Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 19 › Seite 151

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-05-09, Seite 151

145 146 147 148 149 150 151 152

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jahresſchluß · Katechismus 3

⤓ Download .txt · copy text

151

sich zieht, den Stachel aus dem Gewissen zu nehmen." . .

„Werden nicht diejenigen, welchen der Fortbestand einer geschlossenen und ihrer selbst gewissen lutherischen Kirche ein Aergerniß und Anstoß ist, auf den Beschluß des Kirchentags hinweisen und sagen, hier sei zu sehen, daß Lutheraner und Reformirte ungeachtet ihrer Lehrverschiedenheiten unter die Einheit der augsb. Conf. allerdings zusammengefaßt werden können? †) Bisher ist die Confessionslosigkeit der Union ein nicht zu beseitigender Vorwurf gegen dieselbe gewesen. Wird man nicht von jetzt an den Beschluß des Kirchentags dazu verwenden, die Möglichkeit einer nicht confessionslosen Union ja das Dasein eines reformatorischen Unionsbekenntnisses zu erweisen, und den Widerstand, welcher lutherischer Seits der Union entgegengesetzt wird, um so zuversichtlicher als blos fleischlichen Eigensinn oder hartnäckigen Unverstand darstellen? Und doch müßte einer im Namen eines solchen Scheinbekenntnisses sich aufdrängenden Union nicht weniger widersprochen werden, als der offenkundig bekenntnißlosen." . .

†) Ist bereits hier geschehen. So haben nehmlich die hiesigen s. g. Evangelischen die Sache zu Gunsten ihrer lieben Union ausgebeutet. Man vergleiche den „Friedensboten." D. R. d. L.

* * * * * *

Es wird gewiß jedem die göttliche Wahrheit liebenden Leser zu nicht geringer Freude gereichen, ein solches unumwundenes Bekenntniß zu der in den Symbolen unserer Kirche niedergelegten Lehre und gegen die Religionsmengerei und das im Bekenntniß der Wahrheit so unlautere, unehrliche Wesen unserer Zeit aus Deutschland zu vernehmen, und zwar aus dem Munde ebenso hochgelehrter wie hochstehender Männer. Aus der „Zeitschrift für Protestantismus und Kirche," wo jener Protest abgedruckt ist, ersehen wir, daß eine immer größer werdende Anzahl von Predigern sich diesen Proteste anschließen u. denselben unterzeichnen, u. A. zwanzig Prediger des Dekanats Hersbruck in Bayern und neun Prediger in Nürnberg. Wollte Gott, alle Treu-lutherisch-Gesinnten hier in den Vereinigten Staaten vereinigten sich auch in einem solchen Proteste gegen die auch hier so sehr im Schwange gehende Religionsmengerei, genannt evangelische Union, und den Mißbrauch, den man hier mit dem Namen „lutherisch" treibt!

Wie die Jesuiten von ihren „untersten Handlangern" vertheidigt oder im Stich gelassen werden.

Herr Oertel, der in seiner Zeitung vom 7. April vorigen Jahres erklärt hat, daß er sich „mit Freuden einen ganz untergeordneten Handlanger der Jesuiten" nennen lasse, hat nun endlich, nachdem wir ihn an seine Pflicht erinnert haben, seine Pflicht gethan. Der Leser kann sich vorstellen, so, wie es demselben seiner Stellung unter den Jesuiten gemäß geziemt. So lautet nämlich Herrn Oertels Vertheidigung: „Wir halten es allerdings nicht der Mühe werth, auf die närrischen Angriffe dieses „altlutherischen Klopffechters jetzt weiter einzugehen, da Alles, was der Lutheraner je vorgebracht hat und je vorbringen kann; so abgedroschen und langweilig ist, daß Niemand unter unsern Lesern, als höchstens ein altes lutherisches Weib, das zufällig eines katholischen Mannes Hausfrau ist, Wohlgefallen daran haben könnte, wenn wir weitere Notiz davon nehmen würden. Zweitens bedürfen die Väter Jesuiten unsere Vertheidigung nicht, und Alles, was der Lutheraner gegen sie schreien und schreiben mag, ist von gar keinem Belange. Wer so dumm ist, daß er solche Sachen glaubt, weil's gedruckt dasteht, der glaube es immerhin. Wir Katholiken wissen recht gut, wie wir mit den Jesuiten daran sind und brauchen die lutheranische Weisheit nicht... Dieser verblendete Schüler Luthers gefällt sich in den aberwitzigsten und schmutzigsten Bemerkungen gegen die Jesuiten und die katholische Kirche, die er aus veralteten und längst widerlegten protestantischen Lügenschriften bona (oder vielmehr mala) fide gedankenlos abdruckt."

Herr Oertel macht hiermit das Bild, welches wir, wie jeder gebildete Theologe, der unsere Sachen gelesen, weiß, mit den eigenen Worten der Jesuiten aus ihrer Ordensconstitution und aus ihren Hauptschriften entworfen haben, vollständig. Wir sehen daraus, daß das Grundsystem der Jesuiten das System ist, durch Zweideutigkeiten Lügen an den Mann zu bringen. Herr Oertel zeigt uns, daß es in diesem Orden auch untere Grade von Leuten gibt, die ohne alle Zweideutigkeiten lügen müssen. Das werden wahrscheinlich solche Leute sein, die schon keinen guten Namen mehr haben und die daher hierbei nichts verspielen können. In der Jesuitenconstitution heißt es buchstäblich also: „Niemand von denen, welche zu häuslichen Diensten zugelassen werden, darf lesen oder schreiben lernen, oder, wenn er schon etwas weiß, mehr Wissenschaft lernen; und niemand darf ihn ohne Vollmacht vom Propositus Generalis lehren, sondern er begnüge sich damit, mit heiliger Einfalt und Demuth unserm Herrn Christo zu dienen." (Institut. Soc. Jes. II, 76.) Wahrscheinlich hat sich Herr Oertel bereits zu dem Grade eines solchen Hausbedienten der Jesuiten emporgeschwungen. In diesem Falle ist er freilich einigermaßen zu entschuldigen, wenn ihm in seiner „unheiligen Einfalt" unsere Citate unbekannte böhmische Dörfer sind, und zu bedauern, daß er, weil die Herren Jesuiten sich die Finger nicht verbrennen wollen, ihnen die heißen Castanien mit Verbrennung seines ehrlichen Namens aus dem Feuer holen muß.

„Der Herold des Glaubens."

Nachdem wir bereits unsere Bemerkungen über die Antwort niedergeschrieben hatten, welche uns Herr Oertel in seiner „Katholischen Kirchenzeitung" auf unseren Artikel von den Jesuiten gegeben, erhielten wir die Nummer des „Herold des Glaubens" vom 16. April, worin endlich der verkappte Editor auch dieses Jesuitenblattes mit einer Antwort herausrückt. Und was antwortet derselbe?— Zu witzlos, um selbst etwas schreiben zu können, druckt er die mit eiserner Lügnerstirn geschriebene Oertelsche Antwort Wort für Wort ab, und überbietet dann selbst den jesuitischen „untersten Handlanger" zu New York in schamloser Lügenhaftigkeit in den wenigen Worten, die er selbst hinzusetzt. Er leitet nehmlich das saubere Oertelsche Produkt mit den Worten ein: „Der Lutheraner, ein Sekten-Blatt in St. Louis, muß sich jüngst wieder unartig gebehrdet haben; wir schließen dies aus einer Abfertigung, die ihm die New-Yorker Kirchenzeitung in ihrer uns zuletzt zugekommenen Nummer giebt; sie schreibt:"— worauf Oertels Worte folgen. Der feige, unwissende und gewissenlose Mensch stellt sich, um einer eigenen Antwort überhoben zu sein, als wisse er selbst gar nichts von dem, was der „Lutheraner" über die Jesuiten geschrieben, während er doch mit uns wechselt und zwar in einer Weise, daß der „Lutheraner" in seine Hände kommen muß. Wir gestehen, daß uns dieses Verhalten der hiesigen Jesuitenknechte einen wichtigen Beitrag zur Vervollständigung unserer Einsicht in die Verruchtheit des Jesuitismus geliefert hat. Wir meinten in der That, daß diese Herren irgend eine künstliche Beweisführung versuchen würden, daß trotz der von uns angeführten, unableugbar echten, alle Sünden und Schanden gutheißenden Aussprüche der berühmtesten Jesuiten dieser Orden dennoch ein heilsames Institut sei. Aber nein! den Herren war bang, wenn sie so verführen, es möchte dieser und jener, mit der Sache Unbekannte, von Neugier geplagt, das wider die Jesuiten Vorgebrachte selbst zu lesen versucht werden. So dachten sie denn: die Lutheraner wissen es doch schon, daß wir Lügner sind; wenn wir also auch denen gegenüber eine handgreifliche Lüge heraussagen, so verspielen wir bei ihnen doch nichts; aber wie leicht könnten wir bei unseren lieben Katholiken etwas verspielen, wenn wir uns stellten, als wollten wir die Beschuldigungen widerlegen! Wohlan, der gute Zweck heiligt ja das böse Mittel: der eine mag daher sagen, es sei alles Vorgebrachte nicht wahr; der andere, er habe die Sache gar nicht gelesen.—Nun, immerhin, ihr Herrn! Fahrt nur so fort; Menschen können euch zwar nur verachten, u. müssen euch gewähren lassen. Aber bedenket, es gibt einen Mann, von dem heißt es: „Du bringest die Lügner um; der HErr hat Gräuel an den Blutgierigen u. Falschen;" und es gibt einen Tag, wo den Lügnern das Handwerk gelegt u. das Maul gestopft und wo dann ihr „Theil sein wird in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennet; welches ist der andere Tod." Fürchtet ihr euch denn vor diesem Manne und vor diesem Tage nicht? Schenke es euch Gott und gebe Er euch Buße. Werdet ihr aber nicht Buße thun, so werdet ihr einst an jenem erschrecklichen Tage mit Ach und Weh an das denken, was euch jetzt ein von euch verachteter und verlachter Lutheraner gesagt hat. Dann aber: „vergößt ihr in dem Weh auch einen Thränensee," wird es heißen: — Es ist zu spät!

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

151

themselves." . .

"Will not those to whom the continued existence of a closed Lutheran Church sure of itself is an offense and stumbling-block point to the resolution of the Church Diet and say, here it is to be seen that Lutherans and Reformed, notwithstanding their differences of doctrine, can after all be comprehended under the unity of the Augsb. Conf.? †) Hitherto the lack of confession in the Union has been an irremovable reproach against it. Will not the resolution of the Church Diet be used from now on to prove the possibility of a Union that is not without confession, indeed the existence of a reformatory Union confession, and to represent the resistance which is made on the Lutheran side to the Union, all the more confidently, as mere carnal obstinacy or stubborn lack of understanding? And yet a Union forcing itself upon us in the name of such a sham confession ought to be contradicted no less than the avowedly confessionless one." . .

†) That has already happened here. Thus the so-called Evangelicals here have exploited the matter in favor of their dear Union. Compare the "Friedensbote." Ed.

* * * * * *

It will certainly be to every reader who loves the divine truth no small joy to hear such an unvarnished confession of the doctrine laid down in the symbols of our Church, and against the mixing of religions and the so impure, dishonest conduct of our time in the confession of the truth, from Germany, and indeed from the mouth of men as highly learned as they are highly placed. From the "Zeitschrift für Protestantismus und Kirche," where that protest is printed, we see that an ever greater number of preachers are joining this protest and signing it, among others twenty preachers of the deanery of Hersbruck in Bavaria and nine preachers in Nuremberg. Would to God that all true Lutheran-minded people here in the United States would unite also in such a protest against the mixing of religions, called the evangelical Union, so much in vogue here also, and against the abuse which is practiced here with the name "Lutheran"!

How the Jesuits Are Defended or Left in the Lurch by Their "Lowest Henchmen."

Mr. Oertel, who in his paper of the 7th of April of last year declared that he gladly lets himself be called a quite subordinate henchman of the Jesuits, has now at last, after we reminded him of his duty, done his duty. The reader can imagine, just as befits his position among the Jesuits. Mr. Oertel's defense reads thus: "We hold it by no means worth the trouble to enter any further upon the foolish attacks of this "old-Lutheran fencer, since all that the Lutheraner has ever put forward and can put forward is so hackneyed and tedious that no one among our readers, except at most an old Lutheran woman who happens to be the wife of a Catholic man, could have any pleasure in it if we were to take further notice of it. Secondly, the Fathers Jesuits need no defense from us, and all that the Lutheraner may shriek and write against them is of no consequence whatever. Whoever is so stupid as to believe such things because they stand in print, let him believe it by all means. We Catholics know very well how it stands with us and the Jesuits, and need not the Lutheran wisdom... This blinded disciple of Luther takes pleasure in the most absurd and filthiest remarks against the Jesuits and the Catholic Church, which he thoughtlessly prints from antiquated and long-refuted Protestant writings of lies, bona (or rather mala) fide."

Mr. Oertel hereby completes the picture which we, as every educated theologian who has read our things knows, have drawn with the Jesuits' own words from their order's constitution and from their chief writings. We see from it that the basic system of the Jesuits is the system of palming off lies by means of ambiguities. Mr. Oertel shows us that in this Order there are also lower grades of persons who must lie without any ambiguities. These will probably be such people as already have no good name left and who therefore can lose nothing thereby. In the Jesuit constitution it says literally thus: "No one of those who are admitted to domestic services shall learn to read or write, or, if he already knows something, learn more science; and no one shall teach him without authority from the Propositus Generalis, but let him content himself with serving our Lord Christ in holy simplicity and humility." (Institut. Soc. Jes. II, 76.) Probably Mr. Oertel has already risen to the grade of such a house-servant of the Jesuits. In that case he is indeed to some extent to be excused if in his "unholy simplicity" our citations are Bohemian villages to him, and to be pitied that, because the Herren Jesuits do not wish to burn their fingers, he must fetch the hot chestnuts out of the fire for them at the cost of burning his honest name.

"Der Herold des Glaubens."

After we had already written down our remarks on the answer which Mr. Oertel gave us in his "Katholische Kirchenzeitung" to our article on the Jesuits, we received the number of the "Herold des Glaubens" of the 16th of April, in which the masked editor of this Jesuit paper too finally comes out with an answer. And what does he answer?— Too witless to write anything himself, he prints off, word for word, the Oertel answer written with an iron liar's brow, and then outdoes the Jesuitical "lowest henchman" at New York in shameless mendacity in the few words which he adds himself. For he introduces the clean Oertel product with the words: "The Lutheraner, a sect-sheet at St. Louis, must lately have behaved naughtily again; we conclude this from a rebuff which the New York Kirchenzeitung gives it in its latest number to reach us; it writes:"— whereupon Oertel's words follow. The cowardly, ignorant and unscrupulous man pretends, in order to be relieved of an answer of his own, as if he himself knew nothing at all of what the "Lutheraner" has written about the Jesuits, while he yet exchanges with us, and indeed in such a way that the "Lutheraner" must come into his hands. We confess that this conduct of the Jesuit lackeys here has furnished us a weighty contribution to the completion of our insight into the villainy of Jesuitism. We really thought that these gentlemen would try some artificial argument that, despite the genuine, undeniable sayings of the most renowned Jesuits quoted by us, approving all sins and shames, this Order is nevertheless a wholesome institution. But no! the gentlemen were afraid, if they proceeded so, that this one or that one, unacquainted with the matter, plagued by curiosity, might be tempted to read for himself what was brought forward against the Jesuits. So they thought: the Lutherans know already that we are liars; if therefore we speak out a palpable lie even to them, we lose nothing with them; but how easily might we lose something with our dear Catholics if we posed as though we wished to refute the accusations! Well then, the good end sanctifies the evil means: let the one therefore say that all that was brought forward is not true; the other, that he has not read the matter at all.—Well, by all means, you gentlemen! Go on so; men can indeed only despise you, and must let you have your way. But consider, there is a Man of whom it says: "Thou destroyest them that speak leasing; the LORD will abhor the bloody and deceitful man;" and there is a Day when the liars' trade will be stopped and their mouth shut, and when then their "part shall be in the lake which burneth with fire and brimstone; which is the second death." Do you not fear this Man and this Day? May God grant it to you and give you repentance. But if you will not repent, you will one day, on that dreadful Day, with Oh and Woe remember what a despised and derided Lutheran has now told you. Then, however: "You pour out in the woe also a sea of tears," it will be said:— It is too late!