einmal der wesentliche Selbstgott sei, so könne er auch nur göttliche Werke thun.
Demgemäß sei im Lichte der wahren „religiösen Aufklärung“ auch wesentlich kein Mensch schuldig und strafbar, wenn er obige göttliche Thaten ausrichte; und es seien leider noch dieselben abergläubischen Vorurtheile und verhaßten Überreste der alten Tyrannei, daß Obrigkeit bestehe, die einige jener göttlichen Werke des Menschgottes,*), als z. B. Morden, Rauben ꝛc. bestrafe und durch schändlichen Zwang die Söhne der Freiheit ins Gefängniß lege; deßhalb müßten denn diese letztern, die ihre Selbstgottheit und darin das „wahre Menschenthum“ durch das Licht der neuen „religiösen Aufklärung“ nun endlich be- und ergriffen hätten, mit allem Ernst und Eifer dahin wirken, daß man die Obrigkeit, die doch mitunter den freien Selbstgöttern, d. i. Menschen fatale Besorgnisse erwecke, baldmöglichst abschaffe und damit zugleich andre widerwärtige Schranken der neuen Freiheit und des „wahren Menschenthums“ abthue, als da vornämlich sind: Ehe und Eigenthum und dagegen Weiber- und Gütergemeinschaft einführe; denn wenn es auch im schlimmsten (oder besten ?) Falle dahin geriehe, daß die Menschen sich alle untereinander erwürgten und auffräßen, so bliebe doch immer jener göttliche Urstoff übrig, aus dem sich dann durch die Brütkraft der Sonne und durch die Bildkraft der Erde, durch die Mittelstufen des Pflanzen- und Thierlebens hindurch ein neues Menschgöttergeschlecht erzeugte, der um so frischer und fröhlicher in den Tag hineinlebte und jene gewohnten göttlichen Werke ausrichtete.
*) Es ist Gottes gerechtes Gericht, daß wenn der Mensch nicht mit Dank und Demuth unsern HErrn Jesum Christum, als den einigen wahren Gottmenschen gläubig annimmt, er durch den ersten Betrug des Teufels „ihr werdet sein wie Gott“ und durch den angebornen Hochmuth seines Herzens aus sich und seines Gleichen sich einen Menschgott erträumt.
Weil es sich nun also halte, nämlich daß der Mensch wesentlicher Selbstgott sei, der im eben angedeuteten Kreislaufe des Vergehens und Entstehens sich immer wieder aus sich selbst erzeuge, so sei es endlich das ungereimteste aberwitzigste Pfaffenmährchen, daß es ein Ende der Welt, eine Auferstehung des Fleisches, ein jüngstes Gericht und eine ewige Vergeltung, d. i. ein ewiges Leben und eine ewige Höllenpein gebe; denn da eben der Mensch der wesentliche Selbstgott sei und kein anderer Gott außer und über ihm, so sei es auch undenkbar, daß es einen Richter für ihn gebe.
Hier hast du nun, lieber Leser, die Summe der neuen „religiösen Aufklärung“, deren Morgenroth bereits auch in den hier herauskommenden „freien Blättern“ zu schauen ist; hier hast du Anfang, Mittel und Ende des neuen Blendwerks und Gaukelspiels, womit der alte Lügenvater und Erzgaukler, der Teufel, als mit ganz neu erfundener Weisheit die jetzigen Gottesleugner und Bibelfeinde äffet und närret und die Kinder der fleischlichen Freiheit und des Unglaubens gefangen führet.
Mögen aber diese Feinde des HErrn und seines Gesalbten noch so sehr wider ihn toben und schreien: lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile! (Ps. 2, 3) so wird es doch dabei bleiben, was ferner geschrieben steht: „Aber der im Himmel wohnet lachet ihrer und der Herr spottet ihrer; Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn und mit seinem Grimm wird er sie schrecken.“ Mögen sie noch so wüthend anlaufen wider die Kirche des Herrn, sie werden die Grundveste, darauf sie steht, nämlich das Bekenntniß von Christo nimmer erschüttern und die Gemeinde Gottes, die auf diesen Fels erbauet ist, nimmer herabstürzen; denn sie hat die Verheißung: die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. —
(Schluß folgt.)
Vater Matthew in Pittsburgh.
Der Wahrheitsfreund, die in Cincinnati erscheinende römisch-katholische Zeitschrift, berichtete neulich, daß obiger bekannte irländische Temperance-Werber in dem Schulhause der röm. Kirche von St. Paul in Pittsburgh eine Rede über Mäßigkeit und Temperance Pledge gehalten. Und siehe da! der hochwürdigste Herr Bischof ward entweder von der unwiderstehlichen Beredsamkeit des reisenden Temperance-Advokaten also mächtig ergriffen oder von einer echt-römischen Rührung über die wahrscheinliche Macht eines edlen Exempels von Innen her also herzlich getrieben, daß er, wie der Wahrheitsfreund sehr beifällig bemerkt, „aus der Hand des ehrwürdigen Mäßigkeits-Apostels das Pledge erhielt und seinen Namen denen beifügte, welche sich der großen Sache bereits angeschlossen haben.“ Und in der That folgten alsbald 600 Schäflein ihrem Hirten in dieser Sache nach.
So unwichtig nun diese Thatsache an sich ist, ein so wichtiger und neuer Beleg ist sie von der alten römischen Blindheit über die evangelische
English translation AI translation
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there sits enthroned Moira (Fate), the all-ruling destiny over all their so-called gods, in whom they for the most part deified the beneficent or destructive forces of nature. The voice of God in the conscience a Socrates testifies plainly, and speaks here and there of a fear of God which restrains man from doing evil; the tragedies of the nobler Greek poets rest throughout upon the true moral view of the world which they possessed precisely from the light of the natural knowledge of God (this remaining spark of the original knowledge of God, created in man before the Fall in the divine image), that the holy and righteous God lets evil follow sin as punishment, that He avenges and restores the violated right by punitive retribution upon the guilty; yea, when heathen poets depict in ingenious fictions how this and that evildoer, according to the nature of his transgression, suffers eternal punishment and torment in the underworld, they thereby testify that and how the eternal punitive justice of God is an indelible truth essentially indwelling human reason and the natural light of the knowledge of God.
And if, finally, we look among all sorts of heathen peoples of ancient and modern times at their ever so grotesque self-tortures, at the bloody sacrifices of their children and the like: — are these not living testimonies of the Spirit of God judging and avenging in the awakened conscience, and of the unbearable torment of this inward punishment? Are they not, further, a pitiable cry of distress of the children of men who languish under the dominion of sin, in the anguish of conscience, under the curse of the law and the wrath of God, in the fear of death and of eternal damnation? — a cry of distress for reconciliation and redemption, which they indeed cannot accomplish from their own ability, through those powerless attempts to appease the offended God? — a cry of distress which, however, clearly indicates their need of redemption, and which could be answered only by a God-man as Redeemer, namely by the LORD Christ?
Thus did heathen think, speak and act out of the light of reason and of the natural knowledge of God.
Our present-day lying and apostate Christians, however, who imagine themselves to be free and yet are nothing but servants and fools of Satan, have let him blow out for them that natural light and have let a delusion be conjured before them, which they are pleased to call "religious enlightenment."
In this light, meaning to say darkness, these enlighteners, or properly darkeners, behold truths, meaning to say lies, for which they will one day, unless they are rescued from them by God's almighty grace, be condemned by those heathen on the day of judgment.
To these gross lies and denials of the present-day freethinkers and deniers of God there belong chiefly the following: that there is no personal God outside of and above the world, but that this itself is God and has arisen out of itself; that man originally owes his existence to the formative power of the earth, in that he passed from a primal matter first through lower stages of life (plants and animals), and that in him God (that is, the world) first comes to self-consciousness; that accordingly man, since he is essentially the self-conscious God, also cannot do what the stupid, superstitious multitude, led astray by the priests, and also other so-called moral men call sin against God and His commandments: it is merely the lack of "religious enlightenment" that such priest-servants and obscurantists do not yet see that what they have hitherto, out of superstitious bondage, still called cursing, blaspheming, perjury, murdering, whoring, adultery, stealing, robbing, gluttony, drunkenness, lying and cheating, etc., are really and essentially divine works; for since man is, after all, the essential self-god, he can also do only divine works.
Accordingly, in the light of the true "religious enlightenment" essentially no man is guilty and punishable if he performs the aforesaid divine deeds; and it is, alas, still the same superstitious prejudices and hated remnants of the old tyranny that there exists a government which punishes some of those divine works of the man-god,*) such as murdering, robbing, etc., and by shameful compulsion puts the sons of freedom in prison; therefore these latter, who have at last comprehended and grasped their self-godhood and therein the "true humanity" through the light of the new "religious enlightenment," ought to work with all earnestness and zeal to the end that the government, which after all occasionally awakens fatal apprehensions in the free self-gods, that is, men, be abolished as soon as possible, and that at the same time other repugnant barriers of the new freedom and of the "true humanity" be done away, such as chiefly are: marriage and property, and in their place community of wives and of goods be introduced; for even if in the worst (or best?) case it should come to pass that men all strangled and devoured one another, yet that divine primal matter would still remain over, out of which then, through the brooding power of the sun and through the formative power of the earth, through the intermediate stages of plant and animal life, a new race of man-gods would be produced, which would live on into the day the fresher and merrier and perform those accustomed divine works.
*) It is God's just judgment that when man does not with thanks and humility believingly accept our LORD Jesus Christ as the only true God-man, he, through the devil's first deception "ye shall be as God" and through the innate pride of his heart, dreams up for himself out of himself and his like a man-god.
Since, then, it stands thus, namely that man is the essential self-god, who in the cycle of passing away and coming into being just indicated produces himself again and again out of himself, it is finally the most absurd, most foolish priestly fable that there is an end of the world, a resurrection of the flesh, a last judgment and an eternal retribution, that is, an eternal life and an eternal pain of hell; for since man is, after all, the essential self-god and no other God outside of and above him, it is also unthinkable that there should be a judge for him.
Here you have now, dear reader, the sum of the new "religious enlightenment," whose dawn is already to be seen also in the "free papers" published here; here you have the beginning, middle and end of the new delusion and jugglery with which the old father of lies and arch-juggler, the devil, as with wholly newly invented wisdom, mocks and makes fools of the present deniers of God and enemies of the Bible and leads captive the children of fleshly freedom and of unbelief.
But let these enemies of the LORD and of His Anointed rage and cry out against Him never so much: Let us break their bands asunder, and cast away their cords from us! (Ps. 2:3) it will nevertheless remain as it is further written: "He that dwelleth in the heavens shall laugh; the Lord shall have them in derision. Then shall He speak unto them in His wrath, and vex them in His sore displeasure." Let them assault the Church of the Lord never so furiously, they will never shake the foundation upon which she stands, namely the confession of Christ, and never cast down the congregation of God which is built upon this rock; for she has the promise: the gates of hell shall not prevail against her. —
(Conclusion to follow.)
Father Matthew in Pittsburgh.
The Wahrheitsfreund, the Roman Catholic periodical published in Cincinnati, reported recently that the above-mentioned well-known Irish temperance recruiter delivered an address on temperance and the Temperance Pledge in the schoolhouse of the Roman Church of St. Paul in Pittsburgh. And behold! the most reverend lord Bishop was either so mightily seized by the irresistible eloquence of the traveling temperance advocate, or so heartily impelled from within by a genuinely Roman emotion over the probable power of a noble example, that, as the Wahrheitsfreund very approvingly remarks, he "received the pledge from the hand of the venerable apostle of temperance and added his name to those who had already joined themselves to the great cause." And in fact 600 little sheep presently followed their shepherd in this matter.
However unimportant this fact is in itself, it is so important and fresh a proof of the old Roman blindness concerning the evangelical