Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 26 › Seite 203
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-19, Seite 203
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch. 9197⁷ · Geſangbuch · Geſang · Taufe · Taufe 58
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Hie kann ich nicht fehlen: denn GOttes Gebot kann nicht trügen. Er hat aber niemand von meinem Glauben etwas gesagt, geboten, noch befohlen.
78. Wahr ists, daß man gläuben soll zur Taufe: aber auf den Glauben soll man sich nicht täufen lassen. Es ist gar viel ein ander Ding, den Glauben haben, und sich auf den Glauben verlassen, und also sich darauf täufen lassen. Wer sich auf den Glauben täufen lässet, der ist nicht allein ungewiß, sondern auch ein abgöttischer verleugneter Christ: denn er trauet und bauet auf das Seine, nemlich auf eine Gabe, die ihm GOtt gegeben hat, und nicht auf GOttes Wort alleine; gleichwie ein andrer bauet und trauet auf seine Stärke, Reichthum, Gewalt, Weisheit, Heiligkeit, welches doch auch Gaben sind, von GOtt ihm gegeben.
79. Welcher aber getauft wird auf GOttes Wort und Gebot, wenn da gleich kein Glaube wäre, dennoch wäre die Taufe recht und gewiß: denn sie geschicht, wie sie Gott geboten hat. Nütze ist sie wohl nicht dem ungläubigen Täuflinge, um seines Unglaubens willen; aber darum ist sie nicht unrecht, ungewiß, oder nichts. Wenn das alles sollte unrecht oder nichts sein, was den Ungläubigen nicht nütze ist, so würde nichts recht noch gut bleiben. Denn das Evangelium ist auch aller Welt zu predigen geboten: der Ungläubige hörets und ist ihm nichts nütze; sollts darum auch nicht ein Evangelium, oder unrecht Evangelium sein? GOtt selbst ist dem Gottlosen kein nütze; sollte er darum nicht GOtt sein?
80. Wenn nun gleich ein alter Mensch sollte getauft werden, und sprechen: Herr, ich will mich täufen lassen. So fragst du: Gläubest du denn auch? wie Philippus den Kämmerer, Apostg. 8, 37., und wir täglich die Täuflinge fragen; so wird er mir nicht so herfahren und sagen: Ja, ich will wohl Berge versetzen durch meinen Glauben; sondern also: Ja, Herr, ich gläube, aber auf solchen Glauben baue ich nicht, er möchte mir zu schwach oder ungewiß sein: ich will getauft sein auf GOttes Gebot, der es haben will von mir, auf solch Gebot wage ichs; mit der Zeit mag mein Glaube werden, wie er kann. Wenn ich auf sein Gebot getauft bin, so weiß ich, daß ich getauft bin. Wenn ich auf meinen Glauben getauft würde, sollte ich morgen wohl ungetauft funden werden, wenn mir der Glaube entfiele, oder ich angefochten würde, als hätte ich gestern nicht recht gegläubt. Mir nicht! Er fechte GOtt und sein Gebot an, darauf ich getauft bin, das ist mir gewiß genug. Mein Glaube und ich stehen unter Ebentheur. Gläube ich, so ist mir die Taufe nütze; gläube ich nicht, so ist sie mir nicht nütze. Aber die Taufe ist darum nicht unrecht oder ungewiß, stehet auch nicht auf euenturo, das ist, auf Ebentheur, sondern auf dem gewissen GOttes Wort und Gebot.
81. Also wird er auch sagen von seiner Kindertaufe: Ich danke GOTT und bin fröhlich, daß ich ein Kind getauft bin; denn da habe ich gethan, was GOtt geboten hat: Ich habe nun gegläubt oder nicht, so bin ich dennoch auf GOttes Gebot getauft. Die Taufe ist recht und gewiß, GOtt gebe, mein Glaube sei noch heutiges Tages gewiß oder ungewiß; ich mag denken, daß ich noch gläube und gewiß werde. An der Taufe fehlet nichts; am Glauben fehlets immerdar, denn wir haben an dem Glauben genug zu lernen unser Lebenlang, und er kann fallen, daß man sagt: Siehe, da ist Glaube gewesen, und ist nicht mehr da. Aber von der Taufe kann man nicht sagen: Siehe, da ist die Taufe gewesen, und ist nun nicht mehr Taufe. Nein, sie stehet noch: denn GOttes Gebot stehet noch; und was nach seinem Gebot gethan ist, stehet auch und wird auch bleiben.
82. Bisher haben wir, meines Dünkens, stark genug beweiset, daß die Wiedertäufer unrecht thun, daß sie die erste Taufe vernichtigen, wenn sie gleich gewiß wären, daß die Kinder ohne Glauben getauft würden; deß sie doch auch nicht gewiß sein können. Wiederum, daß die Kinder gläuben, das können wir auch mit keinem Spruch beweisen, der so hell und klar heraus sage mit solchen oder dergleichen Worten: Ihr sollt die Kinder täufen, denn sie gläuben auch. Wer uns auf solche Buchstaben zu beweisen dringet, dem müssen wir weichen und gewonnen geben, wir finden sie nirgend beschrieben. Aber fromme vernünftige Christen begehren solches nicht; die zänkische, halsstarrige Rotten thuns, auf daß sie klug gesehen werden. Wiederum, werden sie auch keinen Buchstaben bringen, der da sage: Ihr sollt alte Leute täufen, und kein Kind. Doch, daß Kinder täufen recht sei, und sie auch gläuben, bereden wir uns aus vielen starken Ursachen.
83. Erstlich, weil solch Kindertäufen von den Aposteln herkommt, und sint der Apostel Zeiten gewähret hat, so können wirs nicht wehren, müssens so lassen bleiben, weil niemand bisher hat mögen beweisen, daß die Kinder in der Taufe nicht gläuben, oder solch Täufen unrecht sei. Denn ob ich gleich ungewiß wäre, daß sie gläubten, so müßte ich doch meines Gewissens halben sie täufen lassen; sintemal es viel besser ist, daß die Taufe über die Kinder gehe, denn daß ich sie abthät. Denn wo die Taufe recht und nütze wäre, und seligete die Kinder (wie wir gläuben), und ich thäte sie abe, so wäre ich schuldig an allen Kindern, so ohne Taufe verloren würden: das wäre grausam und erschrecklich. Wäre sie aber unrecht, das ist, unnütze, und hülfe die Kinder nichts, so wäre damit nichts anders gesündiget, denn daß GOttes Wort wäre vergeblich gesprochen, und sein Zeichen vergeblich gegeben; ich wäre aber damit keiner verlornen Seelen schuldig, sondern des vergeblichen Brauchs an GOttes Wort und Zeichen.
84. Aber solches würde mir GOtt leichtlich vergeben, weil ichs unwissend thät, und dazu aus Furcht thun müßte, als der ichs nicht erdichtet, sondern also von Anfang auf mich kommen wäre, und mit keiner Schrift beweisen könnte, daß unrecht sei, und ungerne thät, wo ichs überweiset würde: und wäre zwar schier gleich, als wenn ich GOttes Wort, das ich aus seinem Befehl muß predigen, unter die Ungläubigen vergeblich predigte; oder, wie er sagt Matth. 7, 6. „die Perlen vor die Säu, und das Heiligthum vor die Hunde würfe“; was könnte ich dazu? Hie wollte ich auch lieber daher sündigen, daß ich vergeblich predigete, denn dorthin, daß ich gar nichts wollte predigen: denn mit vergeblicher Predigt werde ich keiner Seelen schuldig; aber mit nicht predigen möchte ich vieler Seelen schuldig werden; ja, es wäre allzuviel an einer.
85. Dies sage ich, wenns gleich so wäre, daß der Kinder Glaube ungewiß wäre, auf daß man die gewisse Taufe um ungewissen Glaubens willen nicht nachlasse, weil wirs nicht erfunden, sondern also von der Apostel Zeit her empfangen haben: denn man soll nichts umstoßen oder ändern, was man nicht mit heller Schrift kann umstoßen oder ändern. GOTT ist wunderlich in seinen Werken; was er nicht haben will, davon zeuget er genugsam in der heiligen Schrift. Was er daselbst nicht zeuget, das laß man gehen als sein Werk. Wir sind entschuldiget: Er wird uns nicht verführen. Das wäre wohl ein böses Stücke, wenn wirs wüßten oder glaubten, daß der Kinder Taufe untüchtig wäre, und täuften sie gleichwohl, wie die Valdenser thun: denn damit spottete man GOtt und sein Wort.
(Schluß folgt.)
(Eingesandt von A. Sch.)
Etwas über die beiden Lieder: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ ꝛc. und: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ ꝛc.
Der Verfasser dieser beiden unvergleichlichen Lieder, deren Jubelton immer wieder das Herz mit heiliger Begeisterung erfüllt, so oft man sie auch lesen oder singen hören mag, ist Dr. Phil. Nicolai, geboren am 10. August 1556 zu Mengeringhausen in der Grafschaft Waldeck. Er war zuerst Pastor zu Unna in der Mark und starb als Pastor zu St. Catharinen in Hamburg. Die beiden Lieder nebst ihren Melodien befinden sich als Anhang eines von ihm im Jahre 1599 herausgegebenen Buches, welches den Titel führt: „Freudenspiegel des ewigen Lebens.“ Auch wenn wir über die Entstehung dieser Lieder nichts Genaueres wüßten, so müßte uns schon die wunderbare Kraft derselben darauf hinleiten, daß sie unter ganz besonderen Einflüssen der göttlichen Gnade und des lebendigen Trostes Gottes, aus ganz besonderem Anregen des Heiligen Geistes geschrieben sein müssen. Und so ist es auch. Es sind Freudenlieder, und sind doch gedichtet zur Zeit des allergrößten Jammers und Leides, unter den schwersten Heimsuchungen Gottes. In einer Zeit, wo alles weinte, nahm der fromme Sänger seine Harfe und schlug die Freudentöne des ewigen Lebens an, um sein und anderer Herzen über den Kummer der Erde in die himmlische Freude emporzuheben. Im Jahre 1598 nemlich wüthete die Pest zu Unna, wo eben damals Nicolai
English translation AI translation
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Here I cannot err: for GOD's command cannot deceive. But He has said, commanded or enjoined nothing to anyone concerning my faith.
78. It is true that one should believe in coming to baptism: but one should not let oneself be baptized upon faith. It is quite another thing to have faith, and to rely upon faith, and so to let oneself be baptized upon it. He who lets himself be baptized upon faith is not only uncertain, but also an idolatrous, denied Christian: for he trusts and builds upon what is his own, namely upon a gift which GOD has given him, and not upon GOD's Word alone; just as another builds and trusts upon his strength, riches, power, wisdom, holiness, which also are gifts given him by GOD.
79. But whoever is baptized upon GOD's Word and command, even if there were no faith, the baptism would nevertheless be right and sure: for it takes place as GOD has commanded. Profitable it is indeed not to the unbelieving baptized person, by reason of his unbelief; but for that reason it is not wrong, uncertain, or nothing. If everything were to be wrong or nothing that profits not the unbelieving, then nothing would remain right or good. For the Gospel also is commanded to be preached to all the world: the unbeliever hears it and it profits him nothing; should it therefore also not be a Gospel, or a false Gospel? GOD Himself is of no profit to the godless; should He therefore not be GOD?
80. Now if a grown man were to be baptized, and say: Sir, I will have myself baptized. Then you ask: Believest thou also? as Philip the eunuch, Acts 8:37, and as we daily ask those to be baptized; he will not come forward so and say to me: Yea, I will indeed remove mountains by my faith; but thus: Yea, Sir, I believe, but upon such faith I do not build, it might be too weak or uncertain for me: I will be baptized upon GOD's command, who will have it of me, upon such command I venture it; in time my faith may become what it can. If I am baptized upon His command, then I know that I am baptized. If I were baptized upon my faith, I might well be found unbaptized tomorrow, if faith failed me, or I were assailed, as though yesterday I had not rightly believed. Not so with me! Let him assail GOD and His command, upon which I am baptized, that is sure enough for me. My faith and I stand at hazard. If I believe, baptism is profitable to me; if I believe not, it is not profitable to me. But baptism is for that reason not wrong or uncertain, nor does it stand upon euenturo, that is, upon hazard, but upon the sure Word and command of GOD.
81. So he will also say of his infant baptism: I thank GOD and am glad that I was baptized as a child; for there I did what GOD commanded: I have now believed or not, I am nevertheless baptized upon GOD's command. Baptism is right and sure, whether, GOD grant, my faith be today certain or uncertain; I may think that I still believe and shall become certain. Nothing is lacking in baptism; in faith something is ever lacking, for we have enough to learn in faith all our life long, and it can fall, so that one says: Behold, there was faith, and it is no longer there. But of baptism one cannot say: Behold, there was baptism, and it is now no longer baptism. Nay, it stands still: for GOD's command stands still; and what is done according to His command stands also and shall also remain.
82. Thus far we have, in my opinion, proved strongly enough that the Anabaptists do wrong in making void the first baptism, even if they were certain that the children were baptized without faith; of which they also cannot be certain. Again, that children believe, this we also cannot prove with any saying that declares so plainly and clearly in such or like words: You shall baptize the children, for they also believe. Whoever presses us to prove it by such letters, to him we must yield and give up the case, we find them nowhere written. But pious, reasonable Christians do not demand such a thing; the contentious, stiff-necked factions do it, that they may be seen to be clever. Again, they also will bring no letter that says: You shall baptize adult persons, and no child. Yet that the baptizing of children is right, and that they also believe, we persuade ourselves from many strong reasons.
83. First, since such infant baptism comes from the apostles, and has continued since the apostles' times, we cannot forbid it, and must let it remain so, since no one hitherto has been able to prove that the children in baptism do not believe, or that such baptizing is wrong. For even if I were uncertain whether they believed, I should yet for my conscience' sake have to let them be baptized; seeing that it is much better that baptism pass over the children than that I should abolish it. For if baptism were right and profitable, and saved the children (as we believe), and I abolished it, I should be guilty of all the children who without baptism would be lost: that would be dreadful and terrible. But if it were wrong, that is, unprofitable, and helped the children nothing, then nothing else would thereby be sinned, except that GOD's Word would be spoken in vain, and His sign given in vain; but I should thereby be guilty of no lost souls, but of the vain use of GOD's Word and sign.
84. But such a thing GOD would easily forgive me, since I did it in ignorance, and moreover had to do it out of fear, as one who did not invent it, but it came upon me thus from the beginning, and who could not prove by any Scripture that it is wrong, and who would do it unwillingly, if I were convinced of it: and it would indeed be almost the same as if I were to preach GOD's Word, which I must preach by His command, in vain among the unbelieving; or, as He says, Matt. 7:6, "cast pearls before swine, and give that which is holy unto the dogs"; what could I do about it? Here also I would rather sin on this side, that I preached in vain, than on that, that I would preach nothing at all: for with vain preaching I become guilty of no souls; but by not preaching I might become guilty of many souls; yea, it would be too much with one.
85. This I say, even if it were so that the faith of children were uncertain, that one may not give up the sure baptism for the sake of an uncertain faith, since we did not invent it, but have received it thus from the apostles' time: for one ought to overturn or change nothing which one cannot overturn or change with clear Scripture. GOD is wonderful in His works; what He will not have, of that He testifies sufficiently in Holy Scripture. What He there testifies not, that let one let go as His work. We are excused: He will not mislead us. That would indeed be an evil business, if we knew or believed that the baptism of children were unfit, and yet baptized them, as the Waldenses do: for thereby one would mock GOD and His Word.
(Conclusion follows.)
(Contributed by A. Sch.)
Something about the Two Hymns: "Wachet auf, ruft uns die Stimme" etc. and: "Wie schön leuchtet der Morgenstern" etc.
The author of these two incomparable hymns, whose jubilant tone fills the heart again and again with holy enthusiasm, however often one may read or hear them sung, is Dr. Phil. Nicolai, born on the 10th of August 1556 at Mengeringhausen in the County of Waldeck. He was at first pastor at Unna in the Mark, and died as pastor at St. Catharine's in Hamburg. The two hymns together with their melodies are found as an appendix to a book published by him in the year 1599, which bears the title: "Freudenspiegel des ewigen Lebens." Even if we knew nothing more exact about the origin of these hymns, the wonderful power of them would already have to lead us to the conclusion that they must have been written under quite special influences of divine grace and of the living comfort of God, from quite special prompting of the Holy Ghost. And so it is indeed. They are hymns of joy, and yet were composed in the time of the very greatest misery and sorrow, under the heaviest visitations of God. In a time when everything wept, the pious singer took his harp and struck up the joyful notes of eternal life, in order to lift his own and other hearts above the grief of the earth into heavenly joy. For in the year 1598 the plague raged at Unna, where at that time Nicolai