Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 2 › Seite 15
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-18, Seite 15
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Antichriſt 4 · Chriſtenverfolgung
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drängte, ließen auch noch eine authentische Erklärung und Erläuterung derselben folgen. Jene 29 Regierungen, bis auf Würtemberg, das fest an der Frankfurter Verfassung zu halten wiederholt versichert, neigen sich schon der preußischen Verfassung zu, einige haben ihren Beitritt bereits offen erklärt. Die Partei Gagerns schrieb auch schon einen Tag nach Gotha aus, um privatim zu berathen, wie der Uebergang von jener zu dieser Verfassung am besten anzubahnen und zu vermitteln sei. Der bayerische Minister von der Pfordten ist nach Wien, um wo möglich eine erwünschte Einigung zwischen Oesterreich und dem übrigen Deutschland zu Stande zu bringen, nachdem der bayerische Landtag wegen hartnäckigen Beharrens der Majorität auf unbedingte Annahme der Frankfurter Verfassung, wovon unter jetzigen Umständen vernünftiger Weise gar keine Rede mehr sein kann, aufgelös't worden war.
Wir stehen also jetzt an einem neuen Abschnitt. Gebe Gott den Fürsten weise und redliche Herzen, daß sie ihr eigenes und ihrer Völker Wohl auf neuen Grundlagen fest, frisch und freisinnig aufbauen, und doch ja nicht übersehen, daß es nur Einen Felsengrund gibt, worauf jene Grundlagen gestützt werden können und müssen, damit sie die Gnade dessen nicht verläßt, von dessen Gnaden sie sich so gerne, will's Gott, jetzt im rechten Sinn und Verstand und mit gläubigen und redlichen Herzen — nennen. Gewichen ist diese Gnade bis jetzt noch nicht, weder von den Fürsten noch von den Völkern. Denn die ernsten Züchtigungen, die über beide Theile gekommen sind, so wie die Bewahrung vor äußern Feinden, und die immer wieder neugewährten Haltpunkte, die zum ruhigern Bedenken, zur Mäßigung und bußfertigen Umkehr von verkehrten Wegen auffordern, sind unverkennbare Beweise davon. — Meine nächste Mittheilung hoffe ich in bei weitem kürzerer Frist geben zu können.
(Eingesandt.)
Politisches.
Der unter dieser Ueberschrift in voriger Nummer erschienene Aufsatz bedarf in historischer Hinsicht einer Berichtigung, welche hiermit aus Liebe zur Wahrheit freundlichst geboten wird.
Der Grundsatz, welcher die römische Republik in unsern Tagen ins Leben rief, ist so wenig neu im römischen Volke, daß wir vielmehr schon in den ältesten Zeiten der Pabstherrschaft diesen Grundsatz unter dem römischen Volke zur Geltung gebracht sehen. So war z. B. die um die Mitte des 12ten Jahrhunderts entstandene Republik in Rom aus keinem andern Grundsatz hervorgegangen; denn als die Römer im Jahre 1143 dem Pabste Innocenz II. den weltlichen Gehorsam aufkündigten, einen „Senat des römischen Volkes“ erwählten und alle öffentlichen Urkunden mit dem alten S. P. Q. R. (der Senat und das Volk der Römer) ausfertigten, hatten sie folgenden Wahlspruch: „Die Päbste sind Geistliche und sollen von ihren geistlichen Geschäften ohne weltliche Herrschaft leben.“ Und daß diese „Idee“ selbst nicht blos von Einzelnen gehegt und zur Geltung gebracht wurde, sondern öffentliche Meinung war, dafür scheint einerseits zu sprechen, daß man den kühnen Herold derselben, den Priester Arnold von Brescia, in ganz Ober- und Mittel-Italien fast vergötterte; andererseits, daß vier Päbste hintereinander vergeblich gegen die junge Republik anstürmten, Bann auf Bann wirkungslos an ihr herabgleitete und es erst dem Schwerte des deutschen Kaisers Friedrich I. gelingen konnte, sie zu zertrümmern. Das römische Volk aber rächte noch die Hinrichtung jenes Priesters durch furchtbar blutigen Aufstand.
„Es geschieht nichts Neues unter der Sonne.“ Pred. 1, 9.
(Eingesandt.)
Todesnachricht.
Es hat Gott nach seinem unerforschlichen Rathschluß gefallen, am 31. August, Morgens, gegen 10 Uhr nach kaum zehnstündiger Krankheit, an der Cholera, meinen geliebten Amts- und Glaubens-Bruder, Pastor A. Wolter, Lehrer am hiesigen Seminar, heimzurufen und aus der kämpfenden in die triumphirende Kirche zu versetzen, nachdem er wenige Tage zuvor sein 31stes Jahr erreicht, und der Kirche nahe an drei Jahre in seinem hiesigen Lehramt gedient hatte.
So herzlich wir uns nun auch im Geiste freuen, daß der HErr ihn nach so kurzem Leiden aus diesem Jammerthal erlöset, und aus der Gemeinde der Heiligen auf Erden in die im Himmel verpflanzt hat: so tief ist doch zugleich unsere Trauer und Betrübniß, daß wir, und zudem so plötzlich, seiner beraubet sind. Denn unsre Anstalt, und mittelbar die Kirche, hat an ihm einen ebenso treuen als tüchtigen Lehrer, unsere jungen Brüder einen väterlichen Freund und ein leuchtendes Vorbild edler christlicher Tugenden und ich selber einen Amtsbruder verloren, der mit mir auch für und in unserer gemeinsamen Arbeit von demselben Grunde aus und nach demselben Ziele hin Ein Herz und Eine Seele war; denn auch nicht auf Minuten ist je zwischen uns der leiseste Schatten eines Mißverständnisses, geschweige etwas Fremdes und Gespanntes oder ein blos todtes Nebeneinander gewesen; für, mit, und in einander haben wir allezeit dem HErrn und seiner Kirche gedient.
Besonders eigenthümlich war ihm:
1. Eine seltene ungeheuchelte Demuth, so recht von Herzen, kraft deren er sich nicht nur gegen Gott und ältere Brüder, sondern auch gegen andere Leute, ja selbst gegen seine Schüler mit Lust und Liebe erniedrigte und sich stets für den Geringsten hielt, ohne deshalb jedoch die Gnade und Gabe von Gott, die er hatte, zu verkennen oder zu unterschätzen.
2. Eine ausnehmende Lauterkeit der ganzen Gesinnung, durch die all sein Denken, Reden und Thun, sein amtliches und sonstiges Wirken einfältiglich auf Gottes Ehre und des Nächsten Nutz und Frommen hinauslief. Etwas Eigenes zugleich darin zu suchen, seine Person in die Sache des HErrn fleischlich mit hineinzumischen — diese pietistisch-methodistische Unlauterkeit war ihm durchaus fremd; sein Herz, Sinn und Muth war durchaus in dem HErrn und dessen heiliger Sache auf- und auch die feinere Eigensucht und Eigenliebe darin wir untergegangen; im weitesten Sinn wußte bei ihm die linke Hand nicht, was die rechte that.
3. Eine seltene selbstverleugnende und dienende Liebe, nicht nur in seinen nächsten amtlichen Verhältnissen, sondern auch gegen mich und alle Leute, die seiner bedurften. Und aus dieser Liebe kam es denn auch in dieser letzten betrübten Zeit, daß er mit den Studenten unter den Freiwilligen der Gemeinde war, um Cholerakranke aus der Gemeinde zu pflegen, die keine Angehörigen oder keine guten Freunde und getreue Nachbarn hatten, oder wo beide Eheleute zugleich schwer erkrankten u. s. f. Und auf diese Weise hat er denn auch sein Leben gelassen für die Brüder in dem lebendigen Thatbekenntniß heiliger christlicher Liebe.
4. Ein ungemeiner Eifer für die Ausrichtung seines Lehramtes; denn obwohl er gar keine bestimmte Besoldung begehrte, die ihm jedoch wurde, so that er weit mehr, als seine eigentliche Berufspflicht erforderte, trieb mit einzelnen Zöglingen besonders Lateinisch, Griechisch und Hebräisch und half auf der andern Seite wieder einzelnen Schwächeren nach, wie es gerade ihre Nothdurft erforderte, und war der Haus- und Pflegevater von Allen. Auf sein Stehpult hatte er einen Zettel geklebt, darauf stand:
„Verflucht sei, wer des HErrn Werk lässig thut!“ Jer. 48, 10.
„Warum? Weil Gottes lieber Sohn, sein einiges Kind, mein HErr JEsus, mich mit schwerer, saurer Arbeit durch sein theures Blut erworben und erstritten hat.“
5. Eine besondere Freundlichkeit und Lieblichkeit im Umgange, die, obwohl in einem gewissen Zusammenhange mit der natürlichen Gemüthsart, doch wesentlich von der Gnade Gottes geheiligt und von der Liebe Christi beseelt war. Im Predigen war er überaus einfach, kräftig und erbaulich, im Lehren sehr verständlich und faßlich, so daß auch die mittleren Köpfe ihm leicht folgen konnten.
Wie er nun durch Gottes Gnade dem HErrn und im HErrn gelebt hat, so ist er auch in demselben fein und seliglich gestorben. In der Nacht nemlich vom 30. zum 31. August wurde er von der Cholera befallen; und ob er zwar einige vorräthige Mittel sogleich anwandte und so schnell als möglich darauf die Hülfe eines tüchtigen Arztes erlangt wurde, dem bald darauf sein College zum Beistand erschien, so waren doch Beider vereinte Bemühungen durchaus fruchtlos, das dahineilende Leben aufzuhalten.
In der Frühe zwischen 5 und 6 Uhr, sobald ich die Nachricht erhielt, eilte ich zu Pferde hinaus, fand aber schon beim Eintritt in die Thüre zu meiner herzlichen Betrübniß auf seinem Gesichte den bedenklichen Ausdruck vor, der dem Kundigen den baldigen Hintritt des Geliebten anzeigt. Er empfing mich mit dem Verslein:
„Ein Arzt ist uns gegeben,
Der selber ist das Leben;
Christus, für uns gestorben,
Hat uns das Heil erworben.“
English translation AI translation
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pressed, caused an authentic explanation and elucidation of it to follow as well. Those 29 governments, except Würtemberg, which has repeatedly assured that it will hold fast to the Frankfurt Constitution, are already inclining to the Prussian constitution; some have already openly declared their accession. Gagern's party has also already issued a call for a day at Gotha, to deliberate privately how the transition from that constitution to this one may best be prepared and brought about. The Bavarian minister von der Pfordten has gone to Vienna, in order, if possible, to bring about a desirable agreement between Austria and the rest of Germany, after the Bavarian Diet, on account of the obstinate insistence of the majority on the unconditional adoption of the Frankfurt Constitution, of which under present circumstances there can reasonably be no further question, had been dissolved.
We stand, then, now at a new turning point. May God give the princes wise and upright hearts, that they may build up their own welfare and that of their peoples on new foundations firmly, freshly and liberally, and yet by no means overlook that there is only one rock foundation upon which those foundations can and must be supported, that the grace of Him may not forsake them, by whose grace they so gladly, God willing, now in the right sense and understanding and with believing and upright hearts — call themselves. This grace has not yet departed, neither from the princes nor from the peoples. For the earnest chastisements which have come upon both parties, as also the preservation from foreign enemies, and the ever again newly granted points of rest, which summon to calmer reflection, to moderation, and to penitent return from perverse ways, are unmistakable proofs of it. — My next communication I hope to be able to give within a far shorter time.
(Sent in.)
Politics.
The article which appeared under this heading in the last number requires a correction in respect of history, which is hereby kindly offered out of love for the truth.
The principle which called the Roman republic into life in our days is so little new among the Roman people that we see, rather, this principle brought into force among the Roman people already in the oldest times of the papal dominion. Thus, for example, the republic that arose in Rome about the middle of the 12th century had sprung from no other principle; for when the Romans in the year 1143 renounced their temporal obedience to Pope Innocent II., elected a "Senate of the Roman People" and issued all public documents with the old S. P. Q. R. (the Senate and the People of the Romans), they had the following motto: "The popes are clergymen and are to live by their spiritual duties without temporal dominion." And that this "idea" itself was not merely cherished and brought into force by individuals, but was public opinion, would seem to be indicated on the one hand by the fact that the bold herald of it, the priest Arnold of Brescia, was almost deified throughout all Upper and Central Italy; on the other hand, by the fact that four popes in succession assailed the young republic in vain, ban upon ban glided off from it without effect, and it was first possible for the sword of the German Emperor Frederick I. to shatter it. The Roman people, however, avenged the execution of that priest by a fearfully bloody uprising.
"There is no new thing under the sun." Eccles. 1, 9.
(Sent in.)
Notice of a Death.
It has pleased God, according to His unsearchable counsel, on the 31st of August, in the morning, about 10 o'clock, after an illness of scarcely ten hours, of the cholera, to call home my beloved brother in office and in faith, Pastor A. Wolter, teacher at the seminary here, and to translate him from the church militant into the church triumphant, after he had reached his 31st year a few days before, and had served the church nearly three years in his teaching office here.
However heartily we now rejoice in spirit that the LORD has redeemed him after so brief a suffering from this vale of misery, and has transplanted him from the congregation of the saints on earth into that in heaven: yet so deep at the same time is our mourning and affliction that we, and moreover so suddenly, are bereaved of him. For our institution, and mediately the church, has lost in him a teacher as faithful as he was capable, our young brethren a fatherly friend and a shining example of noble Christian virtues, and I myself a brother in office, who with me also in and for our common labor, from the same ground and toward the same goal, was of one heart and one soul; for not even for minutes has there ever been between us the faintest shadow of a misunderstanding, let alone anything strange and strained or a merely dead living side by side; for, with, and in one another we have at all times served the LORD and His church.
Especially characteristic of him were:
1. A rare, unfeigned humility, truly from the heart, by virtue of which he abased himself not only toward God and older brethren, but also toward other people, yes, even toward his pupils, with pleasure and love, and always held himself for the least, without therefore, however, mistaking or underrating the grace and gift from God which he had.
2. An eminent purity of the whole disposition, through which all his thinking, speaking and doing, his official and other activity, issued in simplicity to God's honor and to the neighbor's profit and benefit. To seek something of his own at the same time therein, to mingle his person carnally into the cause of the LORD — this pietistic-methodistic impurity was altogether foreign to him; his heart, mind and spirit were altogether taken up in the LORD and His holy cause, and even the finer selfishness and self-love had been swallowed up therein; in the widest sense his left hand knew not what his right hand did.
3. A rare self-denying and serving love, not only in his nearest official relations, but also toward me and all people who had need of him. And from this love it came about, also in this last sorrowful time, that he was with the students among the volunteers of the congregation, in order to nurse cholera patients of the congregation who had no relatives or no good friends and faithful neighbors, or where both spouses fell gravely ill at once, etc. And in this way he also laid down his life for the brethren, in the living testimony of deed to holy Christian love.
4. An uncommon zeal for the discharge of his teaching office; for although he demanded no fixed salary, which, however, was given him, he did far more than his proper professional duty required, pursued with individual pupils especially Latin, Greek and Hebrew, and on the other side again helped individual weaker ones along, as their need just required, and was the house-father and foster-father of all. On his standing desk he had pasted a slip, on which stood:
"Cursed be he that doeth the work of the LORD slackly!" Jer. 48, 10.
"Why? Because God's dear Son, His only child, my LORD JESUS, has won and purchased me with heavy, bitter labor through His precious blood."
5. A special friendliness and amiability in intercourse, which, though in a certain connection with his natural temperament, was yet essentially sanctified by the grace of God and animated by the love of Christ. In preaching he was exceedingly plain, forcible and edifying, in teaching very intelligible and comprehensible, so that even the average minds could follow him easily.
As he lived by God's grace to the LORD and in the LORD, so he also died in the same, finely and blessedly. In the night, namely, from the 30th to the 31st of August he was seized by the cholera; and although he at once applied some remedies he had at hand, and as quickly as possible the help of a capable physician was obtained, to whose assistance his colleague soon afterward appeared, yet the united efforts of both were altogether fruitless to stay the hastening life.
Early in the morning between 5 and 6 o'clock, as soon as I received the news, I hurried out on horseback, but found already on entering the door, to my heartfelt sorrow, upon his face the ominous expression which to the experienced announces the speedy departure of the beloved. He received me with the little verse:
"A Physician is given us,
He Himself is the Life;
Christ, for us dead,
Has won for us salvation."