Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 24 › Seite 374

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. November 1912, Seite 374

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99

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rane

—

Die Lehre der Mormonen.

Fortsetzung.)

Die Mormonen haben auch die Lehre von einem tau⸗
sendjährigen Reich. Es wäre ja auch zu verwundern,
wenn eine Sekte, bei der alles von vorn bis hinten lauter
Schwärmerei und Phantasterei ist, wo alles auf Sinnliches und
simliche Genüsse ausgeht, dieses Irrwahns ledig ginge. Sie
lehren folgendes: „Die Auferstehung der Toten ist allgemein,
aber nicht gleichzeitig. Wenn Christus, unser Leben, erscheint,
wird er erst die erlösen, die in ihm sind. Weil sie Christum
angetan haben und von seinem Geist empfangen haben, so kom⸗
men sie auf seinen Ruf hervor ihm entgegen. Sie haben teil
an der ersten Auferstehung. . . . Die gottlosen Toten bleiben
noch tausend Jahre im Tode. Sie ernten die Früchte ihrer
bösen Aussaat in einem Leben der Sünde.“ (Morm. Doctr.,
S. 58.)

„Es sind drei allgemeine Auferstehungen der Menschen
auf Erden geoffenbart: die eine ift bereits geschehen, die bei⸗
den andern sind noch zukünftig. Die erste allgemeine Aufer⸗
stehung geschah im Zusammenhang mit der Auferstehung JEsu
Christi. Diese begriff in sich die Heiligen und Propheten bei⸗
der Weltteile, von Adam herab bis auf Johannes den Täufer.
Die zweite wird jetzt bald, in den nächsten Jahren, stattfinden,
und unmittelbar darauf wird folgen das Kommen JEsu Christi
in Kraft und großer Herrlichkeit mit all seinen Heiligen und
Engeln. . . . Die dritte und letzte wird erst mehr als tausend
Jahre nachher sich ereignen und die ganze menschliche Familie
in sich fassen.“ (Key, S. 138 f.) Die aus der ersten Aufer⸗
stehung sind bereits auf irgendeinem Planeten verherrlicht.
(S. 139.) Wo das wohl stehen mag?

Dann werden alle Hügel erniedrigt und alle Täler erhöht
werden, alle Sinnpfe und ungesunde Orte werden trocken und
gesund, Hitze und Kälte wird abgetan. Tyrannei, Unter⸗
drückung, Unwissenheit, Abgötterei, Krieg, Leid und' Tod hat
ein Ende. Die Heidenvölker werden erlöst und zu der Herr⸗
lichkeit erhoben, daß sie den Heiligen dienen dürfen. Sie wer⸗
den die Pflüger, Bauleute und Gärtner sein; aber die Hei⸗
ligen werden das Land besitzen, sich vermehren und ausbreiten.
(S. 140.) Die Erde wird durch Feuer gereinigt und neu ge⸗
staltet. Satan und seine Scharen werden gebunden. Eden
blüht wie am Anfang. Der Vorhang zwischen Himmel und
Erde wird weggenommen. (S. 70.) „Diese Erde, in ihrer
geheiligten und unsterblichen Gestalt, wird ein großer Kristall
werden und wird ein Urim und Thummim sein denen, die dar⸗
auf wohnen.“ (Art. of F., S. 389.) Da die Menschenkinder
sich mehren werden in jenen Zeiten des Friedens, so wird ein
sorgfältiges und weises System des Ackerbaues sich schnell ent⸗
wickeln und über die ganze Erde sich ausbreiten.“ (Key,
S. 140.) Kunst und Wissenschaft wird blühen, alle Kenntnisse
werden ausgedehnt, Eisenbahnen und Telegraphenlinien allge⸗
mein erweitert werden. Alle Nationen werden ein großes Bru⸗
dervolk; ein König wird herrschen; es wird eine heilige
Stadt und ein Tempel sein.

Während andere Chiliasten alle Bürger des tausendjähri⸗
gen Reiches nach Jerusalem verpflanzen wollen und sich die
Köpfe darüber zerbrechen, wie sie sie dahin kriegen und da unter⸗
bringen wollen, teilen die Mormonen den Haufen wieder nach
den zwei Weltteilen. Es werde zwei Hauptstädte geben: Jeru⸗
salem im östlichen und Zion im westlichen Erdteil. Deutlich

unterscheide ja der Prophet, wenn er sage: „Zion, du Predige⸗
rin, Jerusalem, du Predigerin“, Jes. 40, 9. Wo wird nun das
westliche Zion sein? Die Bibel gibt die geographische Lage
nicht genau an, redet aber von Bergen und Hügeln; es wird
also in gebirgiger Gegend sein. Das „Buch Mormon“ und
neue Offenbarungen geben mehr Auskunft. Es hat hier in
Nordamerika schon einmal ein Zion, eine Stadt Enochs, ge⸗
geben, aber die hat Gott zu sich genommen. Aber das wird
wiederkommen. Wo wird es dann seine Stätte haben? Das
„Buch Mormon“ sagt bestimmt: auf dem westlichen Kontinent.
Spätere Offenbarungen bezeichneten den genauen Ort der ein⸗
stigen Sammlung der Heiligen. Die Sadt Independence in
Missouri wurde bezeichnet als das „Zentrum“, die Stelle, wo
der Tempel stehen würde, mit Bestimmtheit angegeben und die
Heiligen angewiesen, das Land zu kaufen, damit sie es hätten
zum ewigen Erbe. Am 3. August 1831 wurde die Tempelstelle
geweiht und die ganze Umgegend geheiligt, daß sie sei der Sam⸗
melplatz des Volkes Gottes. Zwar haben sie das Land jetzt nicht
im Besitz; aber es geht ihnen wie Israel, dem auch Kanaan
verheißen war und gehörte, als es noch in den Händen der Hei⸗
den war. (Art. of F., S. 364.) „Aber das ganze gesammelte
Israel kann nicht auf das Zentrum beschränkt werden, auch nicht
auf die unmittelbare Umgegend; andere Plätze sind und werden
noch bezeichnet werden, und diese heißen Pfähle (stakes)
Zions.“ (S. 365.)

Vom tausendjährigen Reich geht es dann unmittelbar
über in den Himmel, in die ewige Seligkeit. Der Himmel wird
für uns auf dieser Erde sein. „Diese Erde soll unsere zukünf⸗
tige Heimat und unser Himmel werden.“ (Doctr. of D.,
S. 282.) Denn es steht geschrieben: „Selig sind die Sanft⸗
mütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen“, Matth. 5, 5.
„Und da, wie hier, werden wir uns ausbreiten und unsere Kin⸗
der vermehren. Wie lange? Ewig. Was? Auferstandene
Heilige sollen Kinder haben? Ja, gerade wie unser Gott auch.
Eure Söhne und Töchter sollen unzählbar sein wie der Sand
am Meer, und ihr werdet ihre himmlischen Väter sein, gerade
wie unfer himmlischer Vater unser Vater ist.“ (S. 284.)
„Wir werden nicht beschränkt sein auf unsere heimatliche Erde.
Es gibt viele Welten, die von Menschen in der Herrlichkeit be⸗
wohnt werden; denn der Himmel ist nicht ein Ort, sondern
viele; der Himmel ist nicht eine Welt, sondern viele.“

Noch eine eigentümliche greuliche Lehre haben die Mor⸗
monen, die sie nicht gern öffentlich bekannt haben wollen, die
die „Reorganisierten“ an ihnen tadeln und verwerfen. Das
ist die Lehre von der Blutsühne. Wir geben sie nach einer
ihrer eigenen Streitschriften gegen die „Reorganisierten“ und
kehren nur ihre eigene Seite hervor; dann ist sie immer noch
greulich genug. Sie lehren: Es gibt Sünden, für die Christi
Blut keine Sühne ist, die der Sünder mit seinem eigenen Blute
sühnen muß. „Es gibt Sünden, für die Menschen keine Ver⸗
gebung finden können, weder in dieser noch in jener Welt. Und
wenn sie ihren wahren Zustand kennten, dann würden sie gern
ihr Blut vergießen lassen, damit der Dampf desselben gen
Himmel steige als ein Opfer für ihre Sünden, und dieser
rauchende Weihrauch würde ihre Sünden sühnen; während,
wenn das nicht der Fall ist, sie ihnen ankleben in der Welt der
Geister. . . . Ja sie würden ihre Brüder bitten, ihr Blut zu
vergießen, damit der Dampf davon zu Gott aufsteige als ein
Opfer, um seinen Zorn abzuwenden, der gegen sie entbrannt
ist. . . . Es sind schon Leute zu mir gekommen und haben ihr

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