Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 20 › Seite 158

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-05-23, Seite 158

153 154 155 156 157 158 159 160

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

⤓ Download .txt · copy text

158

Und nun, ihr lieben Leser, sehet, wie fein u. lieblich unsre indianischen Brüder sich zeigen, seitdem das Evangelium ihre Herzen erleuchtet und erwärmt hat. Sehet, wie sie sich entschlossen haben, um des Glaubens willen auszuwandern und die Brüder aufzusuchen, bei denen sie mit der Predigt des Evangeliums besser und geordneter versorgt werden können, als es bisher der Fall war, seitdem ihr Missionar Auch keinen Dollmetscher mehr hatte, ihnen also auch nicht mehr predigen konnte.— Die Station Shebahyonk wird nun eingehen und mit der von Bethanien vereinigt werden; der Synode werden dadurch in Zukunft viele Kosten erspart werden, eine Rücksicht, die nicht wenig dazu beigetragen hat, die Brüder in Shebahyonk zum Umzuge zu veranlassen.— So lasset uns denn durch solche Frucht des süßen Evangeliums unter diesen neu bekehrten Heiden auch gelockt werden, daß wir willig helfen, ihnen eine neue Heimath zu gründen! Der HErr aber lasse die vereinigten Indianischen Gemeinden in viel tausend mal tausend wachsen, daß ihr Same die Thore ihrer Feinde besitze! Amen.

Frankenlust
den 14. März
1854.
Ferdinand Sievers,
der Zeit Präses d. Missionscomission
der ev. luth. Synode von
Missouri, Ohio u. a. St.

Heirathen unter Blutsverwandten.
Die „Fredericksburg (Md.) News“ sagt in einem Artikel über das Heirathen unter Blutsverwandten: „In dem Caunty, in welchem wir erzogen wurden, sind in einer reichen und angesehenen Familie seit einer Reihe von Generationen die Heirathen ausschließlich in der Familie vollzogen worden, und die (sichtbare) Folge davon ist, daß fast keine gesunde Person sich unter ihnen befindet. — Einer von ihnen hat (zu einem Zeichen des göttlichen Zornes) schlimme Augen, ein Anderer Scropheln, ein Dritter ist blödsinnig, ein Vierter blind, ein Fünfter hat einen Kopf von der Größe einer Rübe, und Alle haben geistige oder körperliche Mängel. In einem Theile von Ohio giebt es eine ungewöhnliche Menge Irre und Blödsinnige, wovon die Schuld ebenfalls den Heirathen unter Blutsverwandten gegeben wird. — Es siedelten sich vor längeren Jahren in einzelnen Theilen des Staates mehrere verwandte Familien aus dem Osten zusammen an, welche stets unter sich heirathen, wodurch so betrübende Folgen herbeigeführt werden.“ (Bauernfreund.)

Papstvergötterung.
Der Jesuit Thomas Maria Caraffa gab tausend theologische Thesen heraus und schrieb dieselben dem Pabst mit den Worten zu: Paulo V. Vicedeo d. h. Paulus dem Fünften, dem Vicegott.— Rechnet man die in diesen Worten enthaltenen Buchstaben, welche Zahlen bedeuten, zusammen, so kommen 666 heraus, welche Zahl die des Antichrists ist. Offb. 13, 18.

Wie ein „amerikanisch-lutherischer“ Doktor der Theologie von dem lutherischen Kirchenbekenntniß schreibt.

Unter der Aufschrift: „Die symbolischen Bücher,“ hat Herr Dr. Kurtz in seinem „Lutheran Observer“ vor Kurzem (Nro. 1075) unter Anderem Folgendes geschrieben:

„Wenn man überlegt, daß die Urheber der symbolischen Bücher in der tiefsten Finsterniß der Unwissenheit, des Aberglaubens und der Verderbniß des römischen Systems geboren und auferzogen worden und daß die fraglichen Documente niedergeschrieben worden sind, größtentheils bald nachdem ihre Verfasser aus jenem heruntergekommenen und verdummten System hervorgekommen waren, so ist’s kein Wunder, wenn sie Irrthum enthielten. Zu erwarten, daß Leute, welche eben gewagt hatten, die Fesseln von Jahrhunderten zu brechen, welche so zu sagen erst gestern aus der dicksten Finsterniß und aus den eingewurzelsten Vorurtheilen aufgetaucht waren, auf einmal fähig sein würden, die ganze Wahrheit Gottes über jeden wesentlichen Punkt in aller seiner Länge und Breite und Höhe und Tiefe zu unterscheiden und völlig zu erfassen, so daß kein möglicher Fehler sich in ihr System einschleichen konnte und insonderheit keine hinzukommenden Erleichterungen und Fortschritte in der Kunst die Schrift auszulegen*) ihre Nachkommen befähigen könnten, Verbesserungen zu machen;—auf ein solches Resultat aufzusehen, würde der Forderung eines Wunders gleich sein, und nichts weniger als geradezu ein Wunder könnte eine so ungereimte Erwartung verwirklichen. . . Die Reformatoren selbst widersetzten sich dem Irrthum, im Gegensatz zu den alten Lehrsätzen und in offenbarem Widerstande gegen Kaiser, Pabst, Cardinäle und Fürsten. Und uns nun zu sagen, in dem gegenwärtigen aufgeklärten Zeitalter(!!), daß wir die symbolischen Bücher verehren müßten mit Einschluß des Irrthums, den dieselben nur immerhin enthalten möchten, da selbige ja von so großen Männern geschrieben seien ꝛc., das heißt uns die ärgste Ketzerei aufschwatzen. Wir können keine Sympathie für Irrthum haben, woher derselbe auch fließen oder wie sehr er auch durch sein Alter ehrwürdig sein mag. Wir haben keine Sympathie für kirchenpolitische Vereinbarungen und keine für die Fehler der symbolischen Bücher oder für die Theologen, welche diese Fehler vertheidigen. Wir halten es für das undankbarste Geschäft, womit sich, wer ein Lutheaner zu sein bekennt, befassen kann, für einen Irrthum lediglich darum zu kämpfen, weil er sich in den symbol. BB. findet. Kein Lutheraner sollte Irrthum ehren, ihn mit Respekt behandeln und ihn vertheidigen, weil seine Väter oder die Reformatoren für denselben als Anwälte auftraten.“

*) Es ist allerdings wahr, daß man jetzt Auslegungskünste versteht, von denen unsere lieben frommen Väter keine Ahnung hatten, Auslegungskünste, die den Menschen der Beschwerlichkeit überheben, mehr zu glauben, als was man mit dem gemeinen Menschenverstand und seinen fünf Sinnen begreifen kann. D. R. d. L.

Diese und ähnliche abscheuliche Auslassungen hatte Herr Kurtz in Folge eines Aufsatzes des “Evangelical Review” zu Gunsten der symbolischen Bücher, gemacht. Darüber von Correspondenten zur Rede gesetzt, druckt er den Artikel noch einmal Wort für Wort ab und setzt u. A. noch hinzu: „Wir haben den besprochenen editoriellen Aufsatz noch einmal durchlaufen und nach einer sorgfältigen Durchsicht finden wir uns außer Stand, auch nur einen einzigen Gedanken zurückzunehmen; er muß daher bleiben mit anderen Aufsätzen des Herausgebers unwiderrufen, unverändert und unbereut. . . Wir können nicht jede in den Symbolen vorgetragene Lehre für wahr annehmen. Wir glauben und sind davon überzeugt, daß sie Irrthum enthalten, nicht wesentlichen, aber nichts desto weniger sehr erheblichen Irrthum, namentlich in Betreff der Sakramente. Wir lehrten so, als wir in das lutherische Predigtamt eintraten; die, welche uns eraminirten, und die Synode, welche uns mit unserer amtlichen Vollmacht bekleidete, wußte dies;**) die Majorität jener Synode, die Majorität der lutherischen Prediger und die große Masse unserer Laienglieder haben über diesen Gegenstand dieselben Ansichten eingesogen, die wir haben. Es ist folglich für uns unmöglich, unseren Standpunkt auf den symbolischen Büchern zu nehmen.“ Herr Dr. Kurtz kann also nicht anders, er muß doch mit der Majorität, mit dem großen Haufen gehen!

**) Da kommen saubere Grundsätze heraus. Herr Dr. Kurtz meint also, seine Examinatoren und seine Synode nehme ihm die Verantwortung ab, indem beide ihn trotz seiner feindseligen Gesinnung gegen die lutherische Kirche zu einem Diener derselben machten und ihn so als einen Verräther in die Kirchenburg einließen.

Erschrecklich über alles aber ist, was der Herr Doktor nun in dem Folgenden sagt. Er fährt nämlich fort: „Wir bleiben auf dem Standpunkt der Bibel, und bei der Bibel allein, fern von Tradition, von menschlichen Glaubensbekenntnissen und menschlichen Erfindungen; die reine unverfälschte Bibel, welche allein Gottes lauteres unverändertes Wort ist, ist der eigentliche Standpunkt für jeden lutherischen Prediger. Sie war die ewige Grundlage, auf welche der hochgefeierte Luther und seine Genossen sich stellten und von welcher sie sich nicht für einen Augenblick oder den tausendsten Theil einer Haarbreite hinwegdrängen lassen wollten.“—Wir erstaunen über diese Berufung auf Luthers Bleiben bei der Bibel. Sie ist das Non plus ultra d. h. der höchste Gipfel aller Unverschämtheit. Ist’s nicht eben Herr Dr. Kurtz, der die Worte Gottes: „Das ist mein Leib—durch das Bad der Wiedergeburt“ (Tit. 3, 5.)—hört, als ob eine Gans geschnattert hätte, und der da spricht: „Das kann ich nicht glauben, das ist wider den Common sense!“ Ist es also nicht Herr Dr. Kurtz sammt seiner ganzen abgefallenen, zur Verrätherin gewordenen Majorität, die eben deßwegen die symbolischen Bücher nicht annehmen wollen, weil sie sich dadurch nicht an die Bibel und ihren Buchstaben binden lassen wollen? Denn wozu sind unsere Symbole anders, als dazu, an die Schrift, an das unverfälschte Wort Gottes zu binden?

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

158

And now, dear readers, behold how fine and lovely our Indian brethren show themselves, since the Gospel has enlightened and warmed their hearts. Behold how they have resolved to emigrate for the sake of the faith and to seek out the brethren, among whom they can be provided better and more orderly with the preaching of the Gospel than has hitherto been the case, since their missionary also no longer had an interpreter, and therefore could no longer preach to them.— The station Shebahyonk will now be given up and united with that of Bethany; thereby much expense will be spared the Synod in the future, a consideration which has contributed not a little to move the brethren in Shebahyonk to the removal.— So let us then be enticed by such fruit of the sweet Gospel among these newly converted heathen, that we may willingly help to found a new home for them! But may the LORD cause the united Indian congregations to grow a thousand times a thousand, that their seed may possess the gate of their enemies! Amen.

Frankenlust
the 14th of March
1854.
Ferdinand Sievers,
at present President of the Mission Commission
of the Ev. Luth. Synod of
Missouri, Ohio and other States.

Marriages Among Blood Relations.
The "Fredericksburg (Md.) News" says in an article on marriage among blood relations: "In the county in which we were raised, marriages in a rich and distinguished family have for a series of generations been contracted exclusively within the family, and the (visible) result of it is that scarcely a healthy person is to be found among them. — One of them has (as a sign of the divine wrath) bad eyes, another scrofula, a third is imbecile, a fourth blind, a fifth has a head the size of a turnip, and all have mental or bodily defects. In one part of Ohio there is an unusual number of lunatics and imbeciles, of which the blame is likewise laid to marriages among blood relations. — Several related families from the East settled together in single parts of the State many years ago, who always marry among themselves, whereby such afflicting consequences are brought about." (Bauernfreund.)

Deification of the Pope.
The Jesuit Thomas Maria Caraffa published a thousand theological theses and dedicated them to the Pope with the words: Paulo V. Vicedeo, that is, to Paul the Fifth, the Vice-god.— If one adds together the letters contained in these words which signify numbers, there come out 666, which number is that of the Antichrist. Rev. 13:18.

How an "American-Lutheran" Doctor of Theology Writes of the Lutheran Confession.

Under the heading: "The Symbolical Books," Herr Dr. Kurtz wrote, among other things, the following not long ago in his "Lutheran Observer" (No. 1075):

"When one considers that the originators of the symbolical books were born and brought up in the deepest darkness of ignorance, of superstition and of the corruption of the Roman system, and that the documents in question were written for the most part soon after their authors had come forth from that fallen and besotted system, it is no wonder if they contained error. To expect that people who had just ventured to break the fetters of centuries, who, so to speak, had only yesterday emerged from the thickest darkness and from the most deep-rooted prejudices, would be able all at once to distinguish and fully to grasp the whole truth of God on every essential point in all its length and breadth and height and depth, so that no possible error could creep into their system, and in particular that no additional facilities and advances in the art of interpreting the Scripture*) could enable their descendants to make improvements;—to look for such a result would be like the demand for a miracle, and nothing less than a miracle indeed could realize so absurd an expectation. . . The Reformers themselves opposed error, in contrast to the old doctrines and in open resistance to emperor, pope, cardinals and princes. And to tell us now, in the present enlightened age(!!), that we must revere the symbolical books including the error which they may after all contain, since the same were written by such great men, etc., that is to palm off on us the worst heresy. We can have no sympathy for error, from whatever source it may flow, or however venerable it may be through its age. We have no sympathy for church-political agreements and none for the faults of the symbolical books or for the theologians who defend these faults. We hold it the most thankless business with which one who professes to be a Lutheran can occupy himself, to contend for an error merely because it is found in the symbol. BB. No Lutheran should honor error, treat it with respect and defend it, because his fathers or the Reformers appeared as advocates for it."

*) It is indeed true that one now understands arts of interpretation of which our dear pious fathers had no idea, arts of interpretation which relieve men of the difficulty of believing more than what they can grasp with common sense and their five senses. Note of the Editor.

These and similar abominable utterances Herr Kurtz had made in consequence of an essay of the "Evangelical Review" in favor of the symbolical books. Called to account for it by correspondents, he prints the article once more word for word, and adds among other things: "We have gone through the editorial essay in question once more, and after a careful revision we find ourselves unable to retract even a single thought; it must therefore remain, with other essays of the editor, unrevoked, unaltered and unrepented of. . . We cannot accept every doctrine set forth in the Symbols as true. We believe and are convinced that they contain error, not essential, but nevertheless very considerable error, namely in regard to the Sacraments. We taught so when we entered the Lutheran ministry; those who examined us, and the Synod which invested us with our official commission, knew this;**) the majority of that Synod, the majority of the Lutheran preachers and the great mass of our lay members have imbibed the same views on this subject which we have. It is consequently impossible for us to take our stand upon the symbolical books." Herr Dr. Kurtz, then, cannot do otherwise; he must after all go with the majority, with the great crowd!

**) Fine principles come out here. Herr Dr. Kurtz thus thinks that his examiners and his Synod take the responsibility off him, since both, in spite of his hostile disposition toward the Lutheran Church, made him a servant of it and so let him into the fortress of the Church as a traitor.

Terrible above all, however, is what the Herr Doctor now says in what follows. He continues namely: "We remain on the standpoint of the Bible, and with the Bible alone, far from tradition, from human confessions of faith and human inventions; the pure unadulterated Bible, which alone is God's pure unaltered Word, is the proper standpoint for every Lutheran preacher. It was the eternal foundation upon which the highly celebrated Luther and his associates placed themselves and from which they would not let themselves be driven away for a moment or the thousandth part of a hair's breadth."—We are astonished at this appeal to Luther's abiding by the Bible. It is the non plus ultra, that is, the highest summit of all impudence. Is it not precisely Herr Dr. Kurtz who hears the words of God: "This is my body"—"by the washing of regeneration" (Tit. 3:5.)—as if a goose had cackled, and who says: "I cannot believe that, that is against common sense!" Is it not, then, Herr Dr. Kurtz together with his entire apostate majority, become a traitress, who just on that account will not accept the symbolical books, because they do not wish to be bound thereby to the Bible and its letter? For to what end are our Symbols, other than to bind to the Scripture, to the unadulterated Word of God?