Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 11 › Seite 85
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-01-20, Seite 85
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„barkeit, die ich Ihnen für viele früher erzeigte Freundlichkeit schulde, noch einen Versuch zu wagen, Ihnen mit der Hülfe Gottes und dem gnädigen Beistand Seines heil. Geistes durch herzliche Vermahnung aus Gottes Wort zu helfen, so viel an mir liegt, daß Sie wieder nüchtern werden aus des Satans Strick, in dem Sie jetzt gefangen liegen. Ich bitte Sie daher inständig, mir zu vergönnen, daß ich im Laufe des heutigen Tages mit Herrn Sommer zu Ihnen komme, um Ihnen brüderliche und liebevolle Vorstellung zu machen, dazu sich gestern leider so wenig Gelegenheit fand, da ich gezwungen war, mich auf kurzes und entschiedenes Zeugniß zu beschränken. Lassen Sie mich daher durch Herrn Sommer, der Ihnen diese Zeilen überbringt, gütigst wissen, ob und zu welcher Zeit des heutigen Tages ich zu dem genannten heiligen Zweck zu Ihnen kommen darf.
„Der gnädige Gott wolle ihr Herz lenken, daß Sie auf diesen Vorschlag eines vom Geist der Liebe und des Friedens beseelten, treuen aber geringen Knechtes Christi gern und mit Freuden eingehen. Dies bittet und flehet von Herzensgrund
August Crämer.“
Diesen Brief hat nun freilich Winkler gar nicht angenommen, auch dann nicht, als ihm der Überbringer den Inhalt desselben kurz angedeutet hatte. Aber daraus erhellet eben sonnenklar, wie gar sehr Winkler die Wahrheit entstellt hat, indem er diese Briefgeschichte zum Vortheil seiner bösen Sache deutete, während sie, treulich dargestellt, allein seine große Verhärtung kund giebt. Doch es ist kein Lügenredner so geschickt, er werde denn offenbar und müßte er sich gleich in seinen eigenen Worten fangen. So ergeht es auch Herrn Past. Winkler. Denn wenn er nun weiter berichtet, daß von jetzt an Crämer sein Rottenwesen ganz frech und ungescheut getrieben und mit der Rotte Versammlungen über Versammlungen gehalten habe, aus denen am 19. Juni unter Crämers Augen und Anführung ein Lossagebrief von Past. Winkler hervorgegangen sei, so hat er freilich sehr unweise gehandelt, das Datum so genau anzugeben. Denn zwischen dem nachdrucksvollen „von jetzt an“ bis zu dem verhängnißvollen 19. Juni ist, wie das von Winkler gleichfalls angeführte Datum des obigen Briefes lehrt, nur eine einzige Nacht. Da nun statistisch nachzuweisen ist, daß die meisten der Leute zur gewerbtreibenden Classe gehören, die den ganzen Tag ihres Berufes warten müssen, und daß sie weithin in der Stadt zerstreut wohnen, so kann ein jeder Einfältiger leicht einsehen, was davon zu halten sei, wenn Winkler sagt, der Unterzeichnete habe mit der Rotte Versammlungen über Versammlungen gehalten, nämlich daß dies eine kecke Lüge ist. Leicht auch wird jeder Einfältige urtheilen können, was darauf zu geben sei, wenn Winkler weiter berichtet, daß er und sein Vorstand die überreichte Lossageschrift zweimal nicht angenommen, sondern verbrannt hätten, zu einem Bekenntniß, daß sie mit dem Rottenhaupt Crämer keine Gemeinschaft haben wollten; denn es ist lächerlich zu hören, daß sie durch Annahme jener Schrift mit Crämer Gemeinschaft zu pflegen glaubten, der ja dabei nicht weiter betheiligt war, als daß über der ihm von Winklern gewordenen Behandlung und resp. schnöden Zurückweisung die Leute völlig zur Gewißheit kamen, daß Winkler nicht ans Licht kommen, daß er nimmermehr ihre gerechte Sache von einem unpartheischen Gericht untersuchen lassen wolle, da ihnen dann freilich nichts anders übrig blieb, als sich von einem solchen offenbaren Wolf loszusagen. — Wenn Winkler weiter in seinem Bericht also fortfährt: Crämer habe nun in der Begier, die Detroiter Beute zu sichern, alles Gefühl von Zucht und Scham verloren, und dies damit zu beweisen sucht, daß er behauptet, derselbe sei Tag für Tag in der Stadt umhergestrichen, entweder mit den Rottirern zu Advokaten laufend, um zu versuchen, ob sie der Gemeine etwa das Kirchenvermögen rauben könnten, oder mit den ärgsten Kirchenfeinden, Pasquillschreibern von Profession und starken Biertrinkern in herzlicher Gemeinschaft, oder allein auf der Straße wandelnd, das Barett auf dem Kopfe und die Cigarre im Mund: so ist erstlich das unmöglich, daß Crämer Tag für Tag herumgestrichen sein sollte, weil er sich überhaupt nur noch einen Tag in Detroit aufhielt und das Herumstreichen gar nicht seine Art ist; weiter so kann auch nicht die Rede von einer Beraubung der Gemeinde sein, da doch in der That nicht diejenigen auf den Namen Gemeinde Anspruch machen können, die bei einem offenbar gewordenen Wolf verbleiben, und was das Kirchenvermögen betrifft, so fällt ja das nach Winklers eigner Constitution denjenigen zu, die bei der reinen lutherischen Lehre bleiben, keineswegs aber solchen, die wider Matth. 18. den Bann falsch ausüben und sich durch Anschluß an die Buffaloer Synode der Grabauischen Irrthümer theilhaftig machen; endlich so ist sich der Unterzeichnete durchaus nicht bewußt, irgend eine Gemeinschaft, geschweige eine herzliche mit ihm bekannten Kirchenfeinden, Pasquillschreibern und Biersöffern gepflogen zu haben, überhaupt muß er den Pastor Winkler für einen schnöden Verläumder erklären, bis er ihm beweist, daß er wirklich bei seinem damaligen Aufenthalt in Detroit etwas gethan hat, das wider Zucht und Scham gewesen wäre.
Winkler fährt in seinem Bericht damit fort, daß er sagt: wenn Crämer den Leuten weis macht, die Advocaten hätten ihm nicht gerathen zu prozessiren, aus dem Grund, Past. Winkler sei ein Advocat, sie könnten gegen ihn nichts gewinnen, so ist dies eine handgreifliche Unwahrheit. Darauf müssen wir erwiedern, daß es leider eine unleugbare Thatsache ist, daß nicht nur der Advocat, den die für ihr Kircheigenthum besorgte Gemeine um Rath fragte, sondern auch ein angesehener Richter vor mehreren Zeugen jene Äußerung wirklich gethan haben. Übrigens erinnert diese ohne Veranlassung eingeflochtene Geschichte an die Erzählung von dem Mann mit dem Loch im Rock, der, obwohl es niemand bemerkt hätte, durch übergroße Sorgfalt, es zu verbergen, erst recht die Blicke der Leute darauf hinlenkte. Herr Past. Winkler möge wohl zusehen, daß er nicht durch die Sophistereien und Lügenkünste in diesem seinem Berichte selbst aller Welt offenbare, daß er mehr Geschick zu einem Advocaten als zu einem Pastor hat. Oder ist's etwas anderes als ein Advocatischer Kunstgriff, wenn Winkler gar wohl weiß, daß wir, die wir 90 Meilen von Detroit entfernt unseres Berufes warteten, von schmutzigen boshaft verläumderischen Artikeln, die die Rotte, wie er sagt, längere Zeit hindurch wider ihn in einer Socialistischen Zeitung habe drucken lassen, selbst wenn dergleichen, gewiß zu unserem eigenem großen Mißfallen, geschehen wäre, gar nichts wissen konnten und dennoch lügnerisch verheißt, es werde zu seiner Zeit offenbar werden, welchen Antheil die Rottenpriesterschaft an jenen Artikeln gehabt habe. Wir können diese Zeit getrost abwarten und zusehen, wie Winkler so lange fortfährt zu lästern und zu verläumden, bis er sich selbst aller Welt als einen Advocatischen Lügenfabrikanten geoffenbaret hat. Im weiteren Verlauf seines Berichtes sagt nun Winkler: die Synode von Buffalo habe hierauf ihrem Beruf gemäß durch ein Kirchengericht die Detroiter Sache untersuchen lassen. In der That Past. Winkler muß auf sehr vergeßliche Leser rechnen, daß er ihnen so etwas bieten darf. Hat er doch selber im Eingang lang und breit erzählt, daß ihre Constitution für den Fall, daß die Gemeinde keiner Synode angehöre, als Weg, etwa vorfallende Streitigkeiten zu entscheiden, den vorschreibe, daß von beiden streitigen Theilen Glieder einer zu bildenden Committee berufen würden und beruht doch sein ganzer Bericht auf der unläugbaren Thatsache, daß er selber im vorliegenden Fall jenen Weg eingeschlagen hat, ja hartnäckig darauf bestanden ist, daß die Sache so und nicht anders entschieden werden müsse. Wie mag er also sagen, die Synode von Buffalo hätte ihrem Beruf gemäß die Sache zu untersuchen gehabt. Wir möchten doch fragen, wo dieser Beruf herkommen soll. Vielmehr ists nach allem sonnenklar, daß sie sich da etwas unterfangen hat, was ihr nicht zustund. Wenn nun Winkler weiter berichtet: als die Rotte gesehen habe, daß sie mit ihrem Haß nicht durchdringe, bei einer gründlichen Untersuchung aber ihre Greuelthaten ans Licht kommen müßten, habe sie gesagt, sie erkenne das Gericht nicht an: so ist's in der That empörend zu sehen, wie da mit einem Mal die Sache gerade umgekehrt und also dargestellt wird, als hätten die Beschwerdeführenden sich einer genauen Untersuchung entziehen wollen; während doch aus Winklers Bericht selbst, mehr noch aber aus unserer wahrhaften Darstellung der Sache sonnenklar erhellt, daß die Leute je und je höchst willig und bereit waren, ihre Angelegenheit auf constitutionsmäßigem Weg von einem unpartheiischen Gericht untersuchen zu lassen, Winkler hingegen, als es damit Ernst werden sollte, Störung dazwischen gebracht, ja durch die schnöde Verwerfung des früher von ihm anerkannten Committeeglieds seines Gegentheils die Untersuchung unmöglich gemacht hat, welche Thatsache eigentlich allein schon hinreicht, männiglich zu überzeugen, daß die Leute keine Rotte
English translation AI translation
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„...gratitude which I owe you for much kindness shown me in former days, to venture yet another attempt, with the help of God and the gracious assistance of His Holy Spirit, to help you by hearty admonition out of God's Word, so far as in me lies, that you may again become sober out of the snare of Satan, in which you now lie captive. I therefore entreat you earnestly to permit me to come to you in the course of this day with Mr. Sommer, in order to make you a brotherly and loving representation, for which, alas, there was so little opportunity yesterday, since I was constrained to confine myself to a brief and decided testimony. Let me therefore kindly know, through Mr. Sommer, who brings you these lines, whether and at what time of this day I may come to you for the aforesaid holy purpose.
„May the gracious God incline your heart, that you may gladly and with joy agree to this proposal of a faithful though lowly servant of Christ, animated by the spirit of love and peace. This is the prayer and entreaty, from the bottom of his heart, of
August Crämer.“
This letter, to be sure, Winkler would not accept at all, not even when the bearer had briefly indicated its contents to him. But from this it is as clear as the sun how greatly Winkler has distorted the truth, in that he interpreted this letter-story to the advantage of his evil cause, while it, faithfully set forth, only reveals his great hardness of heart. Yet no liar is so clever but that he will be found out, and must needs be caught in his own words. So it goes also with Pastor Winkler. For when he now goes on to report that from that time on Crämer carried on his factious doings quite boldly and without shame, and held meetings upon meetings with the faction, from which on the 19th of June, under Crämer's eyes and leadership, a letter of renunciation to Pastor Winkler proceeded, he has certainly acted very unwisely in stating the date so exactly. For between the emphatic "from that time on" and the fateful 19th of June there is, as the date of the above letter, likewise cited by Winkler, shows, only a single night. Since it can now be shown statistically that most of the people belong to the trading class, who must attend to their occupation the whole day long, and that they live scattered far and wide in the city, any simple person can readily see what is to be thought of it when Winkler says that the undersigned held meetings upon meetings with the faction, namely, that this is a brazen lie. Easily, too, will every simple person be able to judge what is to be made of it when Winkler further reports that he and his board twice refused to accept the renunciation which was handed in, but burned it, as a confession that they wished to have no fellowship with the ringleader Crämer; for it is ridiculous to hear that they believed they were entering into fellowship with Crämer by accepting that paper, he who was in no way further concerned in it than that, over the treatment given them by Winkler and, respectively, his contemptuous rejection, the people came fully to the certainty that Winkler would not come to the light, that he would never suffer their just cause to be examined by an impartial court, whereupon, of course, nothing else remained to them but to renounce such an open wolf. — When Winkler further goes on in his report thus: that Crämer, in his eagerness to secure the Detroit spoil, had lost all sense of discipline and shame, and seeks to prove this by asserting that he went about the city day after day, either running with the factionists to lawyers, to try whether they could rob the congregation of its church property, or in hearty fellowship with the worst enemies of the church, pasquil-writers by profession and heavy beer-drinkers, or walking alone upon the street, the biretta on his head and the cigar in his mouth: in the first place, it is impossible that Crämer should have gone about day after day, since he remained in Detroit only one day more, and going about is not at all his way; further, there can be no question of a robbing of the congregation, since in fact those cannot lay claim to the name of congregation who remain with a wolf who has been exposed, and as for the church property, it falls, according to Winkler's own constitution, to those who remain with the pure Lutheran doctrine, but by no means to such as, contrary to Matt. 18, wrongly exercise the ban and by joining the Buffalo Synod make themselves partakers of the Grabauian errors; finally, the undersigned is not at all aware of having had any fellowship, let alone a hearty one, with known enemies of the church, pasquil-writers and beer-swillers, and he must in general declare Pastor Winkler a base slanderer until he proves to him that during his stay at that time in Detroit he really did something that was contrary to discipline and shame.
Winkler continues in his report by saying: if Crämer makes the people believe that the lawyers advised him against going to law, on the ground that Pastor Winkler is a lawyer and they could win nothing against him, this is a palpable untruth. To this we must reply that it is, alas, an undeniable fact that not only the lawyer whom the congregation, concerned for its church property, asked for counsel, but also a respected judge, did really make that remark before several witnesses. Moreover, this story, woven in without occasion, reminds one of the tale of the man with the hole in his coat, who, though no one would have noticed it, by excessive care to conceal it first really drew the eyes of the people to it. Let Pastor Winkler take good care that he does not, by the sophistries and artifices of lying in this his report, himself reveal to all the world that he has more talent for a lawyer than for a pastor. Or is it anything else than a lawyer's trick, when Winkler knows very well that we, who were attending to our calling 90 miles from Detroit, could know nothing at all of filthy, maliciously slanderous articles which the faction, as he says, had for a considerable time caused to be printed against him in a Socialist newspaper, even if such things, certainly to our own great displeasure, had happened, and yet falsely promises that in its time it will become manifest what share the faction-priesthood had in those articles. We can calmly await that time, and look on while Winkler goes on blaspheming and slandering until he has revealed himself to all the world as a lawyerly fabricator of lies. In the further course of his report Winkler now says: the Synod of Buffalo thereupon, in accordance with its calling, had the Detroit matter investigated by an ecclesiastical court. In truth, Pastor Winkler must count upon very forgetful readers, that he may offer them such a thing. Has he not himself related at length in the introduction that their constitution, for the case that the congregation belongs to no synod, prescribes as the way of deciding any disputes that may arise, that members of a committee to be formed shall be called from both contending parties, and does not his whole report rest upon the undeniable fact that he himself in the present case took that way, indeed stubbornly insisted that the matter must be decided so and not otherwise? How can he then say that the Synod of Buffalo had been called to investigate the matter in accordance with its calling? We would ask, whence is this calling to come? Rather it is, after all, clear as the sun that it presumed to undertake something which did not belong to it. When now Winkler further reports: that when the faction saw that it would not prevail with its hatred, but that in a thorough investigation its abominable deeds must come to light, it said it did not recognize the court: it is in truth outrageous to see how the matter is here all at once turned right about and represented as though the complainants had wished to evade a strict investigation; whereas from Winkler's report itself, and still more from our truthful account of the matter, it is clear as the sun that the people were always most willing and ready to have their affair investigated in the constitutional way by an impartial court, while Winkler, on the contrary, when it was to be made earnest, interposed disturbance, and indeed by the contemptuous rejection of the committee member of his opponents, formerly acknowledged by himself, made the investigation impossible, which fact in itself really suffices to convince every one that the people are no faction