Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 17, Nummer 1 › Seite 4
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. August 1860, Seite 4
Scan: Internet Archive item DerLutheraner17.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch · Geſetz 21 · Paſtor 5
drückt gewesen.
gewonnenen Vortheile. Es starb die Herzogin
Margaretha und unmittelbar daranf ließ er sich
seine bisherige Buhlerin antrauen.
fremdete ihm die Herzen seiner Kinder vollends
und empörte die Landstände. Bald sah er, daß
er nichts würde ausrichten können, kehrte deshalb
nach Frankreich zurüͤck, befreite damit seinen
Sohn von großer Sorge und nahm der Geistlich-
keit die letzte Aussicht auf Gelingen ihres Wider-
standes.
Schon vor seiner Abreise hatten sich die Stände
auf einem Landtage mit überwiegender Stimmen-⸗
mehrheit zu dem Beschlusse geeinigt, die Verbrei⸗
tung lutherischer Lehre im Fürstenthum mit allen
Kräften fördern zu wollen. Wie dieser Beschluß
dem Herzog die Macht gab, im Junern des Lan⸗
des mit allem Nachdruck zu verfahren, so rustete
er sich auch gegen jeden Angriff von außen und
trat mit seinen Brüdern und Herzog Philipp
von Erubenhagen dem, von Philipp von Hessen
und Johann von Sachsen zu Gotha geschlossenen
Bundniß zu gegenseitiger Vertheidigung im Falle
eines Angriffs von Seiten der Römischen bei.
Im Jahre 1527 traf er mit Luther, bei Gelegen⸗
heit der Hochzeit seines Vetters, des Kurprinzen
Johann Friedrich von Sachsen mit der Prinzessin
Sibylla von Cleve, in Torgan zusammen und
berieth mit diesem die kirchlichen Einrichtungen.
Hier schon empfahl ihm Luther den Urbanus
Regins, aber noch war es ihm nicht möglich,
diesen zu gewinnen.“) So mußte er allein die
Arbeit angreifen. Von Kloster zu Kloster und
von Stift zu Stift zog er selbst und fast kein Ort
im Lande wurde von ihm übergangen. Es gelang
ihm auch uber Erwarten. Selbst von den Klö—
steru und Stiftern wagten wenige ihm zu wider—
stehen; vou den Mönchsklöstern nur einige Stif⸗
ter und das schon in dem früheren Artikel ge⸗
nannte reiche Beuedictinerkloster zu St. Michaelis
vor Luneburg, von den Nonnenklöstern nur Lune,
Ebstorf, beide bei Luneburg, und Wienhausen, un—
weit Celle, gelegen. Aus letzterem Kloster mußte
er seine Schwester Apollonia, die dort erzogen
wurde, mit List befreien; in Lüne wurde er sogar
persönlich angegriffen. Als er am Sonntage
Miscricordias Domini 1528 nach beendigter
Predigt mit seinem Gefolge anfing, deutsche Psal⸗
men zu singen, verließen sämmtliche Nonnen die
Kirche, kehrten dann zurück mit Pfannen voll
angezündeten Leders, Pelzwerks und dergl., und
zwangen durch den Rauch und Gestank den Her⸗
zog, das Gotteshaus zu verlassen, erreichten aber
nur dadurch, daß er draußen auf dem Kirchhofe
vor einer noch größeren Zuhörerschaft die Predigt
fortsetzen ließ. Alle Versuche zur Verständigung
schlugen febl, so oft sie auch erneuert wurden,
und weder gütliches Zureden, wie z. B. Urban
Regius es später noch oft wiederholte, noch
Strenge (es wurden den Nonnen die Sacramente
verweigert und ihnen aller, auch briefliche Ver—
*) Beisdieser Zusammkunft klagte Ernst gegen Luther
über die au den Höfen zunehmende sündliche und tolle Sitte des
Zutrinkens und die immer weiter um sich greisende Trunksucht.
Da antworlete Luther: „Da solltet ihr Fürsten und Herren
dazu thun“ und Ernst erwiederte: „Freilich, lieber Doctor,
tyun wir lrider dazu, sonst wäre es längst abkommen.“
Da beraubte er sich selbst aller
Das eut⸗
kehr mit den Ihrigen verboten) fruchteten etwas.
Erst um 1670 nahm das Kloster Lutherische Lehre
an. An die Nonnen zu Ebstorf richtete noch
1533 der Herzog ein uns erhaltenes Schreiben,
in welchem es heißt: „Weil ich vor Gott und
meinem Gewissen es nicht verautworten konnte,
daß ihr in der Verhärtung eurer Herzen, Anderen
zum Aergerniß, das seligmachende Wort des
Evangelii hintan setztet, sandte ich euch einen
Prädicanten und meine gedruckte Vermahnung.
Ihr aber habt beide verworfen. Darum gebiete
ich euch ernstlich, das Sacrament nach der Ein—
setzung IEsu Christi zu genießen und der Lehre
des Predigers mit trenem Herzen zu folgen, da⸗
mit ihr nicht spuren möget, daß meiner Seelen
Seligkeit mir zu theuer, um eure unleidliche Ver—
achtung echristlichen Verständnisses ferner zu dul⸗
den. Also gebietet es mein fürstliches Amt. Soust
bin ich nicht gemeint, euren zeitlichen Unterhalt
euch zu nehmen, sondern in allen ehrlichen und
christlichen Sachen mich gebnhrlich und gnädig
gegen euch zu verhalten.“—Und wir dürfen nicht
meinen, als wäre eben nur durch Gewaltmaß⸗
regeln in den nachgiebigen Klöstern die Refor—
mation durchgeführt. Wir haben die Zeugnisse
vor uns, daß eben die Gewalt der Wahrheit,
welche in den Briefen und Vermahnungen des
Herzogs und seiner Prädicanten lag, die Herzen
überwältigte. So, um nur ein Beispiel zu nen—
nen, bei dem frommen Abt Heine im Kloster Ol-⸗
denstadt, in der Luneburger Haide gelegen, der
schon 1523 zu Luthers Lehre neigte und dessen
Briefwechsel mit Luther aus dem Jahre 1529
uns aufbehalten ist. „Immer muß ich, schreibt
Luther an ihn, Gott und meinen Heiland danken,
der auch in jenem äußersten Winkel der Erde sein
helles Wort hat leuchten lassen.“ Dann beant⸗
wortete er die an ihn gestellte Frage des Abts,
ob Pflicht gegen den HErrn ein Verlassen des
Klosters gebiete, verneinend; es möge der fromme
alte Mann, falls nicht etwa ein Abhalten der
Messe oder eines andern dem Worte Gottes
widerstreitenden Kirchendienstes ihm zugemuthet
werde, getrost in seinem Kloster ausharren, dort
könne er seinem Herrn mit Gebet und Lesen
der heiligen Schrift dienen, die jüngern Bruder
unterweisen und auf dem Wege der Erkenntniß
weiter führen. Aber es litt den Abt nicht lange
mehr im Kloster; er trat noch 1529 mit seinen
Mönchen —bis auf drei — aus. Die Reforma⸗
tion in dem genannten Kloster zu St. Michaelis
und in der größten und vornehmsten Stadt des
Landes, in Luneburg selbst, durchzuführen, blieb
aber Urban Regius vorbehalten.
(Fortsetzung folgt.)
———
—
(Eingesandt.) .
Eine Mutter und drei Döchter.
Die oben gemeinte Mutter ist Emilie Antonie,
Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt, geborene
Gräfin zu Oldenburg, ihre drei Töchter sind
Sophie Juliane, Christiane Magdalena und die
als edle Liederdichterin unserer Kirche bekannte
Ludämilia Elisabeth. Von ihr stammen die köst⸗
lichen Lieder: JEsus, JEsus, Nichts als JEsus;
Schaff in mir, Gott, ein reines Herz; Ich bin
vergnügt und halte stille; Sorge, Vater, sorge
du; Ich will fröhlich sein in Gott; Ach wer
schon im Himmel wäre u. s. w.
Emilie Autonie hatte sich 1638 mit Graf
Lndwig Günther von Schwarzburg-Rudolstadt,
einem vielgereisten erfahrenen Herrn und, wie
ein gleichzeitiger Geschichtschreiber sagt, treuen
milden Vater seiner Unterthanen, dem sonderlich“
Erhaltung des reinen Gottesdienstes am Herzen
lag, vermählt und wurde 1646 Wittwe. Durch
den letzten Willen ihres Gemahls zur Vormun—
derin ihrer Kinder und Regentin des Landes be⸗
stellt, erfullte sie ihren Beruf mit seltener Treue.
Man habe Niemanden jemals niedergeschlagenen
Angesichts von ihr gehen sehen, ruͤhmt ihr Lei⸗
chenredner ihr nach, und berichtet, wie sie in
stetem Anfblicke zu dem HErrn ihren Regenten⸗
und Mutterpflichten nachgekommen sei. Spuren
davon finden sich noch jetzt. Wir haben noch die
von ihr ausgegangenen Verordnungen, durch
welche die „Nutzlichen Fragen zu Dr. Lutheri
Katechismus“ in den Schulen eingeführt, die
Fastenexamina mit den Erwachsenen und die
Convente der Prediger vorgeschrieben wurden;
viele andere gelegeutliche und uns noch erhaltene
Ausschreiben an ihre Amtleute zeugen von ihrem
Eifer, Pfarr- und Schulstellen zu verbessern,
Kirchen zu bauen und zu erhalten. Und neben
der Sorge für das Seelenheil der Unterthanen
vergaß sie die Sorge für die eigene Seele nicht.
Es gab keine regelmäßigere und andächtigere Be⸗
sucherin des Gottesdienstes an Sonn- und Wo—
cheutagen im ganzen Lande als die Fürstin, die
jeden Tag durch Morgen- und Abendandacht, zu
der ihre gesammte Dienerschaft sich einfinden
mußte, heiligte und das Sakrament fleißig und
nie ohne andächtige Vorbereitung, der alle anderen
Geschäfte nachstehen mußten, genoß. Mit Sorg⸗
falt wachte sie über der Erziehung ihrer Kinder,
eines Sohnes, Albert Anton, und der oben ge⸗
nannten drei Töchter, zu denen noch ihre Nichte,
Emilie Juliane, Gräfin von Barby, eine vater⸗
und mutterlose Waise kam, welche später die
Gemahlin von Albert Anton wurde, die Dich-
terin von „Wer weiß wie nahe mir mein Ende;
Bis hierher hat mich Gott gebracht; Gott sei
Lob, der Tag ist kommen“ u. a. Ahasverus
Fritsch, der Verfasser der Lieder: Ists oder ist
mein Geist entzuckt; Schönster Immanuel,
Herzog der Frommen u. a. wurde von ihr zum
Hofmeister ihrer Kinder berufen und unter seiner
Leitung nahm nicht nur der Erbgraf, sondern
auch die Gräfinnen an Verständniß der reinen
Lehre und in sonstigen Kenntnissen so zu, daß die
letzteren sogar lateinische Werke berühmter Theo⸗
logen in der Ursprache lesen, ja mit dem großen!
gelehrten Gottesmanne Johann Gerhard in Jena
einen lateinischen Briefwechsel führen konnten.!
Ganz besonders war es Ludämilia Elisabeth,!
die durch ungewöhnliches Wissen, daneben durch
Ernst und Milde des Gemüths sich auszeichnete,
so daß ein alter, bewährter Dieuer des Hauses,
der Kanzler Lenz öfters ausrief: Wollte Gott,
Fränlein Ludämilia Elisabeth sollte uur ein Graf
Und neben diesen Be.
von Schwarzburg sein!
schäftigungen lernten sie von der Mutter, die eine
Meisterin in allen weiblichen Kunsten und Fer⸗
English translation
Not yet translated.