Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 20 › Seite 158
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-05-22, Seite 158
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(Für den Lutheraner.)
Brand der alten lutherischen Kirche zu Winchester, Va.
Derselbe fand Statt in der Nacht des 27. Septembers 1854 und gab Veranlassung zu einer Rede in Englischer Sprache die von dem Ehrw. C. P. Krause gehalten und nachher dem Druck übergeben wurde. Die Rede hat zum Text: Jesaia 64, 11.: Das Haus unserer Heiligkeit und Herrlichkeit, darin dich unsere Väter gelobt haben, ist mit Feuer verbrannt. Nach Handleitung desselben werden geschichtliche, belehrende und erbauliche Bemerkungen über den bezeichneten Gegenstand gemacht. Der Bauplatz wurde 1753 von Lord Fairfax geschenkt; der Eckstein des Gebäudes 1764 gelegt. Es wurde von altem grauen Kalkstein aufgeführt; aber der Bau ging wegen der enormen Baukosten und der Schwierigkeit, Arbeiter zu bekommen, langsam vorwärts, und gerieth während des Unabhängigkeits-Krieges ganz ins Stocken. 1785 wurde der Ehrw. Christian Streit, in diesem Lande, aber von deutschen Eltern geboren, Prediger der Gemeine. Durch seine Bemühungen wurde der Bau vollendet. Die Kirche erhielt einen Thurm, zwei Glocken, 1790 in Bremen gegossen, die lange Zeit Sonnabend Abends zur Erinnerung an den folgenden Sonntag geläutet wurden, und 1795 eine Orgel. Die Kirche war einfach, aber von solchem Aussehen, daß sie sicherlich für nichts anderes als eine Kirche genommen werden konnte, und galt für eine Zierde des Ortes.
Die Gemeine war ursprünglich deutsch. Es wird von ihren Gliedern gesagt, Manche spotteten über ihr gebrochenes Englisch; aber sie konnten nicht oft darüber spotten, daß sie ihr Versprechen brachen. Christian Streit, der der Gemeine bis an seinen Tod, 1812, als Pastor vorstand, predigte Englisch und Deutsch.
In der gedachten Nacht brach in der Nähe der Kirche ein Feuer, wahrscheinlich angelegt, aus, dem wegen der großen Dürre und Mangels an Wasser nicht genügend Einhalt gethan werden konnte, um dies Gebäude zu retten. —
Die Theilnahme, die die Rede übrigens erweckt, wird leider sehr geschwächt durch einen Abschnitt der in der Ausführung des Textwortes „Heiligkeit“ vorkommt. Es wird da erzählt, daß ein altes Document in lateinischer Sprache über die Zwecke der Gründer der Kirche unter anderen sagt „sie ist allein unserer evangelischen Religion geweiht mit ewiger Ausschließung von Secten, welchen Namen immer sie haben mögen und Aller, die von unserer Evangelisch-lutherischen Religion abweichen oder derselben nicht in Wahrheit beipflichten.“ Und bald darnach wird vom Redner gesagt, daß, „obwohl jene einen zweckwidrigen Gebrauch der Kirche zu verhüten suchten, dieselbe doch durch manchen Act der Gemeinschaft mit den andern Theilen des Leibes Christi ausgezeichnet worden sei“. Prediger von fast allen Denominationen hätten zu verschiedenen Zeiten daselbst gepredigt, an ihrem Altar wäre wiederholt die Einladung „an alle, die den Herrn Jesus Christus aufrichtig lieben, welches Namens oder Confession sie auch sein möchten“ ergangen, am heiligen Abendmahl Theil zu nehmen und mehr dergleichen. Es ist schwer begreiflich, wie ein christlich erleuchteter Mann an dergleichen Treiben selber sich betheiligen, oder dasselbe lobend erwähnen kann — denn das heißt ja, annehmen, daß die heilige Schrift über alle die Gegenstände der Unterscheidungslehren sich nicht klar und bestimmt ausgesprochen habe, oder, obwohl sie dies gethan, man es damit nicht so genau zu nehmen brauche — desgleichen, wie ein solcher nicht gewahr wird, daß die Nachkommen in gradem Widerspruch mit der ausdrücklichen Bestimmung der Väter handelten, und wie deren Verwahrung gegen Secten ihn nur an „Heiden“ und „Mormonen“ denken läßt. Und wenn der Redner am Schlusse, wo er über Gottes Absicht bei diesem Verhängniß der Zerstörung der Kirche durch Feuer nachsinnt, den Gedanken ausspricht, daß es vielleicht geschehen sei, um Entweihung derselben in diesem materialistischen Geschlechte durch Benutzung des alten Gebäudes zu weltlichen Zwecken vorzubeugen, so nimmt es einen Wunder, daß ihm nicht der Gedanke kam, daß ein Kirch-Gebäude durch Religionsmengerei wohl ärger entweiht werde, als dadurch, daß man es aus einer Kirche in irgend ein Nutz-Gebäude verwandelt.
„Saint Louiser Volksblatt.“
Bis vor wenig Wochen waren diejenigen Deutschen des Westens, welche noch an einen Gott, an eine Vorsehung, an eine Unsterblichkeit, an ein einstiges Gericht und an Himmel und Hölle glauben, in großer Verlegenheit, wenn auch sie von dem Stand der Dinge in der politischen und Geschäfts-Welt Kenntniß nehmen wollten. Die hiesigen deutschen weltlichen Zeitungsblätter waren entweder unter der Redaction von Atheisten, moralischen Indifferentisten und wahnsinnigen Umsturzmännern mit Spöttereien über alles Heilige, mit Unfläthereien und alle Ordnung verhöhnenden Deklamationen so angefüllt, daß es jeden Deutschen von nur einigem moralischem und religiösen Gefühl anekelte, diese Blätter in die Hand zu nehmen; oder sie standen so offenbar im Dienste eines, politischen Einfluß suchenden, Pfaffenthums und des Jesuitismus, daß wenigstens ein Protestant anstehen mußte, dieselben zu unterstützen und aus ihnen sich über das unterrichten zu lassen, was ihm als Welt- und Staatsbürger zu wissen nöthig ist. Es gereicht uns daher zu nicht geringer Freude, unseren Lesern, besonders denen hier im Westen, die Kunde bringen zu können, daß hier in St. Louis seit dem 25. April dieses Jahres eine neue politische Zeitschrift unter dem Titel „Saint Louiser Volksblatt“, herausgegeben von Herrn M. Niedner, redigirt von Herrn Christian Fr. Schneider, erscheint, die wir unseren Lesern mit gutem Gewissen empfehlen zu können glauben: Der Herr Redakteur erklärt, sich gegen Angriffe auf sein Blatt von Seiten des atheistischen Herausgebers des hiesigen „Anzeigers des Westens“ vertheidigend, in der Nummer vom 5. Mai u. A.: „Wahr ist es, daß die Männer, welche das Volksblatt ins Leben riefen, an einen Gott glauben, an ein Jenseits und an eine dereinstige Verantwortlichkeit ihrer Werke bei Leibesleben, ja sie gehen sogar — wir hoffen es mit Freuden — soweit, zu diesem ihrem Gotte zu beten, ihm zu danken und ihn um seine Leitung anzuflehen. Und wenn sie das Ihrige thaten für eine Zeitung, die ihrer Gesinnung Rechnung trägt, ihre heiligsten Gefühle nicht täglich mit Fäusten schlägt — was ist daran Tadelnswerthes, Verächtliches, Unrechtes? Oder ist es in diesem Lande gesetzlicher Freiheit dahin gekommen, daß nur der Alles versengende Atheismus eine Sprache hat, Religiosität aber verstummen muß? Wir sind stolz auf unser Publikum, auch auf jene „„Wenige,““ die das Volksblatt dem Anzeiger entnahm. Hochgeachtet in Zahl und Bildung und Rechtschaffenheit steht unser Publikum da, und ihm ist es zum großen Theil zu verdanken, daß man Amerikaner noch mit Achtung vom „„deutschen Elemente““ sprechen hört. Ihm sind wir die Erklärung — die nebenbei zugleich einen bleibenden Grundzug des Volksblatts ausdrückt — schuldig: daß unsere Zeitung rein politisch, doch nie irreligiös, nie unchristlich sein wird.“
Indem wir diese öffentliche Erklärung Herrn Schneiders hier citiren, können wir nicht unerwähnt lassen, daß wir vor einigen Tagen die Ehre hatten, mit diesem Herrn persönlich bekannt zu werden, und uns davon überzeugt haben, daß es Herrn Schneider mit dieser Erklärung voller redlicher Ernst ist.
Es sind freilich viele Christen dieser Zeit und hiesigen Landes der Meinung, daß auch eine politische Zeitschrift zugleich für die Religion gegen Atheismus, Jesuitismus und grobe Schwärmerei, ja wo möglich für den orthodoren Glauben in die Schranken treten sollte. Wir sind jedoch dieser Meinung nicht. Staat und Kirche sind zwei durchaus getrennte Gebiete. Ein politisches Blatt sollte daher auf seinem eigentlichen Terrain, dem Boden des weltlichen Rechtes, bleiben und nicht auf das religiöse Gebiet sich versteigen; wie wiederum ein religiöses Blatt jenem das seine lassen sollte. Ein Blatt für die Bedürfnisse des bürgerlichen Lebens sollte nur soweit von Religion und Kirche und deren Vertretern Notiz nehmen, als diese das bürgerliche Leben berühren, insonderheit wenn sie dasselbe gefährden. Wir unterschreiben mit der vollsten Ueberzeugung als eine überaus wichtige Wahrheit den Ausspruch Luthers in seiner Ermahnung zum Frieden zur Zeit des schwäbischen Bauern-Aufruhrs im Jahre 1525: Oberkeit soll nicht wehren, was jedermann lehren und gläuben will, es sei Evangelium oder Lügen; ist genug, daß sie Aufruhr und Unfried zu lehren wehren.“ Dieselbe Stellung aber, die die weltliche Obrigkeit zu Religion und Kirche einnimmt, sollte nach unserem Dafürhalten auch eine weltliche Zeitung einnehmen. (Wir sprechen dieß natürlich nicht darum aus, weil wir uns nicht über jene politischen Blätter freuten, die nicht nur von Christen geschrieben werden, sondern auch im Dienste des Christenthums stehen; die oben angegebene Stellung eines Blattes für Christen als Bürger des Landes halten wir jedoch für die natürlichste.)
So meinen wir denn, wenn Herr Schneider
English translation AI translation
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(For the Lutheraner.)
Burning of the Old Lutheran Church at Winchester, Va.
It took place in the night of the 27th of September 1854 and gave occasion for an address in the English language, which was delivered by the Rev. C. P. Krause and afterwards given to the press. The address has for its text: Isaiah 64:11: Our holy and our beautiful house, where our fathers praised thee, is burned up with fire. Following the guidance of this text, historical, instructive and edifying remarks are made on the subject indicated. The building site was given in 1753 by Lord Fairfax; the cornerstone of the building was laid in 1764. It was built of old gray limestone; but the building, on account of the enormous building costs and the difficulty of obtaining workmen, went forward slowly, and during the War of Independence came altogether to a standstill. In 1785 the Rev. Christian Streit, born in this country, but of German parents, became preacher of the congregation. Through his efforts the building was completed. The church received a tower, two bells, cast in Bremen in 1790, which for a long time were rung on Saturday evenings as a reminder of the following Sunday, and in 1795 an organ. The church was plain, but of such an appearance that it could certainly be taken for nothing else than a church, and was counted an ornament of the place.
The congregation was originally German. It is said of its members that some mocked at their broken English; but they could not often mock at their breaking their promise. Christian Streit, who presided over the congregation as pastor until his death in 1812, preached English and German.
In the night mentioned a fire broke out near the church, probably set, which, on account of the great drought and lack of water, could not be checked sufficiently to save this building. —
The sympathy which the address otherwise awakens is, alas, much weakened by a passage which occurs in the elaboration of the text-word "holiness." It is related there that an old document in the Latin language, concerning the purposes of the founders of the church, says among other things, "it is dedicated solely to our Evangelical religion, with eternal exclusion of sects, whatever name they may bear, and of all who depart from our Evangelical-Lutheran religion or do not in truth assent to it." And soon afterwards it is said by the speaker that "although they sought to prevent a use of the church contrary to its purpose, it was nevertheless distinguished by many an act of communion with the other parts of the body of Christ." Preachers of almost all denominations had preached there at various times; at its altar the invitation had repeatedly gone out "to all who sincerely love the Lord Jesus Christ, whatever name or confession they might bear," to partake of the holy Supper, and more of the like. It is hard to understand how a Christianly enlightened man can himself take part in such doings, or mention the same with praise — for that means, indeed, to assume that Holy Scripture has not expressed itself clearly and definitely on all the subjects of the distinguishing doctrines, or, although it has done so, that one need not take it so strictly — likewise, how such a man fails to perceive that the descendants act in direct contradiction to the express stipulation of the fathers, and how their safeguard against sects makes him think only of "heathen" and "Mormons." And when the speaker at the close, where he reflects on God's purpose in this dispensation of the destruction of the church by fire, expresses the thought that it may perhaps have happened in order to forestall the desecration of it in this materialistic generation through the use of the old building for secular purposes, it is a wonder that it did not occur to him that a church building is probably more grievously desecrated by religious mixing than by being turned from a church into some utility building.
"Saint Louiser Volksblatt."
Until a few weeks ago those Germans of the West who still believe in a God, in a Providence, in an immortality, in a future judgment and in heaven and hell, were in great embarrassment when they too wanted to take note of the state of affairs in the political and business world. The German secular newspapers here were either, under the editorship of atheists, moral indifferentists and insane revolutionaries, so filled with scoffings at everything holy, with obscenities and declamations mocking all order, that it disgusted every German of even some moral and religious feeling to take these papers in hand; or they stood so plainly in the service of a priestcraft seeking political influence, and of Jesuitism, that at the least a Protestant had to hesitate to support them and to let himself be informed by them of what he needs to know as a citizen of the world and of the state. It therefore gives us no small joy to be able to bring our readers, especially those here in the West, the news that here in St. Louis, since the 25th of April of this year, a new political journal has appeared under the title "Saint Louiser Volksblatt," published by Mr. M. Niedner, edited by Mr. Christian Fr. Schneider, which we believe we can recommend to our readers with a good conscience: The editor, defending himself against attacks on his paper from the atheistic publisher of the "Anzeiger des Westens" of this place, declares among other things in the number of May 5: "It is true that the men who called the Volksblatt into life believe in a God, in a hereafter and in an eventual accountability for their works during their lifetime, yes, they go so far — we hope it with joy — as to pray to this their God, to thank him and to implore his guidance. And if they did their part for a newspaper that takes account of their convictions and does not daily strike their holiest feelings with fists — what is there in that blameworthy, contemptible, wrong? Or has it come to this in this land of lawful liberty, that only all-scorching atheism has a voice, but religiosity must be dumb? We are proud of our public, also of those 'Few' whom the Volksblatt took from the Anzeiger. Highly esteemed in numbers and culture and honesty stands our public, and to it we owe in great part that Americans may still be heard to speak with respect of the 'German element.' To it we owe the declaration — which at the same time expresses an abiding fundamental trait of the Volksblatt — that our newspaper will be purely political, yet never irreligious, never unchristian."
In citing this public declaration of Mr. Schneider here, we cannot leave unmentioned that a few days ago we had the honor of making this gentleman's personal acquaintance, and have convinced ourselves that Mr. Schneider is in full and honest earnest with this declaration.
There are indeed many Christians of this time and of this country who are of the opinion that even a political journal should at the same time enter the lists for religion against atheism, Jesuitism and gross fanaticism, yes, if possible for orthodox faith. We are, however, not of this opinion. State and Church are two entirely separate domains. A political paper should therefore remain on its proper terrain, the ground of secular law, and not stray into the religious domain; as in turn a religious paper should leave to the former what is its own. A paper for the needs of civil life should take notice of religion and church and their representatives only so far as these touch civil life, especially if they endanger it. We subscribe with the fullest conviction, as an exceedingly important truth, to the saying of Luther in his Exhortation to Peace, at the time of the Swabian peasants' revolt in the year 1525: "The magistracy ought not to forbid what any man will teach and believe, be it Gospel or lies; it is enough that they forbid the teaching of rebellion and strife." The same position, however, which the secular magistracy takes toward religion and church, a secular newspaper also, in our opinion, ought to take. (We say this, of course, not because we do not rejoice over those political papers which are not only written by Christians but also stand in the service of Christianity; the position of a paper for Christians as citizens of the country stated above, however, we hold to be the most natural.)
So we think, then, if Mr. Schneider