Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 7 › Seite 54

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-11-28, Seite 54

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katecheſe · Unzucht · Katecheſe

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und um der traurigen Folgen willen, die sich uns durch vorliegenden Fall so deutlich zu erkennen gäben, bat und flehte ich sie, zu ihrem eignen Heile, Gott die Ehre zu geben, und zu seinem lauteren Worte zurückzukehren. Aber über mein „Kehre wieder“, das ich ihnen im Namen Gottes zurief, schüttelten etliche meiner Zuhörer mißmuthig die Köpfe, und es schien, als wollten sie sagen: wir wollen im Irrthum beharren, und wenn wir auch alle sollten „also umkommen wie dieser“. (Luc. 13, 5.). Obschon wir hoffen, daß dieser oder jener für die Wahrheit, so sie ihm gepredigt würde, gewonnen werden könnte, so scheint es doch auch, als ob über etliche der deutschen Methodisten, welche die Wahrheit verlassen und sich die Lüge gewählt haben, das Gericht der Verstockung ergangen sei. Gott gebe Gnade, daß sie dieses nicht immer mehr auf sich herabziehen, und daß vornehmlich, die der Heerde hüten sollen, auf die Stimme ihres Gewissens Acht haben, welches doch nimmermehr schweigen kann, bei einer Seelsorge, wie sie u. A. Herr Peter ausübt.

Jemehr die Methodisten ihren Herzensgedanken folgen, desto einfältiger laßt uns unsere Augen auf die Leuchte des Wortes richten. Dann werden wir nie von einer Vollkommenheit in diesem Leben träumen, sondern täglich zu dem Kreuze Christi kriechen; aber auch werden wir dann nicht verzagen, so uns das Gesetz und unser eignes Herz anklagt, sondern uns des Wortes der Gnade getrösten, und sprechen: „Aus Gnaden! dies hör' Sünd' und Teufel, Ich schwinge meine Glaubensfahn' Und geh' getrost trotz allem Zweifel Durchs rothe Meer nach Canaan. Ich glaub', was JEsu Wort verspricht, Ich fühl' es oder fühl' es nicht.“
P. Heid.

Die Schauspielerin Pelagia.

(Aus dem Sonntagsblatt.)

Einst rief der Erzbischof von Antiochien alle Bischöfe seines Sprengels zusammen, um mit ihnen sich zu berathen und zu erbauen. Während ihres Aufenthalts in jener Stadt trug es sich eines Tages zu, daß sie bei einander vor der Kirche des Märtyrers Julianus saßen, und mit gespannter Aufmerksamkeit auf einen ergreifenden Vortrag des Bischofs Nonnus hörten. Da zog Pelagia, die erste Schauspielerin der Stadt, mit großem Gepräng vorüber. Sie ritt auf einem Maulesel und war über und über mit Gold, Edelsteinen und Perlen bedeckt; selbst ihre nackten Füße glänzten von Gold und Perlen. Vor ihr her und hinter ihr gingen viele prächtig geschmückte Jünglinge und Jungfrauen; und die lieblichsten Gerüche erfüllten die Straßen, durch welche der Zug ging. Die Bischöfe seufzten und wandten ihre Augen ab; denn schamlos, mit entblößtem Haupte und Nacken und mit frecher Stirn kam sie daher. Der heilige Nonnus schaute ihr lange in das schöne triumphirende Antlitz; er blickte ihr nach, bis der Zug in einer andern Straße verschwand. Hierauf wandte er sich zu seinen Amtsbrüdern und sprach: Habt ihr euch nicht ergötzt an dieser Schönheit? Sie aber verstanden die Absicht seiner Frage nicht und schwiegen. Da legte er sein Antlitz auf die Kniee, netzte seinen Schooß mit Thränen, seufzte tief und fragte abermals: Habt ihr euch nicht ergötzt an ihrer Schönheit? Sie aber schwiegen noch immer, und waren fast unwillig über seine seltsame, ja nach ihrer Meinung unziemliche Frage. Da hob er an: In Wahrheit, ich habe mich sehr ergötzt an der. großen Schönheit, die ihr Gott verliehen hat, und habe die große Sorgfalt bewundert, welche sie auf die Erhaltung und Hervorhebung ihrer Lieblichkeit wendet. Werthe Väter und Brüder, der HErr wird uns einst am Tage des Gerichtes, wenn wir vor Seinem schrecklichen Thron erscheinen müssen, dieses Weib gegenüber stellen. Wie viele Stunden hat sie wohl heute in ihrer Schlafkammer zugebracht, um sich zu waschen und zu schmücken! Wie großen Fleiß, wie vieles Nachdenken, wie viele Aufmerksamkeit mag sie auf jeden einzelnen Theil ihres Schmuckes verwendet haben, um ihren Zweck desto gewisser zu erreichen, nämlich: Jedermann zu gefallen und der Gunst ihrer Verehrer sich zu versichern, die heute leben und morgen schon nicht mehr sind! Und wir, die wir den allmächtigen Gott zum Freunde haben, Ihn, der Seinen Getreuen himmlische Reichthümer und ewige Belohnung verheißt, was thun wir, um Ihm zu gefallen, der sich in Gnaden und Barmherzigkeit mit uns verlobt hat auf alle Ewigkeit? wie wenig Fleiß, wie wenig Nachdenken und Aufmerksamkeit wenden wir darauf! Wie schwer wird es uns, ein Opfer zu bringen und etwas uns Liebgewordenes zu entbehren, um ganz nach Seinem Willen zu leben! Wir, denen die Verheißung gegeben ist, daß wir das strahlende Antlitz dessen schauen sollen, vor dem die Seraphim mit tiefster Demuth anbeten, wir reinigen unsere Herzen nicht, sondern lassen unbekümmert und sorglos den Schmutz der Sünden auf uns liegen!

Nachdem er dies gesagt hatte, ging er heim in seine Zelle, warf sich dort auf den Boden nieder, schlug an seine Brust und betete unter vielen Thränen: HErr JEsu Christe! verzeihe mir armen unwürdigen Sünder, daß jenes eitle Weib herrlicher seinen Körper schmückte, als ich meine Seele. Wie soll ich aufblicken zu Dir, wie mich rechtfertigen vor Deinem Angesicht? Denn ich kann mein Herz nicht vor Dir verbergen; selbst meine innersten Heimlichkeiten sind Dir offenbar. Wehe mir Elenden, der ich vor Deinem heiligen Altar stehe, und Dir doch keine so reine und schöne Seele darbringe, wie Du sie verlangst! Jenes Weib hat sich vorgenommen, den Menschen zu gefallen, und hat es ausgeführt; ich habe versprochen, Dir zu gefallen; aber meine Faulheit zeugt gegen mich, daß ich nicht Wort gehalten habe. Ich bin ohne alle Hoffnung, wenn ich auf meine Werke schaue; und nur der Gedanke an Deine Barmherzigkeit und Gnade tröstet mich. So sprach er und weinte bitterlich.

Am darauffolgenden Sonntage, als die nächtlichen Gebete*) vollendet waren, sprach der Bischof Nonnus zu seinem Diakon Jacobus: „Höre, mein lieber Diakon! ich sah diese Nacht ein Traumgesicht, welches mich sehr beunruhigt, weil ich es nicht zu deuten vermag. Denn siehe, es stand an dem Horne des Altars eine schwarze Taube, mit vielem Schmutze bedeckt, die flog immer um mich her; und ihr ekelhafter Geruch ward mir unerträglich. Sie aber blieb um mich, bis die Katechumenen*) entlassen wurden; als aber der Diakonus ihnen zurief: Gehet jetzt nach Hause! da verschwand sie auf einmal. Nach vollendetem heiligen Abendmahle aber, als die ganze Versammlung entlassen war, ging ich zur Kirche hinaus; und siehe! jene schmutzige Taube umflatterte mich abermals; ich aber streckte meine Hand aus, ergriff sie, und warf sie in das Taufbecken, das in dem Vorhof der Kirche steht. Da verlor sie im Wasser all ihren Schmutz, stieg herauf weiß wie der Schnee, und verlor sich hoch in den Lüften aus meinen Augen.“

Nachdem der fromme Gottesmann dieses erzählt hatte, nahm er den Diakon Jacobus am Arme und ging mit ihm zur Hauptkirche, wo sie mit den übrigen Bischöfen zusammentrafen, und den Erzbischof begrüßten. Dieser hielt vor dem versammelten Volke eine erbauliche Rede; dann als das Evangelium verlesen war, reichte er das Buch dem Bischof Nonnus, und forderte ihn auf, vor der Versammlung zu predigen. Nonnus begann alsbald und sprach aus der Weisheit Gottes, die in ihm wohnte, ergreifende und erhebende Worte; erfüllt von dem Heiligen Geist, traf er die Gewissen und rührte die Herzen des Volkes, in kindlicher Einfalt redend von der künftigen Verdammniß der Ungläubigen, und von den ewigen Gütern, welche im Himmel den Gerechten aufbehalten sind. Die ganze Versammlung wurde tief erschüttert und viele Christen weinten. Und siehe, Gottes Barmherzigkeit hatte es gefügt, daß zu derselben Stunde die Schauspielerin Pelagia in die Kirche trat, und auf einmal von der Furcht Gottes ergriffen und mit vorher nie gefühltem Schmerz über ihre Sünden erfüllt wurde. Denn als Nonnus das Volk zur Buße ermahnte, da schwand ihr alle Hoffnung dahin, jemals noch gerettet zu werden; eine Thräne schlug die andere, sie konnte nichts mehr, als trauern, weinen und seufzen. Am Schlusse der Predigt sagte sie zu ihren beiden Bedienten: Bleibet hier, bis der Bischof nach Hause geht; dann folget ihm, und erkundigt, wo er wohnt, damit ihr es mir sagen

*) Es ist bekannt, daß in den Klöstern gewisse Stunden der Nacht dem Gebet und der Absingung von Psalmen gewidmet zu werden pflegen. Diese der Ordnung der Natur widerstrebende Sitte hatte in der ältesten Kirche einen sehr natürlichen Ursprung; denn so lange man sich durch das Bekenntniß zum Christenthum Verfolgungen aussetzte, war es beinahe dringendes Bedürfniß für die Christen, zuweilen auch in der Nacht zu gemeinschaftlichem Gebete sich zu vereinigen.

*) Unter Katechumenen verstand man alle diejenigen Christen, welche noch keine solche Erkenntniß des Evangeliums besaßen, daß sie zum Genusse des heiligen Abendmahls hätten zugelassen werden können, mochten es nun Kinder oder Erwachsene sein. Diese durften auch nicht einmal Zuschauer bei der Feier des Abendmahls sein. Daher rief, bevor sie begann, der Diakon: Missa est ecclesia, d. i. die Versammlung ist entlassen. Aus diesem Worte Missa entstand in der Folge der Name Messe, mit welchem man ursprünglich nichts anders, als das heilige Abendmahl bezeichnen wollte.

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and for the sake of the sad consequences which were made so plainly known to us by the case before us, I begged and entreated them, for their own salvation, to give God the glory, and to return to His pure Word. But at my "Return again," which I called to them in the name of God, some of my hearers shook their heads in ill humor, and it seemed as if they would say: we will persist in error, even if we should all "likewise perish" like this man. (Luke 13:5.). Although we hope that this one or that might be won for the truth, if it were preached to him, yet it also seems as if upon some of the German Methodists, who have forsaken the truth and chosen the lie, the judgment of hardening has come. God grant grace that they do not draw this more and more upon themselves, and that especially those who are to tend the flock may heed the voice of their conscience, which can nevermore be silent, in a cure of souls such as Mr. Peter, among others, practices.

The more the Methodists follow the thoughts of their hearts, the more simply let us direct our eyes to the lamp of the Word. Then we shall never dream of a perfection in this life, but daily crawl to the cross of Christ; but neither shall we then despair, when the Law and our own heart accuse us, but comfort ourselves with the Word of grace, and say: "By grace! hear this, sin and devil, I swing my banner of faith And go confidently, in spite of all doubt, Through the Red Sea to Canaan. I believe what JEsus' Word promises, Whether I feel it or feel it not."
P. Heid.

The Actress Pelagia.

(From the Sonntagsblatt.)

Once the archbishop of Antioch called together all the bishops of his diocese, to take counsel and be edified with them. During their stay in that city it happened one day that they were sitting together before the church of the martyr Julianus, and were listening with eager attention to a moving discourse of Bishop Nonnus. Then Pelagia, the first actress of the city, passed by with great pomp. She rode on a mule and was covered over and over with gold, precious stones and pearls; even her bare feet shone with gold and pearls. Before her and behind her went many splendidly adorned young men and maidens; and the sweetest perfumes filled the streets through which the procession went. The bishops sighed and turned their eyes away; for shamelessly, with bared head and neck and with brazen brow she came along. The holy Nonnus gazed long into her fair, triumphant countenance; he looked after her until the procession vanished in another street. Thereupon he turned to his fellow-officers and said: Have you not taken delight in this beauty? But they did not understand the purpose of his question and were silent. Then he laid his face upon his knees, wet his lap with tears, sighed deeply and asked again: Have you not taken delight in her beauty? But they were still silent, and were almost indignant at his strange, indeed in their opinion improper, question. Then he began: In truth, I have taken great delight in the great beauty which God has given her, and have admired the great care which she bestows upon the preservation and enhancement of her loveliness. Worthy fathers and brethren, the LORD will one day set this woman over against us on the day of judgment, when we must appear before His dreadful throne. How many hours has she probably spent today in her bedchamber, to wash and to adorn herself! What great diligence, what much thought, how much attention may she have given to every single part of her adornment, in order the more surely to attain her purpose, namely: to please everyone and to secure the favor of her admirers, who live today and tomorrow are no more! And we, who have the Almighty God for our Friend, Him who promises His faithful ones heavenly riches and eternal reward, what do we do to please Him, who in grace and mercy has betrothed Himself to us for all eternity? how little diligence, how little thought and attention we give to it! How hard it is for us to bring a sacrifice and to forgo something that has become dear to us, in order to live wholly according to His will! We, to whom the promise is given that we shall behold the radiant countenance of Him before whom the seraphim worship with deepest humility, we do not cleanse our hearts, but leave, unconcerned and careless, the filth of sins lying upon us!

When he had said this, he went home into his cell, threw himself down there upon the floor, smote upon his breast and prayed with many tears: LORD JEsus Christ! forgive me, poor unworthy sinner, that that vain woman adorned her body more splendidly than I my soul. How shall I look up to Thee, how justify myself before Thy face? For I cannot hide my heart from Thee; even my inmost secrets are manifest to Thee. Woe to me, wretched man, who stand before Thy holy altar, and yet bring Thee no soul so pure and fair as Thou requirest! That woman set herself to please men, and has accomplished it; I have promised to please Thee; but my sloth bears witness against me that I have not kept my word. I am without all hope when I look upon my works; and only the thought of Thy mercy and grace comforts me. So he spoke and wept bitterly.

On the following Sunday, when the night prayers*) were ended, Bishop Nonnus said to his deacon Jacobus: "Hear, my dear deacon! I saw this night a vision in a dream which troubles me greatly, because I cannot interpret it. For behold, there stood at the horn of the altar a black dove, covered with much filth, which flew continually about me; and its loathsome odor became unbearable to me. But it remained about me until the catechumens*) were dismissed; but when the deacon cried to them: Go home now! then it vanished at once. But after the holy Supper was ended, when the whole assembly was dismissed, I went out of the church; and behold! that filthy dove fluttered about me again; but I stretched out my hand, seized it, and cast it into the baptismal font, which stands in the forecourt of the church. Then it lost in the water all its filth, rose up white as snow, and vanished high in the air from my eyes."

When the pious man of God had related this, he took the deacon Jacobus by the arm and went with him to the chief church, where they met with the other bishops, and greeted the archbishop. He delivered an edifying address before the assembled people; then, when the Gospel had been read, he handed the book to Bishop Nonnus, and bade him preach before the assembly. Nonnus began at once and spoke, out of the wisdom of God which dwelt in him, moving and uplifting words; filled with the Holy Ghost, he struck the consciences and touched the hearts of the people, speaking in childlike simplicity of the future damnation of the unbelievers, and of the eternal goods which are reserved in heaven for the righteous. The whole assembly was deeply shaken and many Christians wept. And behold, God's mercy had so ordained that at that same hour the actress Pelagia entered the church, and was suddenly seized with the fear of God and filled with a sorrow for her sins such as she had never felt before. For when Nonnus exhorted the people to repentance, all hope vanished from her of ever being saved; one tear followed another, she could do nothing but mourn, weep and sigh. At the close of the sermon she said to her two servants: Stay here until the bishop goes home; then follow him, and inquire where he lives, that you may tell me

*) It is well known that in the monasteries certain hours of the night are accustomed to be devoted to prayer and the singing of psalms. This custom, contrary to the order of nature, had a very natural origin in the earliest church; for as long as men exposed themselves to persecution by the confession of Christianity, it was almost a pressing need for the Christians to unite at times, even in the night, for common prayer.

*) By catechumens were understood all those Christians who as yet had no such knowledge of the Gospel that they could have been admitted to the enjoyment of the Holy Supper, whether they were children or adults. These were not permitted even to be spectators at the celebration of the Supper. Therefore, before it began, the deacon cried: Missa est ecclesia, that is, the assembly is dismissed. From this word Missa there arose in time the name Mass, by which originally nothing else was meant than the Holy Supper.