Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 25, Nummer 1 › Seite 3
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. September 1868, Seite 3
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Das 3. Gebot · Synoden · Zonntag · Lonntag · Sonntag · Sonntag 2
·.
Pabst Gericht zu halten. Gleichwohl maßten
sich zwei Concilien, kraft ihrer Unfehlbarkeit,
diese Macht an, und Dr. W. spricht ihnen die⸗
selbe seinerseits mit der Unfehlbarkeit folge—
richtig selbst auch zu. Wer reicht uns Ariad⸗
nes Faden, aus diesem Labyrinth heraus zu
finden, oder Alexanders Schwert, diesen Ver⸗
wicklungsknoten zu lösen!? Zum letzteren zu
greifen wäre das Bequemste, indem man einfach
ramm loosete, wer kraft eines solchen mittel⸗
baren Gottes-Urtheils der allein rechtmäßige
Pabst sein und die höchste Auctorität in der
Kirche und die Unfehlbarkeit haben sollte. Aber
leider führt uns dieser verzweifelte Ausweg,
das Loos falle auf wen es wolle, in ein noch
größeres Labyrinth hinein und schlingt den
Gordischen Knoten noch fester. Denn sobald
das Loos entschieden hat, wird jeder denkende
Meusch im Stande sein, unwiderleglich zu be⸗
weisen, daß das unmöglich eine göttliche Ent⸗
schtidung sein könnte und zwar sowohl wegen
der gleichen oder größeren Ansprüche der übri—
gen Unfehlbarkeits⸗-Prätendenten auf die Pabst⸗
würde, als auch wegen des Dogmas von der
ununterbrochenen Succession der Päbste. Muß
nicht bei solcher heillosen Wirthschaft die be—
hauptete ununterbrochene Kette der Päbste da—
mals in der That abgerissen sein, in Folge
dessen die römische Kirche eigentlich keine echte
Püäbste mehr hat? Der Nachweis von der
nr
Unlösbarkeit dieses heillosen Wirrsals ließe sich
ins Unendliche fortführen; doch das Gesagte
möge genügen, zu zeigen, wie wenig Ursache
Dr. W. hat, auf das Prachtgebäude römischer
Einheit zu pochen und die lutherische Kirche
wegen der hundert Sectenhütten neben ihr zu
verspotten.
Von dem Fundament seiner Pabstkirche sagt
Dr. W. wörtlich noch dies: „Primat und Hie—
rarchie gehört zur Verfassung der von Christo
gestifteten Kirche, die ihr zu Grunde gelegt ist,
und dieses Fundament und diese Grundmauern
reißt keine Macht der Hölle ein. Eine Kirche
aber, die ihre Verfassung erst suchen muß,
nachdem sie schon 300 Jahre besteht, ist von
Anfang schon auf Sand gebaut.“
Wir Luthe⸗
raner haben in der ganzen heil. Schrift kein
c
Wort davon gelesen, daß Verfassung, Primat
und Hierarchie Fundament und Grundmauern
der Kirche sind, und glauben fest, daß, wenn
gläubige Kinder Gottes ein hierarchisches
Prachtgebäude verlassen, weil dessen Grund
nicht Christus und sein ewiges Evangelium,
sondern Verfassung u. s. w. ist, diese dennoch
nach wie vor Glieder der wahren Kirche blei⸗
ben, auch wenn sie es hernach nie zu einer herr⸗
lichen Verfassung bringen würden. Wenn
aber an solchem hierarchischem Prachtgebäude,
bei aufrechterhaltener äußerer Herrlichkeit, eben
weil nicht Christus, sondern Verfassung dessen
Fundameut ist, ein so tiefer innerer Verfall
vor sich geht, daß Offb. Joh. 18, 3. seine An⸗
wendung darauf sindet, so wird, weil das Reich
der Finsterniß mit sich selbst nicht uneins ist,
natürlich auch keine Macht der Hölle das Fun⸗
dament einer „Behausung der Teufel“ ein—
reißen. Die Macht der Hölle wird vielmehr,
so lange es Gott zuläßt, solch Gebäude und
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dessen Fundament mit groß' Macht und diel
List zu beschützen und zu erhalten suchen.
Während aber, wie schon das Lied Luthers:
„Ein feste Burg ist unser Gott“, zeigt, die
Reformation ein beständiger, bewußter und
siegreicher Kampf war wider das Reich der
Finsterniß, mußte, wie es auch vor Augen liegt,
dieser der Kirche verordnete Kampf (Eph. 6, 12.)
in jenem hierarchischen Prachtgebäude zu einem
Kampfe wider das Reich des Lichtes ausarten.
Die Kirchengeschichte berichtet uns, daß das
wirklich geschehen, daß das Pabstthum die
große Babel ist, von welcher Johannes Offb.
17, 6. schreibt: „Ich sahe das Weib trunken
vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeu—
gen IEsu“; desgl. Offb. 18, 4. 5.: „Und ich
hörete eine andere Stimme vom Himmel, die
sprach: Gehet aus von ihr, mein Volk, daß
ihr nicht theilhaftig werdet ihrer Sünde, auf
daß ihr nicht empfahet etwas von ihren Plagen.
Denn ihre Sünden reichen bis an den Himmel
und Gott denkt an ihren Frevel.“
(Fortsetzung folgt.)
(Eingesandt von Past. Dicke.)
Gespräch zwischen Peter und Heinrich
über das 3. Gebot und seine Verbindlichkeit zur
Zeit des alten und neuen Testaments.
(Schluß.)
P. Wenn die Sache so steht, dann sehe ich
gar nicht ein, warum man überhaupt den Sonn⸗
tag noch feiern soll? Wenn man das den Leu⸗
ten sagen wollte, so würde in der Christenheit
eine schöne Wirthschaft angerichtet werden; denn
der Eine würde Sonntags dieses, der Andere
aber wieder etwas anderes thun.
H. Geschieht nicht trotz allerlei weltlichen
Gesetzen und trotz aller Gesetzlichkeit der falsch—
gläubigen Kirchengemeinschaften des Sonn—
tags Unfug über Unfug in diesem Lande? Und
wegen der reinen Lehre und völligen Wahrheit
möchtest Du Besorgniß hegen, oder ihr wohl
gar etwas zur Last legen, aber wegen der fal⸗
schen und verkehrten Richtungen Hoffnung
haben? Hast Du schon je erlebt, daß die falsche
Lehre und falsche Gesetzlichkeit wirklich gute
Früchte hervorgebracht, oder daß die reine
Lehre und göttliche Wahrheit schon Unheil in
der Welt aͤngerichtet hätte? Wenn die Obrig-
keit au Sonntagen auf strenge Zucht und gute
Ordnung hält, so ist das löblich und schön.
Aber so löblich und schön die äußere Ruhe an
Sonntagen auch ist, für den Preis der reinen
Lehre waͤre sie doch viel, viel zu theuer erkauft;
denn was ist an strenger Sonntasfeier ohne
reine Lehre gelegen? Reine Lehre und rechte
evangelische Erkenntniß können auch hier nur
rechte, Gott wohlgefällige Früchte hervorbrin—
gen; denn was nicht daraus kommt, ist phari⸗
säischer Sauerteig, oder epikurischer Unrath.
Wenn eine strenge Sonntasfeier im rechten
Geiste begangen wird, so wird sich gewiß je—
der wahre und rechtgläubige Christ darüber nur
freuen können, und sie zu fördern suchen. Ist
dieses aber nicht der Fall, so seh ich nicht ein,
warum sie zu fördern oder zu begehren sei, zu—
mal wenn die lautere Wahrheit noch darunter
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leiden und in den Hintergrund gedrängt werden
soll. Was aber Deine andere Frage anbetrifft,
warum wir dann doch den Sonntag noch feiern
sollen, so giebt es für uns Christen dennoch
manche moralische Ursachen, weßhalb dieses
geschehen soll, wenn es auch nicht von wegen
eines göttlichen Gebots geschieht; denn dieses
erfordert die Nothwendigkeit, daß sich Christen
an gewissen Orten und zu bestimmten Zeiten
versammeln müssen, um Gottes Wort zu pre⸗
digen, zu hören und zu lernen, die heil. Sacra—
mente nach Christi Stiftung zu gebrauchen und
andeee gottesdienstliche Handlungen zu ver-—
richten. Wann und wo das geschehe, ist Ord—
nung der christlichen Kirche; daß es aber ge—
schehe, ist Gottes ernstliches Gebot, der es for—
dert und durchaus haben will; denn wir sollen
Gott sürchten und lieben, daß wir die Predigt
und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe
heilig halten, gerne hören und lernen. Der
Einzelne soll sich da gern und willig in solche
allgemeine Ordnung der Kirche schicken, auch
darum, damit er auch andern kein Aergerniß
gebe. Sehr oft ist es auch der Fall, daß die
Obrigkeit die Sonntagsfeier geboten hat. Da
soll sich denn ein Christ auch gern und willig
solchem Gebot fügen; denn in allen Dingen,
die nicht gegen das Gewissen sind, ist er der
Obrigkeit Gehorsam schuldig. Verweigert er
diesen aber dennoch, obwohl er ihn mit gutem
Gewissen leisten kann, so sündigt er.
P. Ich habe aber immer noch die Besorgniß,
daß man bei dieser Lehre gar keine rechte Waffe
mehr hat, die Sabbathsschänder zu strafen;
denn was will man doch einem Menschen sagen,
der am Sonntage ohne alle Noth allerlei grobe
Arbeit thut und sich dabei auf seine christliche
Freiheit beruft? Oder was soll man solchen
entgegen halten, die an Sonntagen in den
Wirthshäusern liegen, saufen, Kartenspielen,
Bälle besuchen und dergleichen? Oder was
solchen, die, wenn sie es auch nicht so grob
machen, dennoch allerlei irdischen Geschäften
nachgehen? Können diese sich da nicht alle auf
ihre christliche Freiheit berufen? Was soll
man da anfangen, wenn man nicht mehr mit
dem Gesetze kommen kann?
H. Obwohl ich bekennen muß, daß ich in
solcher Bestrafung auch kein Meister bin, so
glaube ich doch, daß man da nicht ganz ohne
Waffen dasteht.
Gesetzen kommen zu wollen, wo es keine giebt;
denn die Sachkundigen können es doch so ab—
weisen, daß man da nicht nur nichts ausrichten
kann, sondern daß man noch selber schamroth
werden muß.
sich auch eintreiben ließen, und jenen Dingen
äußerlich entsagten, thäten dieses doch nicht
aus Liebe zu Gott und seinem Worte, sondern
in knechtischer Furcht und mit falschem und
Nach meiner Ueberzeugung
aber ist es ganz verkehrt, da mit göttlichen
Die Unkundigen aber, wenn sie
irrendem Gewissen und dadurch würde phari⸗
säischer Sauerteig an die Stelle von epiku⸗
Und um wie viel würde
rischem Unrath treten.
diese Waare wohl besser sein als jene? Nein,
einem solchen wäre besonders seine schändliche
Verachtung des Wortes Gottes vorzuhalten
und ihm zu zeigen, wie ruchlos er doch den
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