Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 26 › Seite 204
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-19, Seite 204
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch. 9197⁷ 351 · Geſang
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war, so wie in ganz Westphalen. In der Vorrede des genannten Buches gibt der Verfasser selbst Auskunft über die Zeit und Umstände, unter welchen es von ihm geschrieben wurde. „In solchem Jammer und Elend“, sagt er, „als es hier zu Unna in allen Gassen rumorte, und oftmals etliche Tage an einander über die zwanzig, nun vier, sieben, acht oder neunundzwanzig, und bis in die dreißig Todte nicht weit von meiner Wohnung auf dem Kirchhofe unter die Erden verscharrt worden, hab ich mit Todesgedanken mich immer schlagen müssen, und war mir nicht einmal zu Muthe, wie dem König Hiskia, da er sprach: Nun muß ich nicht mehr sehen den HErrn, ja den HErrn im Lande der Lebendigen, meine Zeit ist dahin, und von mir aufgeräumt, wie eines Hirten Hütte, und reiße mein Leben ab, wie ein Weber, Jes. 38. — Es überfiel die Pest mit ihrem Sturme und Wüthen die Stadt wie ein unversehnlicher Platzregen und Ungewitter, ließ bald kein Haus unbeschädigt, brach endlich auch zu meiner Wohnung hinein, und gingen die Leute meistentheils mit verzagtem Gemüthe und erschrockenem Herzen als erstarrt und halb todt einher, daß einer hätte mögen hieher ziehen, was Moses schreibt (5 Mos. 28.) mit nachfolgenden Worten: Der HErr wird dir ein bebend Herz geben, und verschmachtete Augen und verdorrete Seele, daß dein Leben wird für dir schweben. Nacht und Tage wirst du dich fürchten und deines Lebens nicht sicher sein; des Morgens wirst du sagen: Ach, daß ich den Abend erleben möchte, für Furcht deines Herzens, die dich schrecken wird, und für dem, das du mit deinen Augen sehen wirst. — Zu Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Hildesheim, Göttingen, desgleichen in Niederhessen und in der Grafschaft Waldeck, meinem lieben Vaterlande, zu Corbach, Wildungen und Mengeringhausen fehlte es auch nicht. Und was einer an solchen Orten hin und wieder von bekannten Freunden hatte, davon hörte er fast nichts, denn von ihren Krankheiten und tödtlichem Abschied von diesem Leben. Inmaßen denn auch mir viel traurige Zeitungen und traurige Botschaft zu Ohren kamen von etlichen meinen Schwestern, Blutsfreunden und Schwägern, durch die Pest erwürget und hingerissen, welches nur meine Betrübniß vermehrte, und so viel weitläuftiger Anlaß gab, all mein Datum, Herz und Gedanken von der Welt abzuwenden. Da war wir nichts süßeres, nichts lieberes und angenehmeres, als die Betrachtung des edeln, hohen Artikels vom ewigen Leben, durch Christus Blut erworben. Ließ denselben Tags und Nachts in meinem Herzen wallen und durchforschte die Schrift, was sie hiervon zeugete, las auch des alten Lehrers St. Augustini liebliche Tractätlein, darin er dies hohe Geheimniß als ein Nüßlein aufbeißet, und den wundersüßen Kern herauslangt. Brachte darnach meine Meditationen von Tage zu Tage in die Feder, befand mich, Gott Lob, dabei sehr wohl, von Herzen getrost, fröhlich im Geist und wohl zufrieden, gab meinem scripto den Namen und Titel eines Freudenspiegels, und nahm für, denselben verfaßten Freudenspiegel (da mich Gott von dieser Welt abfordern würde) als ein Zeugniß meines friedlichen, fröhlichen und christseligen Abschieds zu hinterlassen, oder aber, da er mich gesund sparete, anderen nothleidenden Christen (welchen er die Pest auch zu Haus senden würde) aus christlicher, schuldiger Liebe damit zu dienen, und gleich als mit gegenwärtigem Trost beizuwohnen. — Nun hat mich der gnädige, fromme Gott mitten unter den Sterbenden für der grausamen Pest allergnädigst bewahrt und mein Leben über alle meine Gedanken und Hoffnung wunderbarlich gefristet, daß ich mit dem Propheten David zu ihm sagen kann: Wie groß ist deine Güte, die du verborgen hast denen, die dich fürchten! HErr, du hast meine Seele aus der Höllen geführt, du hast mich lebendig behalten, da die in die Hölle fuhren. Ihr Heiligen, lobsinget dem HErrn, danket und preiset seine Herrlichkeit. Denn sein Zorn währet einen Augenblick, und er hat Lust zum Leben. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens die Freude; du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet.“ An dieser Vorrede hat man einen Vorschmack, was der geist- und glaubensreiche Verfasser in diesem Buch geliefert hat, und obwohl zu bedauern ist, daß dasselbe so selten geworden, so sind doch die beiden daran befindlichen Lieder ein Eigenthum der ganzen Kirche geworden, die sie mit Recht zu ihren Kleinodien zählen kann. Albert Knapp, ein bekannter geistlicher Dichter unsers Jahrhunderts, nennt das Lied: Wachet auf, ruft ꝛc. sehr treffend „das Ebenbild des Straßburger Münsters“; denn wie dieser in seinem himmelanstrebenden gewaltigen Bau ein unerreichbares Denkmal der für das Göttliche begeisterten Vorzeit bleibt; so ist dieses Lied nicht allein in seiner erhabenen Poesie und seinen feierlichen Klängen ein unnachahmliches Kunstwerk der Vorzeit, sondern es spricht sich auch darin eine solche Glaubenssehnsucht, eine solche Freudigkeit des ewigen Lebens und ein so überschwänglicher Trost aus Betrachtung der zukünftigen Herrlichkeit aus, daß man sich mit dem Verfasser weit über alles Irdische emporgehoben und gleichsam in den Himmel versetzt fühlt.
Die Grundgedanken, die das Lied ausspricht, sind aus jener Gleichnißrede von den fünf klugen Jungfrauen genommen, daher es auch der Verfasser überschrieben hat: Von der Stimme zu Mitternacht und von den klugen Jungfrauen, die ihrem himmlischen Bräutigam begegnen. Der erste Vers enthält den Zuruf der Wächter Zions, die der Kirche des HErrn die Verheißung seiner herrlichen Zukunft vorhalten und dieselbe erinnern, sich bereit zu halten, allen Schlaf der Sicherheit von sich zu thun, und ihm in Gebet, Buße, Glauben und lebendiger Hoffnung entgegenzugehn. Ihr Zuruf wird dadurch desto dringender, daß sie den HErrn als einen schon kommenden vorstellen: Wohl auf! der Bräut'gam kömmt, steht auf, die Lampen nehmt, Halleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit, ihr müsset ihm entgegen gehn. Im zweiten Vers wird nun beschrieben, wie das gläubige Zion, die Braut Christi, durch den ermunternden Zuruf der Wächter im Glauben gestärkt, sich rüstet mit freudiger Sehnsucht, ihrem Freund, der mächtig und herrlich vom Himmel wiederkommt, entgegenzugehn. Sie fürchtet nicht, daß der Anblick seiner Herrlichkeit ihr Verderben und Pein bringen werde; denn sie kennet ihn als den, der von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig ist, dessen Gnadenfülle alle ihre Sünde bedeckt und vernichtet, und der seine Zusage treulich und mächtig erfüllt allen, die ihm glauben. Christus, ihr Licht und ihr Stern, wird von ihr immer heller und deutlicher erkannt, sie freut sich unaussprechlich, den Gottes- und Menschensohn in seiner Herrlichkeit zu sehen und mit ewiger Klarheit von ihm angethan zu werden. Sie bricht darum aus in das freudige Willkommen: Nun komm', du werthe Kron', HErr JEsu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all' zum Freudensaal, und halten mit das Abendmahl. (Offenbar. Joh. 19, 7. 9.) Der dritte Vers eröffnet den Blick in die unnennbare Freude des ewigen Lebens, und aus dem mächtigen Eindruck, den diese Schilderung auf das Herz macht, läßt sich schließen, welch' einen kräftigen Vorschmack des zukünftigen Lebens der theure Verfasser unter Ausarbeitung dieses Liedes empfunden haben mag. Die Bilder, unter welchen diese Freude dargestellt wird, sind alle aus der Schrift genommen: das Gloria, oder Ehre sei Gott in der Höhe, darin sich die Engel mit den selig Vollendeten vereinen, die Harfen und Cymbeln, das himmlische Jerusalem, dessen zwölf Thore zwölf Perlen sind, ein jegliches Thor von einer Perle. (Offenb. Joh. 21, 21.) Allein wie prächtig und lieblich diese Bilder sind, so können sie doch nicht erreichen, was für alle menschliche Sprache und Vorstellung unerreichbar ist; denn das kein Auge gesehen, und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott bereitet denen, die ihn lieben, 1 Cor. 2, 9. Das alte Wort Jo! io! — welches mit zwei Silben gesprochen und gesungen werden muß, und welches das Wort war, das den triumphirenden römischen Kaisern zugerufen wurde — und das altkirchliche in dulci jubilo, d. i. in süßer Wonne, welches in den Festhymnen der uralten Kirche häufig vorkommt, macht einen freudigen Schluß und ist gleichsam der Wiederhall von dem triumphirenden Jubelton, den der entzückte Geist im Himmel erklingen hört.
Was nun die Melodie dieses Liedes betrifft, so rührt sie wahrscheinlich vom Verfasser selbst her, da sie zugleich mit dem Original des Liedes im „Freudenspiegel“ erschien, und sowohl der Umstand, daß Nicolai ein guter Tonkundiger war, als auch die innige Uebereinstimmung des Textes und der Melodie, in welcher sich die Erhabenheit und heilige Begeisterung des Liedes so unübertrefflich wiederspiegelt, zu der Annahme berechtigt, daß beides, nemlich Text und Melodie, aus einer Seele geflossen sein müssen.
Desto mehr aber ist zu bedauern, daß diese herrliche Melodie in ihrem rhythmischen Bau im
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was, as in all Westphalia. In the preface of the said book the author himself gives information concerning the time and circumstances under which it was written by him. "In such misery and distress," he says, "when here at Unna it was astir in all the streets, and often for several days together over twenty, now four, seven, eight or twenty-nine, and up to thirty dead, not far from my dwelling, were buried in the earth in the churchyard, I had always to contend with thoughts of death, and it was not once with me as with King Hezekiah, when he said: I shall not see the LORD, even the LORD, in the land of the living, mine age is departed, and is removed from me as a shepherd's tent: I have cut off like a weaver my life, Isa. 38. — The pestilence fell with its storm and raging upon the city like an unforeseen downpour and tempest, soon left no house unharmed, at last broke in also at my dwelling, and the people went about for the most part with fainting mind and frightened heart, as if benumbed and half dead, so that one might have applied hither what Moses writes (Deut. 28) in the following words: The LORD shall give thee there a trembling heart, and failing of eyes, and sorrow of mind: and thy life shall hang in doubt before thee; and thou shalt fear day and night, and shalt have none assurance of thy life: In the morning thou shalt say, Would God it were even! for the fear of thine heart wherewith thou shalt fear, and for the sight of thine eyes which thou shalt see. — At Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Hildesheim, Göttingen, likewise in Lower Hesse and in the County of Waldeck, my dear fatherland, at Corbach, Wildungen and Mengeringhausen it was not lacking either. And what one had here and there in such places of acquaintances and friends, of this he heard almost nothing, save of their sicknesses and mortal departure from this life. Inasmuch as many sad tidings and sad news came to my ears also, of several of my sisters, kinsmen and brothers-in-law, strangled and snatched away by the pestilence, which only increased my affliction, and gave so much the more ample occasion to turn away all my mind, heart and thoughts from the world. Then nothing was sweeter to me, nothing dearer and more agreeable, than the contemplation of the noble, high article of eternal life, obtained by Christ's blood. I let it surge day and night in my heart and searched the Scripture, what it testified of this, read also the lovely little treatises of the old teacher St. Augustine, in which he cracks this high mystery as a little nut, and reaches out the wondrous sweet kernel. Afterward I put my meditations on paper from day to day, found myself, God be praised, therein very well, comforted at heart, joyful in spirit and well content, gave my writing the name and title of a Freudenspiegel, and purposed to leave the said composed Freudenspiegel (if God should call me away from this world) as a testimony of my peaceful, joyful and blessed departure, or else, if He spared me in health, to serve other Christians in distress (to whom He might also send the pestilence to their house) out of Christian, bounden love, and as it were to be present with present comfort. — Now the gracious, pious God has most graciously preserved me in the midst of the dying from the cruel pestilence and wonderfully prolonged my life beyond all my thoughts and hope, so that I can say with the prophet David to Him: How great is thy goodness, which thou hast laid up for them that fear thee! LORD, thou hast brought up my soul from the grave, thou hast kept me alive, that I should not go down to the pit. Sing unto the LORD, O ye saints of his, give thanks and praise his glory. For his anger endureth but a moment; in his favour is life: weeping may endure for a night, but joy cometh in the morning; thou hast turned for me my mourning into dancing: thou hast put off my sackcloth, and girded me with gladness." In this preface one has a foretaste of what the author, rich in spirit and faith, has furnished in this book, and although it is to be regretted that the same has become so rare, yet the two hymns found with it have become a possession of the whole Church, which may justly count them among her jewels. Albert Knapp, a well-known spiritual poet of our century, calls the hymn: Wachet auf, ruft etc. very aptly "the counterpart of the Strasbourg Minster"; for as this in its heaven-aspiring mighty structure remains an unattainable monument of the age of old, inspired for what is divine; so this hymn is not only in its exalted poetry and its solemn tones an inimitable work of art of the age of old, but there is also expressed therein such a longing of faith, such a joyfulness of eternal life, and such an overflowing comfort from the contemplation of the future glory, that one feels himself lifted with the author far above all that is earthly and as it were transported into heaven.
The fundamental thoughts which the hymn expresses are taken from that parable of the five wise virgins, wherefore the author also has headed it: Of the Voice at Midnight and of the Wise Virgins who meet their heavenly Bridegroom. The first verse contains the call of the watchmen of Zion, who hold before the Church of the LORD the promise of His glorious future, and remind her to hold herself in readiness, to put away all the sleep of security, and to go forth to meet Him in prayer, repentance, faith and living hope. Their call becomes the more urgent thereby, in that they present the LORD as one already coming: Wake, awake! the Bridegroom comes, arise, take the lamps, Hallelujah! Make yourselves ready for the wedding, ye must go forth to meet Him. In the second verse there is now described how believing Zion, the bride of Christ, strengthened in faith by the encouraging call of the watchmen, arms herself with joyful longing to go forth to meet her Friend, who comes again from heaven in power and glory. She fears not that the sight of His glory will bring her destruction and pain; for she knows Him as Him who is strong of grace, mighty of truth, whose fullness of grace covers and annihilates all her sin, and who faithfully and mightily fulfils His promise to all who believe Him. Christ, her light and her star, is recognized by her ever more brightly and plainly, she rejoices unspeakably to see the Son of God and of man in His glory and to be clothed upon with eternal brightness by Him. She therefore breaks out into the joyful welcome: Now come, thou precious crown, LORD JESUS, God's Son! Hosanna! We follow all to the hall of joy, and hold with Thee the Supper. (Rev. 19:7, 9.) The third verse opens the view into the unutterable joy of eternal life, and from the mighty impression which this description makes upon the heart one may infer what a powerful foretaste of the future life the dear author must have felt in the composing of this hymn. The images under which this joy is set forth are all taken from Scripture: the Gloria, or Glory be to God on high, wherein the angels unite with the blessed made perfect, the harps and cymbals, the heavenly Jerusalem, whose twelve gates are twelve pearls, every several gate of one pearl. (Rev. 21:21.) Yet however splendid and lovely these images are, they cannot attain what is unattainable for all human speech and conception; for that which eye hath not seen, nor ear heard, neither hath entered into the heart of man, God hath prepared for them that love him, 1 Cor. 2:9. The old word Jo! io! — which must be spoken and sung with two syllables, and which was the word that was shouted to the triumphing Roman emperors — and the old-church in dulci jubilo, that is, in sweet delight, which occurs often in the festal hymns of the ancient Church, makes a joyful close and is as it were the echo of the triumphant jubilation which the enraptured spirit hears resounding in heaven.
As to the melody of this hymn, it probably proceeds from the author himself, since it appeared together with the original of the hymn in the "Freudenspiegel," and both the circumstance that Nicolai was a good musician, and the intimate agreement of the text and the melody, in which the sublimity and holy inspiration of the hymn is so unsurpassably mirrored, justify the assumption that both, namely text and melody, must have flowed from one soul.
So much the more is it to be regretted that this glorious melody in its rhythmical structure in