Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 11 › Seite 81

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-23, Seite 81

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften · Bekenntnisſchriften 4 · Bekenntnisſchriften 9 · DWW S Verenumioſchrinen

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrgang 5.  St. Louis, Mo., den 23. Januar 1849.  No. 11.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

Warum sollen wir an den Bekenntnißschriften unserer evangelisch-lutherischen Kirche auch noch jetzt unerschütterlich festhalten?

„Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt“, — so sagt und klagt der Apostel Johannes in seinem ersten Briefe, und so hat man leider zu allen Zeiten der christlichen Kirche sagen und klagen müssen. So oft Gott den Weizen seines reinen Wortes hat aussäen lassen, so oft ist auch der Feind alsbald hinterdrein gekommen und hat das Unkraut der falschen Lehre dazwischen gesäet. Die leidige Folge hievon ist gewesen, daß mitten in der Christenheit eine Menge Partheien entstanden sind, welche sich durch einen verschiedenen Glauben, den sie haben und bekennen, von einander unterscheiden und absondern. Die meisten dieser Partheien haben daher auch gewisse Glaubensbekenntnisse aufgeschrieben, welche die Lehren enthalten, durch welche sie sich von den andern absondern und auf welche sich alle ihre Glieder zu einer besonderen kirchlichen Gemeinschaft vereinigt haben. Diejenigen Bücher aber, in welchen solche Glaubensbekenntnisse ganzer kirchlicher Partheien enthalten sind, benennt man von jeher mit dem fremden Worte: Symbola oder symbolische Bücher. Es ist dies nemlich ein griechisches Wort, und heißt soviel als ein Feldzeichen, ein Losungswort. Wie nemlich Soldaten an ihren Feldzeichen und Losungen Freund und Feind, auch wenn er sich verkleidet hat, unterscheiden können, so kann auch das Glied einer kirchlichen Parthei an den Symbolen oder öffentlichen Glaubensbekenntnissen derselben diejenigen, welche für oder wider seinen Glauben sind, leichtlich von einander unterscheiden.

Solche symbolische Bücher oder öffentliche Bekenntnißschriften hat denn, wie gewiß den allermeisten unter den lieben Lesern bekannt sein wird, auch unsere liebe evangelisch-lutherische Kirche. Dieselbe hat nemlich deren neun; diese sind erstlich die drei ökumenischen oder allgemeinen christlichen Symbola, 1. das apostolische, 2. das nicänische und 3. das athanasianische Symbolum, sodann 4. die Augsburgische Confession, 5. deren Apologie, oder die Vertheidigung derselben, 6. die schmalkaldischen Artikel, 7. der kleine und 8. der große Catechismus Lutheri, und endlich 9. die Concordienformel. In diesen neun symbolischen Büchern, welche zusammen das Concordienbuch*) genannt werden, kann jeder, welcher wissen will, was in unserer evangelisch-lutherischen Kirche geglaubt und gelehrt wird, dies klar und deutlich finden. Die in diesen Büchern enthaltene Lehre haben einst die ersten sogenannten Lutheraner vor aller Welt erst mündlich bekannt, und dann schriftlich für alle Zeiten in diesen Büchern niedergelegt. Auf die in diesen Büchern enthaltene und auf keine andere Lehre haben sich die ersten Lutheraner zu kirchlichen Gemeinschaften auch äußerlich vereinigt; darauf ist daher die lutherische Kirche gegründet, denn dadurch ist sie entstanden und dadurch unterscheidet sie sich nun von allen anderen Partheien und Gemeinschaften, die es in der Christenheit gibt. Wer daher spricht, ich will ein Lutheraner sein, der bekennt sich damit zu den in diesen symbolischen Büchern der lutherischen Kirche enthaltenen Lehren; und wer da sagt, er wolle ein lutherischer Prediger sein, der bezeugt damit, daß er die in diesen Büchern enthaltenen Glaubensartikel nicht nur für wahr und recht halte, sondern daß er sie auch predigen, vertheidigen und zu verbreiten suchen wolle, so viel ihm nur Gott dazu Gnade und Kraft verleihe. Wer hingegen die in den Symbolen der evangelisch-lutherischen Kirche enthaltene Lehre verwirft, der ist so wenig ein wirklicher Lutheraner, so wenig der ein Wiedertäufer ist, welcher die Wiedertaufe verwirft, so wenig der ein Zwinglianer ist, der wider die Lehre Zwingli's eifert, und so wenig der ein Christ ist, der die Bibel verwirft. Denn wie sich die Christen im Allgemeinen durch die Bibel von den Muhamedanern mit ihrem Koran unterscheiden, so unterscheidet sich wieder im Besonderen ein lutherischer Christ durch seine symbolischen Bücher von allen anderen Christen mit ihren Symbolen.

Gegen solche Symbole nun ist man wohl zu keiner Zeit allgemeiner eingenommen gewesen, als zu dieser unserer Zeit. Von allen Seiten ruft man jetzt: Hinweg mit den Symbolen! Sie sind ein Glaubenszwang; sie sind die Geistesfesseln und Kinderschuhe der Vorzeit, die man nun endlich in diesen aufgeklärten Zeiten, wo alle Welt mündig geworden ist, ablegen muß. Es sind die papiernen Päbste der Lutheraner; es sind Machwerke irrthumsfähiger Menschen; es sind daher Menschensatzungen; gemalte Brillen, durch die man die Bibel in der Farbe seiner Secte ansieht; unreine Canäle, durch welche uns die göttliche Wahrheit nicht in ihrer völligen Lauterkeit, sondern durch Beimischung menschlichen Irrthums getrübt, zugeführt wird. Wer so steif an den Symbolen hält, der stellt daher menschliche Bücher den göttlichen gleich, ja stellt sie gar über dieselben! —

So rufen jetzt Lichtfreunde, Rationalisten, Methodisten, abgefallene Lutheraner und insonderheit die jetzigen Verfechter der Union, die sogenannten Evangelischen, mit großem Eifer und Zorn uns Lutheranern zu. Haben wir nun etwa um solcher ihrer Gegenreden willen wirklich Ursache, die Symbole unserer Kirche fahren zu lassen? Das sei ferne, geliebte lutherische Brüder! Es sind dies Einwürfe, die wohl einen Unwissenden bestürzt machen können, „da aber nichts hinter ist“, die, wenn man sie genau betrachtet, wie Irrlichter in nichts verschwinden.

Daß die Kirche von allen ihren Gliedern fordert, ihre Symbole anzunehmen, das nennt man einen Glaubenszwang, aber wer in aller Welt wird denn gezwungen, ein Glied unserer Kirche zu werden? Steht es nicht Jedem frei, sich ihr anzuschließen oder nicht, und sich von ihr zu tren-

*) Dieses Buch hat Herr Heinrich Ludwig in New York (Vesey Straße No. 70.) im vorigen Jahre wieder aufgelegt und ist dasselbe bei dem genannten Verleger, so wie in Philadelphia bei Fr. Gentner; in Baltimore bei Pastor Wynecken; in Columbus, O., bei Pastor Spielmann; in Fort Wayne, Ind., bei Dr. Sihler; in Canton, O., bei Pastor Fast; in Zelienople, Pa., bei Pastor Schweizerbarth; und in St. Louis in der Redaction des „Lutheraner“ für $1.25 zu haben.

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's doctrine shall not pass away now or evermore."

Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and other States.

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 5.  St. Louis, Mo., January 23, 1849.  No. 11.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay the same in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

Why Should We Hold Unshakably Fast Even Now to the Confessional Writings of Our Evangelical Lutheran Church?

"Beloved, believe not every spirit, but try the spirits whether they are of God; because many false prophets are gone out into the world" — so says and laments the Apostle John in his first Epistle, and so, alas, has it had to be said and lamented at all times of the Christian Church. As often as God has caused the wheat of His pure Word to be sown, so often has the enemy soon come after and sown the tares of false doctrine among it. The sorrowful consequence of this has been that in the midst of Christendom a multitude of parties have arisen, which distinguish and separate themselves from one another by a different faith which they have and confess. Most of these parties have therefore also written down certain confessions of faith, which contain the doctrines by which they separate themselves from the others, and to which all their members have united themselves into a particular churchly fellowship. Those books, however, in which such confessions of faith of whole churchly parties are contained, have from of old been called by the foreign word: Symbola, or symbolical books. For this is a Greek word, and means as much as a banner, a watchword. For just as soldiers can distinguish friend and foe by their banners and watchwords, even when he has disguised himself, so also the member of a churchly party can easily distinguish by the symbols or public confessions of faith of that party those who are for or against his faith.

Such symbolical books or public confessional writings our beloved Evangelical Lutheran Church also has, as will surely be known to the great majority of our dear readers. It has, namely, nine of them; these are, first, the three ecumenical or universal Christian Symbola, 1. the Apostolic, 2. the Nicene, and 3. the Athanasian Symbol, then 4. the Augsburg Confession, 5. its Apology, or the defense of the same, 6. the Smalcald Articles, 7. the small and 8. the large Catechism of Luther, and finally 9. the Formula of Concord. In these nine symbolical books, which together are called the Book of Concord,*) everyone who wishes to know what is believed and taught in our Evangelical Lutheran Church can find it clearly and plainly. The doctrine contained in these books the first so-called Lutherans once confessed before all the world, first orally, and then laid down in writing for all time in these books. Upon the doctrine contained in these books, and upon no other, the first Lutherans united themselves also outwardly into churchly fellowships; upon it, therefore, the Lutheran Church is founded, for by it it has come into being, and by it it now distinguishes itself from all other parties and communions that there are in Christendom. Whoever therefore says, I will be a Lutheran, thereby confesses himself to the doctrines contained in these symbolical books of the Lutheran Church; and whoever says that he will be a Lutheran preacher, thereby testifies that he holds the articles of faith contained in these books not only to be true and right, but that he will also preach, defend, and seek to spread them, so far as God grants him grace and strength thereto. But whoever, on the other hand, rejects the doctrine contained in the Symbols of the Evangelical Lutheran Church, is as little a real Lutheran as he is an Anabaptist who rejects rebaptism, as little as he is a Zwinglian who inveighs against the doctrine of Zwingli, and as little as he is a Christian who rejects the Bible. For as Christians in general are distinguished by the Bible from the Mohammedans with their Koran, so in particular a Lutheran Christian is distinguished again by his symbolical books from all other Christians with their Symbols.

Against such Symbols, now, men have probably at no time been more generally prejudiced than in this our time. From all sides men now cry: Away with the Symbols! They are a compulsion of faith; they are the fetters of the spirit and the children's shoes of former times, which men must now at last lay aside in these enlightened days, when all the world has come of age. They are the paper popes of the Lutherans; they are the botched work of fallible men; they are therefore ordinances of men; painted spectacles through which one sees the Bible in the color of one's own sect; impure channels through which the divine truth is conveyed to us not in its full purity, but clouded by an admixture of human error. Whoever holds so stiffly to the Symbols therefore sets human books on a level with the divine, yea, sets them even above them! —

So cry now the Friends of Light, Rationalists, Methodists, fallen-away Lutherans, and especially the present champions of the Union, the so-called Evangelicals, with great zeal and wrath to us Lutherans. Have we now, perhaps, on account of such objections of theirs any real cause to let the Symbols of our Church go? Far be it, beloved Lutheran brethren! These are objections which may well dismay one who is ignorant, "but there is nothing behind them," which, when one looks at them closely, vanish like will-o'-the-wisps into nothing.

That the Church demands of all its members that they accept its Symbols, this men call a compulsion of faith; but who in all the world is then compelled to become a member of our Church? Is it not free to everyone to join it or not, and to sepa-

*) This book Mr. Heinrich Ludwig in New York (Vesey Street No. 70) republished last year, and the same is to be had of the said publisher, as also in Philadelphia of Fr. Gentner; in Baltimore of Pastor Wyneken; in Columbus, O., of Pastor Spielmann; in Fort Wayne, Ind., of Dr. Sihler; in Canton, O., of Pastor Fast; in Zelienople, Pa., of Pastor Schweizerbarth; and in St. Louis at the office of the "Lutheraner" for $1.25.