Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 20 › Seite 159

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-05-22, Seite 159

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als bleibenden Grundzug seines Volksblattes angibt, daß dasselbe rein politisch, aber nie irreligiös, nie unchristlich sein werde, so hat er damit die Stellung seines Blattes so bezeichnet, daß dasselbe, wenn es, wie wir nicht zweifeln, dem ausgesprochenen Grundsatz treu bleibt, die Unterstützung christlicher Leser wohl verdient.

Es versteht sich freilich von selbst, daß der Redakteur eines politischen Blattes nicht immer die Meinung seiner Leser aussprechen kann, vielmehr gewiß oft derselben in den Weg tritt. Wir meinen aber, gerade unter Christen sollte dieß am wenigsten eine Ursache von Mißvergnügen über das Blatt werden. Christen wollen nicht von, ihnen sich anbequemenden, Demagogen geleitet werden, sondern nur hören, um selbst zu urtheilen.

Je verderblicher bisher eine lange Reihe von Jahren hindurch die hiesige atheistische Presse auf die hiesigen Deutschen eingewirkt hat, um so mehr achten wir es für unsere Pflicht, die betreffenden Leser zur Unterstützung des „Volksblattes“ aufzufordern. Dasselbe hat bereits hier in St. Louis aus vielen Familien die hiesigen gotteslästerlichen und schmutzigen Tages-Blätter verdrängt und dadurch negativ schon viel Gutes gewirkt. Nur eine sehr weite Circulation wird aber dem Blatte seine Existenz sichern und es möglich machen, daß es seinem Zwecke immer entsprechender werde.*) Möchten dies diejenigen unter unseren Lesern, deren Empfehlung dem Blatte Eingang verschaffen könnte, bedenken und ihren Einfluß dazu benutzen, dem Blatte möglichst viele redlich zahlende Abonnenten zu verschaffen.

*) Der Herr Redakteur gesteht gern zu, daß bis jetzt in Folge des Mangels an Einrichtung manche Sachen in das Blatt gekommen sind, die der Tendenz desselben ebenso wenig, als dem Willen des Redakteurs entsprechen. Wir bitten den christlichen Leser, dieß zu berücksichtigen.

Das Blatt kömmt täglich und allwöchentlich heraus. Auswärtige Subscribenten erhalten das „Wochenblatt“ für den jährlichen Subscriptionspreis von $2,00, das „tägliche“ für $5,00 jährlich. Bestellungen sind zu machen in der Office No. 46 nördliche dritte Straße, Ecke der Pine-Straße, briefliche unter der Addresse: „St. Louiser Volksblatt — St. Louis, Mo.“

„Das Sonntags-Blatt,“

redigirt von Pf. Müller in Immeldorf in Baiern, hat, wie wir aus der letzten Nummer dieses Blattes vom vorigen Jahre ersehen, mit dieser Nummer zu erscheinen aufgehört. An dessen Stelle ist „Freimunds Kirchlich Politisches Wochen-Blatt für Stadt und Land“ getreten. Letzteres wird von Pfarrer Wucherer in Nördlingen redigirt. Verleger ist Beck daselbst. Der Preis ist jährlich 1 fl. 48 kr. oder 1 Thl. Preuß. C. Zunächst soll dieses Blatt eine Erweiterung des, dem „Sonntagsblatt“ früher beigegebenen, sogenannten „Sammelkastens für Heimathliches und Welthändel“ sein. Als Absicht bei dieser Erweiterung gibt der Redacteur an: „Ein Blatt zur Weckung, Förderung und Stärkung kirchlichen Sinnes und Verständnisses nicht nur für Ein Land, sondern für die luth. Kirche aller deutschen Lande zu bieten.“ Er schreibt ferner: „Wer mein politisches Glaubensbekenntniß lesen will, der schlage Röm. 13, 1—7. auf, dort steht es.“

Pastor Kilian.

Wie wir aus dem „Pilger aus Sachsen“ ersehen, hat der theure Pastor Kilian und seine mit ihm nach Texas ausgewanderte Gemeinde nach seinem Weggange von Deutschland dort viele üble Nachreden leiden müssen. Der „Pilger aus Sachsen“ spricht sich darüber unter der Ueberschrift: „Gottes Geleit!“ mit herzlichem Bedauern aus und schließt mit der Notiz und dem Wunsche: „Unter andern Lügen war auch die, als habe P. Kilian seine Heerde unterwegens verlassen! Der HErr geleite die lieben Brüder und bleibe ihr Hirt und sie Seine Heerde auch in der neuen Heimath.“

Oeffentliche Bekanntmachung.

Nachdem sämmtliche zur Wahl der Candidaten des vakanten Direktorats am Concordia-Collegium zu St. Louis berechtigte Stimmen an das unterzeichnete Secretariat des Wahlcollegium eingegangen sind, erstattet derselbe hierdurch den pflichtmäßigen Bericht, daß sich folgendes Wahlresultat ergeben hat.

Die meisten Stimmen erhielten die folgenden drei:

1. Cand. Neubert in Leipzig, nehmlich 9 Stimmen, worunter 7 für das Direktorat und 2 für eine Gymnasiallehrerstelle,

2. Prof. Biewend in St. Louis, nehmlich 6 Stimmen,

3. Past. Sievers in Frankenlust, nehmlich 5 Stimmen.

Den lieben Gemeinden, so wie dem ehrwürdigen Lehrerpersonal am College in St. Louis ist es nun anheim gegeben, von dem ihnen zustehenden Rechte, in Bezug auf Hinzufügung eines weiteren Candidaten auf die Wahlliste und in Bezug auf begründete Protestation binnen den nächsten acht Wochen von heute an gerechnet Gebrauch zu machen. Die Glieder des Wahlcollegiums aber wollen darauf aus den oben genannten und etwa noch hinzukommenden Männern den von ihnen Gewählten dem Unterzeichneten baldmöglichst anzeigen. Schließlich erlaubt sich der Unterzeichnete hierbei die Eröffnung zu machen, daß Herr Cand. Neubert in einem von ihm eingegangenen Privatbriefe erklärt hat, falls die Wahl ihn treffen würde, selbige nicht annehmen zu können. Der HErr gebe Gnade, daß durch die Erforschung seines heiligen Willens auch bei dieser Wahl auch der rechte Mann gefunden werden möge, den Er bestimmt hat.

Frankenlust, den 1. Mai 1855.
Ferdinand Sievers,
Secretair des Wahlcollegiums p. t.

Der nördliche Distrikt der deutschen evang. lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. St. hält seine diesjährigen Sitzungen in der lutherischen Dreieinigkeitskirche zu Milwaukee, Wisconsin, vom 6. bis 13. Junius.

Milwaukee, Wisconsin, den 21. März 1855.
Friedrich Lochner, Sekr.

(Eingesandt von Past. H.)

Welthändel.

Nicht ohne Theilnahme werden unsere Leser vernehmen, daß die Einwanderung aus allen den Theilen Europas, aus welchen Leute nach den Vereinigten Staaten ziehen, in den ersten vier Monaten dieses Jahres kaum ein Drittheil der Schaaren betrug, die in den entsprechenden Monaten vorigen Jahres hier ankamen. Nur 2812 Deutsche landeten in New-York während des Monats April. Die Armen unter den Ankömmlingen gerathen hier meistens in die allerbetrübteste Lage, da in unsern östlichen Städten besonders die Arbeitslosigkeit noch immer in hohem Grade anhält und dabei eine ganz unerhörte Theurung aller gewöhnlichen Lebensmittel selbst diejenigen, die noch und wieder Arbeit haben, schwer darniederdrückt.

Doch meine Leser werden ungeduldig fragen: wie steht's in Europa, wie steht's in der Krim um Sebastopol. Nun denn: seit dem 9. April bis zur letzten Post vom 22. April sandten die Franzosen und Engländer aus 500 Feuerschlünden einen eisernen Hagel in die Stadt, und wurden täglich bei 1200 Menschen getödtet oder zu Krüppeln gemacht, ohne mehr Schaden an den Festungswerken anzurichten als was die Russen über Nacht wieder herstellten. Dagegen konnte man in denselben Tagen, nemlich vom 16. April an einen endlosen Jubel und Freudengeschrei in und um London hören: Kaiser Napoleon nebst seiner Frau war nemlich bei der Königin Viktoria von England zu Gaste. Da wehten auf allen öffentlichen Gebäuden der Hauptstadt Englands die Fahnen Englands, Frankreichs und des Turken (der Halbmond), Deputationen der weltlichen und geistlichen Corporationen begrüßten den Kaiser mit hochtrabenden Reden, des Kanonirens, Illuminirens u. s. f. war Tage lang kein Ende. Doch laßt uns lieber anderswohin blicken, dahin, wo, ebenfalls in denselben Tagen, Versuche gemacht wurden, den unheilvollen Streit beizulegen. Der Friedenscongreß in Wien brach am 21. April auf, da der Russische Gesandte erklärte, Rußland werde niemals auf eine Verringerung seiner Macht im Schwarzen Meere, wie solche von England und Frankreich gefordert wurde, eingehen. Vergebens machte derselbe Gesandte noch einige Anerbietungen: die Würfel fielen für den Krieg. Nach Deutschland und, da Preußen bisher seine Neutralität fest bewahrt hat, nach Wien müßt ihr jetzt blicken; dort, nicht in Sebastopol, nicht in der Ostsee, wohin die englische Flotte bereits wieder vorgedrungen ist, liegt die Entscheidung über die Ereignisse der Zukunft, so weit sie bei Menschen liegen kann. Die letzten Nachrichten deuten an, daß England und Frankreich fürchten, Oestreich werde nicht auf ihrer Seite stehen, sondern neutral zu bleiben suchen. Wir können nur sagen, wir hoffen das, wir bitten Gott darum. Wendet sich Oestreich entweder den Engländern und Franzosen oder den Russen zu, so wird der Streit auf dem Boden unseres geliebten alten Vaterlandes ausgefochten — Gott wolle es gnädig vor solchem Unheil bewahren.

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states as the abiding fundamental trait of his Volksblatt that it will be purely political, but never irreligious, never unchristian, he has thereby so characterized the position of his paper that the same, if it remains true, as we do not doubt, to the principle declared, well deserves the support of Christian readers.

It goes without saying, to be sure, that the editor of a political paper cannot always express the opinion of his readers, but certainly often crosses their path. We think, however, that among Christians this should least of all be a cause of displeasure over the paper. Christians do not want to be led by demagogues who accommodate themselves to them, but only to hear, in order to judge for themselves.

The more ruinously the atheistic press here has for a long series of years worked upon the Germans here, the more we regard it as our duty to urge the readers concerned to the support of the "Volksblatt." It has already driven out of many families here in St. Louis the blasphemous and filthy daily papers of this place and has thereby negatively already effected much good. But only a very wide circulation will secure the paper its existence and make it possible for it to become ever more fitted to its purpose.*) May those among our readers whose recommendation could gain the paper entrance consider this and use their influence to procure for the paper as many honestly paying subscribers as possible.

*) The editor gladly admits that until now, in consequence of the lack of organization, many things have got into the paper which correspond as little to its tendency as to the will of the editor. We ask the Christian reader to take this into consideration.

The paper comes out daily and weekly. Out-of-town subscribers receive the "weekly" for the yearly subscription price of $2,00, the "daily" for $5,00 yearly. Orders are to be made at the office No. 46 North Third Street, corner of Pine Street, by letter under the address: "St. Louiser Volksblatt — St. Louis, Mo."

"Das Sonntags-Blatt,"

edited by Pastor Müller in Immeldorf in Bavaria, has, as we see from the last number of this paper of last year, ceased to appear with this number. In its place has appeared "Freimunds Kirchlich Politisches Wochen-Blatt für Stadt und Land." The latter is edited by Pastor Wucherer in Nördlingen. The publisher is Beck there. The price is yearly 1 fl. 48 kr. or 1 Thl. Prussian currency. At first this paper is to be an enlargement of the so-called "Sammelkasten für Heimathliches und Welthändel" formerly appended to the "Sonntagsblatt." As the intention in this enlargement the editor states: "To offer a paper for the awakening, furthering and strengthening of churchly sense and understanding, not only for one country, but for the Lutheran Church of all German lands." He writes further: "Whoever wants to read my political confession of faith, let him open Rom. 13:1-7, there it stands."

Pastor Kilian.

As we see from the "Pilger aus Sachsen," the dear Pastor Kilian and his congregation, which emigrated with him to Texas, have had to suffer there many evil rumors after his departure from Germany. The "Pilger aus Sachsen" expresses itself about this, under the heading "God's Escort!", with hearty regret, and closes with the notice and the wish: "Among other lies was this one, that Pastor Kilian had abandoned his flock on the way! The LORD escort the dear brethren and remain their Shepherd, and may they be His flock also in the new home."

Public Announcement.

Now that all the votes entitled to take part in the election of the candidates for the vacant directorship of Concordia College at St. Louis have come in to the undersigned secretariat of the electoral college, the same hereby makes the dutiful report that the following election result has been obtained.

The most votes were received by the following three:

1. Cand. Neubert in Leipzig, namely 9 votes, of which 7 for the directorship and 2 for a gymnasium teachership,

2. Prof. Biewend in St. Louis, namely 6 votes,

3. Past. Sievers in Frankenlust, namely 5 votes.

To the dear congregations, as well as to the reverend teaching staff at the College in St. Louis, it is now left to make use of the right accorded them, in regard to the addition of a further candidate to the election list and in regard to well-founded protest, within the next eight weeks reckoned from today. The members of the electoral college, however, are then to report to the undersigned as soon as possible the one chosen by them from among the above-named and any men yet to be added. Finally the undersigned permits himself herewith to make the disclosure that Mr. Cand. Neubert has declared in a private letter received from him that, should the election fall upon him, he would not be able to accept it. The LORD grant grace that, through the searching out of His holy will, also in this election the right man may be found whom He has appointed.

Frankenlust, May 1, 1855.
Ferdinand Sievers,
Secretary of the electoral college p. t.

The Northern District
of the German Evangelical Lutheran Synod
of Missouri, Ohio and other States
holds its sessions this year in the Lutheran Trinity Church at Milwaukee, Wisconsin, from the 6th to the 13th of June.

Milwaukee, Wisconsin, March 21, 1855.
Friedrich Lochner, Secretary.

(Submitted by Past. H.)

World Affairs.

Not without sympathy will our readers learn that the immigration from all those parts of Europe from which people go to the United States amounted in the first four months of this year to scarcely a third of the multitudes that arrived here in the corresponding months of last year. Only 2812 Germans landed in New York during the month of April. The poor among the newcomers get here mostly into the most wretched condition, since in our eastern cities especially unemployment still continues to a high degree, and besides this a quite unheard-of dearness of all ordinary provisions weighs heavily down even those who still and again have work.

But my readers will impatiently ask: how do things stand in Europe, how do they stand in the Crimea around Sebastopol. Well then: from the 9th of April to the last post of the 22nd of April the French and English sent from 500 cannon an iron hail into the city, and daily about 1200 men were killed or maimed, without doing more damage to the fortifications than what the Russians restored again overnight. On the other hand, in the same days, namely from the 16th of April on, one could hear an endless jubilation and cry of joy in and around London: Emperor Napoleon with his wife was namely a guest of Queen Victoria of England. Then there waved on all the public buildings of England's capital the flags of England, France and of the Turk (the crescent), deputations of the secular and spiritual corporations greeted the Emperor with high-sounding speeches, and of cannonading, illuminating and so forth there was for days no end. But let us rather look elsewhere, to where, likewise in the same days, attempts were made to settle the calamitous strife. The peace congress at Vienna broke up on the 21st of April, since the Russian envoy declared that Russia would never agree to a reduction of her power in the Black Sea, such as was demanded by England and France. In vain did the same envoy make a few more offers: the dice fell for war. To Germany and, since Prussia has so far firmly maintained her neutrality, to Vienna you must now look; there, not in Sebastopol, not in the Baltic, whither the English fleet has already advanced again, lies the decision on the events of the future, so far as it can lie with men. The latest news indicates that England and France fear Austria will not stand on their side, but will seek to remain neutral. We can only say, we hope so, we pray God for it. If Austria turns either to the English and French or to the Russians, the strife will be fought out on the soil of our beloved old fatherland — God graciously preserve it from such calamity.