Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 5 › Seite 34
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-10-29, Seite 34
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der evang. luth. Mission in Ostindien, den ersten mit den Worten: Sie gehen hin, den zweiten mit den Worten: Sie weinen, den dritten mit den Worten: Sie tragen edlen Samen, den vierten mit den Worten: Sie kommen mit Freuden und bringen ihre Garben,
Also zuerst: Sie gehen hin.
1. „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes."
In diesen letzten Worten unsers Herrn und Meisters an seine Kirche, liegt das Recht und die Pflicht der christlichen Kirche zu missioniren so sonnenklar ausgesprochen, daß nur der stockblindeste Unglaube an solcher Mittagshelle zu zweifeln vermag. Man macht aber gerade unserer Kirche nicht selten den Vorwurf, daß sie von allen christlichen Kirchen die trägeste sey und die verdrossenste und die steifeste und die lahmeste, wenn es sich nun darum handelt, auf den Befehl ihres Herrn wirklich hinzugehen und die Heiden von den Zäunen und Landstraßen herzurufen zu dem großen Abendmahle. Der Vorwurf ist leider, leider nicht ganz ungegründet in Bezug auf die trübselige Gegenwart; er kann und soll uns da in den Staub werfen und uns in das Gebet treiben: Herr, der Du bist vormals gnädig gewesen Deinen Knechten, richte wieder auf die lässigen Hände und die müden Knie!
In Bezug auf die glorreiche Vergangenheit aber ist er schreiend ungerecht. Gerade unsere Kirche war, abgesehen von einigen vereinzelten und bald wieder in alle vier Winde verschollenen Missionsversuchen die erste, der das Wort des Herrn „Gehet hin" in's Ohr fiel und in's Ohr drang und die dann auch den Fuß rührte und hinging und den übrigen die Bahn brach. In den ersten zwei Jahrhunderten ihres Bestehens hatte sie freilich um ihre Selbsterhaltung nach Innen u. nach Außen einen so harten Strauß zu bestehen, daß ihr der Trieb der Fortpflanzung wohl leicht vergehen konnte; allein zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, fiel einem Theil ihrer lebendigen Glieder der Befehl des Herrn „Gehet hin" schwer auf's Herz und siehe da, mitten in der Kirche, die Vielen ein übertünchtes Grab voll modernder Todtengebeine erschienen, fing es an sich zu rühren und zu regen zu einem ersten Missionsversuche auf noch ungebahnten Wegen. Der geschichtliche Hergang aber ist dieser:
Friedrich der Vierte von Dänemark war ein Mann nach dem Herzen Gottes und ein treues Glied der evang. luth. Kirche; schon, da er noch Kronprinz war, hatte ihm der Gedanke viel Unruhe gemacht, daß für die vielen Heiden, die dem dänischen Scepter unterworfen waren, noch so gar nichts geschehen sey, und als nun gar erst die schwere Königskrone sein edles Haupt drückte, so fühlte er sich in seinem Herzen doppelt gedrückt darüber. Er theilte sich seinem wackern Hofprediger und Beichtvater, Franz Julius Lütkens mit, und dieser, um seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen, trug mit Freuden Holz zu, bis er dieses Feuer in dem königlichen Herzen auflodern sah. Noch aber fehlte es an Männern, die an Beinen gestiefelt standen, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens. Allein der fromme A. H. Franke, der glaubenskühne Stifter des hallischen Waisenhauses, der beredte Prediger eines in Liebe thätigen Glaubens, der Mann von Rath und That, an den man sich in dieser Beziehung gewendet hatte, war auch hier mit Rath und That bei der Hand. Er wußte einen von ihm selbst gebildeten jungen Theologen der evangelisch lutherischen Kirche, — den nachmals so berühmt gewordenen Ziegenbalg aus der Oberlausitz, den er zur Übernahme des Evangelisten-Amtes für tüchtig erachtete, und obschon ihm derselbe mit dem Bedenken entgegen trat: Vater, ich bin zu jung, ich tauge nicht zum Prediger! so wußte doch der väterliche Mann alle Bedenklichkeiten des Jünglings bald zu überwinden, und nun loderte das Feuer im königlichen Herzen zu Kopenhagen so hoch auf, daß man Ziegenbalg nicht einmal Zeit ließ, persönlich von seinen Verwandten Abschied zu nehmen. Derselbe eilte im October 1705 der Ordination halber nach Kopenhagen u. zwar schon nicht mehr allein; sein treuer Schul- und Universitätsfreund, Heinrich Plütschau aus Meklenburg, ging, durch sein Beispiel entzündet, mit ihm, und schon in der Mitte des folgenden Jahres landeten die beiden unzertrennlichen Freunde, nach einer mehr als siebenmonatlichen Meeresfahrt, in Trankebar, dem damaligen wichtigsten dänischen Besitzthum in Süd-Indien. Und so sind denn von dem Jahre 1705 bis zum Jahre 1824 nicht weniger als 56 lutherische Theologen nach einander willig geworden zu gehen, — hinzugehen als Missionare nach Ostindien, und haben dort das Missionsnetz von einem Orte zum andern über den ganzen Süden hingezogen. Also sie gingen hin.
II. Es heißt aber sie gehen hin und weinen. „Sie weinen": das ist nun der zweite Grundstrich in unserm Gemälde. Meine Freunde! Es ist noch nie etwas Großes im Reiche Gottes geschehen ohne viel Weinen. Hat doch der Herr selbst Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Thränen geopfert, in den Tagen seines Fleisches. Und der Apostel schreibt: Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen, und wir dürfen hinzusetzen, das Reich Gottes unter viel Trübsal ausbreiten. Es ging aber, die natürliche Thräne des Abschiedes von Verwandten und Vaterland ganz ungerechnet, das Weinen schon zu Kopenhagen an, trotz des vollen Sonnenscheins vom königlichen Throne her. Die meisten dort wußten ja nicht, wie lieblich die Füße derer sind, die den Frieden verkündigen; man spottete ihres Eifers; man schalt sie Abendtheurer. Und als sie nun zu Trankebar mit heißer Begierde an das Land traten und der Anblick der bräunlichen Heidenschaaren, an deren unsterblichen Seelen sie hinfort arbeiten sollten, ihnen das Herz durch u. durch bewegte, siehe da bereiteten ihnen die dortigen dänischen Kaufleute und Beamte, einen mehr als eiskalten Empfang. Man ließ die Missionare, trotz des Königs Handschrift und Siegel, erst außerhalb des Thores, dann auf dem Marktplatze, in dem ostindischen Gluthauch den ganzen Tag bis zum Abend ganz allein stehen, und nachdem ihnen endlich durch die menschenfreundliche Güte des dänischen Sekretairs, Aufnahme u. Unterkommen geworden war u. sie sich einigermaßen eingelebt hatten in die wildfremden ostindischen Verhältnisse und sie nun ihren Mund als Heidenboten aufthun wollten, so ging die Trübsal wieder von einer andern Seite an: wovon das Herz voll war, davon konnte der Mund nicht übergehen.
Es fehlte nämlich damals noch an allen gedruckten Hülfsmitteln zur Erlernung der dortigen Heidensprachen, und ein passender Lehrer für sie wollte sich auch nicht finden. Da sah man denn die beiden Knechte Gottes bei einem heidnischen Schulmeister in die Schule gehen und unter den Schulkindern auf der Erde niederkauern und mit diesen, erst Buchstaben, dann Sylben, und endlich Worte in den Sand malen. Und als ihnen nun das Wort gegeben war mit freudigem Aufthun ihres Mundes, und schon eine Gemeinde von 100 Seelen sich um das Wort geschaart hatte, so lies der dänische Commandant die eigentliche Seele der Mission, den Missionar Ziegenbalg, weil er sich der gerechten Sache einer armen Wittwe angenommen hatte, wie einen gemeinen Verbrecher, von einer bewaffneten Schaar heidnischer Soldaten öffentlich in das Stadtgefängniß abführen. Und als nun Ziegenbalg endlich nach langer und strenger Haft wieder freigelassen wurde, so mußte er mit seinem treuen Freunde noch 5 Monate lang sein Brod mit Thränen essen, indem alle Unterstützung aus der Heimath unbegreiflicher Weise ausblieb. Solche Glaubensprüfungen aber waren nicht selten; ja und als sie auch einmal in solcher Noth saßen, und schon das dänische Schiff, das eine bedeutende Summe für sie an Bord hatte, im Hafen lag, so versank das Geld, eben als sie es in Empfang nehmen wollten, vor ihren Augen unwiederbringlich in das Meer. Sie aber gingen hin und weinten.
So hatten sie denn Streit von Innen und von Außen, Trübsal, die Noth mit den jungen Christengemeiden ganz ungerechnet, und während sie in Trankebar weinten, mußten sie sich von den todten Orthodoxen in Deutschland und Dänemark in Schriften und von den Kanzeln herab, falsche Apostel, hochmüthige Schwärmer, gräuliche Bauchdiener, freche Lügner und Betrüger schelten lassen. — Nun meine Freunde, das war ein apostolischer Anfang unserer evang. luth. Mission in Ostindien. Sie gingen hin und weinten. Was wollen wir mehr? Sie gingen hin und gingen umher mit Mangel, mit Trübsal, mit Ungemach, ja Etliche haben Spott und Geißel erlitten, dazu Bande und Gefängniß. Das war ein apostolischer Anfang.
Allein sie ließen sich durch's Weinen nicht müde machen, wie es in jenem Liede heißt: In Thränen wächset uns der Muth, wie Palmen in gesalzner Fluth. Sie gingen hin und weinten und:
III. Trugen dabei edlen Samen.
Und hier stehen wir nun bei dem dritten Grundstriche in unserm Gemälde. Daß sie den edlen Samen göttlichen Worts auf das Brach- oder vielmehr Dornen- und Distelfeld des Heidenthums hinaustragen sollten, davon waren Sie von Anfang an tief durchdrungen, und blieben es bis an ihr Ende. Schon auf dem Schiffe war all ihr Sinnen und Sorgen darauf gerichtet, wie sie dereinst diesen edlen Samen, als geschickte Ackerleute Gottes, „recht theilen" möchten. Darum, als sie nun das Cap der guten Hoffnung hinter sich hatten und das Schiff sie mit vollen Segeln ihrem künftigen Arbeitsfelde in guter Hoffnung entgegen trieb, so versenkten sich die beiden tiefer und tiefer in die Tiefen des göttlichen Wortes, und beschlossen, sich ein Jeder einen besondern Gegenstand seines Nachdenkens für den letzten Rest der Reise zu wählen. Ziegenbalg erkor sich die Weisheit, Plütschau die Wahrheit und ließen sich, wie Ziegenbalg selber schreibt, weder von dem Sausen des Windes noch von dem
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of the Evang. Luth. Mission in East India, the first with the words: They go forth; the second with the words: They weep; the third with the words: They bear precious seed; the fourth with the words: They come with rejoicing and bring their sheaves,
Thus first: They go forth.
1. "Go ye into all the world, and teach all nations, baptizing them in the name of the Father, and of the Son, and of the Holy Ghost."
In these last words of our Lord and Master to His Church, the right and the duty of the Christian Church to carry on missions is expressed so clear as the sun that only the most stone-blind unbelief can doubt at such noonday brightness. Yet our Church in particular is not seldom reproached that of all Christian churches she is the laziest, and the most sullen, and the stiffest, and the lamest, when it comes to the point of actually going forth at her Lord's command and calling in the heathen from the hedges and highways to the great supper. The reproach is, alas, alas, not wholly unfounded with respect to the wretched present; it can and shall cast us down into the dust and drive us to prayer: Lord, Thou who wast gracious aforetime to Thy servants, lift up again the hands which hang down and the feeble knees!
With respect to the glorious past, however, it is crying injustice. Our Church in particular was, apart from some isolated mission attempts soon scattered again to all the four winds, the first to whom the word of the Lord, "Go ye," fell upon the ear and pierced the ear, and who then also stirred the foot and went forth and broke the way for the others. In the first two centuries of her existence she had, to be sure, so hard a struggle to endure for her self-preservation within and without that the impulse to propagate herself might readily have passed away; but at the beginning of the last century the command of the Lord, "Go ye," fell heavily upon the heart of a part of her living members, and behold, in the midst of the Church, which to many appeared a whited sepulchre full of moldering dead men's bones, there began a stirring and moving toward a first mission attempt on yet untrodden ways. The historical course of events, however, is this:
Frederick the Fourth of Denmark was a man after God's own heart and a faithful member of the Evang. Luth. Church; even while he was still crown prince, the thought had caused him much disquiet that for the many heathen who were subject to the Danish scepter nothing at all had yet been done, and when at last the heavy royal crown pressed his noble head, he felt himself doubly oppressed in his heart over it. He confided in his worthy court preacher and confessor, Franz Julius Lütkens, and the latter, to use his own expression, brought wood to it with joy, until he saw this fire blaze up in the royal heart. But there was still a lack of men who stood shod on their feet as ready to preach the gospel of peace. But the pious A. H. Franke, the founder of the Halle orphan house, bold in faith, the eloquent preacher of a faith active in love, the man of counsel and deed, to whom one had turned in this matter, was here also at hand with counsel and deed. He knew a young theologian of the Evangelical Lutheran Church, trained by himself, — the afterward so famous Ziegenbalg from Upper Lusatia, whom he judged fit for undertaking the office of evangelist, and although the latter met him with the scruple: Father, I am too young, I am not fit for a preacher! yet the fatherly man soon knew how to overcome all the misgivings of the young man, and now the fire in the royal heart at Copenhagen blazed up so high that Ziegenbalg was not even allowed time to take personal leave of his relatives. He hastened in October 1705 to Copenhagen for the sake of ordination, and indeed already no longer alone; his faithful school and university friend, Heinrich Plütschau of Mecklenburg, kindled by his example, went with him, and already in the middle of the following year the two inseparable friends landed, after a sea voyage of more than seven months, at Tranquebar, then the most important Danish possession in South India. And so from the year 1705 to the year 1824 no fewer than 56 Lutheran theologians have, one after another, become willing to go, — to go forth as missionaries to East India, and have there drawn the mission net from one place to another over the whole South. Thus they went forth.
II. But it reads: they go forth and weep. "They weep": that is now the second fundamental stroke in our picture. My friends! Nothing great has ever yet come to pass in the kingdom of God without much weeping. Did not the Lord Himself, in the days of His flesh, offer up prayers and supplications with strong crying and tears? And the apostle writes: We must through much tribulation enter into the kingdom of God, and we may add, spread the kingdom of God amid much tribulation. But the weeping began already at Copenhagen, the natural tear of parting from kindred and fatherland being quite left out of account, in spite of the full sunshine from the royal throne. Most there did not know indeed how beautiful are the feet of them that preach the gospel of peace; they mocked at their zeal; they called them adventurers. And when they now set foot at Tranquebar with ardent longing, and the sight of the brownish multitudes of heathen, at whose immortal souls they were henceforth to labor, moved their hearts through and through, behold, the Danish merchants and officials there prepared for them more than an icy reception. The missionaries, in spite of the king's handwriting and seal, were left to stand quite alone, first outside the gate, then in the market place, in the East Indian heat, the whole day until evening, and after at last, through the humane kindness of the Danish secretary, they had received admittance and lodging, and had settled in somewhat to the strange East Indian conditions, and now wished to open their mouths as messengers to the heathen, the tribulation set in again from another side: that with which the heart was full, of that the mouth could not overflow.
For there were then still no printed aids at all for learning the languages of the heathen there, and a suitable teacher for them was also not to be found. So one saw the two servants of God go to school with a heathen schoolmaster and crouch down on the ground among the schoolchildren and with them paint first letters, then syllables, and at last words in the sand. And when the word had now been given them, with joyful opening of their mouths, and already a congregation of 100 souls had gathered about the Word, the Danish commandant, because he had taken up the just cause of a poor widow, had the real soul of the mission, the missionary Ziegenbalg, led off publicly to the city prison like a common criminal by an armed band of heathen soldiers. And when Ziegenbalg was at last released after long and severe confinement, he had to eat his bread with tears for 5 months more with his faithful friend, since all support from home inexplicably failed to arrive. Such trials of faith, however, were not rare; yes, and when they once also sat in such distress, and the Danish ship which had a considerable sum on board for them already lay in the harbor, the money sank, just as they were about to receive it, before their eyes irretrievably into the sea. But they went forth and wept.
So they had strife within and without, tribulation, quite apart from the trouble with the young Christian congregations, and while they wept in Tranquebar they had to let the dead Orthodox in Germany and Denmark call them, in writings and from the pulpits, false apostles, haughty enthusiasts, abominable belly-servers, impudent liars and deceivers. — Now, my friends, that was an apostolic beginning of our Evang. Luth. Mission in East India. They went forth and wept. What would we more? They went forth and went about in want, in tribulation, in hardship, yes, some have suffered mockings and scourgings, moreover bonds and imprisonment. That was an apostolic beginning.
Yet they let themselves not be made weary by weeping, as it says in that hymn: In tears our courage grows, like palms in salted flood. They went forth and wept and:
III. Bore withal precious seed.
And here we now stand at the third fundamental stroke in our picture. That they were to carry out the precious seed of the divine Word upon the fallow, or rather thorn and thistle field of heathenism, of this they were deeply convinced from the beginning, and remained so to their end. Already on the ship all their thinking and caring was directed to how they might one day "rightly divide" this precious seed as skilful husbandmen of God. Therefore, when they had now the Cape of Good Hope behind them and the ship drove them with full sails in good hope toward their future field of labor, the two sank deeper and deeper into the depths of the divine Word, and resolved that each should choose a special subject for his meditation for the last remainder of the voyage. Ziegenbalg chose for himself wisdom, Plütschau truth, and they let themselves, as Ziegenbalg himself writes, be disturbed neither by the roaring of the wind nor by the