Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 20 › Seite 157
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-05-22, Seite 157
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schen Amtswirksamkeit prakticirtes; das Anrichten „unabhängiger und wohlhabender Pfarrstiftungen“ zu diesem Zweck aber ist allerdings etwas neues und für solche, welche die behagliche Stellung eines deutschen Pfarrers der apostolischen eines Amerikanischen vorziehen, hier Kirchenzucht üben und doch fest und weich sitzen wollen, eine gar nicht üble Sache.
Anmerkung: 2. Wenn Herr Pf. Löhe von „der amerikanischen Pöbelschaft in der Kirche“ redet, „welche sich unter dem Schilde des geistlichen Priesterthums aller Gläubigen selbst für geheiligt und berechtigt erkennen könnte“, so ist das eine garstige Rede, die wenigstens nicht durch unsere Erfahrung gerechtfertigt wird. Der hiesige herrschende Pöbel kümmert sich nichts um das „geistliche Priesterthum aller Gläubigen,“ sondern verspottet es und läßt sich dafür, wie in Deutschland, von den nichtswürdigsten rationalistischen Pfaffen willigst beherrschen, ausbeuteln und an der Nase herum führen.
Urtheil Herrn Pf. Löhe's
über den Ton im „Informatorium“ ꝛc.
Obgleich Herr Pf. Löhe in allem, was er in seinen Mittheilungen über die Grabauische Fraction schreibt, eine gewisse Sympathie stark hindurch schimmern läßt, so ist doch sehr anzuerkennen, daß er sich durch seine Vorliebe nicht so weit beirren läßt, den Ton zu billigen, in welchem das Organ der Buffalo-Synode gehalten ist. In der letzten Nummer der „Mittheilungen“ vom vorigen Jahre schreibt er vielmehr:
„So sehr wir nun die verwandtere Richtung des Informatoriums erkennen und uns dadurch befriedigt fühlen, so glauben wir doch auch nur der Wahrheit die Ehre zu geben, wenn wir den Ton, welchen das Informatorium auch in diesen neuesten Blättern gegen Walther und seine Synode führt, zur Anbahnung friedlicher Beziehungen ungeeignet finden. Die Mitglieder der Fürther Conferenz werden gewiß in dem Tone des Informatoriums gegen Missouri die Aenderung nicht erkennen, welche sie dem trefflichen Blatte gewünscht hätten.“
Herr Pf. Löhe macht außerdem noch folgende Bemerkung, die zur gerechten Beurtheilung der von ihm eingenommenen Stellung zur amerikanischen Kirche Berücksichtigung und Würdigung fordert:
„Wir haben die Ueberzeugung, daß bei weitem der bedeutungsvollste Fortschritt der lutherischen Kirche unserer Tage in Nordamerika geschieht, und schon in diesem Satze liegt die große Hochachtung ausgesprochen, welche wir vor unsern nordamerikanischen Brüdern der beiderseitigen Richtung haben. Wir erwähnen das nur in der Absicht, von unseren Aeußerungen den Schein eigenen Uebermuths abzuwehren. Wir wollen nichts als das Gedeihen der amerikanisch-luth. Kirche und wollten gerne für dasselbige klein werden und uns in den Staub treten lassen. ohne auch nur den Mund aufzuthun.“
(Eingesandt.)
Neueste papistische Verfolgung in Toskana.
Die in Detroit erscheinende Evening Tribune berichtet darüber folgendes aus der London Christian Times, was wir hier im Auszuge mittheilen:
Domeniko Cecchetti ist ein Wittwer von 43 Jahren, welcher in der Tabaksfabrik der Bankiers Fenzi und Co. arbeitete und im vollsten Maaße das Vertrauen und die Achtung seiner Herren besaß. Seine vier Söhne erzog er so sorgfältig, daß sie in der ganzen Nachbarschaft als Muster guten Betragens galten. Hierüber verwunderte sich der junge Lehrling eines Weinhändlers, und als er hörte, daß der Vater mit seinen Kindern und Freunden die Bibel lese, so äußerte er gegen seinen Herrn, die Bibel könne doch nicht ein so ganz schlechtes Buch sein, da sie so gute Früchte hervorbringe. Dieser offenbarte die Worte seines Lehrlings in der Ohrenbeichte, worauf Cecchetti von einem Priester bei der Polizei verklagt wurde. Drei Monate darauf hielten vier Gendarmen bei Cecchetti eine Haussuchung und nahmen im Triumphe ein Exemplar von Diodati's Bibel und zwei Neue Testamente weg. Nach zehn Wochen erhielt er Befehl, vor der Obrigkeit zu erscheinen. Der Richter fragte ihn nach seiner Meinung von der Messe, Gewalt des Papstes ꝛc. Cecchetti antwortete, daß JEsus Christus einmal als Opfer für die Sünden der Menschen dargebracht sei und daß weiter kein Opfer nöthig sei. „Was den Papst betrifft, der das Haupt der Kirche sein soll,“ sagte er, „so kenne ich kein anderes Haupt, als JEsum Christum.“ Auf das entschiedenste weigerte er sich, einen von seinen Mitbrüdern anzugeben, mit denen er die Schrift gelesen hatte. So wurde er verurtheilt, für sein Verbrechen, daß er in der Bibel gelesen hatte, in Imbrogiana ein Jahr Gefängniß-Strafe zu leiden. Am 25. wurde er von den Gendarmen aus seinem Hause abgeholt. Hastig küßte er seine vier Söhne und befahl sie der Hut dessen, bei welchem Weisheit und Stärke ist. Am folgenden Tage wurde er in schweren eisernen Ketten fortgeschleppt, wobei er zwar bleich, aber gefaßt und ruhig aussah.
Auch hiermit haben die römischen Pfaffen nur wieder aufs Neue bewiesen, wie grimmig sie JEsum und sein Wort hassen, und welch' ein Mordgeist wider Gottes Kinder sie beseelt. Der HErr aber stärke den theuren Cecchetti, daß er nicht weich werde in seinen Trübsalen, sondern fröhlich wider den Antichristen streite und im Glauben beharre bis ans Ende.
H. Fick.
Aus einem Briefe an ein Glied unserer Synode.
Durlach, im Großh. Baden, d. 3. März 1855.
Hochgeehrter, geliebter Herr Amtsbruder!
Tausend herzlichen Dank für Ihren lieben theuren Brief vom 8. Januar, den ich am 5. Februar richtig erhielt, in den Stunden, da mir durch Gottes Gnade ein Kindlein, mein viertes Söhnlein, geschenkt wurde, das ich am 9. Febr. durch das Sakrament der heil. Taufe dem HErrn und Seiner Kirche einverleibte. — Als ein Gnadengeschenk Gottes betrachtete ich nun auch Ihren lieben Brief, da er ein so helles Zeugniß der Glaubenseinigkeit ist, die uns auch über die Wüste des weiten Weltmeers verbindet! Nochmals meinen innigsten brüderlichen Dank! Es ist mir ein nicht geringer Trost, ja eine erhabene Stärke auch in dem mir verordneten Kampfe, daß auch in der weitesten Ferne betende Hände sich erheben, um den endlichen Sieg der theuren lutherischen Kirche in meinem Vaterlande zu erflehen, dem der Segen des Wortes Gottes und des reinen Bekenntnisses aus dem Munde des Volkes, Angesichts des Verderbens des letzteren, so dringend Noth thut! Sie wissen bereits, daß alle Bitten und Eingaben bei unserer hohen Landesregierung um kirchliche Existenz auf dem vaterländischen Boden vergeblich gewesen sind und voraussichtlich in der nächsten Zeit vergeblich sein werden, weil die Regierung um jeden Preis die Union von Einem Ende des Landes bis zu dem Andern, selbst durch die gewaltsamsten Mittel aufrecht erhalten will. Eine nothdürftige Sektengestalt will man uns gestatten, aber ohne freie, unbehinderte Ausübung des von Gott verordneten Amtes der Predigt des Wortes und der Verwaltung der Sakramente. Es werden daher meine amtlichen Funktionen noch fortwährend mit Geld- und Gefängnißstrafen belegt, was erst neuerlich wegen einiger von mir vollzogener Taufhandlungen geschehen ist!
Demungeachtet harren wir aus, und hoffen, daß der HErr barmherziger sein werde als die Menschen und uns endlich wider den Willen der Menschen und dennoch durch dieselben uns zu unserem guten lutherischen Rechte hier im Lande verhelfen werde. Die Zahl der Lutheraner mehrt sich, wenn auch langsam, durch Austritt aus der bekenntnißlosen Union und erst vor wenigen Tagen ist ein zweiter Geistlicher, Pastor Ludwig in der Nähe von hier aus dem unirten Kirchendienste aus- und zu unserer Kirche übergetreten, so daß ich nun nicht mehr allein stehe, sondern in Gemeinschaft mit einem treuen Amtsbruder den Dienst an der kleinen lutherischen Gemeinde versehe, der dadurch seine Beschwerden hat, daß durch das ganze lang gedehnte Ländchen hindurch die zerstreut wohnenden Lutheraner, und zwar unter den Säbeln und Bajonetten der abwehrenden und lauernden Gendarmen und Polizeidiener aufgesucht werden müssen. Einem amerikanischen Pastor müssen solche Zustände wahrhaft unbegreiflich sein! Aber ich darf Sie um so mehr zu fortgesetzter Fürbitte für Ihre schwer verfolgten badischen Glaubensgenossen ermuntern! Wir haben herrliche Beweise von der Macht dieser unfehlbaren Waffe gläubiger Lutheraner erfahren!
Gott segne Sie, viellieber Bruder! Gott segne auch ferner, wie bisher, Ihr wichtiges Amt. Mit wahrhaftiger Bruderliebe verharre ich
Ihr treuergebener Amtsbruder
C. Eichhorn, luth. Past.
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...ic official activity, which was practised; but the establishing of "independent and well-endowed parish foundations" for this purpose is indeed something new, and for those who prefer the comfortable position of a German pastor of the apostolic sort to that of an American one, who wish to exercise church discipline here and yet sit firm and soft, a not at all bad thing.
Remark: 2. When Pastor Löhe speaks of "the American rabble in the church, which could, under the shield of the spiritual priesthood of all believers, recognize itself as sanctified and entitled," this is an ugly speech, which is at least not justified by our experience. The ruling rabble here cares nothing for the "spiritual priesthood of all believers," but mocks it and, as in Germany, lets itself be most willingly ruled, fleeced and led by the nose by the most worthless rationalistic priestlings.
Pastor Löhe's Judgment
on the Tone in the "Informatorium," etc.
Although Pastor Löhe, in everything that he writes in his communications about the Grabau faction, lets a certain sympathy shine strongly through, it is nevertheless very much to be acknowledged that he does not let his predilection mislead him so far as to approve the tone in which the organ of the Buffalo Synod is kept. In the last number of the "Mittheilungen" of last year he writes rather:
"However much we recognize the more kindred tendency of the Informatorium and feel ourselves satisfied thereby, yet we believe we are giving honor only to the truth when we find the tone which the Informatorium, even in these latest issues, adopts against Walther and his Synod unsuited to the preparing of peaceful relations. The members of the Fürth Conference will certainly not perceive in the tone of the Informatorium toward Missouri the change which they would have wished for the excellent paper."
Pastor Löhe further makes the following remark, which demands consideration and appreciation for a just judgment of the position he has taken toward the American church:
"We are convinced that by far the most significant progress of the Lutheran Church of our day takes place in North America, and already in this sentence the great esteem is expressed which we have for our North American brethren of both tendencies. We mention this only with the intention of warding off from our utterances the appearance of arrogance of our own. We desire nothing but the prosperity of the American-Lutheran Church and would gladly become small for its sake and let ourselves be trodden into the dust, without so much as opening our mouth."
(Submitted.)
Latest Popish Persecution in Tuscany.
The Evening Tribune, published in Detroit, reports the following about it from the London Christian Times, which we communicate here in extract:
Domeniko Cecchetti is a widower of 43 years, who worked in the tobacco factory of the bankers Fenzi and Co. and possessed in fullest measure the confidence and esteem of his employers. He brought up his four sons so carefully that they were regarded in the whole neighborhood as models of good conduct. At this the young apprentice of a wine merchant marveled, and when he heard that the father read the Bible with his children and friends, he remarked to his master that the Bible could surely not be so thoroughly bad a book, since it brought forth such good fruits. The latter revealed the words of his apprentice in the confessional, whereupon Cecchetti was denounced to the police by a priest. Three months later four gendarmes conducted a house search at Cecchetti's and carried off in triumph a copy of Diodati's Bible and two New Testaments. After ten weeks he received orders to appear before the magistrate. The judge asked him his opinion of the Mass, the power of the Pope, etc. Cecchetti answered that JESUS Christ was offered once as a sacrifice for the sins of men and that no further sacrifice is needed. "As for the Pope, who is supposed to be the head of the Church," he said, "I know no other head than JESUS Christ." He refused most decidedly to name any of his fellow-brethren with whom he had read the Scriptures. So he was sentenced to suffer one year's imprisonment at Imbrogiana for his crime of having read in the Bible. On the 25th he was fetched from his house by the gendarmes. Hastily he kissed his four sons and commended them to the keeping of Him with whom wisdom and strength are. On the following day he was dragged away in heavy iron chains, looking indeed pale, but composed and calm.
Here again the Roman priests have only proved anew how fiercely they hate JESUS and His Word, and what a murderous spirit against God's children animates them. But may the LORD strengthen dear Cecchetti, that he may not grow soft in his tribulations, but joyfully fight against the Antichrist and remain steadfast in the faith unto the end.
H. Fick.
From a Letter to a Member of Our Synod.
Durlach, in the Grand Duchy of Baden, March 3, 1855.
Highly esteemed, beloved Brother in Office!
A thousand hearty thanks for your dear, precious letter of January 8, which I received safely on the 5th of February, in the hours when, by God's grace, a little child, my fourth little son, was given me, whom I incorporated on the 9th of Feb. by the sacrament of holy Baptism into the LORD and His Church. — As a gift of God's grace I regarded also your dear letter, since it is so clear a testimony of the unity of faith that binds us even across the wilderness of the wide ocean! Once more my most heartfelt brotherly thanks! It is no small comfort to me, indeed an exalted strength, also in the conflict appointed me, that even in the remotest distance praying hands are lifted up to implore the final victory of the precious Lutheran Church in my fatherland, which, in view of the corruption of the latter, so urgently needs the blessing of the Word of God and of the pure confession from the mouth of the people! You already know that all petitions and applications to our high Government for ecclesiastical existence on native soil have been in vain and will presumably in the near future be in vain, because the Government wants at any price to maintain the Union from one end of the land to the other, even by the most violent means. A scanty sect-like form they are willing to allow us, but without free, unhindered exercise of the office, ordained by God, of preaching the Word and administering the sacraments. My official functions are therefore still continually visited with fines and imprisonment, as has happened only recently on account of some baptisms performed by me!
Nevertheless we hold out, and hope that the LORD will be more merciful than men and will at last, against the will of men and yet through them, help us to our good Lutheran right here in the land. The number of Lutherans increases, though slowly, by withdrawal from the confessionless Union, and only a few days ago a second clergyman, Pastor Ludwig, in the neighborhood of this place, withdrew from the Union church service and went over to our church, so that I now no longer stand alone, but in fellowship with a faithful brother in office serve the small Lutheran congregation, who has the hardship thereby that throughout the whole long-drawn little country the scattered Lutherans must be sought out, and that under the sabers and bayonets of the hostile and lurking gendarmes and police-servants. To an American pastor such conditions must be truly incomprehensible! But I may the more encourage you to continued intercession for your sorely persecuted Baden fellow-believers! We have experienced glorious proofs of the power of this infallible weapon of believing Lutherans!
God bless you, much-beloved brother! God bless also further, as hitherto, your important office. With true brotherly love I remain
Your faithfully devoted brother in office
C. Eichhorn, Lutheran Pastor.