Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 6 › Seite 43
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-11-12, Seite 43
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Im Pennsylvanischen Gesangbuch findet sich auch das Lied (unter Nr. 241):
„Erhalt uns deine Lehre:"
In den alten Gesangbüchern — wie auch im St. Louis'er — hat dieses Lied 7 Verse, im neuen Pennsylvanischen nur 5, welche noch dazu verändert sind. Und ich will hier zuerst den im Pennsylvanischen Buche veränderten 3ten Vers anführen, und hernach denselben Vers so, wie er unverändert lautet, da wirst Du gleich einen bedeutenden Unterschied finden.
Er lautet verändert:
„Erhalt was du gebauet,
Und durch dein Blut erkauft;
Was du dir selbst vertrauet,
Und was auf dich getauft.
So viele Feinde stürmen
Zu deiner Kirche Fall:
Du aber wollst sie schirmen
Als Hort und Felsenwall!
Derselbe Vers lautet unverändert:
„Erhalt, was du gebauet
Und durch dein Blut erkauft,
Was Du Dir hast vertrauet,
Die Kirch, auf welch anläuft
Der grimm'ge Sturm des Drachen:
Sei du ihr Schutz und Wall,
Daß, ob die Welt will krachen,
Sie nimmermehr verfall."
Es scheint, daß die Ausdrücke „Der grimm'ge Sturm des Drachen" den Herausgebern des Pennsylvanischen Buches wiederum nur zu altfränkisch gewesen seien, dieweil sie diese Worte so ausgemerzt haben. Allein, wenn dem also wäre, so müßte man auch aus der Bibel manches dieser Art herausnehmen, denn Du hast neulich am St. Michaelis Feste gehöret aus der Lektion Off. Joh. Kap. 12, 7-12., daß daselbst der Teufel auch genannt wird „Der große Drache; die alte Schlange, und Satanas, der die ganze Welt verführet:" somit stimmt ja dieser Vers ganz mit der Bibel überein, warum aber denn nun denselben verändern? Etwa nur um der sogenannten „Gebildeten" willen, die das Dasein des Teufels verneinen? Jedoch, ich will folgende zwei Verse, welche im Pennsylvanischen Buche ganz aus dem genannten Liede herausgeworfen sind, anführen; sie lauten wie folgt:
„Erhalt, Herr! Deine Schaafe,
Der grimm'ge Wolf kömmt an;
Erwach aus deinem Schlafe,
Weil niemand retten kann
Ohn' dich, du großer Hirte!
Leit uns auf gute Weid',
Treib, nähr, erfreu, bewirthe
Uns in der wüsten Haid.
Erhalt uns, Herr! dein Erbe,
Dein werthes Heiligthum,
Zerreiß, zerschmeiß, verderbe,
Was wider deinen Ruhm;
Laß dein Gesetz uns führen,
Gönn' uns Dein Himmelbrod,
Laß Deinen Schmuck uns zieren,
Heil' uns durch deinen Tod."
Daß diese Verse reinen gesunden Schriftverstand enthalten, daran wird kein Rechtgläubiger zweifeln; St. Paulus spricht auch von den falschen Aposteln: „Ich wollte, daß sie ausgerottet würden, die euch also verführen;" und die Psalmen Davids, in welchen der Zustand der christlichen Kirche abgemalet ist, wie mit lebendiger Farbe, sind davon voll; und ich meine ja, die christliche Kirche hätte wohl Ursache genug, in diesen lezten Zeiten derlei herrliche Psalmlieder zu singen, und zu beten, duß des Satans Reich zerrtrümmert, und den Wölfen in Schaafskleidern gewehret werde! Warum sucht man aber derlei Liederverse aus der Kirche zu verbannen? —
Lieber Andreas! Ich habe in meinem letzten Brief gesagt: „unser einer findet nicht gleich immer alles so heraus;" Daß dem also sei, kannst Du aus Folgendem ersehen. — Im Pennsylvanischen Gesangbuch befindet sich auch das Lied, von Paul Gerhardt:
„Du Volk, das du getaufet bist."
Dieses Lied hat im Original, wie ich es auch im St. Louis Gesangbuch finde, 12 herrliche, ein schönes Ganze bildende Verse, also, daß wenn man aus diesem Liede auch nur einen Vers herausnehmen würde, dasselbe in sehr übel verstümmelter Gestalt erscheinen würde; und dennoch ist dieß im Pennsylvanischen Gesangbuch der Fall; daselbst befinden sich nur noch sieben Verse, und selbst an diesen sind ziemliche Veränderungen zu finden, und die kräftigsten fünf Verse, welche namentlich die Lehren von den wichtigen Artikeln von „der Erbsünde" und „der Wirkung der Taufe enthalten, sind ganz ausgeworfen; dieweil es aber so überaus herrliche Verse sind, aus welchen allein schon ein Christenmensch erkennen könnte, beides, seine unreine verdammte Adamsgeburt, und seine neue Geburt durch die heilige Taufe, will ich dieselben allhier anführen, sie lauten wie folgt:
„Du warst, eh du noch wurd'st geboren
Und an das Licht gezogen,
Verdammt verstoßen und verlor'n,
Darum daß du gesogen
Aus deiner Eltern Fleisch und Blut
Ein Art, die sich vom höchsten Gut,
Dem ew'gen Gott, stets wendet.
Dein Leib und Seel' war mit der Sünd,
Als einem Gift, durchkrochen,
Und du warst nicht mehr Gottes Kind,
Nachdem der Bund gebrochen,
Den unser Schöpfer aufgericht,
Da er uns seines Bildes Licht
Und herrlich's Kleid ertheilte.
Das alles hebt auf einmal auf,
Und schlägt und drückt es nieder
Das Wasserbad der heil'gen Tauf;
Ersezt dagegen wieder,
Was Adam hat verderbt gemacht,
Und was wir selbsten durchgebracht
Bei unserm bösen Wesen.
Es macht dies Bad von Sünden los,"
Und gibet rechte Schöne.
Die Satans Kerker vor beschloß
Die werden frei und Söhne
Deß, der da trägt die höchste Kron,
Der läßt sie, was sein ein'ger Sohn
Ererbt, auch mit ihm erben.
Was von Natur vermaledeit
Und mit dem Fluch umfangen,
Das wird hier in der Tauf erneut,
Den Segen zu erlangen.
Hier stirbt der Tod, und würgt nicht mehr,
Hier bricht die Höll', und all ihr Heer
Muß uns zu Füßen liegen."
Warum nun wohl die Herausgeber des Pennsylvanischen Gesangbuchs diese 5 herrlichen Verse ausgelassen haben, darüber habe ich mich bereits in meinem ersten Briefe genügend erklärt, also, daß es nicht noth ist, es hier nochmal zu wiederholen. — In dem Neujahrslied Nr. 581, ist im Pennsylvanischen Gesangbuch wiederum der Hauptvers weggelassen, er lautet:
„Tröste mich mit deiner Liebe,
Nimm, o Gott mein Flehen hin,
Weil ich mich so sehr betrübe
Und voll Angst und Sorgen bin.
Wenn ich gleich schlaf' oder wach,
Sieh, Du Herr, auf meine Sach
Stärke mich in meinen Nöthen,
Daß mich Sünd und Tod nicht tödten."
Ich meine ja, dieser Vers enthalte nichts Unchristliches, sondern herrliche Gedanken eines Neujahrs-Gebetes; eben so mag hier niemand sagen, das Lied war zu lang, es enthält nach dem Original nur fünf Verse. — Unter Nr. 602 im Pennsylvanischen Gesangbuch befindet sich das Lied:
„Wie schön leucht uns der Morgenstern."
In alten Gesangbüchern — wie auch im St. Louis'er — hat dieses Lied acht Verse, und im „neuen" Pennsylvanischen nur 3 veränderte. — Auch diese im Pennsylvanischen Gesangbuche fehlenden 5 Verse mögen hier angeführt werden. Sie lauten:
„Ich lag in stolzer Sicherheit,
Sah nicht, mit was Gefährlichkeit
Ich diese Nacht umgeben;
Des Teufels List und Büberei,
Die Höll, des Todes Tyrannei,
Stund mir nach Leib und Leben,
Daß ich schwerlich
Wär entkommen
Und entnommen
Diesen Banden,
Wenn Du mir nicht beigestanden.
Allein, o Jesu! meine Freud
In aller Angst und Traurigkeit,
Du hast mich heut befreiet;
Du hast der Feinde Macht gewehrt,
Mir Schutz und sanfte Ruh beschert,
Des sei gebenedeiet.
Mein Muth,
Mein Blut
Soll nun singen,
Soll nun springen,
All mein Leben
Soll dir Dankeslieder geben.
Ei, mein Herr, süßer Lebenshort!
Laß ferner deine Gnadenpfort
Mir heut auch offen bleiben;
Sei meine Burg und vestes Schloß
Und laß kein feindliches Geschoß
Daraus mich nimmer treiben;
Stell Dich
Für mich
Hin zu kämpfen
Und zu dämpfen
Pfeil und Eisen,
Wenn der Feind will Macht beweisen.
Wend Unfall ab, kann's anders sein;
Wo nicht, so geb ich mich darein,
Ich will nicht widerstreben;
Doch komm, o süßer Morgenthau!
Mein Herz erfrisch,
Daß ich Dir trau,
Und bleib im Kreuz ergeben,
Bis ich
Endlich
Nach dem Leiden
Zu den Freuden
Werd erhoben,
Da ich dich kann ewig loben.
Indeß mein Herze! sing und spring,
In allem Kreuz sei guter Ding;
Der Himmel steht dir offen.
Laß Schwermuth Dich nicht nehmen ein,
Denk, daß die liebsten Kinderlein
Allzeit das Unglück troffen.
Drum so
Sei froh,
Glaube feste,
Daß das Beste,
So bringt Frommen,
Wir in jener Welt bekommen."
Es ist in der That merkwürdig, wie gerade auch dieses Lied so sehr abgekürzt im Pennsylvanischen Buche erscheint, indem bekannt, daß genanntes Lied fast überall bei dem deutschen Volke noch wohl bekannt ist aus den alten Gebetbüchern, also, daß es ein allgemeines Bürger-
English translation AI translation
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In the Pennsylvania Hymn-Book there is also found the hymn (under No. 241):
"Preserve to us thy doctrine:"
In the old hymn-books — as also in the St. Louis one — this hymn has 7 verses, in the new Pennsylvania one only 5, which moreover are altered. And I will here first quote the 3rd verse as altered in the Pennsylvania book, and afterward the same verse as it reads unaltered, and you will at once find a considerable difference.
It reads altered:
"Preserve what thou hast builded,
And bought with thy blood;
What thou hast thyself entrusted,
And what is baptized unto thee.
So many foes are storming
To bring thy Church to fall:
But thou wouldst shield her
As Guard and rock-wall!
The same verse reads unaltered:
"Preserve, what thou hast builded
And bought with thy blood,
What Thou hast entrusted to Thee,
The Church, on which there rushes
The raging storm of the Dragon:
Be thou her shield and wall,
That, though the world should crash,
She nevermore may fall."
It appears that the expressions "The raging storm of the Dragon" were once again merely too old-fashioned for the editors of the Pennsylvania book, since they have thus struck out these words. Yet if that were so, one would have to take out of the Bible much of this kind, for you heard recently at the Feast of St. Michael from the lesson, Rev. John ch. 12, 7-12., that there the devil is also called "The great dragon; that old serpent, and Satan, which deceiveth the whole world:" thus this verse agrees entirely with the Bible; why then alter it? Perhaps merely for the sake of the so-called "cultured," who deny the existence of the devil? However, I will quote the following two verses, which are quite thrown out of the said hymn in the Pennsylvania book; they read as follows:
"Preserve, Lord! Thy sheep,
The raging wolf comes on;
Awake from thy sleep,
For no one can rescue
Without thee, thou great Shepherd!
Lead us to good pasture,
Drive, nourish, cheer, entertain
Us in the desert waste.
Preserve to us, Lord! thine inheritance,
Thy precious sanctuary,
Rend, smash, destroy,
What is against thy glory;
Let thy law guide us,
Grant us Thy heavenly bread,
Let Thy adornment deck us,
Heal us by thy death."
That these verses contain pure, sound Scriptural understanding no orthodox person will doubt; St. Paul also speaks of the false apostles: "I would they were even cut off which trouble you;" and the Psalms of David, in which the condition of the Christian Church is painted as with living color, are full of it; and I think indeed that the Christian Church would have cause enough in these last times to sing such glorious psalm-hymns, and to pray that Satan's kingdom be shattered, and the wolves in sheep's clothing be restrained! Why then does one seek to banish such hymn-verses from the Church? —
Dear Andreas! I said in my last letter: "one like us does not always find everything out at once;" that this is so you may see from what follows. — In the Pennsylvania Hymn-Book there is also found the hymn by Paul Gerhardt:
"Thou people, that art baptized."
This hymn has in the original, as I also find it in the St. Louis Hymn-Book, 12 glorious verses forming a beautiful whole, so that if one were to take even a single verse out of this hymn, it would appear in a very badly mutilated form; and yet this is the case in the Pennsylvania Hymn-Book; there are found only seven verses, and even in these considerable alterations are to be found, and the five mightiest verses, which contain namely the teachings of the important articles of "original sin" and "the effect of Baptism, are quite thrown out; but because they are such exceedingly glorious verses, from which alone a Christian man might recognize both his unclean, damned Adam's birth and his new birth through holy Baptism, I will quote them here, they read as follows:
"Thou wast, ere thou wert yet born
And brought forth to the light,
Damned, cast out and lost,
Because thou didst draw
From thy parents' flesh and blood
A nature that from the highest good,
From the eternal God, ever turns away.
Thy body and soul were with sin,
As with a poison, crept through,
And thou wast no more God's child,
After the covenant was broken
Which our Creator set up,
When he imparted to us the light of his image
And glorious garment.
All this removes at once,
And strikes and presses it down,
The water-bath of holy Baptism;
It restores again
What Adam made corrupt,
And what we ourselves squandered
Through our wicked being.
This bath looseth from sins,"
And giveth true beauty.
Those whom Satan's prison once shut in
Become free and sons
Of him who wears the highest crown,
Who lets them inherit with him
What his only Son hath inherited.
What by nature is accursed
And enfolded in the curse,
That is here renewed in Baptism,
To obtain the blessing.
Here death dies, and strangles no more,
Here hell breaks, and all its host
Must lie at our feet."
Why now the editors of the Pennsylvania Hymn-Book have left out these 5 glorious verses, I have already explained sufficiently in my first letter, so that it is not necessary to repeat it here. — In the New Year's hymn No. 581, the chief verse is again omitted in the Pennsylvania Hymn-Book; it reads:
"Comfort me with thy love,
Take, O God, my supplication,
Since I am so sorely troubled
And full of anguish and cares.
Whether I sleep or wake,
Behold, Thou Lord, my cause,
Strengthen me in my troubles,
That sin and death may not kill me."
I think indeed that this verse contains nothing unchristian, but glorious thoughts of a New Year's prayer; so also let no one say here that the hymn was too long, it contains according to the original only five verses. — Under No. 602 in the Pennsylvania Hymn-Book there is found the hymn:
"How brightly shines the Morning Star."
In old hymn-books — as also in the St. Louis one — this hymn has eight verses, and in the "new" Pennsylvania one only 3 altered ones. — These 5 verses also, which are missing in the Pennsylvania Hymn-Book, may be quoted here. They read:
"I lay in proud security,
Saw not with what peril
This night I was surrounded;
The devil's craft and knavery,
Hell, the tyranny of death,
Stood against my body and life,
So that I hardly
Had escaped
And been delivered
From these bonds,
Hadst Thou not stood by me.
But, O Jesus! my joy
In all anguish and sorrow,
Thou hast freed me today;
Thou hast withstood the power of the foes,
Hast granted me protection and gentle rest,
Be blessed therefor.
My courage,
My blood
Shall now sing,
Shall now leap,
All my life
Shall give thee songs of thanks.
Ah, my Lord, sweet refuge of life!
Let still thy gate of grace
Remain open to me today also;
Be my fortress and firm castle
And let no hostile missile
Drive me out from there;
Stand
For me
To fight
And to quench
Arrow and iron,
When the foe would show his might.
Turn away misfortune, if it may be;
If not, I resign myself to it,
I will not resist;
Yet come, O sweet morning dew!
Refresh my heart,
That I may trust Thee,
And remain submissive in the cross,
Until I
At last
After the sufferings
To the joys
Be exalted,
Where I can praise thee eternally.
Meanwhile, my heart! sing and leap,
In every cross be of good cheer;
Heaven stands open to thee.
Let not melancholy take thee in,
Think that the dearest little children
Have always been struck by misfortune.
Therefore
Be glad,
Believe firmly,
That the best,
Which brings the godly,
We shall receive in yonder world."
It is in truth remarkable how precisely this hymn also appears so greatly abbreviated in the Pennsylvania book, since it is known that the said hymn is almost everywhere among the German people still well known from the old prayer-books, so that it is a general Bürger-