Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 14 › Seite 108
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-03-02, Seite 108
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
108
erfüllte, mit der unbefangensten Würdigung alles wahrhaft guten Neuen, die gewissenhafteste Treue gegen das alte und ewig neue Bekenntniß unserer Kirche und demüthigste Unterstellung unter unsere alten Lehrer gepaart. Was uns schon anderwärts bezeugt worden war, erfuhren wir auch hier, daß nehmlich jetzt unsere amerikanisch-lutherische Kirche sich wenig Hoffnung machen könne, von Deutschland aus durch Zusendung tüchtiger, rechtgläubiger Candidaten der Theologie unterstützt zu werden, da jetzt in Deutschland nicht nur viele sogenannte Kirchenpatrone, sondern auch viele, die im Kirchenregimente sitzen, nicht mehr, wie vormals, gerade die rechtgläubigen Candidaten zurücksetzen, sondern dieselben vielmehr suchen und über Mangel an solchen klagen. Herr Oberhofprediger Dr. Harleß stimmte daher mit uns darin überein, daß unter diesen Umständen die wichtigste Hülfe, welche uns von Deutschland werden könne, darin bestehe, daß uns von dort aus insonderheit materielle Mittel zur Förderung und Erweiterung unserer hiesigen eigenen Anstalten zur Erziehung und Ausbildung von Predigern für unsere Kirche hier beschafft würden. Mit großem Interesse hörte der Herr Oberhofprediger den Bericht an, den wir ihm von unseren bereits bestehenden Predigerseminarien abstatteten, und insonderheit wandte derselbe unserm Concordia-Collegium seine herzliche Theilnahme zu. Da gegenwärtig die Aufmerksamkeit auf die amerikanischen kirchlichen Angelegenheiten in Deutschland, hauptsächlich in Bayern geweckt ist, so übergab uns Herr Dr. Harleß zunächst ein Empfehlungsschreiben an Ihre Majestät, die Königin Marie von Bayern und deren Beichtvater, Herrn Dekan Ritter Burger in München, mit, damit uns durch Vermittelung der Erstgenannten eine allgemeine Kollekte in der lutherischen Kirche Bayerns gewährt werde. Der Herr Oberhofprediger sprach die Hoffnung aus, daß, wenn die bayrische lutherische Kirche vorangegangen sein werde, die sächsische, in welcher die Sache der amerikanisch-lutherischen Kirche noch wenig bekannt und in Anregung gebracht sei, ohne Zweifel nachfolgen werde. Auch den Plan der Schrift, welche unsere Synode über Kirche und Amt herauszugeben beabsichtige, theilte ich ich Herrn Dr. Harleß mit und es fand derselbe seine ausdrückliche Billigung. Es war ihm lieb, zu hören, daß diese Schrift sich nicht nur von allen persönlichen Angriffen fern halten, sondern auch überhaupt nicht sowohl polemischen Charakters sein, sondern die Lehre einfach und und zwar durch reichliche Zeugnisse aus unseren Symbolen und aus den Schriften unserer besten Theologen darlegen werde.*) Herr Dr. Harleß versicherte uns, daß auch er gerade diesen zu unserer Vertheidigung eingeschlagenen Weg als den ersprießlichsten ansehe, da wir keineswegs voraussetzen dürften, daß die Lehrentwickelung, wie sie sich in unseren alten Theologen finde, unter den deutschen Theologen so bekannt sei, als man erwarten sollte. —
*) Das genannte Buch sollte nach dem Versprechen des Verlegers, Herrn Th. Blaesing’s in Erlangen, im vorigen Monat erscheinen und sobald es die Presse verlassen hat, in einer entsprechenden Anzahl von Exemplaren anhergesendet werden. Sobald die Sendung hier ist, wird es den lieben Lesern durch den „Lutheraner“ bekannt gemacht werden. Sowohl Herr J. H. Bergmann in N. York als Herr F. W. Barthel in St. Louis werden die Güte haben, etwaige Bestellungen der Schrift so bald thunlich zu besorgen. Der Titel derselben ist folgender: „Die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt, eine Sammlung von Zeugnissen über diese Frage aus den öffentlichen Bekenntnißschriften der ev.-lutherischen Kirche und aus den Privatschriften rechtgläubiger Lehrer derselben. Von der deutschen ev.-luther. Synode von Missouri ꝛc. als ein Zeugniß ihres Glaubens zur Abwehr der Angriffe des Herrn Pastor Grabau in Buffalo, N. Y., in deren Namen und Auftrag vorgelegt durch C. F. W. Walther.“
In Dresden befindet sich eine Anzahl Lutheraner, welche früher Glieder der hiesigen Gemeinde waren und wieder nach Deutschland zurückgewandert sind; sie hier wieder zu sehen und zu sprechen, war für uns eine um so größere Freude, da wir aus dem Munde aller ein gutes Bekenntniß ihres Glaubens vernahmen. Hier trafen wir auch einen alten christlichen Freund aus meiner Candidatenzeit, den Candidaten Herrn Rudel. Derselbe fungirte jetzt als Krankenhausprediger in Dresden. Auch mit ihm erkannten wir uns bald nach kurzer gegenseitiger Aussprache völlig einig; früher mit uns in gleichen Irrthümern von Kirche und Amt befangen, war er durch ein gründliches unbefangenes Studium der Bekenntnisse unserer Kirche und der Schriften unserer älteren Theologen zu denselben Resultaten, wie wir, gekommen. Die freilich nur kurze Gemeinschaft, die wir mit diesem ausgezeichnet begabten wie kenntnißreichen Manne hier pflegen konnten, bereitete uns eine große Erquickung und Stärkung.
Als wir hier Herrn Buchhändler Justus Naumann aufsuchten, wurden wir von der Nachricht überrascht, daß die Herrn Professoren und Doktoren der Theologie: Höfling, Thomasius, Hofmann und Delitzsch in Erlangen; Kahnis, Lindner sen. und jun. in Leipzig und Krabbe und Baumgarten in Rostock schon im Juli des laufenden Jahres ein von ihnen unterzeichnetes lithographirtes Circular an eine große Anzahl deutscher Verlagsbuchhandlungen mit der Bitte um Unterstützung unserer Seminare, insonderheit des hiesigen, mit literarischen Hülfsmitteln haben ergehen lassen. Es hieß darin unter Anderem folgendermaßen: „Ew. Wohlgeboren sind sicher nicht unbekannt mit den kirchlichen Nothständen unserer ausgewanderten nordamerikanischen Glaubensgenossen, und wir, die Unterzeichneten, können bei Ihnen die Überzeugung voraussetzen, daß es unsere Pflicht ist, der jenseitigen evang. luth. Kirche die inmitten des Andranges fremder Kirchen und Sekten nöthigen Mittel der Selbsterhaltung und Selbsterbauung zuzuführen und ihr mit dem mutterkirchl. Bekenntniß auch deutsche Sprache, deutsche Sitte, deutsche Wissenschaft und besonders Theologie bewahren zu helfen. In Anerkenntniß dieser unserer heiligen Pflicht hat sich unsere Theilnahme neben dem Prediger- und Schullehrer-Seminar in Fort Wayne besonders einer Anstalt zuzuwenden, welche die Pflege deutscher kirchlicher Wissenschaft zu ihrer eigentlichen Aufgabe gemacht hat. Es ist das in Perry County erblühte und jetzt nach St. Louis verpflanzte College. Die beiden Vorsitzenden der Synode von Missouri ꝛc., die Pfarrer Wyneken und Walther .., sind in einer amtlichen Reise nach Deutschland begriffen und werden im Laufe des Augusts eintreffen. Ihnen ein ansehnliches Geschenk von Büchern aus dem Bereiche der Theologie, der Philologie und der angrenzenden allgemeinen Bildungsfächer für das College in St. Louis mitgeben zu können, ist einer der innigsten Wünsche der Unterzeichneten. Die Erwerbung einer solchen Auswahl von Büchern auf gewöhnlichem Wege ist bei der Menge anderweitiger Bedürfnisse, welche unmittelbare Darreichung von Geldmitteln fordern, nicht wohl thunlich, und wir haben deßhalb uns entschlossen, deutsche Buchhandlungen mit der Bitte anzugehen, den bedürftigen Glaubensgenossen in Nordamerika ein Geschenk aus ihren Verlagsartikeln zu machen. Die Buchhandlung Dörffling und Franke in Leipzig ist zurÜbernahme solcher freundlicher Schenkungen bereit und die Unterzeichneten verbürgen die ausschließliche Verwendung derselben zu dem bezeichneten Zwecke“ ꝛc. Auf unserer Rückreise über Leipzig hatten wir die Freude, zu sehen, daß der Fürbitte der hochtheuren würdigen Herren über das Erwarten reichlich entsprochen worden war.
Indeß nun Pastor Wyneken von Dresden unmittelbar nach Leipzig zurückkehrte und hier Gelegenheit nahm, sich mit Herrn Prof. Lindner sen. (Prof. Bruno Lindner jun. war leider! gerade verreist) zu besprechen, machte ich jetzt einen Abstecher über Kleinhartmannsdorf, wo ich die andere meiner zwei noch lebenden Schwestern, und über Leulitz bei Wurzen, wo ich einen alten Schul- u. Universitätsfreund, Pastor M. H. Hasse daselbst, auf einige Stunden besuchte. Was den letzteren betrifft, so war unserer schon in früher Jugend in beiderseitigem Mangel an christl. Erkenntniß geschlossenen innigen Freundschaft dadurch natürlich nicht geringer Eintrag geschehen, daß mich Gott schon auf der Universität zu confessioneller Entschiedenheit kommen ließ, während mein Freund Hasse allein einen allgemein christlichen Standpunkt gewann. Zu meiner großen Freude war aber derselbe auf diesem vom ihm früher behaupteten Standpunkte nicht stehen geblieben; gerade die Stürme der letzten Zeit, in denen so vielen der Grund ihres Glaubens wankend geworden, hatte der HErr an ihm dazu gesegnet, daß er von der Nothwendigkeit überzeugt worden war, auf den Felsen des kirchlichen Bekenntnisses auch Anker zu werfen.
Nach nochmaligem kurzen gesegneten Aufenthalte in Leipzig bei meiner Durchreise durch diese Stadt, eilte ich nun dem eigentlichen Ziele unserer Reise, Bayern, entgegen.
(Fortsetzung folgt.)
English translation AI translation
108
filled us, was the combination, with the most unprejudiced appreciation of everything truly good that is new, of the most conscientious fidelity to the old and ever new Confession of our Church and the most humble subordination to our old teachers. What had already been testified to us elsewhere we learned here also, namely, that our American Lutheran Church can now hold out little hope of being supported from Germany by the sending of capable, orthodox candidates of theology, since now in Germany not only many so-called church patrons, but also many who sit in the church government, no longer, as formerly, set aside precisely the orthodox candidates, but rather seek them and complain of a shortage of such. Herr Oberhofprediger Dr. Harless therefore agreed with us that under these circumstances the most important help which can come to us from Germany consists in this, that there be procured for us from there, in particular, material means for the furtherance and enlargement of our own institutions here for the training and education of preachers for our Church here. With great interest the Herr Oberhofprediger heard the report which we gave him of our already existing preachers’ seminaries, and in particular he turned his hearty sympathy to our Concordia College. Since at present attention to American church affairs has been aroused in Germany, chiefly in Bavaria, Herr Dr. Harless first of all handed us a letter of recommendation to Her Majesty, Queen Marie of Bavaria, and her father confessor, Herr Dean Ritter Burger in Munich, in order that through the mediation of the first named a general collection might be granted us in the Lutheran Church of Bavaria. The Herr Oberhofprediger expressed the hope that, when the Bavarian Lutheran Church shall have taken the lead, the Saxon, in which the cause of the American Lutheran Church is still little known and brought to attention, would without doubt follow. The plan of the book which our Synod intends to publish on Church and Ministry I also communicated to Herr Dr. Harless, and he gave it his express approval. It was pleasing to him to hear that this book would not only keep far from all personal attacks, but also on the whole would not be so much of a polemical character as would set forth the doctrine simply, and indeed by abundant testimonies from our Symbols and from the writings of our best theologians.*) Herr Dr. Harless assured us that he also regarded precisely this way, adopted for our defense, as the most profitable, since we must by no means presuppose that the development of doctrine as it is found in our old theologians is as well known among the German theologians as one should expect. —
*) The book mentioned was, according to the promise of the publisher, Herr Th. Blaesing of Erlangen, to appear last month, and as soon as it has left the press, it is to be sent hither in a corresponding number of copies. As soon as the shipment is here, it will be made known to the dear readers through the „Lutheraner.“ Both Herr J. H. Bergmann in N. York and Herr F. W. Barthel in St. Louis will have the kindness to attend to any orders for the book as soon as practicable. The title of it is as follows: „Die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt, eine Sammlung von Zeugnissen über diese Frage aus den öffentlichen Bekenntnißschriften der ev.-lutherischen Kirche und aus den Privatschriften rechtgläubiger Lehrer derselben. Von der deutschen ev.-luther. Synode von Missouri ꝛc. als ein Zeugniß ihres Glaubens zur Abwehr der Angriffe des Herrn Pastor Grabau in Buffalo, N. Y., in deren Namen und Auftrag vorgelegt durch C. F. W. Walther.“
In Dresden there is a number of Lutherans who were formerly members of the congregation here and have wandered back to Germany; to see them again here and to speak with them was for us a joy the greater because we heard from the mouth of all a good confession of their faith. Here we also met an old Christian friend from my candidate days, the candidate Herr Rudel. He was now serving as hospital preacher in Dresden. With him too we recognized ourselves, after a brief mutual conversation, as fully united; formerly entangled with us in the same errors concerning Church and Ministry, he had come, through a thorough, unprejudiced study of the Confessions of our Church and of the writings of our older theologians, to the same results as we. The fellowship, brief indeed, which we were able to cultivate here with this man, so excellently gifted and well-informed, afforded us great refreshment and strengthening.
When we called here upon Herr Justus Naumann, bookseller, we were surprised by the news that the gentlemen professors and doctors of theology: Höfling, Thomasius, Hofmann and Delitzsch in Erlangen; Kahnis, Lindner sen. and jun. in Leipzig, and Krabbe and Baumgarten in Rostock, already in July of the current year, had let go forth a lithographed circular signed by them to a great number of German publishing booksellers, with the request for support of our seminaries, in particular of the one here, with literary aids. It ran therein, among other things, as follows: “Your Honor is surely not unacquainted with the ecclesiastical distresses of our emigrated North American fellow-believers, and we, the undersigned, can presuppose in you the conviction that it is our duty to supply to the Evang. Luth. Church over there, in the midst of the onset of foreign churches and sects, the necessary means of self-preservation and self-edification, and to help it preserve, together with the confession of the mother church, also German language, German custom, German learning and especially theology. In recognition of this our holy duty, our sympathy has turned, beside the preachers’ and schoolteachers’ seminary at Fort Wayne, especially to an institution which has made the cultivation of German ecclesiastical learning its proper task. It is the college that blossomed in Perry County and is now transplanted to St. Louis. The two presidents of the Synod of Missouri etc., the pastors Wyneken and Walther .., are on an official journey to Germany and will arrive in the course of August. To be able to give them a considerable gift of books from the field of theology, philology and the adjoining general branches of education for the college in St. Louis is one of the most heartfelt wishes of the undersigned. The acquisition of such a selection of books in the ordinary way is not well practicable, in view of the multitude of other needs which require immediate supply of money, and we have therefore resolved to approach German booksellers with the request to make the needy fellow-believers in North America a gift from their publishing stock. The bookselling firm of Dörffling and Franke in Leipzig is ready to undertake such friendly gifts, and the undersigned vouch for the exclusive use of the same for the purpose designated,” etc. On our return journey through Leipzig we had the joy of seeing that the intercession of the highly esteemed, worthy gentlemen had been answered abundantly beyond expectation.
Whereas Pastor Wyneken now returned from Dresden directly to Leipzig and there took the opportunity to confer with Herr Prof. Lindner sen. (Prof. Bruno Lindner jun. was unfortunately away from home), I now made a detour by way of Kleinhartmannsdorf, where I visited the other of my two still living sisters, and by way of Leulitz near Wurzen, where I visited for a few hours an old school and university friend, Pastor M. H. Hasse there. As to the latter, no little injury had naturally been done to our intimate friendship, formed already in early youth in a mutual lack of Christian knowledge, by this, that God let me come already at the university to confessional decision, while my friend Hasse alone attained a general Christian standpoint. To my great joy, however, he had not remained standing at this standpoint formerly maintained by him; precisely the storms of the latest time, in which with so many the foundation of their faith has become wavering, the LORD had blessed in him to this end, that he had been convinced of the necessity of casting anchor also upon the rock of the ecclesiastical Confession.
After another short, blessed stay in Leipzig, on my passage through this city, I now hastened toward the real goal of our journey, Bavaria.
(To be continued.)