Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 22 › Seite 173

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-06-19, Seite 173

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lassen? Weil wir die Eine Wahrheit nicht lassen können, die wir in Gemeinschaft mit allen Heiligen erkannt haben, glauben und bekennen, wie sie in den Bekenntnissen der lutherischen Kirche allen Lüsten des Satans zuwider, klar, deutlich und kräftig auf Grund der heiligen Schrift der ganzen Welt vorgelegt und bezeugt ist. Und warum halten wir denn so fest an unserm Bekenntniß, daß wir lieber den Haß der Welt, und was schwerer zu ertragen ist, auch der übrigen Christenheit, ja mit Gottes Gnadenbeistand Verfolgung und Tod erdulden wollen, ehe wir auch nur ein Titelchen davon aufgeben? Darum, weil wir die darin niedergelegte Wahrheit nicht in guter Muße und Ruhe uns angeeignet haben, wie andere natürliche oder historische Wahrheiten, sondern weil der heilige Geist unter schweren Gewissensnöthen sie uns als unser einiges Heil offenbart, den Glauben selbst in einem zerschlagenen Herzen und geängsteten Geist durch das Wort erzeuget hat. Wir sitzen mit unserm Gewissen fest im Wort, und daher im Bekenntniß der Kirche. Wir haben als arme, verlorne und verdammte Menschen an Jesum Christum unsern Herrn und Heiland glauben gelernt. Die Ruhe des Gewissens, der Friede unserer Seele, die Hoffnung der ewigen Seligkeit, unser Sein und Leben hängt an dieser Wahrheit. Mit ihr müßten wir unsere Seligkeit, uns selbst für Zeit und Ewigkeit aufgeben. Und darum können wir auch nicht das geringstscheinende Stück derselben fahren lassen, weil die ganze Reihe der einzelnen Glaubenslehren für uns eine Kette ist, die nicht allein unsern Verstand an die Wahrheit fesselt, sondern unser Gewissen und Leben. Die Auflösung eines einzelnen Gliedes derselben würde diese Kette zerreißen, und wir müßten, losgerissen von Christo, wieder in den Abgrund der Angst, der Verzweiflung und des ewigen Todes hinabstürzen.

Darum halten wir fester an unserm Bekenntniß, als an unserm leiblichen Leben, weil wir ein jedes einzelne Stück desselben erkannt, erfaßt und erfahren haben, als ein Bollwerk, womit Gott nach allen Seiten hin unser bedrängtes Gewissen gegen die Anläufe des Teufels umgeben hat, wir können keins aufgeben, ohne den schändlichsten Verrath an uns selbst, an der armen Sünderwelt, und dem zu begehen, der sie und uns mit seinem Gottesblut erkauft hat. — So lange wir nun in der täglichen Buße vor dem Spiegel der göttlichen Heiligkeit in seinem Gesetz immer tiefere Blicke in den Abgrund der Bosheit unsers Herzens thun, so lange wird auch das Bedürfniß nach Gewißheit des Heils in der Erkenntniß Christi immer brennender werden, wie unsere Sehnsucht ihn selbst immer fester im rechten lebendigen Glauben zu erfassen, unser Herz in seinem Blute zu reinigen und Ruhe zu finden für unsere Seelen. Da mag unsere Stellung, unsere Gaben und Erkenntniß noch so unterschieden sein, zu den Füßen unsers Herrn Jesu Christi werden wir alle miteinander als arme Sünder uns festhalten an die einfältige Catechismuswahrheit als unsern einigen rechten Trost, die sich zwar vor unserm Verstand und Gewissen immer reicher entfaltet und ausbreitet, aber im Grunde immer dieselbe bleibt. In der täglichen Uebung der Buße vergeht einem der Dünkel und die Lust, etwas neues aufzusuchen, und vorzubringen, man hat genug zu thun gegen die listigen und wüthenden Anfeindungen des Teufels die alte, einmal göttlich erkannte, und als trostreich und heilsam erfaßte Wahrheit festzuhalten, tiefer zu erfassen, reichlicher auszubeuten, fester zu begründen und zu vertheidigen. Lasset uns das, was wir aus unserm kleinen Catechismus von der Bedeutung der heiligen Taufe gelernt haben, und wiederlehren, selbst getreulich und mit großem Ernst in die Uebung bringen, so wird nicht nur das innere Leben in uns, sondern auch die rechte Eintracht unter uns gefördert werden. Und mag dann Jedermann auf uns mit Fingern weisen, als echte Ismaeliter deren Hand wider Jedermann, und jedermanns Hand wider uns sei, in der herzlichen Liebe zu einander werden wir reichlichen Ersatz, in der Gewißheit, daß wir nach Christo eines Sinnes sind, reichlichen Trost finden. Und Gott der Herr wird's dann auch schon zu seiner Zeit offenbar machen, daß wir Isaak nach, der Verheißung Kinder sind, die unserm himmlischen Vater von der rechten Mutter, dem Jerusalem, das droben ist, geboren und erzogen sind.

Nun, meine geliebten Brüder, wir können hier zur Aufrechthaltung der Eintracht keinen großen schönen Altar von Stein aufführen, wie die Kinder Ruben und Gad. Er würde uns auch zu nichts helfen, wie er auch ihnen nichts half, als der rechte Glaube, und damit die rechte Liebe in Israel erstorben war. Wir bedürfen's auch nicht, wir haben schon einen Altar in unserm Herzen aufgerichtet durch den Glauben. Es ist das Kreuz, darauf liegt das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, in seinem Opferblut, und in der Gluth seiner göttlichen Liebe für arme Sünder sich verzehrend. Zu diesem Altar halte sich ein jeder, so wird kein Teufel uns trennen, sondern wir werden in Christo Jesu fest aneinander halten, in Einem Sinn, einerlei Meinung und einerlei Rede. Und der Gott des Friedens wird uns bauen und zum Segen setzen, und wir wollen ihn preisen immer und ewiglich. Amen.

Prospektus zur Herausgabe

einer

„echt evangelischen Auslegung der Sonn- und Festtagsevangelien des Kirchenjahrs,

übersetzt und ausgezogen aus der

Evangelien-Harmonie der lutherischen Theologen M. Chemnitz, Polyk. Leyser und Johann Gerhard,

herausgegeben

von der monatlichen Prediger-Conferenz zu Fort-Wayne, Ja.“ *)

Durchdrungen von dem hohen Werth und der nie genug zu beherzigenden Wichtigkeit der öffentlichen Predigt des Evangeliums, dadurch der HErr Seine Kirche auf Erden pflanzt und ausbreitet, nährt, regieret und erhält, hat es sich die monatliche Predigerconferenz zu Fort-Wayne, Ja., ernstlich angelegen sein lassen, sich über die zweckdienlichste Art und Weise der Vorbereitung auf das Abfassen von Predigten klar zu werden. Wenn sie nun erkennen mußte, daß nächst dem unerläßlichen Gebet um die Erleuchtung des heiligen Geistes hiezu vor allem ein gründliches Studium des Textes, ein tieferes Eindringen in das Verständniß desselben, kurz ein treues Auffassen und Vernehmen dessen Noth thue, was der Geist im Worte zu uns spricht: so sah sie sich natürlich zu diesem hochwichtigen Werk auch nach zuverlässigen, tüchtigen Handleitern um. Daß sie hiebei ihr Augenmerk nicht zunächst auf die betreffenden Erzeugnisse der neueren und neuesten luther. Theologie gerichtet hat, wird niemand tadeln, der mit uns der Ueberzeugung ist, daß wir noch lange nicht so in der Schrift leben und weben, so in der heilsamen Lehre nach allen Seiten heimisch sind, so im gesunden kirchlichen Bewußtsein gleichsam athmen, als dies bei den theuren Vätern unsrer lieben lutherischen Kirche der Fall war. Nun können wir freilich dem HErrn der Kirche nicht genugsam danken für den großen Schatz von trefflichen, lehrreichen, wahrhaft erbauenden Postillen und Predigtbüchern, die Er uns in der guten alten Zeit geschenkt, und die Verfasser derselben zu solchem gottseligen Werk mit einer sonderlichen Salbung des h. Geistes ausgerüstet hat. Gleichwohl mußten wir uns bei genauer Erwägung des Ziels, das wir im Auge hatten, gestehen, daß der sonst so empfehlenswerthe Gebrauch von guten alten Postillen für die Erreichung unseres Zwecks noch keineswegs genüge, ja der Natur der Sache nach nicht wohl genügen könne. Predigtbücher, und wären es die unübertroffnen Postillen des theuren Gottesmannes Luther, geben eben schon fertige Predigten, die in der Regel einen bestimmten Zweck verfolgen, diese oder jene Lehre gerade besonders herausstreichen, oder sich, wie namentlich Luthers Predigten, vorzüglich um den Hauptgedanken bewegen, der im Texte niedergelegt ist. Kurz sie sind bei unsern treuen Vätern wohl die fertigen Ergebnisse dessen, was wir wollten, zeigen aber den Weg dazu gar nicht oder doch nur selten an, und lassen uns daher an vielen Stellen rathlos.

So wendeten sich denn unsre Blicke auf ein in der lutherischen Kirche einst und mit vollem Recht hochberühmtes, in unsern Tagen aber leider zu großem Schaden vielfach vergessenes und unbekanntes Buch, auf die treffliche, lateinisch geschriebene Evangelien-Harmonie von Chemnitz, Polyk. Leyser und Joh. Gerhard. Und siehe da, bei diesen theuren Gewährsmännern fanden wir zur vollesten Genüge, was wir suchten und wollten: tiefes, umfassendes Verständniß der Schrift, ja ein Leben und Weben in derselben, völliges, lebendiges Durchdrungensein von dem theuren Bekenntniß der Kirche, die durch sie lehrt und zeugt, klare eingehende Darlegung der Heilswahrheiten, scharfes Abweisen und Widerlegen des Falschen und Irrigen und allenthalben die reichste Anwendung auf das Leben, ein Ergreifen des ganzen Menschen nach Verstand, Gemüth und Herz, frei von einseitiger abstrakter Wissenschaftlichkeit

*) Wir theilen diesen Prospektus (vorläufige Anzeige), der im März-Heft von „Lehre und Wehre“ erschien, auch im „Lutheraner“ mit, da, wie wir aus der geringen Anzahl der bisher eingegangenen Subscriptionen schließen, dieses so wichtige Unternehmen wohl zur Kenntniß Vieler selbst von denen nicht gekommen ist, die den „Lutheraner“ lesen. Wir glauben kaum annehmen zu dürfen, daß ein „Lutheraner“-Leser, insonderheit unter den Predigern, von jenem Werke Kenntniß erhalten und nicht Lust bekommen sollte, auf dasselbe zu unterschreiben. D. E. d. L.

English translation AI translation

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let go? Because we cannot let go of the one truth which we have come to know in fellowship with all the saints, which we believe and confess, as it is set forth and testified to the whole world in the Confessions of the Lutheran Church, contrary to all the lusts of Satan, clearly, plainly and powerfully, on the ground of Holy Scripture. And why then do we hold so fast to our Confession, that we would rather endure the hatred of the world, and, what is harder to bear, of the rest of Christendom also, yea, by God's gracious assistance, persecution and death, than give up so much as a tittle of it? Because we have not appropriated the truth laid down therein at our leisure and ease, as other natural or historical truths, but because the Holy Ghost, under heavy distresses of conscience, revealed it to us as our only salvation, and begot faith itself by the Word in a broken heart and an anguished spirit. We sit with our conscience fast in the Word, and therefore in the Confession of the Church. We have learned, as poor, lost and condemned men, to believe in Jesus Christ our Lord and Saviour. The peace of conscience, the peace of our soul, the hope of eternal blessedness, our being and life hangs upon this truth. With it we should have to give up our salvation, ourselves, for time and eternity. And therefore we also cannot let go even the smallest-seeming piece of it, because the whole series of the several articles of faith is for us a chain, which binds not only our understanding to the truth, but our conscience and life. The loosening of a single link of it would break this chain asunder, and we should have to plunge down again, torn loose from Christ, into the abyss of anguish, of despair and of eternal death.

Therefore we hold more firmly to our Confession than to our bodily life, because we have recognized, grasped and experienced every single piece of it as a bulwark with which God has surrounded our distressed conscience on all sides against the assaults of the devil; we can give up none of it without the most shameful treachery against ourselves, against the poor world of sinners, and against Him who has purchased it and us with His own blood. — So long, then, as in daily repentance before the mirror of the divine holiness in His law we take ever deeper looks into the abyss of the wickedness of our heart, so long will the need for certainty of salvation in the knowledge of Christ grow ever more burning, as will our longing to lay hold of Him ever more firmly in true living faith, to cleanse our heart in His blood and to find rest for our souls. Though our station, our gifts and knowledge may be ever so different, at the feet of our Lord Jesus Christ we shall all together, as poor sinners, hold fast to the simple truth of the Catechism as our only true comfort, which, though it unfolds and spreads itself ever more richly before our understanding and conscience, yet remains at bottom always the same. In the daily practice of repentance the conceit and the desire to seek out and bring forth something new pass away from a man; he has enough to do, against the crafty and raging assaults of the devil, to hold fast the old truth, once divinely recognized and grasped as comforting and wholesome, to grasp it more deeply, to turn it to richer account, to establish it more firmly and to defend it. Let us put into practice, faithfully and with great earnestness, what we have learned and teach again from our Small Catechism concerning the meaning of holy Baptism, and then not only the inner life in us, but also the right concord among us will be promoted. And though everyone may then point at us with fingers, as true Ishmaelites whose hand is against every man, and every man's hand against us, in hearty love toward one another we shall find abundant compensation, and in the certainty that we are of one mind after Christ, abundant comfort. And God the Lord will also in His own time make it manifest that we are, like Isaac, children of the promise, born and brought up to our heavenly Father of the true mother, the Jerusalem which is above.

Now, my beloved brethren, we cannot here, for the maintenance of concord, erect a great beautiful altar of stone, like the children of Reuben and Gad. It would also help us nothing, as it helped them nothing, when true faith, and with it true love, had died out in Israel. Neither do we need it; we have already set up an altar in our heart through faith. It is the cross, whereon lies the Lamb of God that beareth the sin of the world, in His sacrificial blood, and consuming itself in the glow of His divine love for poor sinners. To this altar let each one hold, and no devil shall separate us, but we shall hold fast together in Christ Jesus, in one mind, of one opinion and of one speech. And the God of peace will build us up and set us for a blessing, and we will praise Him for ever and ever. Amen.

Prospectus for the Publication

of a

"truly evangelical Exposition of the Gospels for the Sundays and Festivals of the Church Year,

translated and excerpted from the

Gospel Harmony of the Lutheran theologians M. Chemnitz, Polyc. Leyser and Johann Gerhard,

published

by the monthly Pastors' Conference at Fort Wayne, Ind." *)

Penetrated by the high worth and the importance, never sufficiently to be laid to heart, of the public preaching of the Gospel, whereby the LORD plants His Church on earth and extends, nourishes, governs and preserves it, the monthly pastors' conference at Fort Wayne, Ind., has earnestly taken it to heart to become clear about the most serviceable manner of preparing for the composing of sermons. When it had to recognize that, next to the indispensable prayer for the enlightenment of the Holy Ghost, there is needed for this above all a thorough study of the text, a deeper penetration into the understanding of the same, in short a faithful apprehending and perceiving of what the Spirit speaks to us in the Word: it naturally looked about for reliable, capable guides for this most important work. That in this it did not direct its attention first to the pertinent products of the more recent and most recent Lutheran theology, no one will blame who is with us of the conviction that we are still far from living and moving in the Scripture so, from being at home on all sides in the wholesome doctrine so, from breathing, as it were, in a sound churchly consciousness so, as was the case with the dear fathers of our beloved Lutheran Church. Now we can indeed never sufficiently thank the LORD of the Church for the great treasure of excellent, instructive, truly edifying Postils and books of sermons which He gave us in the good old time, and with which He endowed the authors of them, for such godly work, with a special unction of the Holy Ghost. Nevertheless, on careful consideration of the goal we had in view, we had to confess that the otherwise so commendable use of good old Postils does not by any means suffice for the attainment of our purpose, indeed by the nature of the case cannot well suffice. Books of sermons, even were they the unsurpassed Postils of the dear man of God, Luther, give, after all, sermons already finished, which as a rule pursue a definite purpose, bring out this or that doctrine especially, or, as Luther's sermons in particular do, revolve chiefly about the main thought that is laid down in the text. In short, in our faithful fathers they are indeed the finished results of what we wanted, but show the way to them not at all or only seldom, and therefore leave us at a loss in many places.

So our eyes turned to a book once, and with full right, highly renowned in the Lutheran Church, but in our days, alas, to great injury, widely forgotten and unknown, to the excellent Gospel Harmony, written in Latin, by Chemnitz, Polyc. Leyser and Joh. Gerhard. And behold, with these dear authorities we found in fullest measure what we sought and wanted: a deep, comprehensive understanding of the Scripture, yea a living and moving in it, a full, living permeation with the dear Confession of the Church which teaches and testifies through them, a clear, thorough presentation of the saving truths, sharp rejection and refutation of what is false and erroneous, and everywhere the richest application to life, a laying hold of the whole man according to understanding, mind and heart, free from one-sided abstract scholarliness

*) We communicate this Prospectus (preliminary announcement), which appeared in the March number of "Lehre und Wehre," in the "Lutheraner" also, since, as we conclude from the small number of subscriptions received so far, this so important undertaking seems not to have come to the knowledge of many, even of those who read the "Lutheraner." We scarcely believe we may assume that a reader of the "Lutheraner," especially among the pastors, who has learned of that work should not be moved to subscribe for it. Ed. of the L.