Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 6 › Seite 43

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-09, Seite 43

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seiner Gemahlin es zu beruhigen vermochten. „Ich fürchte mich für Gott, in dessen Anschauen ich hier auf Erden wandele, Unnd für welches gerichte ich auch dermahleins erscheinen muß, Unnd kan's nach dem, wie mein Gewißen von jugend auff gestanden und noch itzo stehet, nicht anders befinden.“ So schrieb er dem Churfürsten und legte sein kaum wieder angetretenes Amt in Angst seines Gewissens freiwillig nieder.

Bedenke doch; diese Männer, die unsere Kirche gepflanzt und begossen haben, deren Schriften von himmlischem Balsam triefen, deren Lieder wie Blätter vom Baume des Lebens nie verwelken, diese Männer, welche den Werth einer Seele vor Gott nicht nach unfruchtbarer Erkenntniß, sondern nach dem rechtfertigenden Glauben und lebendiger Erfahrung bemaßen, waren so schroff, so exclusiv und wollten keinen Frieden als in Einheit der Wahrheit.

Und was machen wir mit unseren Bekenntnißschriften, wenn wir eine andere, als diese exclusive Stellung zu den Reformirten einnehmen zu müssen glauben? Daß unsere Bekenntnißschriften die strengsten Verwerfungsurtheile über die Lehre der Reformirten, die entschiedenste Ablehnung kirchlicher Gemeinschaft mit ihnen enthalten, weiß jeder der sie auch nur oberflächlich kennt. Ist das unsittliche Maßlosigkeit, orthodoxistische Härte, consequenzmacherische Schroffheit? Schlimm dann für uns, die wir auf diese Symbole eidlich verpflichtet sind oder doch der Kirche angehören, welche sich zu diesen Symbolen bekennt, ohne sich von jenen unsittlichen und keineswegs unwesentlichen Bestandtheilen öffentlich losgesagt zu haben. Denn wenn jene Strenge den Gegensatz der Liebe bildete, welche unser Herr und Heiland zum Kennzeichen seiner Jünger gemacht hat, wenn der Sachverhalt des recht verstandenen reformirten Bekenntnisses ein anderer wäre, wenn das Verhältniß der beiden Kirchen zu einander eine wesentliche Aenderung erlitten hätte: so dürfte die lutherische Kirche nicht schweigen, sie müßte durch den Mund ihrer bekenntnißtreuen Glieder reden und demjenigen im Inhalt der Symbole entsagen was wider die Liebe aus Gott ist oder doch jetzt keine Anwendung mehr leidet.

Aber so gern und freudig wir es anerkennen, daß viele gläubige Glieder der reformirten Kirche mit den gläubigen Gliedern der lutherischen durch Einheit gleichen Glaubens verbunden sind, so gewiß ist es doch auch, daß das öffentlich anerkannte und rechtsgültige Bekenntniß der reformirten Kirche bis auf den heutigen Tag dasselbe geblieben ist. Es sind die alten Fahnen, mit welchen die Heerlager beider Kirchen einander gegenüberstehen. In demselben Maße als die lutherische Kirche die Fahne ihres Bekenntnisses wieder hoch emporgehoben und entfaltet hat, ist auf Seiten der reformirten Kirche das Gleiche geschehen. Und wenn es auch wahr ist, daß die reformirte Kirche ihre Fahne ein wenig gesenkt hat, um unsere Kirche mit dem Wunsche des Friedens zu begrüßen, so steht der Friede doch erst in Aussicht, er ist noch nicht geschlossen, der Friedensschluß ist Sache beider Kirchen, nicht mit Ignorirung der Kirchen die Sache einzelner ihrer Glieder.

Das Verhältniß beider Kirchen zu einander ist also noch wesentlich dasselbe, weil ihr Bekenntnißstand noch derselbe ist wie ehedem. Wenn wir die uns gebotene Hand der Gemeinschaft nicht zurückweisen, so könnte es nur deßhalb geschehen, weil überhaupt die Lehrdifferenzen beider Kirchen nicht als fundamental, nicht als gemeinschafttrennend anzusehen seien. In diesem Falle müßten wir annehmen, daß der Kampf, welchen unsere Kirche Jahrhunderte hindurch gegen die reformirte geführt hat, vor Gott ein Greuel gewesen ist und daß Fleisch und Blut, ja der Teufel selbst den von Anfang an möglichen und gottgefälligen Frieden beider Kirchen verhindert hat. Es wäre schrecklich, wenn es so wäre; indeß wenn die Voraussetzung, daß die Unterschiede beider Kirchen unwesentlich seien, wahr sein sollte, so dürften wir selbst vor so hartem Urtheil nicht zurückbeben und wir müßten um Gottes willen über unsere Vergangenheit den Stab brechen. Gott sei Dank, daß wir das nicht nöthig haben! Wohl wissen wir, daß wir uns an dem Gotte der Wahrheit versündigten, wenn wir unsere lutherische Lehre um jeden Preis zu behaupten suchten eben nur weil wir sie ererbt, weil sie die unsere ist. Das Erbe der Väter muß immer aufs neue in den Schmelztiegel des Wortes Gottes, und wehe den Kindern, die sich nicht freuen wenn in Feuer aufgeht was nicht feuerbeständig ist! Aber wir können ohne Selbstruhm laut und fröhlich bezeugen, daß unsere bekenntnißmäßige Lehre in allen mit der reformirten Kirche streitigen Punkten diese Feuerprobe siegreich bestanden hat. In der Periode des herrschenden Rationalismus war sie wie in den Tod dahingegeben. Aus diesem Tode ist sie wiedererstanden, mit der Macht göttlichen Wortes die Herzen überzeugend und sich an ihnen bezeugend, der gläubigen Wissenschaft sich bewährend, neue Gemeinden sammelnd und mit altem Bekennermuth durchdringend. Wir behaupten nicht zu viel wenn wir sagen, daß auf dem Gebiete der neuesten Kirchengeschichte kein Bekenntniß solche gemeinschaftbildende Kraft bewiesen, wie das lutherische, und daß auch auf dem Gebiete der Wissenschaft die lutherische Grundanschauung von dem unzertrennlichen geheimnißvollen Ineinander des Göttlichen und Menschlichen in der Person Christi, in dem Worte Gottes, in den sacramentlichen Gaben, in dem Heilsrathschlusse und seiner zeitlichen Verwirklichung zur treibenden Kraft neuer fruchtreicher Erkenntnisse, ja einer ganz neuen verheißungsvollen Entwickelung geworden ist.

Wer die Sätze und Gegensätze unseres Bekenntnisses im Verhältniß zum reformirten mit einem Blicke übersehen will, der lese die unserm Concordienbuch beigegebenen sächsischen Visitationsartikel. Die Lehrunterschiede sind hier überaus klar, bündig und würdevoll auseinandergelegt. Es handelt sich nicht um speculative Lehrsätze, sondern um einfache Heilswahrheiten. Was beide Kirchen scheidet, läßt sich in wenige Worte fassen und selbst der Einfalt eines Kindes verständlich machen. Wenn die Schrift sagt, daß die Taufe das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung des heil. Geistes ist, daß in dem Brote und Weine des Abendmahls uns der Leib Christi, der für uns dahingegebene, und sein Blut, das für uns vergossene, dargereicht werden, daß Christus aufgefahren ist über alle Himmel, auf daß er alles erfüllete und daß Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, obwohl er in Christo die welche selig werden von Ewigkeit her erwählt hat: so beugt sich unsere Kirche ohne zu deuteln unter diese Aussagen der Schrift, nimmt ihre Vernunft gefangen unter den Gehorsam des Glaubens und beruht anbetend in der göttlich bezeugten Wirklichkeit des unbegriffenen Mysteriums.*) Die reformirte Kirche dagegen reißt was in geheimnißvoller Weise sacramentlich zusammengegeben, persönlich geeinigt ist, mehr oder weniger auseinander und läugnet, soweit sie an ihren prädestinationischen†) Symbolen festhält, zu Gunsten der ewigen Vorherbestimmung den heiligen Ernst des allgemeinen göttlichen Gnadenwillens. Sie sucht was für die Vernunft unbegreiflich und widersprechend ist dieser näher zu bringen, indem sie das Unzertrennliche trennt und den Widerspruch beseitigt.

*) Geheimnisses. D. R.

†) Das sind solche, in denen eine unbedingte Vorherbestimmung gelehrt wird. D. R.

Können wir den Charakter der Lehrunterschiede nur so und nicht anders ansehen: so müssen wir es auch für die Pflicht unsrer Kirche halten, daß sie ihr gutes Bekenntniß wahre und wie eine festgegründete unerschütterliche Säule vor aller Welt hoch emporhalte. Der Inhalt ihres Bekenntnisses ist ja nicht ein erstudirtes System, auf welches sie nach Gutdünken mehr oder weniger Werth legen könnte, nicht eine menschliche Hypothese,‡) welche Bescheidenheits halber mißtrauisch gegen sich selbst sein muß, sondern das ihrem Herzen durch den heil. Geist besiegelte, ihr Gewissen bindende Ja und Amen zum göttlichen Worte. Die schriftgemäße Erkenntniß die sie besitzt ist nicht ihre Erfindung, sondern eine Gabe der Gnade, das ihr von ihrem Herrn anvertraute Pfund das sie nicht in's Schweißtuch wickeln und vergraben soll, die gute Beilage die sie zu bewahren hat bis auf jenen Tag durch den heiligen Geist der in ihr wohnet. Sie ist nicht so stolz und bornirt, sich für die allgemeine (katholische) Kirche zu halten, aber sie ist göttlich gewiß, daß ihre Lehre die katholische ist und bleiben und triumphiren wird selbst wenn das geschichtlich gewordene deutsch-lutherische Kirchenwesen dem Gerichte des Todes verfallen sollte. Das Credo §) im Schrein ihres Bekenntnisses ist freilich sehr verschieden von dem bekenntnißmäßig festgestellten Credo anderer Kirchen, es ist aber das wesentliche Credo aller in allen Kirchen zerstreuten Kinder Gottes auf Erden. Ihr ists gegeben

‡) Ein unerwiesener, im Voraus angenommener Satz. D. R.

§) Die Glaubensformel.

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his consort were able to quiet it. "I fear God, in whose sight I walk here on earth, And before whose judgment-seat I must also appear hereafter, And I cannot, according to how my conscience has stood from youth up and still stands, find otherwise." So he wrote to the Elector, and in anguish of his conscience voluntarily laid down his office, which he had scarcely resumed.

Consider, then; these men, who planted and watered our Church, whose writings drip with heavenly balsam, whose hymns, like leaves from the tree of life, never wither, these men, who measured the worth of a soul before God not by unfruitful knowledge but by justifying faith and living experience, were so sharp, so exclusive, and wanted no peace except in unity of the truth.

And what are we to do with our Confessions, if we believe we must take up any other than this exclusive position toward the Reformed? That our Confessions contain the severest judgments of condemnation upon the doctrine of the Reformed, the most decided rejection of ecclesiastical fellowship with them, is known to everyone who knows them even superficially. Is that immoral immoderation, orthodoxistic harshness, a rigor of drawing logical consequences? Woe then to us, who are bound by oath to these symbols or at least belong to the Church which confesses these symbols, without having openly renounced those immoral and by no means unessential components. For if that severity formed the opposite of the love which our Lord and Savior made the mark of His disciples, if the state of affairs of the rightly understood Reformed confession were a different one, if the relation of the two Churches to one another had undergone an essential change: then the Lutheran Church would not be permitted to keep silent; she would have to speak through the mouth of her confession-true members, and renounce in the content of the symbols whatever is contrary to the love that is of God or at least admits of no application any longer.

But as gladly and joyfully as we acknowledge that many believing members of the Reformed Church are united with the believing members of the Lutheran by oneness of the same faith, just as certain is it also that the publicly recognized and legally valid confession of the Reformed Church has remained the same to this day. They are the old banners with which the camps of both Churches stand over against one another. In the same measure as the Lutheran Church has again raised high and unfurled the banner of her confession, the same has happened on the side of the Reformed Church. And even if it is true that the Reformed Church has lowered her banner a little, in order to greet our Church with the wish for peace, yet peace is only in prospect, it is not yet concluded; the conclusion of peace is the concern of both Churches, not with disregard of the Churches the concern of individual members of them.

The relation of the two Churches to one another is therefore still essentially the same, because their confessional standing is still the same as formerly. If we do not reject the hand of fellowship offered us, it could happen only for the reason that the doctrinal differences of the two Churches are on the whole not to be regarded as fundamental, not as church-dividing. In that case we should have to assume that the struggle which our Church has carried on for centuries against the Reformed was an abomination before God, and that flesh and blood, yes, the devil himself, has hindered the peace of both Churches, possible and well-pleasing to God from the beginning. It would be dreadful if it were so; yet if the presumption that the differences between the two Churches are unessential should prove true, we should not shrink back even from so hard a judgment, and we should have to break the staff, for God's sake, over our past. God be thanked that we have no need of that! Well do we know that we should sin against the God of truth if we sought to maintain our Lutheran doctrine at any price merely because we have inherited it, because it is ours. The inheritance of the fathers must ever anew go into the crucible of the Word of God, and woe to the children who do not rejoice when that goes up in fire which is not fire-proof! But we can testify aloud and cheerfully, without self-praise, that our confessional doctrine has stood this test of fire victoriously in all the points in dispute with the Reformed Church. In the period of reigning Rationalism she was as if given over to death. From this death she has risen again, convincing hearts with the power of the divine Word and attesting herself to them, proving herself to believing science, gathering new congregations and penetrating with the old courage of confession. We do not claim too much when we say that in the field of the most recent church history no confession has proved such community-forming power as the Lutheran, and that also in the field of science the Lutheran fundamental view of the inseparable mysterious interpenetration of the divine and the human in the person of Christ, in the Word of God, in the sacramental gifts, in the counsel of salvation and its temporal realization has become the driving force of new fruitful insights, yes, of an altogether new, promising development.

Whoever wishes to survey at a glance the propositions and counter-propositions of our Confession in relation to the Reformed, let him read the Saxon Visitation Articles appended to our Book of Concord. The doctrinal differences are here set forth exceedingly clearly, concisely and with dignity. It is not a matter of speculative doctrines but of simple truths of salvation. What separates the two Churches can be put in a few words and made intelligible even to the simplicity of a child. When the Scripture says that Baptism is the washing of regeneration and renewing of the Holy Ghost, that in the bread and wine of the Supper the body of Christ, given for us, and His blood, shed for us, are distributed, that Christ ascended up far above all heavens, that He might fill all things, and that God will have all men to be saved, although in Christ He has chosen from eternity those who are saved: then our Church bows without quibbling under these declarations of the Scripture, takes her reason captive under the obedience of faith, and rests in adoration in the divinely attested reality of the incomprehensible mystery.*) The Reformed Church, on the contrary, tears more or less asunder what in a mysterious manner is sacramentally put together, personally united, and denies, so far as she holds fast to her predestinarian†) symbols, in favor of the eternal predestination the holy earnestness of the universal divine will of grace. She seeks to bring nearer to reason what is incomprehensible and contradictory to it, by separating the inseparable and removing the contradiction.

*) Mystery. Ed.

†) Those are such in which an unconditional predestination is taught. Ed.

If we can regard the character of the doctrinal differences only so and not otherwise: then we must also hold it the duty of our Church that she preserve her good confession and, like a firmly founded, unshakable pillar, hold it high before all the world. The content of her Confession is indeed not a studied system, upon which she might, at her discretion, lay more or less value, not a human hypothesis,‡) which for modesty's sake must be distrustful of itself, but the Yea and Amen to the divine Word, sealed to her heart by the Holy Ghost and binding her conscience. The Scriptural knowledge which she possesses is not her own invention, but a gift of grace, the pound entrusted to her by her Lord, which she is not to wrap in a napkin and bury, the good deposit which she has to keep until that day by the Holy Ghost who dwelleth in her. She is not so proud and narrow-minded as to hold herself to be the universal (catholic) Church, but she is divinely certain that her doctrine is the catholic one and will remain and triumph even if the historically developed German-Lutheran church-order should fall to the judgment of death. The Credo §) in the shrine of her Confession is indeed very different from the confessionally established Credo of other Churches, but it is the essential Credo of all the children of God scattered in all Churches on earth. To her it is given

‡) An unproven proposition, assumed in advance. Ed.

§) The formula of faith.