Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 5 › Seite 69

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. Februar 1907, Seite 69

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Leiden Chriſti 13 · Staatsſchule

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Sur kirchlichen Chronik.

P. A. K. Sagen in La Crosse, Wis., Präses des Sstlichen
Distrikts der Norwegischen Synode, ist am 9. Februar gestorben,
nachdem er zwölf Tage vorher eine Operation bestanden hatte.
Er war vielen Pastoren unserer Synode persönlich bekannt, da
er auf unserm hiesigen Seminar studiert und im Jahre 1879
Examen gemacht hatte. Er hat ein Alter von 56 Jahren erreicht
und in seiner Synode wichtige Amter segensreich verwaltet.

Christi stellvertretendes Leiden und Sterben ist in diesen
Passionswochen insonderheit der Gegenstand der Predigten.
Lehre von dem Versöhnungstode Christi ist ja der Trost aller
Christen in Sündenangst und Gewissensnot. Aber gerade diese
Zentrallehre des Christentums wird nicht nur auf allen Seiten
in grober oder feiner Weise geleugnet, sondern auch schändlich
verlästert. Der Fall Crapsey, über den seinerzeit in allen Blät⸗
tern berichtet wurde, macht immer noch Aufsehen. Crapsey war
Prediger der Episkopalkirche in Rochester, N. Y., leugnete öffent—
lich die Lehren von der übernatürlichen Geburt des HErrn, von
seinem stellvertretenden Versöhnungstod, von seiner leiblichen Auf⸗—
erstehung ꝛ2c. Er wurde dieser Irrlehren angeklagt und nach
einem kirchlichen Prozeß abgesetzt. Aber nun hält er hin und her
Vorträge und schäumt seine Wut über seine vormalige Kirche ins⸗
besondere und über das biblische Christentum im allgemeinen aus.
In einem dieser Vorträge sagte er nach dem Bericht des „Luth.
Herold“ folgendes: Gott habe sich einer unsittlichen Handlung
schuldig gemacht, wenn er nach dem Glauben der christlichen Kir⸗
chen seinem unschuldigen Sohn die Strafen, die die Menschen ver⸗
schuldet hatten, aufgebürdet habe. Auch die Lehre von der Ver—
söhnung sei unsittlich; denn da werde gelehrt, daß der Mensch
nichts zu tun brauche, um selig zu werden; seine Sünden wür⸗
den ihm umsonst vergeben. Es werde also gelehrt, daß man
etwas bekommen könne für nichts, und so machten es die Schwind⸗
ler und Betrüger. Und dabei beansprucht Crapsey noch immer,
ein christlicher Prediger zu sein! L. F.

Wie auch unter den Sekten, die ja keine Befürworter der
Gemeindeschulen sind, manchen die Augen aufgehen über die Frei⸗
schulen, beweisen folgende Sätze aus dem Blatt 7Tνεe Central
Baptist. In einer Nummer vom vorigen Jahre findet sich ein
längerer Artikel über Predigermangel. Unter acht verschiedenen
Ursachen, warum so wenig junge Männer sich dem Predigtamte
widmen, wird als erste und vornehmste angegeben: „Der Geist
des Zweifels in unsern öffentlichen Schulen, der den Glauben der
Schüler an die christliche Religion untergräbt, stürzt und zerstört.
Manche unserer öffentlichen Schulen sind wahre Pesthäuser, aus
denen Jünglinge und Jungfrauen hervorgehen, denen das Gift
des Unglaubens so eingeimpft ist, daß sie niemals wieder gesund
werden, sondern nach einem Leben ohne Gott in das Grab sinken
ohne Christum.“ Welch einen Rumor gäbe es, wenn ein Luthe⸗
raner in solch starken Ausdrücken über die Freischule sich aus⸗
sprechen würde! Das Urteil ist nicht zu scharf. Glaubt es doch,
ihr lutherischen Christen, da es von solchen ausgesprochen wird,
die entschiedene Freunde und Befürworter der Staatsschulen sind.
Dankt Gott, daß wir nicht nur dieselbe überzeugung haben, son⸗
dern auch Freudigkeit und Mut, unserer überzeugung gemäß ein
christliches Gemeindeschulwesen zu erhalten und zu befördern.
Dankt Gott, daß ihr solche Schulen habt, in welchen nicht der Geist
des Unglaubens, sondern der Geist Christi herrscht, und in welchen
eure Kinder zum Himmelreich gelehrt werden.

Aug. Wilder.
Große Summen sind im berflossenen Jahre wieder für allerlei
Erziehungs- und Wohltätigkeitszwecke in unserm Lande geschenkt
und gestiftet worden, im ganzen nicht weniger als 8106,000,000.

Die

Von dieser Summe haben 300 reiche Leute allein §551,000,000
gegeben, und zwar in Beiträgen von 85000.00 bis zu §88,000,000.
Unter diesen stehen die bekannten Millionäre Rockefeller und Car⸗
negie obenan. Den Hauptteil erhielten wieder Universitäten und
andere höhere Lehranstalten, nämlich §32,492,000. Für Museen,
Kunstgalerien und andere öffentliche Anstalten sind §16,849,000,
für Bibliotheken §1,704,000, für religiöse Zwecke §5,443,000
gegeben worden. Doch sind die von den Kirchen für Missions⸗ und
Erziehungszwecke aufgebrachten Gelder in diesen Summen nicht
eingeschlossen, auch nicht die 32 Millionen, die eben jetzt wieder
Rockefeller für Erziehungszwecke, besonders für höhere Lehranstal⸗
ten, hergegeben hat und die die größte Gabe eines einzelnen Man⸗
nes für irgend einen Zweck zu irgend einer Zeit bezeichnen. So
ansehnlich auch solche Gaben sind und deshalb vielerorts Ver⸗
wunderung erregen, so wollen wir doch dabei zweierlei nicht ver—
gessen: erstens, daß für den höchsten Zweck, für die Ausbreitung
des Evangeliums in der Welt, doch am wenigsten gegeben wird,
und zweitens, daß vor Gott nicht die Millionen eines reichen
Ungläubigen gelten, sondern die Cents und Dollars der gläubigen
Christen, dargebracht aus Liebe zur Sache des HErrn und zur
Ehre seines heiligen Namens. L. F.

In Brasilien, das gegenwärtig unser besonderes Interesse
beansprucht, sind etwa ein Dutzend protestantische Kirchengemein⸗
schaften an der Arbeit. Außer unserm Brasilianischen Distrikt,
der am Jahresschluß 21 Pastoren zählte, gibt es noch eine luthe⸗
rische Synode dort, die mit dem bayrischen lutherischen Gottes⸗
kasten in Verbindung steht und 13 Pastoren zählt; ferner die
evangelische (unierte) Riograndenser Synode, die uns besondere
Opposition macht, mit 38 Pastoren. Die nördlichen und die süd⸗
lichen bischöflichen Methodisten zählen zusammen 40 Pastoren,
zwei presbyterianische Körper haben zusammen 70 Pastoren,
zwei Epifkopalgemeinschaften zählen 13 Pastoren, die Baptisten
33 Pastoren, und außerdem sind noch zwei kleinere Missionen an
der Arbeit. L. F.

—

Die Strase liegt auf ihm.

Vor Jahren, so erzählt P. Gurland aus seinen Erfahrungen
bei der Mission unter Israel, als ich mich eines Tages in Düna⸗
burg nach dem Befinden einer alten jüdischen Frau, einer weit⸗
läufigen Verwandten von mir, erkundigte, sagte mir deren Neffe,
daß sie bereits vor sechs Monaten gestorben sei. Sie war eine
wohlhabende Frau und führte das Geschäft ihres verstorbenen
Mannes (der als halber Reformjude ihr die russische und deutsche
Sprache einigermaßen beigebracht hatte) mit bewundernswerter
Intelligenz fort. Da sie kinderlos war, so wetteiferten ihre Ver⸗
wandten um ihre Gunst. Als ich sie vor vier Jahren auf meiner
Durchreise besuchte, fand ich ihr Haus und Herz sehr leer. Sie
war eine wunderliche, mißtrauische Natur. Diese Eigenschaften
nahmen mit dem Alter zu und erreichten zuletzt einen bedenklichen
Grad, indem sie als reiche, kinderlose Witwe sich stets vbon Erb⸗
schleichern umgeben glaubte. In den letzten paar Jahren gab
sie ihr Geschäft auf und lebte ganz zurückgezogen mit einer alten
christlichen Magd, die seit achtzehn Jahren in ihrem Hause war
und ihr volles Vertrauen besaß. Da durften weder ihre noch ihres
verstorbenen Mannes Verwandten ihre Schwelle betreten. Nach⸗
dem ich auf jedes Erbrecht verzichtet hatte, gelang es mir durch
Vermittlung dieser Magd, in der ich eine kindlich gläubige Seele
fand, Einlaß zu finden. Die alte Dame war aber kalt, stumpf
und mißtrauisch im höchsten Grade. Als ich ihr meine Gründe
darlegte, weshalb ich Christ geworden sei, hörte sie mich lange an,
schüttelte dazwischen den Koͤpf und sagte endlich: „Ich verstehe
von solchen gelehrten Sachen nichts; es wäre doch besser, du bliebest
Jude.“ Ich gab der alten Marianne, der treuen Magd, neben

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