Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 24, Nummer 8 › Seite 58

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Dezember 1867, Seite 58

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 5 · Erziehung · e · Erziehung 11 · Erziehung 18 · Schule und Haus · Schule und Haus · Schule und Haus

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am Herzen liegen, als daß ihre Kinder, so viele
derselben Gott in diesem leiblichen Leben er—
halten will, keine heuchlerischen Namen- und
Maulchristen, sondern muthige Bekenner und
Zeugen und treue Nachfolger ihres HErrn und
Heilands werden mögen.

Zu solchem gottseligen Absehen und Vor⸗
haben gehören aber folgende Stücke: Zum
Ersten nämlich ist vor allen Dingen hochnöthig
und wichtig, daß christliche Eltern dies ihr Vor—
nehmen zu einem Gegenstande ernsten und be—
harrlichen Gebets machen; denn auch bei aller
treuen und weislichen Kinderzucht ist es immer
die alleinige Wirkung der freien und unverdien—
ten Gnade Gottes, wenn Kinder wohl gerathen
und in die Fußstapfen gottseliger Eltern treten.
Wollten diese Letzteren ihr Vertrauen auf ihren
frommen Fleiß in der Erziehung ihrer Kinder
setzen, so stünde ihre Sache überaus bedenklich
und gefährlich; denn Gott will und kann es
nicht leiden, daß sein Volk, auch in gerechter
Sache, auf sich selbst vertraue, wie dies Richt. 20.
das Exempel der Kinder Israel ausweis't;
denn wiewohl diese eine gerechte Sache hatten,
so wurden sie dennoch zuerst von den Kindern
Benjamins geschlagen, deren Sache ungerecht
war.

Auf der andern Seite dagegen hat Gott dem
kindlichen einfältigen Glauben in folgenden
Worten Matth. 18, 19. eine liebliche Verhei—
ßung gegeben: „Weiter sage ich euch: wo
zween unter euch eins werden auf Erden, warum
es ist, das sie bitten wollen, das soll ihnen
widerfahren von meinem Vater im Himmel.“

Warum sollten also gläubige Eltern nicht
eins werden, dem treuen Gott diese Verheißung
fleißig vorzuhalten und ihn anzuflehen, daß
keins ihrer Kinder verloren gehe, sondern alle
rechtschaffene lebendige Christen werden, die
ihren Glauben durch die Liebe bethätigen, es
sei in welchem kirchlichen oder bürgerlichen
Berufe es wolle?

Zum Andern aber ziemt es christlichen
Eltern, daß sie ihres wichtigen Berufs, ihres
hohen Adels und großen Würde in Gottes
Augen fleißig eingedenk seien; denn Gott hat
ihnen sein Bild und Ehre geschenkt, daß sie in
keinem geringen Maße seine Stellvertreter in
der Lehre und Zucht ihrer Kinder sein sollen,
dies Werk seiner Hände zu ihm zu weisen, und
gewiß ist es, gäbe es mehr wahrhaft gläubige,
christlich gesinnte Eltern, so würden die Zucht—
häuser, die Correctionsanstalten und Reform—
schulen weniger Einwohner haben, und die
vorhandenen Räume sehr wohl ausreichen, wie
es leider jetzt nicht der Fall ist; es würde dann,
unter Gottes Segen, auch mehr wahrhaft gläu—
bige, christlich gesinnte Bauern, Handwerker,
Gelehrte, Künstler, Kaufleute, Fabrikanten,
Advocaten, Beamte, Lehrer und Prediger
geben, deren Zahl leider nicht eben zuzunehmen
scheint.

Zum Dritten gilt es für solche Eltern, daß
sie von früh an ihre Kinder eben so sehr als
erbsündlich verderbte, als durch die heilige
Taufe und den Glauben in den Gnadenbund
aufgenommene und geheiligte Kinder anschauen
und darnach ihre ganze Lehre, Zucht und Ver⸗

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mahnung auch in den einzelnen Erweisungen
derselben einrichten. Darum gehört es sich,
daß sonderlich die lieben Mütter schon in den
ersten Jahren mit der Zucht des Gesetzes die
erbsündlich verderbte Natur in ihren mancherlei
Ausbrüchen mit heilsamer Schärfe angreifen,
den Ungehorsam und Eigenwillen brechen und
wenigstens den äußerlichen Gehorsam, sei es
auch durch Drohung und Ausführung von
allerlei Strafe, jedenfalls erzwingen. „Beuge
seinen Nacken, dieweil er noch klein ist,“ also
sagt Gottes Wort. Und deßgleichen: „Wer
der Ruthe schoͤnet, der hasset seinen Sohn, wer
ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn bald.“

Man unterscheide jedoch bei dieser vor—
bereitenden, aber zugleich grundlegenden Lehre
und Strafzucht, was im engeren und eigent—
lichen Sinne sündlich und unsittlich und was
überwiegend Ausbruch jugendlicher Unart und
Schuld des natürlichen Temperaments ist,
also daß man nicht Sünde und Natur durch—
einander werfe.

Hat aber das Kind sich z. B. wider ein
bestimmtes Gebot Gottes gröblicher vergangen,
so ist es der christlichen Liebe und Weisheit
der Eltern gemäß, nicht blos den strafenden
Ernst Gottes ihm so oder anders auf ange—
messene Weise fühlbar zu machen, sondern ihm
darnach aus dem Gesetz seine erbsündlich ver—
derbte Natur in dem besonderen Sündenfall
klar und anschaulich zu machen und durch Got—
tes Gnade das Gewissen zu ireffen, also daß die
Buße zu Gott im Herzen anhebe. Sodann ist
es nöthig, daß Vater oder Mutter dem kleinen
Sünder seinen HErrn und Heiland vormale,
der auch seine Schuld gebüßt und seine Strafe
getragen, auch ihm Vergebung der Sünden,
Leben und Seligkeit erworben habe. Durch
solch Evangelium wird dann durch Gottes
Gnade der Glaube wieder erweckt, die Ver—
gebung erlangt und Kraft zum neuen Gehor—
sam mitgetheilt.

Auf Näheres hierüber einzugehen, würde
nicht zu unserm Vorhaben passen; doch sei
noch diese Bemerkung schließlich vergönnt.
Es ist nämlich sehr wohlgethan, wenn tchristlich
gesinnte Eltern sich fleißig deßhalb vor Gott
schuldigen und demüthigen (dazu ihnen eben
stärkere Versündigungen ihrer Kinder hin—
reichende Gelegenheit geben), daß sie selber das
erbsündliche Grundverderben von Adam her auf
ihre Kinder übergepflanzt haben, wenn ihnen
gleich auch diese Schuld durch den Glauben an
Christum vergeben ist. Desgleichen ist es
solchen Eltern ganz nütze und heilsam, wenn sie
z. B. ihr eigenes durch die Sünde verderbtes
natürliches Temperament in ihren Kindern
wieder erkennen, dazu ihnen Gott ihre Kinder
auch als Bußspiegel zu fleißiger Selbst—
demüthigung vorhält.

Es ist nun die Frage: was haben christ—
liche Eltern zu thun, wenn ihre Kinder so weit
herangewachsen sind, um die Gemeindeschule
zu besuchen? Da liegen ihnen nun folgende
Stücke ob, wenn sie zu Nutz und Frommen
ihrer Kinder mit den Schullehrern recht ein—
trächtig zusammenwirken wollen:

Zum Ersten ist es ihre heilige Psticht und

ernste Gewissenssache, daß sie nicht ohne die
dringendste Noth die Kinder vom Besuch der
Schule abhalten. Leider ist in nicht wenigen
unserer Gemeindeschulen schwere Klage über
den schlechten Schulbesuch mancher Kinder,
in den Städten sonderlich der heranwachsenden
Mädchen, und zwar nicht blos an den Wasch⸗
tagen der Mütter, sondern auch sonstig um
leichter Ursach willen. Dasselbe findet noch
in größerem Maße auch auf dem Lande statt.
Dadurch aber kommen große Lücken in das
Wissen und Können der Kinder, was vorzüg⸗
lich bei dem Katechismus und der biblischen
Geschichte von großem Schaden ist. Dazu ler⸗
nen die Kinder aus solcher Handlungsweise der
Eltern die Schule gering achten; und tritt es
auch noch nicht klar und scharf in ihr Bewußt⸗
sein, so bekommen sie doch ein Gefühl davon,
daß es wichtiger sei, einen geringen Haus- oder
Felddienst zu thun, als in der Schule Gottes
Wort zu hören und zu lernen. Solche Eltern
aber mögen bei Zeiten wohl bedenken, daß ihre
Kinder das dreifache Eigenthum des drei—
einigen Gottes sind, der sie erschaffen, erlöst
und geheiligt hat, und daß er diese seine Gaben
ihnen nicht deshalb zur Pflege und Hut an⸗
vertraut hat, um so schnell wie möglich ihre
Kinder als bloße Arbeitsmaschinen auszunutzen
und den Eltern Geld zu verdienen; vielmehr ist
es eben der Wille des HErrn, daß sie dieselben
aufziehen in der Zucht und Vermahnung zum
HErrn, was ohne sorgfältige Unterweisung und
Ermahnung mit Gottes Wort unmöglich ist.
Die Erfahrung aber weis't zur Genüge aus,
daß gerade die Eltern, die nachlässig sind,
ihre Kinder zur Schule zu schicken, sie auch
daheim geistlich versäumen, weil sie meist gute
Mammonisten, aber schlechte Christen sind.
Umgekehrt dagegen sind gerade die Eltern,
die ihre Kinder zum fleißigen Schulbesuch
anhalten, auch daheim sorgfältig, sie mit und
nach Gottes Wort zu lehren und zu erziehen.

Was hilft es aber den armen Kindern, wenn
sie leiblich zur Nothdurft ernährt und gekleidet
werden (was ja auch heidnische Eltern thun),
wenn ihre unsterblichen, durch das Blut Christi
theuer erkauften Seelen nur hin und her mit
einzelnen Brosamen und Bruchstücken des gött—
lichen Wortes versorgt werden und niemals die
volle reine Katechismusmilch zu genügender
Sättigung bekommen? Fürwahr, solche Eltern
bestehlen ihre Kinder um das edelste Gut,
wenn sie ihnen auch noch so viel Geld und
Gut hinterlassen; und was an ihnen liegt,
gefährden sie ihrer Kinder Seelen Seligkeit,
während sie ihnen den Bauch füllen mit ihren
Gütern und eine fette Habe auf sie vererben.
Solche Eltern gefährden aber auch ihrer eige—
nen Seelen Seligkeit, wenn nicht noch bei Zei—
ten überhaupt Buße und Besserung eintritt;
denn es ist schwerlich denkbar, daß wahrhaft
bekehrte gläubige Eltern gewohnheitsmäßig
nachlässig sind, ihre Kinder zur Schule anzu⸗
halten, darin Gottes Wort gelehrt wird.

Zum Andern liegtschristlichen Eltern ob, den,
häuslichen Fleiß ihrer Kinder zu überwachen
und darüber zu halten, daß sie, wo möglich
immer zu einer bestimmten Zeit, das in der

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