Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 6 › Seite 44
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-09, Seite 44
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gewesen, den rechten Ausdruck dafür zu finden. Diesen Typus (Musterform) der gesunden Worte hält sie hoch empor und kann kühnlich fordern, daß die Lehrtypen aller andren Kirchen sich nach dem ihrigen richten und umgestalten. So weit sie nicht sich selber vergessen und verloren hat, ist diese gesunde Lehre das Band ihres Gemeinwesens, das Vorbild ihrer Praxis, die Voraussetzung ihrer Wissenschaft. Unser Kirchenlied, unsre Kirchenordnungen, unsre ascetische (Erbauungs-) Literatur, unsre alte Theologie mit der Fülle ihres geistlichen Lebens selbst in harter und rauher scholastischer Form*) — das sind ihre Früchte. Liest man auch Trauben von den Dornen und Feigen von den Disteln?
*) In scholastischer Form heißt, in der Gelehrtensprache, welche unter gewissen alten Gelehrten bräuchlich war. D. R.
Ists denn also starrer Eigensinn, wenn die lutherische Kirche an ihrem Bekenntniß festhält, wenn sie es für ihr theuerstes Kleinod achtet und jedes gleichgültige Verhalten gegen dasselbe als Verkennung und Verwahrlosung ihres Berufes, als Undankbarkeit gegen Gottes Gabe ansieht? Ists gemeiner Haß, übertriebene Hartherzigkeit, wenn sie denen, welche kein freudiges Ja zu ihrem Bekenntnisse zu sagen vermögen oder ihm keine praktische Folge geben wollen und die Unterschiede beider protestantischen Kirchen für unwesentlich halten, die Hand der Gemeinschaft verweigert? Wehe ihr, wenn sie in fleischlichem Trotz den Streit lieber hätte als den Frieden, wenn sie diejenigen haßte, welche mit ihr zu den Füßen Eines Herrn anbeten! Nein! wenn sie auf ihrem Bekenntnisse besteht, so thut sie es aus Liebe zu denen, welche noch nicht dieses Glaubens und Bekenntnisses sind, damit sie es werden. Aus Liebe zu ihren miterlöseten christlichen Brüdern wehrt sie, an ihrem Bekenntnisse haltend, dem Selbstbetruge u. der Lauheit, der Religionsmengerei und dem Indifferentismus. Aus Liebe verlangt sie, daß die sich zu ihr gesellen wollen durch die Thüre dieses Bekenntnisses eingehen, und nicht diese um ihr Gemeinwesen und ihre Heiligthümer gezogene Mauer übersteigen. Ihre Liebe hat überdies an dieser Mauer keine Grenze. Sie erkennt das Werk der Gnade auch außerhalb ihrer selbst überall an wo es sich zeigt, freut sich seiner und segnet es. —
(Fortsetzung folgt.)
(Eingesandt für den Lutheraner.)
Anzeige und Bitte der Evang.-Luther. St. Johannis-Gemeinde in Philadelphia, Pa.
Unsere lieben Glaubensgenossen werden mit herzlicher Freude hören, daß wir heute als am 27. Septbr. hier in Philadelphia den Grundstein zu einem Kirchen- und Schulhaus gelegt haben. Wir bitten unsere lieben Brüder um fleißiges Gebet für uns und um freundliche Gaben zur Unterstützung dieses Werkes, zu welchem uns Gott trieb durch das rasche Wachsthum unserer Schule, deren Kinderzahl die Seelenzahl unserer Gemeinde weit übersteigt. Wollen unsere lieben Brüder bedenken, daß, während unsere Gemeinde sehr klein ist, der Ankauf des Platzes in dieser großen Stadt allein schon eine bedeutende Summe erfordert hat; daß wir als sogenannte Altlutheraner nicht viel Unterstützung von den Einwohnern Philadelphia's erwarten dürfen; daß unsere kleine Gemeinde, welche nun schon Jahre lang in großer Trübsal gekämpft hat, der Glaubensstärkung durch ihre Genossen am Reiche Christi sehr bedarf; endlich, daß es doch auch eine rechte Gnade Gottes ist, wenn Er Seine Christen zu Ausführung Seiner Werke gebraucht. Helfet uns, dem Worte unseres Gottes in Kirche und Schule ein Haus zu bauen; Gott wird es reichlich segnen an Euch und Euren Kindern.
Um Gebet und Liebesgaben bittet im Auftrag der Gemeinde
A. Hoyer, Pfarrer.
No: 45. Redwood str.
Southwark, Philadelphia.
Nachschrift. — Obgleich ich im Allgemeinen nicht sehr geneigt bin, die Bitte um eine Collecte für den Aufbau einer Kirche, namentlich im Busch und den kleineren Städten, zu unterstützen, da ich aus Erfahrung weiß, daß auch die ärmste Gemeinde, wenn es ihr nur ein rechter Ernst ist und sie gelernt hat für das höchste, theuerste Gut, nämlich das liebe Evangelium, nicht nur aus ihrem Ueberfluß ein sehr Geringes hinzugeben, sondern auch dem lieben Geizteufel zuwider und dem Herrn zu Ehren sich anzugreifen und rechtschaffen zu opfern, immer im Stande ist ein Kirchlein, wie sie es bedarf, zu errichten, so kann ich doch nicht umhin diesmal die Bitte unsers theuern Bruders Hoyer und seines lieben Gemeindleins allen Gemeinden unsers Synodalverbandes an's Herz zu legen. Es muß uns ja von Herzen freuen und zu Lob und Dank gegen den Herrn treiben, daß grade in Philadelphia, wo die Väter unserer hiesigen lutherischen Kirche, Schweden und Deutsche, mit so saurer Arbeit, unter vielen Seufzern und Thränen, einen lieblichen und prächtig blühenden Garten angebauet haben, sich nun wieder ein kleines Häuflein bekenntnißtreuer Lutheraner gesammelt und nun schon seit vielen Jahren mit beispielloser Festigkeit, unter den schwierigsten Verhältnissen, gegen alle Stürme des Bösewichts, die sie oft von Außen und Innen zu vernichten drohten und auch wohl den Muthigsten hätten entmuthigen können, das Panier des rechtgläubigen Bekenntnisses aufrecht erhalten hat. Der liebe Hoyer hat nun auch schon seit Jahren mit einer Aufopferung, die ihres Gleichen sucht, hier gearbeitet und unter den trübseligsten Erfahrungen und unter viel Mangel und Noth bei der lieben Gemeinde Stand gehalten. Der Bau eines Kirchleins ist nun nothwendig geworden; denn in dem dumpfen Keller, in welchem bis jetzt Kirche und Schule gehalten ist, wo die Brust des lieben Hoyer, wie er mir schreibt, völlig zu Grunde geht, und für den noch dazu schwere Rente muß aufgebracht werden, kann die Gemeinde nicht länger bleiben, da der Raum für die Schülerzahl nicht hinreicht; die Schuldenlast für den Neubau aber muß die kleine Zahl der Gemeindeglieder erdrücken. So laßt uns denn, geliebte Brüder, den Muth der lieben Gemeindeglieder ehren und unterstützen, so viel es einem Jeden seine Mittel und seine Liebe für das Reich Gottes gestatten.
Fr. Wyneken.
(Für den Lutheraner eingesandt.)
Die Bekehrung des Victorinus.
Das göttliche Wort erscheint uns so lange schwach, gering und verächtlich, als es fern von uns steht; allein sobald es in das Innere des Herzens gedrungen ist, erweist es eine so wunderbare Gewalt über alle Gedanken und Neigungen des Menschen, über seine ganze Art zu urtheilen und sich zu bestimmen, daß sich eben hierin der himmlische Ursprung desselben aufs deutlichste zu Tage legt. Die Stimme des Herrn zerbricht, wie David sagt, die Cedern (Ps. 29.); Mancher, der in seiner stolzen Kraft so hoch wie eine Ceder steht, und gegen den Himmel dräut, muß einmal in einer Stunde, wo die höhre Gewalt ihn unwiderstehlich faßt, seinen ganzen Ruhm und all seine Gerechtigkeit wie einen Rohrstecken zusammenbrechen sehn. Mancher schwache und zaghafte Mensch dagegen hat sich schon, wenn es darauf ankam, aus der Bibel einen Muth geholt, den ihm Niemand zugetraut hätte. Denn es liegt in ihr eine das Herz und Wesen umwandelnde göttliche Kraft, welche jeder empfinden kann, der sie nur treu und andächtig gebraucht. Und wo diese wirksam geworden ist, da können auch die stärksten selbstsüchtigen Triebe überwunden werden, und eine heilige aufopfernde Liebe gibt dem Willen zu dem Schwersten Kraft. Darum, ist Jemand in Christo, so ist er eine neue Creatur. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu worden (2. Cor. 5, 17.). — Ein redendes und aufmunterndes Beispiel davon ist der als christlicher Schriftsteller und Dichter bekannte Victorinus, über dessen Bekehrung zum Christenthum einiges mitgetheilt werden soll.
Dieser ausgezeichnete Mann lebte in der 2. Hälfte des 4. Jahrh. nach Christo. Er lehrte in Rom die Redekunst mit einem außerordentlichen Beifall, hatte sich in allen Systemen der Weltweisheit sorgfältig umgesehen und selbst verschiedene philosophische Schriften verfaßt, besaß außerdem eine seltene allgemeine Bildung, und war dadurch unter seinen Zeitgenossen so berühmt geworden, daß ihm noch bei seinen Lebzeiten in Rom eine Bildsäule gesetzt ward. Dabei war er dem Heidenthum ergeben, und ein eifriger Vertheidiger der alten Götterlehre gegen die neue Predigt von dem einigen Gott und seinem Sohne, dem Welterlöser Jesu Christo. Jedoch Victorinus liebte nicht, wie viele seines Gleichen, das leere Absprechen aus allgemeinen Grundsätzen, ohne eine zusammenhängende und gründliche Erkenntniß des Christenthums. Sondern, wiewohl er schon ein langes Leben in dem
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to find the right expression for it. This type (model form) of the sound words she holds high aloft, and can boldly demand that the doctrinal types of all other Churches be directed by hers and reshaped accordingly. So far as she has not forgotten and lost herself, this sound doctrine is the bond of her commonwealth, the pattern of her practice, the presupposition of her science. Our church hymn, our church orders, our ascetic (devotional) literature, our old theology with the fullness of its spiritual life, even in hard and rough scholastic form*) — these are her fruits. Do men gather grapes of thorns, or figs of thistles?
*) In scholastic form means, in the language of the learned, such as was in use among certain old scholars. Ed.
Is it then stiff obstinacy when the Lutheran Church holds fast to her Confession, when she esteems it her most precious jewel and regards every indifferent attitude toward it as a misjudging and neglect of her calling, as ingratitude toward God's gift? Is it common hatred, excessive hardheartedness, when she refuses the hand of fellowship to those who are unable to say a joyful Yea to her Confession or will give it no practical effect, and hold the differences of the two Protestant Churches to be unessential? Woe to her, if in carnal obstinacy she preferred strife to peace, if she hated those who worship with her at the feet of One Lord! No! if she insists upon her Confession, she does so out of love to those who are not yet of this faith and confession, that they may become so. Out of love to her fellow-redeemed Christian brethren she, holding fast to her Confession, wards off self-deception and lukewarmness, religious mixing and indifferentism. Out of love she demands that those who wish to join her enter in through the door of this Confession, and not climb over this wall drawn about her commonwealth and her holy things. Moreover her love has no boundary at this wall. She recognizes the work of grace also outside herself everywhere where it shows itself, rejoices in it and blesses it. —
(To be continued.)
(Submitted for the Lutheraner.)
Announcement and Appeal of the Evang. Luth. St. John's Congregation in Philadelphia, Pa.
Our dear fellow believers will hear with hearty joy that today, the 27th of September, we have laid here in Philadelphia the cornerstone for a church and school house. We ask our dear brethren for diligent prayer for us and for kindly gifts in support of this work, to which God drove us by the rapid growth of our school, whose number of children far exceeds the number of souls in our congregation. May our dear brethren consider that, while our congregation is very small, the purchase of the lot in this great city alone has already required a considerable sum; that we, as so-called Old Lutherans, may not expect much support from the inhabitants of Philadelphia; that our little congregation, which has now for years contended in great tribulation, is greatly in need of strengthening of faith through its fellows in the kingdom of Christ; finally, that it is also a true grace of God when He uses His Christians for the carrying out of His works. Help us to build a house for the Word of our God in church and school; God will richly bless it upon you and your children.
For prayer and gifts of love, on behalf of the congregation, begs
A. Hoyer, Pastor.
No: 45. Redwood str.
Southwark, Philadelphia.
Postscript. — Although I am, in general, not very much inclined to support the request for a collection for the building of a church, especially in the bush and the smaller towns, since I know from experience that even the poorest congregation, if it is only in true earnest and has learned for the highest, dearest good, namely the dear Gospel, not only to give a very little out of its abundance, but also, in despite of the dear devil of avarice and to the honor of the Lord, to exert itself and to sacrifice in an upright way, is always able to erect a little church such as it needs, yet I cannot refrain this time from laying the request of our dear brother Hoyer and his dear little congregation upon the heart of all the congregations of our Synodical connection. It must indeed rejoice us from the heart and drive us to praise and thanks toward the Lord that precisely in Philadelphia, where the fathers of our Lutheran Church here, Swedes and Germans, with such bitter labor, among many sighs and tears, planted a lovely and splendidly flourishing garden, there has now again gathered a little flock of confession-true Lutherans, who now for many years, with unexampled steadfastness, under the most difficult circumstances, against all the storms of the wicked one, which often threatened to destroy them from without and within, and might well have discouraged the most courageous, have maintained the banner of the orthodox Confession. The dear Hoyer has now also for years labored here with a self-sacrifice that has not its equal, and amid the most distressing experiences and in much want and need has stood by the dear congregation. The building of a little church has now become necessary; for in the damp cellar, in which church and school have been held until now, where the chest of the dear Hoyer, as he writes me, is quite going to ruin, and for which, besides, a heavy rent must be raised, the congregation cannot remain any longer, since the room does not suffice for the number of pupils; but the burden of debt for the new building must crush the small number of members. So let us, then, beloved brethren, honor and support the courage of the dear members of the congregation, as far as the means of each and his love for the kingdom of God permit.
Fr. Wyneken.
(Submitted for the Lutheraner.)
The Conversion of Victorinus.
The divine Word appears to us weak, mean and contemptible so long as it stands far from us; but as soon as it has penetrated into the inner part of the heart, it proves so wonderful a power over all the thoughts and inclinations of man, over his whole way of judging and determining himself, that precisely herein its heavenly origin is laid most clearly to the day. The voice of the Lord breaketh, as David says, the cedars (Ps. 29.); many a one who in his proud strength stands as high as a cedar, and threatens against heaven, must once, in an hour when the higher power seizes him irresistibly, see his whole glory and all his righteousness break together like a reed. Many a weak and timid man, on the other hand, has already, when it came to the point, fetched from the Bible a courage which no one would have credited to him. For there lies in it a divine power, transforming heart and being, which everyone can feel who only uses it faithfully and devoutly. And where this has become effective, there even the strongest selfish impulses can be overcome, and a holy self-sacrificing love gives strength to the will for the hardest thing. Therefore, if any man be in Christ, he is a new creature. Old things are passed away; behold, all things are become new (2 Cor. 5, 17.). — A speaking and encouraging example of this is Victorinus, known as a Christian writer and poet, of whose conversion to Christianity some account shall be given.
This distinguished man lived in the 2nd half of the 4th century after Christ. He taught rhetoric at Rome with extraordinary applause, had carefully looked about him in all the systems of philosophy and himself composed various philosophical writings, possessed besides a rare general culture, and had thereby become so famous among his contemporaries that during his lifetime a statue was set up to him at Rome. Withal he was devoted to heathenism, and a zealous defender of the old doctrine of the gods against the new preaching of the one God and His Son, the Redeemer of the world, Jesus Christ. Yet Victorinus did not like, as many of his kind, the empty dismissing out of general principles, without a coherent and thorough knowledge of Christianity. But, although he had already a long life in the