Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 10 › Seite 79
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-03, Seite 79
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einen solchen Eindruck, daß man ein kleines Heimweh nach demselben in die Heimath zurückträgt. Da erheben sich mächtige Kegel mit prächtigen Wäldern bewachsen; weit über sie starren rothe und graue Felsmassen in die Luft, an deren schroffen Seiten hin und her Bäume und Grasflecken hängen, ihre Spitzen aber sind kahl und nackt; und über diese strecken sich fürchterliche Riesen hoch in die Wolken und über die Wolken hinaus, deren Schultern und Häupter mit Schnee Winter und Sommer hindurch bedeckt sind. Was für ein Leben hat hier die Natur! Tausend Quellen rinnen aus dem Eis und Schnee der Gebirge oder aus deren inneren kalten Behältern; von den Felsen hoch herabstürzende, brausende Gießbäche machen Luft und Boden, dazu auch das Herz erzittern, während ihr Wasserstaub das Auge wunderbar ergötzt, wenn sich in ihm die Sonnenstrahlen brechen und ihn in den Farben des Regenbogens spielen lassen, und wunderbar befruchten diese Wasser die Abhänge und Gründe mit den üppigsten Kräutern, den herrlichsten Blumen und dem saftreichsten Grase. In starker Strömung von Ost gen West zwischen grünen Ufern dahin rauschend bildet die Salzach erst ein großes, oft mehr als eine Stunde breites Thal, dann sich auf einmal nordwärts wendend, treten die Berge ihrem Ufer näher und näher, bis sie einmal gar über den Fluß zusammen fallen, wie zwei kämpfende Stiere mit ihren Stirnen und die Fluthen sich wirbelnd, kochend und zischend hindurch drängen. Und tritt man denn endlich aus diesen „Öfen der Salzach“ wieder heraus, so öffnet sich das Land gegen Bayern her in einen großen Halbkreis, an welchem vorne die einzig schöne Stadt Salzburg grenzt, mit ihrer stolzen Veste Hohensalzburg und den ringsumher liegenden vielen hundert weißen Landhäusern und Häuschen in dem frisch grünen Grunde, von trefflichen Baumanlagen umkränzt. — Die Bewohner dieses wunderschönen Landes, ein ihm entsprechender kräftiger, gesunder, treuherziger Menschenschlag, nähren sich weniger von Ackerbau, mehr von Viehzucht, zum Theil aber auch von Bergbau. Denn in ihrem Innern sind die Gebirge nicht nur mit Gold und Silber und andern Metallen geschwängert, sondern auch in reichstem Maße mit dem unentbehrlichen Salz, also daß von ihm Land, Stadt und Fluß benannt ist. Doch fällt von dem reichen Ertrag den Bergleuten nur der Tagelohn ab, indem jener dem Regenten des Landes gehört. Dieser ist der Kaiser von Östreich; vor hundert Jahren noch war es ein Erzbischof, ein geistlicher Fürst, deren es zur damaligen Zeit in Deutschland mehrere gab.
In dieses wunderfame Gebirgsland und seine stillen Thäler war denn auch schon zur Zeit Luthers und zwar besonders durch die Wirksamkeit eines Paulus Speratus *) das nun aufgehende Licht des Evangeliums gedrungen, trotz der himmelhohen Mauern, die es fast von allen Ländern abschneiden und nur wenige Zugänge bieten. Denn dieses Licht steigt wie die Sonne auch über die höchsten Schneeberge leicht hinüber und kann auch von keinem Mauthner und Grenzwächter aufgehalten werden. Ja, wie die Sonnenstrahlen zur Sommerzeit in den engen Thälern Salzburgs heißer und wirksamer sind, als in den Ebenen draußen, so scheint auch dieses Licht der Seelen hier wärmer eingefallen zu sein und mehr Lebenskraft hervorgebracht zu haben unter denen, die es aufnahmen, als anders wo.
*) Er, der Verfasser des herrlichen Liedes: „Es ist das Heil uns kommen her,“ stammte aus einer adeligen Familie des Schwabenlandes und predigte bereits schon um 1522 wie zu Augsburg, Würzburg und Wien, so auch zu Salzburg mit großem Eifer das Evangelium, bis er in Mähren von dem Bischof zu Olmütz ins Gefängniß geworfen wurde, aus welchem er aber wieder entkam, worauf er sich dann nach Wittenberg wandte. Ebenso finden wir um diese Zeit den Dr. Staupitz als Abt zu St. Peter in Salzburg, wo er auch 1524 starb. Läßt sich nun auch von ihm, der kleinmüthig und verzagt geworden, gerade nicht erwarten, daß er dem Evangelio einen großen Vorschub leistete, so hat er dasselbe doch gewis auch nicht gehindert, sondern eher heimlich gefördert.
Von dem Worte Gottes wurden zuerst mehrere Geistliche ergriffen. Diese predigten es dann mit freudigem Aufthun ihres Mundes und das Volk hörte es mit offenen Ohren, und nahm es voll Freuden von ganzem Herzen auf, denn es sah in der lauteren Predigt des Evangeliums ein längst schon heimlich gefühltes Sehnen des Herzens plötzlich und herrlich gestillt. Aber freilich drinnen in der Residenz hatte man nicht die geringste Freude, als das Gerücht von der ‚neuen Ketzerei‘ dahin gelangte. Die lutherisch gesinnten Geistlichen mußten eiligst fliehen, einer mußte sein Bekenntnis mit seinem Kopf bezahlen. Ihre Anhänger sich äußerlich an die papistische Kirche noch anschließend, erbauten sich insgeheim aus Bibeln der lutherischen Uebersetzung und andern guten Büchern und ihre Zahl wurde nicht geringer, sondern wuchs von Jahr zu Jahr um ein bedeutendes. So lebte das Evangelium im Stillen 150 Jahre fort! Wie jedes mal ein Erzbischof milder oder strenger gesinnt war, so wurden auch die Evangelisch gesinnten mehr in Ruhe gelassen oder mehr verfolgt. Als im Jahre 1685 ein harter Regent den erzbischöflichen Stuhl bestieg, brach zuerst eine größere Verfolgung aus, so daß eine ganze Gemeinde im Tefferegger-Thale mit Zurücklassung ihrer Habe und ihres Gutes und — was ihr Herz bluten machte — ihrer eigenen Kinder unter 15 Jahren, den Wanderstab ergreifen mußte. Unter ihnen befand sich der alte Bergmann Joseph Schaitberger, der damals sein rührendes Exulantenlied dichtete, als er nach langer trauriger Gefangenschaft von Weib u. Kind fort mußte.
Wiewohl nun zwar der folgende Erzbischof die Lutherischen in Ruhe ließ, so fehlte es doch nicht insgeheim an Bedrückungen und Quälereien, welche sie aber als Christen geduldig ertrugen u. sich desto mehr in ihrem allerheiligsten Glauben stärkten. Fleißig hielten sie verborgene Zusammenkünfte, zu gegenseitiger Stärkung und Ermunterung, oft in dunkeln Höhlen und tiefen Klüften. Daheim erbauten sie sich emsig fort, in Luthers, Arnds und andern gesalbten Schriften; die Alten unterrichteten die Jugend in Einfalt und mit aller Wärme und Freudigkeit erlöster Seelen, und der HErr gab Gedeihen, daß immer mehrere hinzu gethan wurden.
Doch diese äußere Ruhe währte wieder nur eine Zeitlang. Ein neuer Erzbischof kam auf und mit ihm brachen für die Bekenner des Evangeliums die Tage einer großen Noth herein, von der alle früheren Verfolgungen und Nöthen nur ein Vorspiel waren.
Im Jahre 1727 wurde Leopold Anton von Firmian Erzbischof von Salzburg, ein Mann stolzen Sinnes, harten Herzens und finstern Angesichts. Ihm zur Seite, an schlimmen Eigenschaften seinen Herrn aber noch übertreffend, stand sein Kanzler Christian von Röll, ein sehr pfiffiger und verschlagener Kopf, ein gefühlloser Mensch, der ganz ruhig zu sein schien, wenn er noch so viele Menschen ins Elend und zum Tode brachte, ein arger Mammonsknecht, des Herz zum Goldklumpen sprach: „Du bist mein Trost“. Dieser Erzbischof und sein Minister faßten daher gleich nach seinem Regierungsantritt den Entschluß, die lutherische Ketzerei mit Stumpf und Stiel aus ihrem Gebiet auszurotten und die Anhänger derselben entweder zur Verleugnung ihres Glaubens zu zwingen oder aus dem Lande zu jagen. Der Kanzler hoffte dabei aus dem Vermögen der Ketzer eine schöne Summe Geldes zu gewinnen, der Erzbischof sich dadurch die Gunst seines Oberherrn, des Papstes, in hohem Grade zu verdienen.
Auf Befehl der Regierung durchzogen sofort ganze Haufen Jesuiten unter dem Namen „Bußprediger“ das Land und an sie, die Meister im Verfolgungshandwerk, schlossen sich zu tüchtigen Gesellen die Priester der Ortschaften an. So drangen sie bei Tag und Nacht in die Häuser ein, durchstöberten alle Schränke und Winkel nach luth. Büchern, stellten mit allen, der Ketzerei verdächtigen Leuten ein Examen an, ließen sie auch ohne Ende Rosenkränze abbeten, Messen besuchen, Umgänge und Wallfahrten halten u. dgl. m., um sich von ihrer papistischen Rechtgläubigkeit möglichst zu überzeugen. Jedes Examen, auch wenn es noch so gut bestanden war, mußte mit 7 Gulden bezahlt, jede Versäumnis der Messe, der Wallfahrt ꝛc mit Geld gebüßt werden. Wehe aber dem, der als ein Lutheraner erkannt wurde. Er wurde öffentlich in der Kirche dem Teufel übergeben, durfte nicht mehr das Sakrament des Altars genießen, nicht mehr Taufzeuge sein ꝛc; und wenn er starb, wurde seinem Leichnam die Ruhestätte in geweihter Erde versagt. Ja, man sollte es kaum glauben, selbst über Kinder wurde im Voraus der Fluch ausgesprochen, wenn sie einmal ihren ketzerischen Eltern nicht fluchen würden.
So verfuhren die Geistlichen und man muß ehrlich bekennen, daß die weltlichen Beamten mit ihnen wetteiferten. Auch sie stürmten mit ihren Bütteln in die friedlichen Wohnungen, rissen die Evangelischen heraus, warfen sie in tiefe Gefängnisse und wenn dieselben nach langer, schwerer Haft wieder freigelassen wurden, so mußten sie entweder ungeheuere Strafgelder erlegen, oder wurden von Weib und Kind, Haus und Hof hinweg über die Grenze gejagt. Gelang es aber einem solchen Bekenner den nahenden Quälern zu entfliehen, so wurde sein Bildnis mit Unter-
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such an impression that one carries back a little homesickness for it into one's own homeland. There mighty cones rise up, overgrown with splendid forests; far above them stare red and gray masses of rock into the air, on whose steep sides trees and tufts of grass hang here and there, but their peaks are bald and bare; and above these stretch fearful giants high into the clouds and beyond the clouds, whose shoulders and heads are covered with snow winter and summer through. What a life nature has here! A thousand springs run from the ice and snow of the mountains or from their inner cold reservoirs; torrents rushing down from the cliffs high above make air and ground, and the heart also, tremble, while their spray delights the eye wondrously when the sunbeams break in it and let it play in the colors of the rainbow, and wondrously these waters fertilize the slopes and valleys with the most luxuriant herbs, the most glorious flowers and the juiciest grass. In a strong current from east to west between green banks the Salzach rushes along and forms first a large valley, often more than an hour broad; then turning suddenly northward, the mountains draw nearer and nearer to its bank, until at one point they fall together quite over the river, like two fighting bulls with their foreheads, and the floods force their way through, whirling, boiling and hissing. And when one then at last steps out again from these "Ovens of the Salzach," the land opens toward Bavaria in a great semicircle, on which in front borders the singularly beautiful city of Salzburg, with its proud fortress Hohensalzburg and the many hundred white country houses and cottages lying round about in the fresh green ground, wreathed with splendid plantations of trees. — The inhabitants of this wonderfully beautiful land, a corresponding vigorous, healthy, true-hearted race of men, live less by agriculture, more by cattle-raising, and partly also by mining. For in their interior the mountains are pregnant not only with gold and silver and other metals, but also in richest measure with the indispensable salt, so that land, city and river are named after it. Yet of the rich yield the miners get only the day's wages, since that belongs to the ruler of the land. He is the Emperor of Austria; a hundred years ago it was still an archbishop, a spiritual prince, of whom there were several in Germany at that time.
Into this wondrous mountain country and its quiet valleys the light of the Gospel, now rising, had penetrated already in the time of Luther, and indeed especially through the labors of a Paulus Speratus *), in spite of the heaven-high walls which cut it off from almost all lands and offer only few approaches. For this light climbs like the sun easily over the highest snow mountains, and can be stopped by no toll-keeper and frontier guard. Yes, as the sunbeams in summer are hotter and more effective in the narrow valleys of Salzburg than in the plains outside, so this light of the souls seems here to have fallen more warmly and to have produced more vital force among those who received it than elsewhere.
*) He, the author of the glorious hymn: "Es ist das Heil uns kommen her," came of a noble family of Swabia and already as early as 1522 preached with great zeal the Gospel at Augsburg, Würzburg and Vienna, and also at Salzburg, until in Moravia he was thrown into prison by the Bishop of Olmütz, from which, however, he escaped again, whereupon he betook himself to Wittenberg. Likewise we find at this time Dr. Staupitz as Abbot of St. Peter's in Salzburg, where he also died in 1524. Though it cannot be expected of him, who had become faint-hearted and discouraged, that he gave the Gospel any great furtherance, yet he certainly did not hinder it, but rather secretly promoted it.
Several of the clergy were first seized by the Word of God. These then preached it with joyful opening of their mouths, and the people heard it with open ears, and received it with all joy from the whole heart, for in the pure preaching of the Gospel they saw a long-felt, secretly cherished yearning of the heart suddenly and gloriously stilled. But of course within the residence they had not the slightest joy when the report of the "new heresy" came there. The Lutheran-minded clergy had to flee in haste; one had to pay for his confession with his head. Their adherents, outwardly still joining the papistical church, edified themselves in secret from Bibles of the Lutheran translation and other good books, and their number did not grow smaller, but increased from year to year considerably. Thus the Gospel lived on in silence for 150 years! As each time an archbishop was milder or sterner, so the evangelically minded were left more in peace or more persecuted. When in the year 1685 a harsh ruler ascended the archiepiscopal chair, a greater persecution broke out first, so that a whole congregation in the Tefferegger valley, leaving behind their possessions and goods and — what made their hearts bleed — their own children under 15 years, had to take up the pilgrim's staff. Among them was the old miner Joseph Schaitberger, who at that time composed his touching exile hymn, when after long, sad captivity he had to go away from wife and child.
Although the following archbishop indeed left the Lutherans in peace, yet there was no lack in secret of oppressions and torments, which they, however, bore patiently as Christians, and strengthened themselves the more in their most holy faith. Diligently they held secret gatherings for mutual strengthening and encouragement, often in dark caves and deep clefts. At home they edified themselves assiduously in the writings of Luther, Arndt and other anointed authors; the old taught the young in simplicity and with all the warmth and joyfulness of redeemed souls, and the LORD gave increase, so that ever more were added.
Yet this outward quiet lasted again only for a time. A new archbishop came up, and with him the days of a great distress broke in for the confessors of the Gospel, of which all earlier persecutions and troubles were only a prelude.
In the year 1727 Leopold Anton von Firmian became Archbishop of Salzburg, a man of proud mind, hard heart and gloomy countenance. At his side, surpassing his master still further in evil qualities, stood his chancellor Christian von Röll, a very cunning and crafty head, a heartless man, who seemed quite calm though he brought ever so many people into misery and to death, a miserable servant of Mammon, whose heart said to the lump of gold: "Thou art my comfort." This archbishop and his minister therefore resolved immediately after his accession to power to root out the Lutheran heresy, root and branch, from their territory, and to force its adherents either to deny their faith or to drive them out of the land. The chancellor hoped thereby to gain a fine sum of money from the property of the heretics, the archbishop to earn the favor of his overlord, the Pope, in a high degree.
By order of the government whole swarms of Jesuits immediately traversed the land under the name of "penitential preachers," and to them, the masters in the trade of persecution, the priests of the localities joined themselves as able fellows. So they forced their way by day and night into the houses, ransacked all cupboards and corners for Lutheran books, held an examination with all persons suspected of heresy, made them also say rosaries without end, attend masses, hold processions and pilgrimages, and the like, in order to convince themselves of their papistical orthodoxy. Every examination, even if it was passed ever so well, had to be paid for with 7 gulden, every neglect of the mass, of the pilgrimage, etc., had to be atoned for with money. Woe to him who was recognized as a Lutheran. He was publicly given over to the devil in church, might no more partake of the Sacrament of the Altar, no more be a sponsor at baptism, etc.; and when he died, the resting place in consecrated ground was denied to his body. Yes, one could scarcely believe it, even over children the curse was pronounced beforehand, in case they should some day not curse their heretical parents.
So the clergy proceeded, and one must honestly confess that the secular officials vied with them. They also stormed with their beadles into the peaceful dwellings, tore the Evangelicals out, threw them into deep dungeons, and when these were set free again after long, heavy confinement, they had either to pay enormous fines, or were driven away over the border from wife and child, house and home. But if it succeeded one of these confessors in escaping the approaching tormentors, his likeness was set up with an inscription