Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 20 › Seite 156
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-05-22, Seite 156
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von einem luth. Pastor) den Hasert in einem Buche hat abdrucken lassen, worin sehr starke Ausdrücke gegen die katholische Kirche vorkommen. Ob Hasert apelliren wird, weiß ich nicht.“
Lutherische Synode in Jowa.
Aus Herrn Pfarrer Löhe's „Kirchlichen Mittheilungen aus und über Nord-Amerika“ (in der vorletzten Nummer des jüngstverflossenen Jahres) ersehen wir, daß sich in Jowa eine luth. Synode gebildet hat. Der Genannte schreibt in jenem Blatte:
„Unsere Freunde in Jowa haben sich zu einer Synode vereinigt. Ihrer sind annoch sehr wenig Pastoren (P. Großmann und P. Fritschel zu Dubuque, P. Deindörfer zu St. Sebald am Quell und Missionar Schüller; neuerdings wird Dörfler als vierter zu ihnen getreten sein); die Synode wird die kleinste in Amerika sein. Sie haben sich auf Grund der sämmtlichen lutherischen Symbole zusammengethan, aber in den von ihnen vorläufig (!) angenommenen Sätzen auch ihre Richtung (!) nicht verleugnet, nemlich daß sie die Symbole nicht als Abschlußpunkt in allen Stücken, sondern nur in denen nehmen, von welchen sie reden, übrigens aber glauben, daß auf Grund und Boden der luth. Symbole noch manches zu lernen und zu vollenden sei, — nicht aber durch sie (so bescheiden (!) sind sie, daß sie von sich selbst nichts großes hoffen!), sondern durch wen Gott will zu der von ihm beliebten Zeit und Stunde.“
Anmerkung: Es erscheint uns seltsam, daß es hier als eine den Jowaer Brüdern eigenthümliche Richtung bezeichnet wird, wenn dieselben, wie es heißt, „die Symbole nur in den Stücken als Abschlußpunkt nehmen, von welchen sie (die Symbole) reden.“ Entweder erklären die Herren damit etwas durchaus Selbstverständliches oder die Erklärung hat einen Sinn, dessen Offenbarung ihnen „vorläufig“ unräthlich erscheint. Sollen wir, was wir denken, ehrlich heraussagen, so ist es dieß, daß die Jowaer mit ihrer Clausel ihr Gewissen salviren und erklären wollten, daß sie bei ihrem Bekenntniß zu den luth. Symbolen an die Lehre derselben von Kirche und Amt sich nicht zugleich binden lassen könnten.
In Löhe's Bericht heißt es weiter:
„Die Synode steht friedlich neben Missouri und Buffalo; es wird aber sehr die Frage sein, wie sich ihr Verhältniß zu beiden Synoden gestalten wird. Sie steht zu ihnen in Nordamerika, wie wir auf der letzten Conferenz zwischen Missouri und Grabau standen: eine Stellung, welche in Nordamerika schwerer, als hier zu Lande einzuhalten sein wird, weil sich jenseits die Einsicht in die localen Umstände und in die eigentlichen Fehler beider Theile mehr als hier aufdrängen und dann auch mehr dringen wird, auf die eine oder andere Seite zu treten. Es kann wohl kommen, daß es dem kleinen Häuflein in Jowa sehr schwer werden wird, die mittlere, nach beiden Seiten hin friedliche Stellung einzuhalten. Der HErr walte es und schaffe Segen und Frieden.“
Anmerkung: Diese Sprache Herrn Pfarrer Löhe's nimmt sich fast wie letzte oder doch vorletzte Schwenkungen der weißen Fahne aus. Umsomehr, wenn wenige Zeilen zuvor folgender Bericht Herrn Dörflers von Fort Wayne mitgetheilt wird: „Es ist alles anders als in Deutschland. Die Freiheit prägt sich in allen Verhältnissen aus. Ein amerikanischer Gottesdienst macht einen ganz anderen Eindruck als ein deutscher, auch wenn dieselben liturgischen Stücke vorkommen“ — wozu Herr Pfarrer Löhe hernach hinzufügt: „Wir können nur wünschen, daß unsere abgehenden Freunde mit eigenen Augen sehen und Männer wie Grabau nicht bloß aus der Darstellung anderer, sondern aus der Anschauung ihrer Amts- und Lebensverhältnisse kennen lernen.“
Löhe fährt in seinem Bericht über die Synode Jowa folgendermaßen fort:
„Aber nicht allein das ist eine Schwierigkeit für die kleine Jowa-Synode, sondern sie hat noch eine andere Schwierigkeit zu überwinden, von der wir einige Worte reden wollen. Daß unsere Freunde deutsch-lutherische Gemeinden um sich her sammeln möchten, ist unser Wunsch und ihre eigene Absicht. An Gelegenheit hiezu fehlt es ihnen nicht, da in Jowa bereits Massen von Deutschen wohnen und ein starker Zug der Einwanderung dorthin geht. Allein bei aller Gewißheit, die sie davon haben, daß die sichtbare Kirche immer nur eine gemischte sein könne, wollen sie es doch nicht geflissentlich auf gemischte Gemeinden antragen, sondern sie möchten solche Maßregeln vorkehren, daß ihnen hernachmals die gemeindliche Zucht durch die Ueberzahl der Bösen nicht allzusehr erschwert würde. Was sie wollen ist nicht neu: sie wollen ein Katechumenat, welches unsere Freunde der andern Richtung gleichfalls wollen und mehr oder minder auch üben, obschon sie den Namen nicht voran stellen. Aber der Weg, den die Brüder in Jowa einzuschlagen versuchen, ist neu. Sie haben nämlich vor, mit den ihnen von Gott anvertrauten Mitteln des Wortes und Sacraments einerseits in den möglichst weiten Kreisen Segen zu stiften, andererseits aber als wirkliche Glieder ihrer Gemeinde mit Sitz und Stimme nur diejenigen anzuerkennen, die sie bei längerer Probe als bewährt erfinden. Sie wollen also predigen wo überall hin sie einen Ruf finden; sie wollen taufen, Kinder unterrichten und zum heiligen Abendmahle vorbereiten, wie es andere treue Lehrer auch thun; sie wollen auch zum heil. Abendmahl zulassen, wen immer sie ohne Gewissensnoth annehmen können; dagegen aber wollen sie von vorne herein einem jeden frei heraus sagen, daß sie in Feststellung und Verwaltung ihrer gemeindlichen Verhältnisse nur denjenigen Sitz und Stimme gewähren wollen, welche sich bei längerer Bekanntschaft rücksichtlich ihres Glaubens und Lebens als vorwurfsfrei bewähren werden. Es soll dies ein Versuch sein, die Uebelstände amerikanisch-freier Gemeindebildungen zu bewältigen. Ob der Versuch gelingen wird, wissen sie nicht. Sie behalten sich vor, Erfahrungen machen zu dürfen und nach Maßgabe derselben ihr Verfahren zu modificieren und zu regeln. Nur eines stehet ihnen fest, daß sie der amerikanischen Pöbelherrschaft in der Kirche, welche sich unter dem Schilde des geistlichen Priesterthums aller Gläubigen selbst für geheiligt und berechtigt erkennen könnte, auch auf dem Wege der Kirchenordnung und Satzung möglichst entgegentreten wollen. Man kann ihrem Vorhaben naserümpfend Unglück weissagen und sich weit darüber weg heben; aber laßt die treuen Männer nur das mögliche versuchen; auf die gewohnte, jedermann bekannte Bahn einzulenken, ist immer noch Zeit, und wer weiß am Ende doch, was geschieht. Die größte Schwierigkeit der Sache liegt in der äußern Existenz der Prediger. Je weniger Unterschied man in Amerika bei Aufnahme von Gemeindegliedern macht, desto mehr kann man bekommen und desto leichter können sich die Prediger nähren. Hält man dagegen das Katechumenat fest, so werden viele die Probe nicht aushalten, die Zahl der Gemeindeglieder und eben damit auch der Gehalt der Prediger wird gering sein und bleiben, und während andere Gemeinden groß und herrlich werden, werden Gemeinden der angestrebten Art sich ärmlich und gering ausnehmen und treffliche Kräfte in Noth und Elend verkümmern. So weit Menschenaugen sehen, kann das nur durch unabhängige und wohlhabende Pfarrstiftungen vermieden werden: aber wer stiftet solche? Unsere Mittel sind zu beschränkt, so daß wir mit unsern Freunden in Amerika zunächst nichts thun können, als dem HErrn die Sache empfehlen und auf den Segen warten, den er vielleicht sprechen wird. Täuschen wir uns nicht, so findet sich nicht allein bei den Predigern, sondern auch bei den mit ihnen enger verbundenen Gemeindegliedern viel Ausdauer und Aufopferungsfähigkeit. Die Abtheilung 1. der Gesellschaft für innere Mission im Sinne der lutherischen Kirche hat die Bestrebungen der theuren Freunde dadurch zu heben gesucht, daß sie ihnen zum Ankauf eines eigenen Hauses und Anwesens in der Stadt Dubuque behülflich war, indem sie ein entlehntes Capital von 3800 fl. zu ihrer Verfügung stellte. In dem neuerkauften Hause fand das Schullehrerseminar und der erste Anfang einer lateinischen Schule Herberge. Diese Anstalten sind der Mittelpunkt, von welchem die Thätigkeit unserer Freunde ausgeht. Sie können den Stein, welchen sie heben sollen, nicht heben, ohne daß sie einen Punkt haben, auf den sie sich stellen können. Auch war es nöthig, ihnen etwas kräftiger unter die Arme zu greifen, weil sie als Neuangekommene in ihrer großen Armuth das nöthige Vertrauen bei vielen zur Hülfe willigen Menschen in Dubuque und Umgebung nicht gefunden hätten. Dies Vertrauen fanden sie aber dadurch, daß offenbar wurde, auf wie manchen Freund und wie manche treue Hand sie bei ihren Bestrebungen in Deutschland zu rechnen haben. Es soll auch, um den Posten in Jowa zu stärken, unser Besitz in der Grafschaft Saginaw, um den man uns dort nicht einmal danken wollte, aus der treuen Verwaltung des Pastor Sievers ins Eigenthum der Synode Jowa übergehen.
Anmerkung: 1. Wenn die Herrn Jowaer auf die oben angegebene Weise verhüten wollen, daß nicht verdächtige Leute Sitz und Stimme in Feststellung und Verwaltung der gemeindlichen Verhältnisse erhalten, so ist das durchaus nicht, wie Herr Pf. Löhe wähnt, etwas neues, sondern etwas von uns während unserer ganzen amerikani-
English translation AI translation
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from a Lutheran pastor) which Hasert has had printed in a book, in which very strong expressions against the Catholic Church occur. Whether Hasert will appeal, I do not know."
Lutheran Synod in Iowa.
From Pastor Löhe's "Kirchliche Mittheilungen aus und über Nord-Amerika" (in the next to last number of the year just past) we learn that a Lutheran synod has been formed in Iowa. The above-named writes in that paper:
"Our friends in Iowa have united into a synod. There are as yet very few pastors among them (P. Großmann and P. Fritschel at Dubuque, P. Deindörfer at St. Sebald am Quell, and missionary Schüller; recently Dörfler is said to have joined them as the fourth); the synod will be the smallest in America. They have constituted themselves on the basis of all the Lutheran Symbols, but in the propositions provisionally (!) adopted by them have also not denied their tendency (!), namely that they take the Symbols as a terminal point not in all particulars, but only in those of which they speak, but for the rest believe that on the ground and soil of the Lutheran Symbols much is still to be learned and perfected, — not however through them (so modest (!) are they that they hope nothing great of themselves!), but through whom God will, at the time and hour pleasing to Him."
Remark: It seems strange to us that it is here designated as a tendency peculiar to the Iowa brethren when they, as it is said, "take the Symbols as a terminal point only in the particulars of which they (the Symbols) speak." Either the gentlemen are thereby declaring something altogether self-evident, or the declaration has a meaning the disclosure of which seems to them "provisionally" inadvisable. If we are to say honestly what we think, it is this, that the Iowans with their clause wanted to salve their conscience and to declare that in their confession of the Lutheran Symbols they could not at the same time be bound to the doctrine of the same concerning Church and Ministry.
In Löhe's report it goes on:
"The synod stands peacefully beside Missouri and Buffalo; but it will very much be a question how its relation to both synods will shape itself. It stands to them in North America as we stood at the last conference between Missouri and Grabau: a position which in North America will be harder to maintain than here at home, because there the insight into the local circumstances and into the real faults of both parties will force itself more upon one than here, and will then also more urge one to take one side or the other. It may well come about that it will be very hard for the little flock in Iowa to maintain the middle position, peaceful toward both sides. May the LORD rule it and create blessing and peace."
Remark: This language of Pastor Löhe's looks almost like last or at least next to last wavings of the white flag. All the more so when a few lines before the following report of Mr. Dörfler of Fort Wayne is communicated: "Everything is different from Germany. Freedom expresses itself in all relations. An American divine service makes quite a different impression from a German one, even when the same liturgical pieces occur" — to which Pastor Löhe afterward adds: "We can only wish that our departing friends may see with their own eyes and learn to know men like Grabau not merely from the representation of others, but from the observation of their official and life circumstances."
Löhe continues in his report on the Iowa Synod as follows:
"But not this alone is a difficulty for the little Iowa Synod, but it has yet another difficulty to overcome, of which we wish to say a few words. That our friends would like to gather German Lutheran congregations about them is our wish and their own intention. They do not lack opportunity for this, since in Iowa masses of Germans already dwell and a strong stream of immigration goes thither. Yet with all the certainty they have that the visible church can never be anything but a mixed one, they do not wish deliberately to aim at mixed congregations, but they would like to take such measures that church discipline might not afterwards be made too hard for them by the preponderance of the wicked. What they want is not new: they want a catechumenate, which our friends of the other tendency likewise want and more or less also practice, although they do not put the name in front. But the way which the brethren in Iowa are trying to take is new. For they intend, with the means of Word and Sacrament entrusted to them by God, on the one hand to bring blessing in the widest possible circles, but on the other hand to recognize as actual members of their congregation, with seat and vote, only those whom they find proved by longer trial. They want, therefore, to preach wherever they find a call; they want to baptize, instruct children and prepare them for the Holy Supper, as other faithful teachers also do; they also want to admit to the holy Supper whomever they can accept without distress of conscience; on the other hand, however, they want from the start to say freely to everyone that in the establishment and administration of their congregational affairs they will grant seat and vote only to those who after longer acquaintance prove themselves blameless in respect of their faith and life. This is to be an attempt to overcome the evils of American free congregation-forming. Whether the attempt will succeed they do not know. They reserve the right to gain experiences and, according to them, to modify and regulate their procedure. Only one thing is fixed for them, that they wish to oppose as far as possible, even by way of church order and statute, the American mob-rule in the Church, which could regard itself as sanctified and justified under the shield of the spiritual priesthood of all believers. One may prophesy misfortune for their undertaking with turned-up nose and rise far above it; but let the faithful men only try what is possible; to turn into the accustomed way known to everyone there is always time, and who knows in the end, after all, what will happen. The greatest difficulty of the matter lies in the external existence of the preachers. The less distinction one makes in America in the admission of congregation members, the more one can get and the more easily can the preachers support themselves. If, on the other hand, one holds fast to the catechumenate, many will not stand the test, the number of congregation members and with it the salary of the preachers will be and remain small, and while other congregations become great and glorious, congregations of the sought-after kind will appear poor and small and let excellent powers languish in want and misery. As far as human eyes see, this can be avoided only through independent and well-endowed parish foundations: but who founds such? Our means are too limited, so that with our friends in America we can for the present do nothing but commend the matter to the LORD and wait for the blessing which He will perhaps speak. Unless we deceive ourselves, there is found not only among the preachers, but also among the congregation members more closely bound to them, much perseverance and capacity for sacrifice. Division 1 of the Society for Inner Mission in the Spirit of the Lutheran Church has sought to further the efforts of the dear friends by assisting them in the purchase of a house and property of their own in the city of Dubuque, placing at their disposal a borrowed capital of 3800 fl. In the newly bought house the teachers' seminary and the first beginning of a Latin school found lodging. These institutions are the center from which the activity of our friends proceeds. They cannot lift the stone which they are to lift without having a point on which they can stand. It was also necessary to take hold of them somewhat more strongly, because as newly arrived in their great poverty they would not have found the necessary confidence among many people willing to help in Dubuque and vicinity. They found this confidence, however, by its becoming evident how many a friend and how many a faithful hand they can count on in their efforts in Germany. In order to strengthen the post in Iowa, our possession in Saginaw County, for which one there would not even thank us, is also to pass from the faithful administration of Pastor Sievers into the property of the Synod of Iowa.
Remark: 1. If the Iowa gentlemen wish in the manner indicated above to prevent suspicious persons from obtaining seat and vote in the establishment and administration of congregational affairs, this is by no means, as Pastor Löhe imagines, something new, but something which by us during our whole American-