Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 22 › Seite 174
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-06-19, Seite 174
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wie von gefühliger Zerflossenheit, an welcher Uebel einem die neueren Produkte nur gar zu vielfach leiden und dadurch für geübte Sinnen unschmackhaft werden, die ungeübteren dagegen wohl etwa reizen aber nicht stärken, sondern sie vielmehr abschwächen und verwöhnen.
So gingen wir denn freudig ans Werk, übersetzten die kürzeren Perikopen aus dem 1. Theil, den Chemnitz meisterlich in seiner präcisen Art bearbeitet hat, die die göttlichen Kerngedanken in eine festgeschlungene kostbare Perlenschnur aneinander reiht, und zwar größtentheils so wortgetreu, als es eben die deutsche Zunge erlaubt; machten aus den längeren Perikopen im Leyserischen Theil, der sich namentlich auch durch eingehende, tüchtige, grammatische Behandlung auszeichnet und aus den noch umfangreicheren, von gründlichster Gelehrsamkeit, staunenswürdiger Belesenheit und eingehendster Zergliederung des Textes zeugenden Abschnitten der Gerhardischen Bearbeitung möglichst vollständige Auszüge, kamen dann zusammen, theilten einander unsere gehobenen Schätze mit, besprachen uns darüber, und nahmen sie mit nach Hause, um sie als ein reiches Kapital anzulegen, indem wir sie bei unsern Vorbereitungen auf die Sonn- und Festtags-Predigten fleißig und gewissenhaft benützten. Und siehe da, so oft wir wieder zusammenkamen, konnten wir nur mit Dank gegen Gott rühmen und preisen, welchen großen Segen wir von dieser Arbeit hatten, wie wir an der treuen Hand unserer gottseligen erleuchteten Väter immer tiefer in das richtige Verständniß des Textes hineingeführt wurden, und uns eine Fülle göttlicher lebensvoller Gedanken aufgethan war, die uns unter dem Beistand Gottes des h. Geistes befähigte, den uns anvertrauten Schäflein Christi das Brod des Lebens reichlicher zu brechen. Ja eine wahre Herzensfreude war es zu sehen, wie dieser und jener jüngere Bruder durch dies gesegnete Mittel so rasch und merkbar wuchs und zunahm und wie auf diesem Weg die Predigten an Gehalt und lebendiger, vielseitigerer Beziehung gewannen.
Nachdem wir nun aus anderthalbjähriger Erfahrung die Zweckdienlichkeit und den hohen Nutzen des von uns eingeschlagenen Verfahrens thatsächlich erprobt hatten, auch zum Theil Aufforderungen von außen her hinzugekommen waren, reifte in uns der Entschluß, die Frucht unserer Bemühungen zum Gemeingut der Kirche zu machen, indem wir jene unsere Uebersetzungen und Bearbeitungen in Druck ausgehen lassen. Wir sind überzeugt, damit nicht nur unsern lieben Amtsbrüdern innerhalb unserer Synode einen willkommenen Dienst zu thun, sondern hoffen, daß sich auch außerhalb unseres Synodal-Verbandes noch viele ernste, gottesfürchtige und strebsame Prediger finden werden, die sich schämen, ihre Gemeinden mit dem dummen Salz menschlicher Rede abzuspeisen, denen es noch ein heiliger Ernst ist und ein herzliches Anliegen, sich gewissenhaft auf ihre Predigten vorzubereiten, und die daher eine so gründliche und tüchtige Hülfe in diesem hochwichtigen Geschäft mit Freuden begrüßen werden. Ja wir glauben, daß selbst geförderte Glieder aus der Hörerschaft, die gern nach dem ausgesprochenen Willen Gottes zum Mannesalter in der Erkenntniß heranreifen möchten, hier gerade so recht die gesunde und nahrhafte Kost finden werden, darnach sie begehren.
Damit nun aber dieses bereits erprobter Maßen so segensreiche Werk eine recht weite Verbreitung finden könne und die Anschaffung desselben auch den vielen treuen und darum armen Buschpredigern hier zu Land möglich werde, verzichten wir nicht nur mit Freuden auf jegliche Vergütung unserer geringen Mühe, sondern gedenken auch einen Weg der Herausgabe einzuschlagen, der die Anschaffung selbst dem Aermsten leicht macht. Es soll demnach das Werk in zeitweiligen Heften von je 32 Oktavseiten, die entweder eine längere oder zwei kürzere Perikopen enthalten, auf Subscription um den Druckpreis herauskommen, und werden hiemit die verehrten Brüder, die zu subscriren gedenken, freundlich aufgefordert, ihre Namen baldmöglichst in portofreien Briefen an den Schreiber dieses unter der Addresse:
Rev. Prof. A. Craemer
Care of Rev. Dr. W. Sihler
Fort-Wayne, Ia.
einzusenden. Findet das Unternehmen den gewünschten Eingang und die nöthige Unterstützung so soll mit der Herausgabe von je 10 Heften fortgefahren werden, bis der ganze Kreis der gewöhnlichen Sonn- und Festtagsevangelien beschrieben ist. Der Preis für eine solche Serie von 10 Heften wird sich auf einen Dollar belaufen.
Der HErr aber, der getreue Gott, der sich noch zu Seiner l. Kirche vom reinen Wort und ungefälschten Sacrament bekennt, und selbst in dieser letzten betrübten Zeit noch allerwärts den Leuchter Seines gnadenreichen Evangelii auf den Altar stellt, um auch die letzten Seiner Auserwählten als Brände aus dem Feuer zu retten, das schon angegangen ist, der segne das Werk und lasse es einen fröhlichen Fortgang und Gedeihen finden zum Frommen Seiner Kirche und zu Ehren Seines heiligen Namens um Seiner erbarmenden Liebe willen. Amen.
Aug. Crämer.
Des „Lutheraners“ Bücherbericht.
1. Gesang und Saitenspiel der Kirche im Mississippithale. Von Hermann Fick. Hildesheim 1854. Gerstenberg'sche Buchhandlung.
Es ist dies eine Sammlung von den Liedern, welche unser theurer Fick sen. in den Jahren 1847 — 1854 von Zeit zu Zeit in dem „Lutheraner“ mitgetheilt hat. Für die Leser unseres Blattes bedarf daher diese Sammlung unserer Empfehlung nicht. Gewiß kein rechtschaffener Lutheraner hat diese Lieder gelesen, ohne sich des gesunden Glaubens zu freuen, der diesen Erzeugnissen einer wahrhaft keuschen Poesie zu Grunde liegt und sich darin ausspricht. Sonst heißt es: Aut prodesse volunt, aut delectare poetæ, das heißt: Entweder wollen die Dichter nützen, oder ergötzen. In unseres lieben Fick's Dichtungen ist beides gleich bedacht, der Nutzen und die Ergötzung; sie sind eben so lehrhaft und wehrhaft, als lieblich und süß. Die Ausstattung des Büchleins (116 Seiten stark und 34 Lieder enthaltend) läßt nichts zu wünschen übrig. Das Büchlein ist durch die Buchhandlung Schäfer und Koradi in Philadelphia zu beziehen für den Preis von 40 Cents.
2. Lutherische Lieder von Friedrich Weyermüller, Mitglied des Kirchenvorstandes der lutherischen Gemeinde Niederbronn im Elsaß. Halle, Verlag von R. Mühlmann. 1854.
Bei Durchlesung dieser Lieder wird man an die Worte des Hohenliedes erinnert: „Stehe auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her. Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin; die Blumen sind hervorgekommen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen, und die Turteltaube läßt sich hören in unserm Lande.“ (2, 10—12.) Diese Lieder sind recht eigentlich duftende Blüthen und liebliche Nachtigallenschläge, die es laut verkündigen, daß für unsere ev. luth. Kirche nach einem harten stummen Winter wieder Frühlingstage gekommen sind. Ein Lutheraner von Herzen wird sich nicht getäuscht finden, wenn er sich das Büchlein kauft, um in das Lied der auch jetzt wieder singenden Kirche mit einzustimmen. Auch dieses Büchlein (196 Seiten in Duodez) ist durch die genannte Buchhandlung zu beziehen für den Preis von 60 Cents.
3. Magnalia Dei. Die großen Thaten Gottes. Nachgewiesen von Valerius Herberger, Prediger am Kripplein Christi zu Fraustadt in Polen. Halle, Verlag von J. Fricke, 1854.
Wer den alten Herberger kennt, wird nicht erwarten, daß wir für nöthig halten, seine Schriften zu loben. Wer ihn noch nicht kennt, oder doch nur aus seinem Meistergesang: „Valet will ich dir geben,“ den möchten wir hierdurch einladen, durch den Ankauf der obenangezeigten, nun wieder neu aufgelegten Schrift mit ihm noch mehr Bekanntschaft zu suchen. Herberger gehört nicht nur zu den gelehrtesten, sondern auch zu den geistvollsten, erfahrensten, gesalbtesten Theologen unserer Kirche. Er verbindet mit Tiefe und Gründlichkeit eine edle Kindeseinfalt, wie wenige je besessen haben. Seine Schreibart ist dabei so kräftig, körnig, treuherzig, munter und fließend, daß, wer einen Abschnitt von ihm gelesen hat, sich schwer dazu entschließen kann, das Buch zuzuschlagen. Die oben angezeigten Magnalia Dei sind eine erbauliche Auslegung des 1. Buchs Mose, allerdings nur ein Theil eines größeren biblischen Auslegungswerkes, das Herberger bis zum 23. Psalm fortgeführt hat, jedoch ist auch dieser Theil ein Ganzes und nächst Luthers ausführlicher Auslegung desselben Buchs wohl das Köstlichste, was darüber zur Erbauung wie zur Belehrung geschrieben worden ist. Das Buch eignet sich herrlich zum Hausgottesdienst in jeder Familie, mögen nun dabei die Zuhörer große Gelehrte oder einfältige Kinder sein. Das Hauptziel Herberger's in diesem Buch ist, zu zeigen, daß JEsus der Kern und Stern der ganzen heiligen Schrift, auch des Alten Testamentes sei. Schade, daß die neue Ausgabe den ursprünglichen Text nicht ganz vollständig gibt, obwohl die Auslassungen nur Unwesentliches betreffen. Das Buch (41 Bogen stark) ist gleichfalls bei Schäfer und Koradi für $1.50 zu haben.
English translation AI translation
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as well as from sentimental flabbiness, from which ailment the more recent productions suffer only too often, and thereby become distasteful to practised senses, while they may perhaps stimulate the less practised, but do not strengthen them, rather weaken and spoil them.
So we went gladly to work, translated the shorter pericopes from the first part, which Chemnitz has treated masterfully in his precise manner, stringing the divine kernel-thoughts together like a firmly strung, precious string of pearls, and that for the most part as true to the words as the German tongue permits; made from the longer pericopes in the Leyser part, which distinguishes itself in particular also by thorough, capable grammatical treatment, and from the still more voluminous sections of Gerhard's treatment, which bear witness to the most thorough learning, astonishing reading and most searching dissection of the text, as complete excerpts as possible, then came together, imparted to one another our gathered treasures, conferred about them, and took them home with us, to lay them out as a rich capital, in that we diligently and conscientiously used them in our preparations for the Sunday and festival sermons. And behold, as often as we met again, we could only with thanks to God extol and praise what great blessing we had from this labor, how, led by the faithful hand of our godly, enlightened fathers, we were ever deeper brought into the right understanding of the text, and a fullness of divine, life-filled thoughts was opened to us, which, with the help of God the Holy Ghost, enabled us to break the bread of life more abundantly to the little sheep of Christ entrusted to us. Yea, it was a true joy of heart to see how this and that younger brother grew and increased so quickly and perceptibly by this blessed means, and how in this way the sermons gained in substance and in a living, many-sided reference.
After we had now, from an experience of a year and a half, actually proved the serviceableness and high usefulness of the course we had adopted, and had also received some requests from outside, there ripened in us the resolution to make the fruit of our labors the common property of the Church, by letting those our translations and adaptations go out in print. We are convinced that we shall thereby not only do our dear brethren in office within our Synod a welcome service, but we hope that also outside our Synodical connection there will yet be found many earnest, godly and aspiring preachers, who are ashamed to feed their congregations with the dull salt of human speech, to whom it is still a holy earnest and a hearty concern to prepare themselves conscientiously for their sermons, and who therefore will greet with joy so thorough and capable a help in this most important business. Yea, we believe that even advanced members from among the hearers, who gladly, according to the declared will of God, would grow up to manhood in the knowledge, will find here just the sound and nourishing food which they desire.
But in order that this work, so blessed already by trial, may find a really wide circulation, and the procuring of it may become possible also to the many faithful and therefore poor bush-preachers here in this country, we not only gladly forgo any remuneration for our slight trouble, but intend also to adopt a way of publication which makes the procuring of it easy even to the poorest. The work shall accordingly appear at intervals in numbers of 32 octavo pages each, containing either one longer or two shorter pericopes, by subscription at the cost of printing, and the esteemed brethren who intend to subscribe are hereby kindly requested to send in their names as soon as possible, in letters post-paid, to the writer of this, at the address:
Rev. Prof. A. Craemer
Care of Rev. Dr. W. Sihler
Fort-Wayne, Ia.
If the undertaking finds the desired reception and the necessary support, the publication shall be continued in series of 10 numbers each, until the whole circle of the ordinary Gospels for Sundays and festivals is covered. The price for such a series of 10 numbers will amount to one dollar.
But the LORD, the faithful God, who even yet acknowledges His dear Church by pure Word and unadulterated Sacrament, and even in this last afflicted time still everywhere sets the candlestick of His gracious Gospel upon the altar, in order to rescue also the last of His elect as brands from the fire which has already been kindled, may He bless the work and let it find a joyful progress and prosperity, for the benefit of His Church and to the honor of His holy name, for the sake of His compassionate love. Amen.
Aug. Crämer.
The "Lutheraner's" Report on Books.
1. Gesang und Saitenspiel der Kirche im Mississippithale. By Hermann Fick. Hildesheim 1854. Gerstenberg'sche Buchhandlung.
This is a collection of the hymns which our dear Fick Sr. communicated from time to time in the "Lutheraner" in the years 1847 — 1854. For the readers of our paper this collection therefore needs no recommendation from us. Surely no upright Lutheran has read these hymns without rejoicing in the sound faith which underlies and expresses itself in these products of a truly chaste poetry. Otherwise it is said: Aut prodesse volunt, aut delectare poetæ, that is: Poets wish either to benefit or to delight. In our dear Fick's poems both are provided for, the benefit and the delight; they are as instructive and defensive as they are lovely and sweet. The appearance of the little book (116 pages thick, and containing 34 hymns) leaves nothing to be desired. The little book may be obtained through the bookstore of Schäfer and Koradi in Philadelphia for the price of 40 cents.
2. Lutherische Lieder by Friedrich Weyermüller, member of the church council of the Lutheran congregation of Niederbronn in Alsace. Halle, published by R. Mühlmann. 1854.
On reading through these hymns one is reminded of the words of the Song of Songs: "Rise up, my love, my fair one, and come away. For, lo, the winter is past, the rain is over and gone; the flowers appear on the earth; the time of the singing of birds is come, and the voice of the turtle is heard in our land." (2, 10—12.) These hymns are in truth fragrant blossoms and lovely nightingale-songs, which proclaim aloud that for our Ev. Luth. Church, after a hard, dumb winter, days of spring have come again. A Lutheran at heart will not find himself deceived if he buys the little book, in order to join in the song of the Church, which now sings again. This little book also (196 pages in duodecimo) may be obtained through the aforementioned bookstore for the price of 60 cents.
3. Magnalia Dei. The great deeds of God. Demonstrated by Valerius Herberger, preacher at the Little Manger of Christ at Fraustadt in Poland. Halle, published by J. Fricke, 1854.
He who knows old Herberger will not expect that we should think it necessary to praise his writings. He who does not yet know him, or knows him only from his master-song, "Valet will ich dir geben," we should like hereby to invite to seek yet more acquaintance with him by purchasing the above-announced work, now newly published again. Herberger belongs not only among the most learned, but also among the most spiritual, most experienced, most anointed theologians of our Church. He combines with depth and thoroughness a noble childlike simplicity, such as few have ever possessed. His style, moreover, is so forcible, pithy, hearty, lively and flowing that he who has read a section of him finds it hard to resolve to close the book. The Magnalia Dei announced above are an edifying exposition of the 1st Book of Moses, to be sure only a part of a larger biblical work of exposition, which Herberger carried on as far as the 23rd Psalm, yet this part also is a whole, and next to Luther's detailed exposition of the same book is probably the most precious thing that has been written upon it for edification as well as for instruction. The book is splendidly suited for family worship in every household, whether the hearers be great scholars or simple children. Herberger's chief aim in this book is to show that JESUS is the kernel and star of the whole Holy Scripture, of the Old Testament also. It is a pity that the new edition does not give the original text quite completely, although the omissions concern only what is unessential. The book (41 sheets thick) is likewise to be had of Schäfer and Koradi for $1.50.