Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 16 › Seite 127
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-04-02, Seite 127
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Um einer Mißernte und einer daraus entstehenden Hungersnoth vorzubeugen, erwartet man, daß Jemand einen Kriegsgefangenen von einem der beiden Geschlechter darbringen würde, und es fanden sich auch stets Solche, die eine Ehre darin suchten, die Beute ihrer Tapferkeit der allgemeinen Wohlfahrt zu weihen. Das Opfer selbst wurde sorgfältig in Unwissenheit über das ihm bevorstehende Schicksal gehalten, wurde auf's Schönste gekleidet, auf's Beste genährt und mit aller Zartheit behandelt, in der Absicht, die Fettleibigkeit zu befördern und den zu versöhnenden Göttern eine desto angenehmere Gabe zu bereiten. War das sorglose Opfer durch den erfolgreichen Gebrauch dieser Mittel hinlänglich gemästet, so wurde ein Tag zur Opferung bestimmt und das ganze Volk versammelte sich, um dem feierlichen Auftritte beizuwohnen.
Denkt euch die große Versammlung der Pawnee's zu Ehren des Opfers und ihr wildes Jauchzen. In die Mitte des großen Kreises bringt man einen Pfahl, dessen Ende geschärft wird, dann treibt man ihn tief in die Erde. Darauf erhebt sich Jauchzen und Freudengeschrei, ein Zeichen, daß alles fertig ist. In einiger Entfernung steht eine Schaar von Pawnee's — an der Seite des Führers ein feines Mädchen. Sie ist eine Iteanerin. Sie nähern sich. Der, welcher sie gefangen führte, tritt stolz in den Kreis. Ein Freudengeschrei bewillkommt ihn. Er nimmt das Mädchen bei der Hand und führt sie zum verhängnißvollen Ort. Ihr Rücken wird gegen den Pfahl gelehnt, man bringt Stricke und sie wird daran gebunden. Dann werden Holzbündel gesammelt und rund um das Opfer gelegt. Schon sieht man eine Fackel, welche aus dem Walde kommt, in der Nähe. In diesem Augenblicke springt ein junger Krieger in den Kreis, stürzt sich zum Pfahle, zerschneidet die Stricke, welche das Opfer daran binden, springt auf ein Pferd und wirft sie auf ein anderes, treibt beide zum schnellsten Galopp und ist bald in der Ferne verschwunden. Es war Petalesharro, der Sohn des großen Häuptlings der Pawnee's, Letalashahou. Nachdem er das gerettete Mädchen in die weiten Ebenen außerhalb der Grenzen der Pawnee-Stadt gebracht und sie mit Lebensmitteln versehen hatte, zeigte er ihr den besten Weg zu ihrem Volke, welches etwa vierhundert Meilen entfernt war, und verließ sie. Sie hatte das Glück, am nächsten Tage einer Kriegerschaar ihres Volkes zu begegnen, von welcher sie sicher nach Hause gebracht wurde.
Im Jahre 1821 ging Petalesharro in Angelegenheiten seines Volkes nach Washington. Die dortigen Damen übergaben ihm in einer feierlichen Versammlung eine Medaille als Anerkennung seiner edlen That. Mit der Anmuth, welche dem Indianer eigenthümlich ist, hielt er das Ehrenzeichen, welches er auf eine so heldenmüthige Weise gewonnen hatte, vor sich hin und antwortete im Hinblicke darauf folgendermaßen: „Dieß Geschenk bringt meinem Herzen Ruhe. Ich fühle mich ruhig, wie ein Blatt nach dem Sturme und wenn der Wind stille ist. Ich habe Euch gehört. Ich bin erfreut. Ich liebe die Blaßgesichter mehr als je, und will meine Ohren weiter öffnen, wenn sie reden. Ich freue mich, daß Ihr von meiner That gehört habt. Ich wußte nicht, daß meine That so gut war. Sie kam aus meinem Herzen. Ich war unbekannt mit ihrem Werthe. Ich weiß jetzt, wie gut sie war. Ihr lehrt es mich, indem Ihr mir diese Medaille schenkt.“
Solche Thaten pflegen die Rationalisten als Beweise für die natürliche Güte, Reinheit und Unverdorbenheit des menschlichen Herzens anzuführen. Wir dagegen sehen nach der heiligen Schrift mit Augustinus in den Tugenden der Heiden nur glänzende Laster. Solche Thaten haben den Schein eines guten Werkes, aber auch nichts mehr, denn sie entspringen aus Ehrgeiz, Eitelkeit, und Ruhmsucht. Das Herz des Unwiedergeborenen ist böse, darum sind es auch alle seine Erzeugnisse, wenn sie äußerlich auch noch so sehr gleißen unter der heuchlerischen Maske der Tugend.
Dagegen offenbart das Heidenthum in den Menschenopfern recht eigentlich sein teufliches, grauenhaftes Wesen. Und doch, man kann es nicht leugnen, spricht sich in dieser fürchterlichen Verirrung eine dunkle Ahnung von der menschlichen Sündhaftigkeit, von dem Zorne Gottes und einem versöhnenden Opfer aus.
Leser! der Du Frieden gefunden und Deine Kleider helle gemacht hast in dem Blute des Lammes und der Du im gläubigen Genusse desselben täglich die Freundlichkeit und Leutseligkeit Deines Gottes schmeckst, vergiß in Deinem Gebete jener armen versunkenen Heiden nicht, die, ohne es selbst zu wissen, nach Erlösung seufzen. Es ist ja Christo ein Leichtes, sie dem starken Gewappneten zu entreißen, sie aus der wasserlosen Grube zu führen und sie zu erleuchten mit dem Worte des ewigen Lebens. Auch sie sind durch die Schöpfung und durch die Erlösung zwiefach Christi Eigenthum, auch ihnen hat er die Seligkeit verheißen, darum laßt uns Alles thun, was uns möglich ist, jene verirrten Schafe in die Arme ihres ewig treuen Hirten zu führen.
„Der Lichtfreund.“
In der letzten Nummer dieses Blattes ereifert sich ein Correspondent aus unserer guten Stadt St. Louis heftig darüber, daß der Lutheraner vor einiger Zeit bewiesen hat, wie thöricht es sei, sich an dem Wunder von Bileams redendem Esel zu stoßen. Diese Sache, sowie der Umstand, daß wir Lutheraner nicht glauben wollen, wie unsere Republik nach unseren Begriffen vom Teufel sei, bringt unseren lieben republikanischen Mitbürger so außer sich, daß er, wie von einem Wahrsagergeist ergriffen, folgenden Orakelspruch thut: „Aber es kommt die Zeit für Amerika gewiß noch leider, wo diese lutherischen Jesuiten, eben so gut wie die katholischen, aus dem Lande getrieben werden, wie dieß anderwärts geschehen ist.“ Da wir nun fürchten müssen, der ehrenwerthe Herr Correspondent habe in der Geschichte von dem redenden Esel etwas für ihn persönlich Ehrenrühriges zu finden geglaubt, so erklären wir hierdurch, daß wir mit derselben durchaus keinen unserer Mitbürger persönlich haben kränken wollen. Was aber den zweiten Punkt betrifft, so glauben wir, daß zwar Revolution nie ohne Sünde gemacht wird, daß aber jede bestehende ordentliche obrigkeitliche Gewalt und Staatsverfassung, gleichviel auf welchem Wege sie zu ihrem Bestand gekommen ist, von Gott sei, denn die Schrift sagt: „Jedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet.“
Der Herr Correspondent hat sich zwar mit dem Buchstaben X unterzeichnet, wir erlauben uns jedoch bescheiden zu zweifeln, daß dieß der Anfangsbuchstabe seines Namens sei, halten vielmehr dafür, daß er uns damit zu unserem Troste zu verstehen geben wolle, er gehöre zu denen, die den Leuten gern ein X für ein U vormachen, daß wir uns daher vor jenem unrepublikanischen Orakelspruch nicht zu fürchten haben.
„Antworte dem Narren nach seiner Narrheit, daß er sich nicht weise lasse dünken.“ Sprüchw. 26, 5.
Als der Fürstlich-Schönburgische Hofprediger zu Hartenstein, Niedner, einstmals bei seinem Fürsten zur Tafel war, wendete sich ein schnippisches adeliges Fräulein mit den Worten an den ehrwürdigen Greis: „Sagen Sie mir doch, Herr Hofprediger, glauben Sie denn wirklich auch das, daß Bileams Esel geredet habe?“ Der Gefragte antwortete schnell: „Nein, mein Fräulein, denn es steht geschrieben, es sei eine Eselin gewesen, die geredet habe.“ — Das Fräulein schwieg.
Recht glauben und wohl leben heimlich und bei sich selbst, fichtet der böse Geist nicht so hart an. Aber wenn man will herausfahren, und dasselbige ausbreiten, bekennen, predigen und loben auch dem andern zu gut, das mag er nicht leiden.
Luther.
Gesetz und Evangelium.
Das Gesetz, wo es recht verstanden wird, so machts verzagt, und richtet Verzweiflung an; wirds aber nicht verstanden, so macht es Heuchelei. Gleichwie das Evangelium, wo es nicht recht verstanden wird, so macht es sichere rohe Leute; wiederum, wo es recht verstanden und geglaubet wird, so macht es fromme gottselige Leute.
Luther.
Kirchliche Nachrichten.
Nachdem Herr Dr. Stibolt aus Holstein von den deutsch-lutherischen Gemeinden zu Warsaw, Illinois, und zu Keokuk, Jowa, einen ordentlichen Beruf erhalten und das vorschriftsmäßige theologische Candidatenexamen bestanden hatte, so ist selbiger am 28. vorigen Monats vor der hiesigen lutherischen Gemeinde in der Dreieinigkeitskirche derselben von dem Präses der Synode unter Assistenz des Pastors Bünger zu seinem Amte öffentlich und feierlich ordinirt worden.
Mittheilung von Welthändeln.
Es ist schwer, von den europäischen und resp. deutschen Zuständen ein richtiges Bild zu entwerfen, noch schwerer, einen Wahrscheinlichkeitsschluß für die nächste Zukunft zu machen, da diese Zustände seit den letzten Monaten in neue Verwirrung und Unsicherheit gerathen sind. Scheinbar ist äußere Ruhe fast allenthalben hergestellt, aber die Erbitterung der Partheien währet fort; die reactionäre d. i. die Rückkehr in die frühern Zu-
English translation AI translation
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In order to prevent a failure of the crops and a famine resulting therefrom, it is expected that someone will present a prisoner of war of one of the two sexes, and there were also always found such as sought an honor in dedicating the booty of their valor to the general welfare. The sacrifice itself was carefully kept in ignorance of the fate awaiting it, was clothed in the finest manner, fed in the best manner, and treated with all tenderness, with the intention of promoting corpulence and of preparing for the gods who were to be propitiated a so much the more acceptable gift. When the unsuspecting victim had been sufficiently fattened by the successful use of these means, a day was appointed for the sacrifice, and the whole people assembled to attend the solemn proceeding.
Imagine to yourselves the great assembly of the Pawnees in honor of the sacrifice, and their wild shouting. In the middle of the great circle a stake is brought, the end of which is sharpened, and then it is driven deep into the earth. Thereupon arise shouting and cries of joy, a sign that all is ready. At some distance stands a band of Pawnees, and at the side of the leader a fair maiden. She is an Itean. They approach. He who led her captive steps proudly into the circle. A cry of joy welcomes him. He takes the maiden by the hand and leads her to the fatal place. Her back is leaned against the stake, ropes are brought, and she is bound to it. Then bundles of wood are gathered and laid round about the victim. Already a torch is seen near by, coming out of the forest. At this moment a young warrior leaps into the circle, rushes to the stake, cuts the ropes which bind the victim to it, springs upon a horse and throws her upon another, drives both at the swiftest gallop, and is soon vanished in the distance. It was Petalesharro, the son of the great chief of the Pawnees, Letalashahou. After he had brought the rescued maiden into the wide plains outside the boundaries of the Pawnee town and had provided her with provisions, he showed her the best way to her people, which was about four hundred miles distant, and left her. She had the good fortune on the next day to meet a band of warriors of her people, by whom she was safely brought home.
In the year 1821 Petalesharro went to Washington on affairs of his people. The ladies there presented him, in a solemn assembly, with a medal in recognition of his noble deed. With the grace which is peculiar to the Indian, he held the token of honor, which he had won in so heroic a manner, before him and answered with reference to it as follows: "This gift brings rest to my heart. I feel myself quiet, like a leaf after the storm and when the wind is still. I have heard you. I am pleased. I love the pale-faces more than ever, and will open my ears wider when they speak. I rejoice that you have heard of my deed. I did not know that my deed was so good. It came from my heart. I was ignorant of its worth. I know now how good it was. You teach it me by giving me this medal."
Such deeds the Rationalists are accustomed to adduce as proofs of the natural goodness, purity, and uncorruptedness of the human heart. We, on the contrary, according to Holy Scripture, with Augustine see in the virtues of the heathen only splendid vices. Such deeds have the appearance of a good work, but nothing more, for they spring from ambition, vanity, and love of fame. The heart of the unregenerate is evil, therefore all its products are also, however much they may glitter outwardly under the hypocritical mask of virtue.
On the other hand, heathenism reveals in human sacrifices its devilish, horrible nature in the truest sense. And yet, it cannot be denied, in this fearful aberration there expresses itself a dim presentiment of human sinfulness, of the wrath of God, and of an atoning sacrifice.
Reader! thou who hast found peace and hast made thy robes white in the blood of the Lamb, and who in believing enjoyment of it dost daily taste the kindness and loving-kindness of thy God, forget not in thy prayer those poor sunken heathen who, without knowing it themselves, sigh for redemption. It is indeed an easy thing for Christ to snatch them from the strong man armed, to lead them out of the pit wherein is no water, and to enlighten them with the Word of eternal life. They also are doubly Christ's own, through creation and through redemption; to them also He has promised salvation; therefore let us do everything that is possible for us to lead those straying sheep into the arms of their eternally faithful Shepherd.
"Der Lichtfreund."
In the last number of this paper a correspondent from our good city of St. Louis is greatly agitated over the fact that the Lutheraner some time ago showed how foolish it is to stumble at the miracle of Balaam's speaking ass. This matter, as well as the circumstance that we Lutherans will not believe that our Republic is, according to our notions, of the devil, brings our dear republican fellow-citizen so beside himself that he, as if seized by a spirit of divination, utters the following oracle: "But the time will surely come for America, alas, when these Lutheran Jesuits, just as well as the Catholic ones, will be driven out of the land, as has happened elsewhere." Since we must now fear that the honorable gentleman correspondent has believed he found in the story of the speaking ass something dishonoring to himself personally, we hereby declare that we have by it not at all intended to offend any of our fellow-citizens personally. But as to the second point, we believe that, although revolution is never made without sin, yet every existing lawful governmental authority and constitution of the state, no matter by what way it has come to its existence, is of God, for the Scripture says: "Let every soul be subject unto the higher powers. For there is no power but of God: the powers that be are ordained of God."
The gentleman correspondent has indeed signed himself with the letter X; we permit ourselves, however, modestly to doubt that this is the initial letter of his name, and hold rather that he wishes thereby, for our comfort, to give us to understand that he belongs to those who like to make people take an X for a U, so that we have therefore nothing to fear from that unrepublican oracle.
"Answer a fool according to his folly, lest he be wise in his own conceit." Prov. 26:5.
When the Princely-Schönburg court preacher at Hartenstein, Niedner, was once at table with his prince, a pert noble young lady turned to the venerable old man with the words: "Pray tell me, Mr. Court Preacher, do you then really believe, too, that Balaam's ass spoke?" The one asked answered quickly: "No, my young lady, for it is written that it was a she-ass that spoke." The young lady was silent.
To believe rightly and to live well secretly and by oneself, the evil spirit does not assail so hard. But when one will come forth, and spread the same abroad, confess, preach, and praise, also for the good of others, that he cannot bear.
Luther.
Law and Gospel.
The Law, where it is rightly understood, makes despondent, and brings about despair; but if it is not understood, it makes hypocrisy. Likewise the Gospel, where it is not rightly understood, makes secure, rough people; on the other hand, where it is rightly understood and believed, it makes pious, godly people.
Luther.
Church News.
After Dr. Stibolt from Holstein had received a regular call from the German Lutheran congregations at Warsaw, Illinois, and at Keokuk, Iowa, and had passed the prescribed theological candidate's examination, he was publicly and solemnly ordained to his office on the 28th of last month before the local Lutheran congregation in its Trinity Church by the President of the Synod, with the assistance of Pastor Bünger.
Communication of World Affairs.
It is difficult to form a correct picture of the European and, respectively, German conditions, still more difficult to draw a probable conclusion for the near future, since these conditions have fallen within the last months into new confusion and uncertainty. Apparently outward quiet has been restored almost everywhere, but the embitterment of the parties continues; the reactionary, that is, the return into the former con-