Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 13 › Seite 101
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-17, Seite 101
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Schlesier entschieden unrecht.*) Keine von der Wahl, Ordination und dem Amte der christlichen Prediger handelnde Bibelstelle, nicht die apostolische Praxis, nicht das scheinbare Schwanken der alten lutherischen Kirche in Verfassungsfragen gibt eine Vollmacht, oder auch nur einen Vorwand zur Einsetzung eines geistlichen Standes, der, auf eine der Analogia fidei (Aehnlichkeit des Glaubens) widerstreitende, also grundfalsche, Auslegung von Ebr. 13, 17. gestützt, die göttlichen Befugnisse des hausherrlichen und obrigkeitlichen Standes zu usurpiren (widerrechtlich sich anzueignen) sich anmaßt. Auch Löhe „„ahnt hier eine unübersteigliche Kluft und ein traurig Loos der mit Pastor Grabau verbundenen Gemeinden.““ Möge uns das zur Warnung dienen, zur Wachsamkeit ermuntern! Klein und unscheinbar mit dem Lobpreisen adiaphoristischer (gleichgiltiger) Ceremonien, mit einer mehr als gerade nothwendigen Betonung untergeordneter Lehrstücke fängt das papistische Unwesen an, läßt dann allmählig die Succession der Gnadenmittel (das Erben des Wortes und der Sakramente von den Aposteln), wodurch allein die Christenheit gebaut wird, gegen die Succession (ununterbrochene Amtsfolge) der Kirchendiener in Schatten treten, verlegt nachher im consequenten (folgerichtigen) Fortschreiten den Schwerpunkt des christlichen Lebens aus der Lehre in die Verfassung, wodurch das Evangelium in Vergessenheit, menschliche Ordnungen aber und Gebote zu Ehre und Ansehen kommen und versteigt sich zuletzt zu dem vollendeten Papal-System (päpstlichen Lehrgebäude) des Mittelalters, das alle göttlichen und menschlichen Rechte für sich allein in Anspruch nimmt und seinen Interessen dienstbar macht. Man sage nicht, so weit werde es der christliche Sinn der Schlesier und ihrer Gesinnungsgenossen keinesweges kommen lassen. Der unbesonnene Wanderer, der mit seinem Stabe das Schneeflöckchen von der Alpenspitze losscharrte, wollte auch nichts weniger, als daß es Häuser und Menschen verschütten sollte, ja er ahnte das nicht einmal; konnte er aber später die verwüstende Lawine in ihrem Sturze aufhalten? Wem die in der Reformation wieder erkämpften Güter der christlichen Freiheit und des allgemeinen Priesterthums aller Gläubigen am Herzen liegen, der wache!“ — Herr Dr. Guericke theilte uns mit, daß er jüngst in einen ähnlichen Kampf, wie wir hier gegen die Grabau'sche Richtung zu kämpfen haben, auf dem Boden der deutschen Kirche verwickelt worden sei. Auch in der lutherischen Kirche Preußens nehmlich, welcher er (Dr. Guericke) gliedlich angehöre, sei seit einiger Zeit das Vorhandensein einer Parthei zu Tage getreten, welche hierarchische Grundsätze hege und überhaupt in der Lehre von Kirche und Amt, freilich gewiß ohne es sich bewußt zu sein, stark romanisire; und zwischen einigen von den Vertretern dieser Richtung unter den Predigern der sogen. separirten preußischen Lutheraner und zwischen ihm sei es eben zu einem harten Zusammenstoß gekommen.*) Herr Dr. Guericke versicherte uns jedoch zugleich, daß es auch in der preußisch-lutherischen Kirche eine bedeutende Schaar von Männern gebe, welche die Irrigkeit und Gefährlichkeit jener Richtung erkennen und mit großem Eifer die rein evangelischen Grundsätze von Kirche, Amt, Kirchengewalt, Kirchenordnung u. dgl. vertreten. Unter diese Schaar gehört u. A. auch der ausgezeichnete, an der Spitze der separirten preußischen Lutheraner stehende Rechtsgelehrte, der Geheimerath Huschke in Breslau.
*) Leider lassen sich jetzt auch hier manche gelüsten, sich auf Herrn Pastor Grabau's Seite zu schlagen und gegen den Lutheraner und unsere Synode für ihn zu Felde zu ziehen, die ebenfalls die Sache, um die es sich handelt, noch nichts weniger, als capirt haben. Solche sündigen freilich nicht so schwer, als die, welche wider die erkannte Wahrheit streiten; es ist aber doch eine klägliche Sache, wenn ein Mensch mit sichtbarer Zuversicht über eine Sache öffentlich sein Urtheil abgiebt, die er nicht versteht. Noch kläglicher ist es, wer von solchen Hilfstruppen sich entsetzen läßt.
*) Anderwärts hörten wir, daß der nun selig verstorbene lutherische Consistorialrath Wedemann in Breslau die jetzt in der lutherischen Kirche auftauchenden hierarchischen Grundsätze so consequent verfolgt habe, daß er endlich nahe daran gewesen sei, die lutherische Kirche zu verlassen und in den Schooß der römischen Kirche zurückzukehren, wo er jene Grundsätze allein consequent durchgeführt und die Idee von einer sichtbaren Kirche, wie sie in ihm sich festgestellt hatte, allein verwirklicht sah. Gott fügte es aber nach seiner grundlosen Barmherzigkeit, daß der theure, in große gewissensnöthen gerathene Mann in eine tödtliche Krankheit fiel, hier unter der Seelsorge eines treuen Freundes von seinen Irrthümern und peinigenden Bedenken geheilt wurde und endlich auf den lutherischen Glauben und in dem bergenden Schooß der lutherischen Kirche getrost und selig entschlief.
Von einem Gliede der hiesigen Gemeinde dringend dazu aufgefordert, machten wir Tags darnach auf Kosten dieses Gliedes von Halle einen Abstecher nach Nordhausen, wo dessen nächste Verwandte sich befinden. Zu unserer freudigsten Überraschung erfuhren wir, daß jetzt hier und weit umher in der Umgegend, die noch vor kurzem als ein Heerd des frechsten Unglaubens und des sogenannten Lichtfreundthums bekannt oder vielmehr berüchtigt worden ist, eine mächtige Bewegung lutherischen Glaubens und Lebens sich kund gegeben hat. In Nordhausen selbst fanden wir neben den unirten Gemeinden, welche die lutherischen Stadtkirchen sämmtlich inne haben, ein kleines sogenanntes altlutherisches Gemeinlein, welches von Zeit zu Zeit von Pastor Wermelskirch aus Erfurt besucht, seinen Gottesdienst in einem nach Kräften lieblich geschmückten Zimmer eines Privathauses hält, in dem Hause Herrn Schönau's, bei dem wir eine höchst freundliche Aufnahme fanden. Der Stadtpfarrer Abel wurde uns zwar als ein „gläubiger“ Mann geschildert, der aber zu denen gehöre, welche, wie jetzt so viele, mitten in der Union gute Lutheraner sein zu können meinen. Hier hörten wir ferner Folgendes: Im Juni vorigen Jahres hatte zu Neudietendorf eine Thüringer Pastoralconferenz stattgefunden, bei welcher es einige Anwesende sich gestanden hatten, daß es um die in den sächsischen Herzogthümern, wie in den schwarzburgischen Landen noch zu Recht bestehende evangelisch-lutherische Kirche traurig bestellt sei und daß dieselbe nicht nur an den durch den Rationalismus angerichteten Verwüstungen darniederliege, sondern auch von dem unionistischen Elemente, wie es aus Preußen zusammengekommen, durchsäuert sei. Diese Anwesenden faßten daher den Plan, die ihrem Bekenntnisse treu anhängenden Glieder der lutherischen Kirche Thüringens zu einer Versammlung in Ilmenau zusammenzuberufen, um sich durch festeres Aneinanderschließen gegenseitig zu stärken und die Förderung der heiligen Sache ihrer Kirche, sowie die Abwendung der ihr etwa bevorstehenden Gefahren gemeinsam in freier brüderlicher Weise zu berathen. Der von ihnen erlassenen Einladung waren gegen funfzig Geistliche und Laien aus fast allen Gegenden Thüringens gefolgt, welche unter dem Vorsitz des Pfarrers Wermelskirch sich am 14. August zu einer Conferenz constituirten, die ausgesprochenermaßen den Zweck hat: „sich Angesichts der ihrer Kirche drohenden Gefahren und bei den Drangsalen, in welche die ganze Kirche, oder einzelne Landeskirchen gerathen können, zu berathen und zu stärken, da jene Gefahren in den bereits in ihrer Gegend bestehenden Conferenzen nicht hinlänglich berücksichtigt werden.“ Zugleich sprach man sich über die Frage aus: „Wie hat es der Geistliche, der lutherischen Bekenntnisses ist, aber in einem diesem Bekenntnisse und der damit zusammenhängenden Liturgie und Zucht entfremdeten Lande lebt, anzufangen, daß er sammt seiner Gemeinde auch äußerlich der lutherischen Kirche angehöre und von da aus sich bethätigen kann?“ Pfarrer Schinzel aus Lichtentanne hatte diese Frage schriftlich beantwortet und dessen Antwort wurde nun der Besprechung der Versammlung unterbreitet. Das Nähere hierüber gedenke ich den lieben Lesern bei anderer Gelegenheit mitzutheilen. Es muß uns diese Bewegung für Wiederherstellung der lutherischen Kirche in Thüringen mit um so größeren Hoffnungen erfüllen, da Herr Pastor Wermelskirch, durch dessen treuen Dienst diese Bewegung theils geweckt worden, theils geleitet wird, gerade zu denjenigen separirten preußischen Lutheranern gehört, welche sich dem Eindringen hierarchischer Grundsätze mit großem Ernste entgegensetzen und mit großem Eifer dafür kämpfen, daß die alten rein evangelischen Principien unserer Kirche wieder zur Geltung gebracht und die Gemeinden denselben gemäß verfaßt und regiert werden.
So kehrten wir denn reichlich getröstet und erquickt von unserem Excurs über Sangerhausen und Eisleben, dem Geburtsorte Luthers, nach Halle zurück. In Sangerhausen hörten wir, daß hier eine Schaar von hundert Lutheranern vor kurzem der Union entsagt und sich zu einer lutherischen Gemeinde zusammengethan hatten, wenn ich nicht irre, ebenfalls durch den Dienst Pastor Wermelskirchs zur Erkenntniß gebracht.
In Halle besuchten wir Dr. Guericke, erhaltener Einladung zufolge noch einmal und wurden nun von demselben zum Festhalten an der erkannten Wahrheit treulich und herzlich ermahnt, welche Ermahnung uns natürlich ebenso
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Silesians decidedly wrong.*) No Bible passage dealing with the election, ordination and office of Christian preachers, not the apostolic practice, not the apparent wavering of the old Lutheran Church in questions of church constitution, gives a warrant, or even so much as a pretext, for the establishment of a spiritual estate which, resting upon an interpretation of Heb. 13:17 that contradicts the Analogia fidei (the analogy of faith), and is therefore utterly false, presumes to usurp (to appropriate unlawfully) the divine prerogatives of the estate of the householder and of the magistracy. Löhe also, "'perceives here an insurmountable chasm and a sad lot for the congregations connected with Pastor Grabau.'" May this serve us for a warning and rouse us to watchfulness! Small and unnoticed, with the praising of adiaphoristic (indifferent) ceremonies, with a greater emphasis than is necessary upon subordinate points of doctrine, the papistic mischief begins; then it gradually lets the succession of the means of grace (the inheriting of the Word and of the Sacraments from the Apostles), whereby alone Christendom is built up, recede into the shadow before the succession (the unbroken line of office) of the servants of the church; afterwards, in consistent (logical) progress, it shifts the center of gravity of the Christian life from doctrine to constitution, whereby the Gospel is forgotten while human ordinances and commandments come to honor and esteem; and at last it climbs to the perfected papal system (papal doctrinal edifice) of the Middle Ages, which claims all divine and human rights for itself alone and makes them serve its own interests. Let no one say that the Christian sense of the Silesians and of their like-minded friends will by no means let it come so far. The thoughtless wanderer who with his staff scraped loose the little snowflake from the Alpine summit likewise wished nothing less than that it should bury houses and men; indeed, he did not even suspect it; yet could he afterwards stop the devastating avalanche in its fall? Whoever has at heart the blessings of Christian liberty and of the universal priesthood of all believers, regained by struggle in the Reformation, let him watch!" — Dr. Guericke told us that he had lately been drawn into a similar conflict, such as we here have to wage against the Grabau tendency, on the soil of the German Church. In the Lutheran Church of Prussia also, to which he (Dr. Guericke) belongs as a member, the existence of a party had for some time come to light which cherishes hierarchical principles and, in the doctrine of the Church and the Ministry generally, is strongly Romanizing, though certainly without being aware of it; and between some of the representatives of this tendency among the preachers of the so-called separated Prussian Lutherans and himself there had just been a hard collision.*) Dr. Guericke assured us, however, at the same time that in the Prussian Lutheran Church also there is a considerable company of men who recognize the error and danger of that tendency and with great zeal advocate the purely evangelical principles of Church, Ministry, church power, church order, and the like. To this company belongs, among others, the distinguished jurist who stands at the head of the separated Prussian Lutherans, the Privy Councillor Huschke in Breslau.
*) Unhappily some are now inclined here also to take Pastor Grabau's side and to take the field for him against the Lutheraner and our Synod, who likewise have not yet in the least understood the matter at issue. Such persons, to be sure, do not sin so grievously as those who strive against the acknowledged truth; but it is nevertheless a pitiable thing when a man publicly delivers his judgment with visible confidence upon a matter which he does not understand. It is more pitiable still when anyone lets himself be frightened by such auxiliary troops.
*) Elsewhere we heard that the Lutheran Consistorial Councillor Wedemann in Breslau, now blessedly departed, pursued the hierarchical principles which are now springing up in the Lutheran Church so consistently that he was at last close to leaving the Lutheran Church and returning to the bosom of the Roman Church, where he saw those principles carried out consistently and alone, and the idea of a visible Church, as it had become settled in him, alone realized. But God, according to His unmerited mercy, so ordered it that the dear man, fallen into great distress of conscience, was stricken with a mortal sickness, was healed here, under the pastoral care of a faithful friend, of his errors and tormenting scruples, and at last fell asleep, comforted and blessed, in the Lutheran faith and in the sheltering bosom of the Lutheran Church.
Urgently requested to do so by a member of the congregation here, we made, the day after, at the expense of this member, a side trip from Halle to Nordhausen, where his nearest relatives live. To our greatest joy and surprise we learned that here and far around in the surrounding country, which until recently was known, or rather notorious, as a hotbed of the boldest unbelief and of so-called Light-friendism, a mighty movement of Lutheran faith and life has made itself known. In Nordhausen itself we found, alongside the Union congregations, which hold all the Lutheran city churches, a little so-called Old Lutheran flock, which is visited from time to time by Pastor Wermelskirch from Erfurt, and holds its worship in a room of a private house, adorned as pleasantly as they were able, in the house of Mr. Schönau, with whom we found a most friendly reception. The city pastor Abel was described to us, indeed, as a "believing" man, but one who belongs to those who, like so many now, think they can be good Lutherans in the midst of the Union. Here we further heard the following: In June of last year a Thuringian pastoral conference had been held at Neudietendorf, at which some of those present had admitted to one another that it stood sadly with the Evangelical Lutheran Church still lawfully existing in the Saxon duchies and in the Schwarzburg lands, and that it lay prostrate not only from the devastations wrought by Rationalism, but was also leavened by the Unionist element as it had come in from Prussia. These persons therefore conceived the plan of calling together the members of the Lutheran Church of Thuringia who adhere faithfully to her Confession, to an assembly at Ilmenau, in order to strengthen one another by a closer union and to consult together, in a free and brotherly manner, concerning the furtherance of the holy cause of their Church, as well as the averting of the dangers perhaps impending over her. Some fifty clergymen and laymen from almost all parts of Thuringia followed the invitation issued by them, and under the chairmanship of Pastor Wermelskirch constituted themselves on the 14th of August a conference which has, by its own declaration, the purpose: "in view of the dangers threatening their Church, and in the afflictions into which the whole Church, or individual territorial churches, may fall, to take counsel and strengthen one another, since those dangers are not sufficiently considered in the conferences already existing in their region." At the same time the question was discussed: "How shall the clergyman who is of the Lutheran Confession, but lives in a land estranged from this Confession and from the liturgy and discipline connected with it, set about it, that he together with his congregation may also outwardly belong to the Lutheran Church and be active from that standing?" Pastor Schinzel of Lichtentanne had answered this question in writing, and his answer was now submitted to the discussion of the assembly. The particulars concerning this I intend to communicate to the dear readers on another occasion. This movement for the restoration of the Lutheran Church in Thuringia must fill us with the greater hopes, since Pastor Wermelskirch, by whose faithful service this movement has partly been awakened and is partly being guided, belongs precisely to those separated Prussian Lutherans who oppose the intrusion of hierarchical principles with great earnestness and contend with great zeal that the old, purely evangelical principles of our Church be brought again to recognition, and that the congregations be organized and governed in accordance with them.
So we returned to Halle, richly comforted and refreshed from our excursion by way of Sangerhausen and Eisleben, the birthplace of Luther. In Sangerhausen we heard that a company of a hundred Lutherans had here recently renounced the Union and united into a Lutheran congregation, brought, if I am not mistaken, likewise to the knowledge of the truth through the service of Pastor Wermelskirch.
In Halle we visited Dr. Guericke once more, in accordance with an invitation received, and were now faithfully and heartily admonished by him to hold fast to the acknowledged truth, which admonition, of course, equally