Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 2 › Seite 14

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-09-15, Seite 14

9 10 11 12 13 14 15 16

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

14

Lehre und Erkenntniß bin reich gemacht worworden, wie denn die Predigt von Christo in mir kräftig worden ist, also, daß ich nunmehr keinen Mangel habe an irgend einer Gabe und warte nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi, welcher auch mich wird fest behalten bis ans Ende, daß ich unsträflich sei auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist's, durch welchen ich berufen bin zu der Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi unsers Herrn, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Ich rufe dich an, grundgütiger Gott und Vater im Himmel und bitte dich von Herzen, du wollest mich auf dem wahren Wege in der Wahrheit des Wortes, in der göttlichen Lehre des Heils und des unverfälschten Evangeliums bis an mein Ende gnädiglich erhalten, damit ich von derselben nicht weiche, noch wanke, sondern bei ihr verharre, auf daß ich dem schrecklichen Urtheil Gottes sicher entgehe, welches er über die wird ergehen lassen, die muthwillig die erzeigte Wohlthat und Gnade in den Wind schlagen und mit Füßen treten, die erkannte und bekannte Wahrheit des helleuchtenden Evangeliums verwerfen, Christum verläugnen, von demselben abfallen, abtrünnig werden und der Abgötterei und Aberglauben anhangen.

Darum verlasse mich nicht, o Herr, sondern stehe mir Schwachen bei, stärke in mir den Glauben und das Vertrauen auf dich, damit ich alles Zeitliche willig vergesse, es standhaft in den Wind schlage, und nicht, wie Loths Weib, nach dem, was dahinten verlassen ist, zurücksehe; sondern bei dir, um deiner heiligen Erkenntniß und deines heiligen Evangeliums willen in meinem heimlichen Kreuz und Leiden verharre. Verleihe Gnade, daß ich alle Noth und Gefahr, ja selbst den Tod, in Geduld um Christi willen ertrage, denn du bist meines Herzens Trost und mein Theil.

Bin ich nun verlassen, so halte du doch unaufhörlich bei mir; bin ich von allen den Meinigen verflucht, verdammt, verachtet, von Haus, Hof, Hab und Gut vertrieben und enterbt, so daß ich im Exil mein Leben zubringen und enden muß; so hast du doch einen Ort in der Welt für mich ausersehen, wo du mir, als deinem gläubigen Nachfolger eine Wohnung verschaffen kannst. Bin ich an Leib und Seele arm und nothdürftig, so hast du doch viele reiche Güter; habe ich keine Nahrung, so bist du doch der alte, reiche, vorsichtige Haushalter, der die Seinigen, und also auch mich, am besten zu versorgen weiß. Weiß ich weder aus, noch ein, so hast du doch von aller Ewigkeit fur mich gesorgt.

Ach, mein Herr Jesu, laß solche Thorheit in mein Herz, Sinn und Gedanken nicht steigen, daß ich entweder aus Verlust zeitlicher Güter, oder Schwachheit der menschlichen Natur, oder aus Anfechtung des Teufels und der Welt dein Wort und die Wahrheit deines heil. Evangeliums verläugne, sondern hilf, daß ich bei derselben gestärket und befestiget werde, und daß mich von derselben nichts scheiden möge, weder in Himmel noch auf Erden.

Und gefällt es dir, o Gott, also, daß du mich gleich dem beständigen Joseph, oder gleich dem geduldigen Hiob auf die Probe setzen und in der Kreuzschule üben willst, so halte über mich deine starke Hand, daß ich nicht wanke, noch zaghaft werde, sondern um deines Namens Ehre willen Alles herzlich gerne dulde und leide.

Gib Gnade, daß ich lieber Spott und Hohn, Trübsal und Elend ausstehe, als mich den grimmigen und gottlosen Feinden deines heil. Wortes accomodire; daß ich das Zeitliche nicht dem Ewigen, das Leibliche nicht dem Geistlichen, das Irdische nicht dem Himmlischen, der betrüglichen Menschen unbeständige Gunst der wahrhaften Gnade Gottes nicht vorziehe. Dazu hilf mir, und gib Gnade, o Jesu, mein Jesu; Amen! Amen!

Der Friedensbote und die „Freien Blätter.“

Seltsam und doch wieder sehr begreiflich ist es, daß der Friedensbote, bekanntlich die Zeitschrift des hiesigen evangelischen Kirchenvereins, noch kein rundes und entschiedenes Zeugniß wider die „Freien Blätter“ abgelegt hat, die nicht nur die Grundlehren des Christenthums, als z. B. die Dreieinigkeit Gottes, die Gottheit des HErrn Christi, die Rechtfertigung aus dem Glauben verhöhnen und verspotten, sondern auch der Gottes-Erkenntniß baar und ledig sind, die aus dem natürlichen Lichte der Vernunft selbst die Heiden haben.

Seltsam einerseits, sagen wir, ist dieses Schweigen des Friedensboten, da die evangelischen Herrn Prediger doch so viel vom Glauben an Christum reden und den Streit um die eine, d. h. reine Lehre mit vornehmer Geringschätzung betrachten, indem sie eben nicht wissen oder wissen wollen, daß wesentlich und im Allgemeinen der rechte Glaube an den HErrn Christum nur da könne entstehen und bestehen, wo die reine Lehre im Schwange geht, wie geschrieben steht: „Der Glaube kommt aus der Predigt.“

Wenn nun wirklich dieser Glaube eine Lebenskraft in ihnen wäre, so könnte unmöglich das Bekenntniß fehlen auch wider die Feinde des HErrn und seines Gesalbten, die da sprechen: „Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!“ Denn so unmöglich das Leuchten und Wärmen vom Feuer, eben so unmöglich kann das Bekenntniß vom Glauben geschieden werden. „Ich glaube, darum rede ich“; dieses bleibt eine unumstößliche, allezeit gültige Wahrheit nicht blos im Bekennen des HErrn Christi als Gottes und Mariens Sohn und als des alleinigen Gerecht- und Seligmachers der ungerechten und unseligen Adamskinder gegen heilsbegierige und glaubwillige Seelen, sondern zugleich auch als des allmächtigen Königs und dereinstigen Richters der Lebendigen und der Todten wider das abgöttische und ehebrecherische Geschlecht unsrer Tage, das da spricht: „wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche.“

Matth. 10. ermunterte der Heiland seine Jünger zum glaubensmuthigen Bekennen seines Namens, indem er sie ermahnt, sich nicht vor denen zu fürchten, die höchstens den Leib, aber nicht die Seele tödten können, sondern sich vielmehr vor Gott zu fürchten, der, wenn sie verleugneten, Leib und Seele verderbe in die Hölle. Und nachdem er sie, nach solcher ernsten Warnung, mit der liebreichen väterlichen Fürsorge bei solchem Bekennen wieder getröstet hat, daß ihre Haare auf dem Haupte alle gezählet seien, daß kein Sperling ohne Gottes Willen auf die Erde falle, ohne Gottes, ihres Vaters, Willen, so hält er den treuen Bekennern eine herrliche Verheißung vor, indem er spricht: „Darum, wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater,“ nämlich als meinen Bruder und Schwester, die, wie sie auf Erden meine Schmach und mein Kreuz willig und freudig getragen, und meinen gehaßten Namen fröhlich und muthig als den alleinseligmachenden auch gegen meine Widerwärtigen bekannt haben, so nun auch als Könige und Priester Wonne und Freude ewiglich schmecken sollen, als meine Freude und Krone, als meine Auserwählten und Geliebten vor Gott und den heil. Engeln von mir sollen bekannt und als die Erben meines Reiches dargestellt werden.

Der HErr Christus fügt aber sodann auch die schreckliche Warnung hinzu: „wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater“ d. i. wer aus Menschenfurcht und feiger Friedensliebe meine Feinde nicht offen ins Angesicht strafet und mich als den alleinigen Helfer und Heiland aller Menschen bekennet, den will und kann ich auch nicht als den Meinen anerkennen und in seiner Todesstunde, wie am großen Tage des Gerichts, mich nicht zu ihm bekennen, möge er gleich vor meinen Freunden mich nicht verleugnet, ja, dem Anschein nach, um meinen Namen geeifert haben.

Welch schreckliches Loos aber hat der zu erwarten, den der HErr Christus, nach seiner Gerechtigkeit, also verleugnen muß! Wird und muß ihn nicht ewige Schmach und Schande treffen, ob er zwar in fleischlicher Klugheit deß zeitlichen entronnen ist?

Wenn wir ferner oben sagten, es sei andererseits doch wieder sehr begreiflich, daß der Friedensbote sich auch gar friedlich gegen die „Freien Blätter“ verhalte, so soll damit folgende traurige Wahrheit bezeugt werden.

Wenn nämlich Lutheraner d. i. rechtgläubige Christen aus Menschelei und falscher Friedensliebe sich mit Irrgläubigen kirchlich zusammenthun und dadurch die wahre Liebe zu Gottes reinem und klaren Worte und zu dem darauf gegründeten Bekenntnisse ihrer Kirche verleugnen: so muß nothwendig dadurch und darin zugleich der frische Glaubensmuth wesentlich gebrochen, der fröhliche Bekenner- und Zeugengeist abgestumpft, ja gelähmt werden; denn dieser, gleichfern von Menschenfurcht, wie von fleischlichem Eifer, ist nur da möglich, wo ein Christenmensch deß göttlich gewiß ist, daß Gottes Wort, wie es lautet, sein alleiniger Glaubensgrund und daß das Bekenntniß seiner darauf gegründeten Kirche der Pfeiler und die Grundveste der Wahrheit zur Seligkeit sei.

Wo aber, wie es bei den Unionsleuten nicht anders sein kann, entweder ein unsicheres und

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

14

doctrine and knowledge I am enriched, even as the preaching of Christ hath become powerful in me, so that I now come behind in no gift, and wait only for the revelation of our Lord Jesus Christ, who shall also confirm me unto the end, that I may be blameless in the day of our Lord Jesus Christ. For God is faithful, by whom I was called unto the fellowship of His Son Jesus Christ our Lord, to whom be honor from everlasting to everlasting! Amen.

I call upon Thee, most gracious God and Father in heaven, and beseech Thee from my heart, that Thou wouldest graciously preserve me in the true way, in the truth of the Word, in the divine doctrine of salvation and of the unadulterated Gospel unto mine end, that I depart not from it, nor waver, but abide by it, that I may surely escape the terrible judgment of God, which He will let come upon those who wantonly cast to the winds the benefit and grace shown them and trample it under foot, who reject the known and confessed truth of the brightly shining Gospel, deny Christ, fall away from the same, become apostate, and cleave to idolatry and superstition.

Therefore forsake me not, O Lord, but stand by me, a weak one, strengthen in me faith and trust in Thee, that I may willingly forget all that is temporal, constantly cast it to the winds, and not, like Lot's wife, look back to that which is left behind; but may abide with Thee, for the sake of Thy holy knowledge and of Thy holy Gospel, in my hidden cross and suffering. Grant grace that I may bear all distress and danger, yea, even death, in patience for Christ's sake, for Thou art the comfort of my heart and my portion.

If I am now forsaken, yet hold Thou unceasingly by me; if I am cursed, condemned, despised by all my kindred, driven from house, home, goods and possessions, and disinherited, so that I must spend and end my life in exile; yet hast Thou chosen out a place in the world for me, where Thou canst provide me, as Thy believing follower, a dwelling. If I am poor and needy in body and soul, yet hast Thou many rich goods; if I have no food, yet art Thou the old, rich, provident Householder, who knoweth best how to provide for His own, and so for me also. If I know neither out nor in, yet hast Thou from all eternity cared for me.

Ah, my Lord Jesus, let not such folly rise into my heart, mind, and thoughts, that either for loss of temporal goods, or weakness of human nature, or through the temptation of the devil and the world, I should deny Thy Word and the truth of Thy holy Gospel, but help that I be strengthened and established therein, and that nothing may separate me from it, neither in heaven nor upon earth.

And if it please Thee, O God, so to do, that Thou shouldest try me like steadfast Joseph, or like patient Job, and exercise me in the school of the cross, then hold over me Thy strong hand, that I waver not, nor become fainthearted, but for the honor of Thy name gladly and heartily bear and suffer all things.

Grant grace that I may rather endure scorn and mockery, tribulation and misery, than accommodate myself to the grim and godless enemies of Thy holy Word; that I may not prefer the temporal to the eternal, the bodily to the spiritual, the earthly to the heavenly, the inconstant favor of deceitful men to the true grace of God. Help me thereto, and give grace, O Jesus, my Jesus; Amen! Amen!

The Friedensbote and the "Freien Blätter."

Strange, and yet again very comprehensible, it is that the Friedensbote, as is well known the periodical of the local Evangelical Church Society, hath as yet rendered no round and decided testimony against the "Freien Blätter," which not only deride and scoff at the fundamental doctrines of Christianity, as for example the Trinity of God, the Godhead of the Lord Christ, justification by faith, but also are bare and void of the knowledge of God, which even the heathen have from the natural light of reason.

Strange on the one hand, we say, is this silence of the Friedensbote, since the evangelical gentlemen preachers speak so much of faith in Christ and regard the strife about the one, that is, the pure doctrine, with lofty disdain, in that they do not know, or will not know, that essentially and in general the right faith in the Lord Christ can arise and subsist only where the pure doctrine is in vogue, as it is written: "Faith cometh by hearing."

If this faith were truly a living power in them, the confession could not possibly be lacking also against the enemies of the Lord and of His Anointed, who say: "Let us break their bands asunder, and cast away their cords from us!" For as impossible as shining and warming are from fire, just so impossible can the confession be separated from faith. "I believed, therefore have I spoken"; this remaineth an immovable, always valid truth, not merely in confessing the Lord Christ as the Son of God and of Mary, and as the sole Justifier and Savior of the unrighteous and unblessed children of Adam, before souls desirous of salvation and willing to believe, but at the same time also as the almighty King and future Judge of the quick and the dead against the idolatrous and adulterous generation of our days, which saith: "We will not have this man to reign over us."

In Matt. 10 the Savior encouraged His disciples to a faith-courageous confessing of His name, in that He admonisheth them not to fear those who can at most kill the body, but not the soul, but rather to fear God, who, if they should deny, would destroy body and soul in hell. And after He had, following such earnest warning, comforted them again with the loving fatherly care for such confessors, that the hairs of their head are all numbered, that not a sparrow falleth to the ground without the will of God, their Father, He holdeth out to the faithful confessors a glorious promise, saying: "Whosoever therefore shall confess me before men, him will I confess also before my Father which is in heaven," namely as my brother and sister, who, as they have willingly and joyfully borne my reproach and my cross upon earth, and have cheerfully and courageously confessed my hated name as the only saving name, even before my adversaries, so now also as kings and priests shall taste rapture and joy eternally, as my joy and crown, as my chosen and beloved ones, shall by me before God and the holy angels be acknowledged, and presented as the heirs of my kingdom.

But the Lord Christ addeth thereupon also the terrible warning: "But whosoever shall deny me before men, him will I also deny before my Father which is in heaven," that is, he who from fear of men and cowardly love of peace doth not openly reprove my enemies to their face and confess me as the sole Helper and Savior of all men, him I will not and cannot acknowledge as mine, and in his hour of death, as at the great day of judgment, I shall not confess myself to him, though he may not have denied me before my friends, yea, to all appearance, may have been zealous for my name.

But what a terrible lot hath he to expect, whom the Lord Christ, according to His righteousness, must thus deny! Will and must not eternal reproach and shame befall him, even though in fleshly prudence he hath escaped what is temporal?

When we said further above that it is on the other hand yet again very comprehensible that the Friedensbote should conduct itself also quite peaceably toward the "Freien Blätter," thereby the following sad truth is to be attested.

Namely, when Lutherans, that is, orthodox Christians, from man-pleasing and false love of peace unite ecclesiastically with the heterodox, and thereby deny the true love for God's pure and clear Word and for the confession of their church founded thereon: then must necessarily thereby and therein at the same time the fresh courage of faith be essentially broken, the joyful spirit of confessing and witnessing be dulled, yea, paralyzed; for this, equally far from fear of men and from fleshly zeal, is possible only where a Christian is divinely certain of this, that God's Word, as it reads, is his sole ground of faith, and that the confession of his church founded thereon is the pillar and ground of the truth unto salvation.

But where, as among the men of the Union cannot be otherwise, either an uncertain and