Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 27, Nummer 25 › Seite 193
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. September 1871, Seite 193
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Erziehung · e · Erziehung 19 · Wiſſenſchaft 8
Vnd sprach mit großer Stim⸗
me: Fürchtet Gott, und gebet
ihm die Ehre; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
betet an den, der gemacht hat
Himmel und Erde, und Meer,
und die Wasserbrunnen.
Offenb. Joh. 14, 7.
Vid ich sahe einen Engel
fliegen mitten durch den Him⸗
mel, der hatte ein ewig Evan⸗
gelium, zu verkündigen deuen,
die auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sprachen, und
Völkern,
Ofsfenb. Joh. 14, 6.
Gottes Wort und Luthers Lehr vergehet nun und nimmermehr.
DDSSe ee
(Cerausgegeben von der Deutschen Sangelisch-Jutherischen ynode von Wissouri, Ohio u. a. Staaten.
Zeitweilig redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.
Jahrgang 27.
St. Lonis, Mo., den 1. September 1871.
No. 25.
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(Eingesandt von Director Linbemann.)
Predigt von christlicher Bildung und
2
Erziehung,
auf Wunsch der Chicago Local -Lehrer ⸗Conferenz
bei Gelegenheit der allgemeinen Lehrer ⸗Conferenz
zu Chicago am 26. Juli gehallen und auf Be⸗
schluß der Letzteren dem Druck übergeben.
Tert: 2 Cor. 12, 14.
„Denn es sollen nicht die Kinder den Eltern
Schätze sammeln; sondern die Eltern
den Kindern.“
In Gott Geliebte! Es ist wohl kein Vater,
und es gibt wohl keine Mutter, die nicht den
Wunsch hätten, ihren Kindern wenigstens Etwas
von irdischen Gütern hinterlassen zu können. Bei
gar Vielen bleibt es nicht beim Wün schen; sondern
sie sind auch im Stande, nach der Neigung ihres
Herzens zu handeln. Geschieht es nach göttlicher
Ordnung, so kann das Niemand tadeln. Was
Gott den Eltern an Geld und Gut über die Be⸗
dürfnisse des Lebens bescheert, das mögen sie getrost
heit.
als einen göttlichen Segen auf ihre Kinder ver⸗
erben. Haben sie Nichts zu hinterlassen, so sollen
sie sich deß getrösten, daß der HErr ihre Kinder
dennoch versorgen wird.
Aber dieses stille Hoffen auf die Hilfe des HErrn
ist heute so gar selten selbst inmitten der Christen⸗
Der ungöttliche irdische Sinn verblendet
viele christliche Eltern, daß sie meinen, ihre Kinder
würden jedenfalls glücklich sein, wenn sie ihnen
nur Geld und Gut zusammenraffen und hinter⸗
lassen könnten, dieselben würden aber gar un⸗
glücklich werden, wenn sie ohne reichliche Erbschaft
bleiben müßten. Sie rennen und jagen, sie
lassens sich sauer werden von früh bis spät, um
nur des Mammons müglichst viel zusammen zu
raffen, um nur, wie sie sagen, ihre Kinder sicher
zu stellen. Ach, Viele, die Christen heißen, sorgen
gar ängstlich für das leibliche Wohlergehen
ihrer Kinder, während sie nach der Seele derselben
Nichts fragen, oder sie doch nur höchst kümmerlich
versorgen! Es gilt aber auch hier das Wort:
„Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze
Welt gewönne und nähme doch Schaden an sei⸗
ner Seele?“ (Matth. 16, 26.9
Christliche Eltern sollen vornehmlich sorgen,
den Kindern solche Schätze zu sammeln, die der
Seele frommen, die einen ewigen Werth haben.
Davon redet der heilige Apostel in den verlesenen
Worten, die er, als ein geistlicher Vater, an die
Corinther richtet, welche seine geistlichen Kinder
waren. Unmittelbar zuvor erbietet er sich, zum
dritten Male zu ihnen kommen zu wollen, ohne sie
zu beschweren, d. i. ohne Sold von ihnen zu be⸗
gehren. Er spricht: „Denn ich suche nicht das
Eure, sondern euch“; d. i.: ich suche nicht durch
euch einen zeitlichen Vortheil zu erlangen, sondern
will euch selig machen. Und wenn er nun fort⸗
fährt: „Denn es sollen nicht die Kinder den
Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern den
Kindern“, so will er offenbar sagen: ich, als euer
geistlicher Vater, habe die Pflicht und sinne dar⸗
auf, euch reich zu machen an himmlischen Schätzen.
Er sagt das aber nicht blos von sich, er sagt es
von allen „Vätern“. Alle christlichen Eltern, alle
christlichen Prediger und Lehrer haben die Pflicht,
ihren „Kindern“ geistliche Schätze zu sammeln, sie
reich zu machen an himmlischen Gütern. Aller⸗
dings ist diesen ja schon in der Taufe Alles ge⸗
schenkt, was ihnen Christus erworben hat; aber
es gilt nur, Sorge zu tragen, daß dieser Schatz
bewahrt werde, daß die Kinder die himmlischen
Güter erkennen und gebrauchen, verwerthen lernen.
Sind sie dazu im Stande, dann besitzen sie eine
wahrhaftechristliche Bildung; und zu dieser
Bildung kommen sie durch eine christliche
Erziehung. Deshalb sammeln christliche El—
tern ihren Kindern himmlische Schätze, wenn sie
ihnen eine christliche Erziehung geben, um sie zu
christlicher Bildung zu führen. Und darum be—
haupte ich:
Der beste Schatz, den christliche Eltern ihren
Kindern mitgeben und hinterlassen können, ist
eine christliche Bildung und eine dahin
zielende Erziehung.
Diese Wahrheit möchte ich mit Hilfe des Hei⸗
ligen Geistes Euren Herzen einprägen, und ich
will Euch deshalb in Kürze zeigen:
I. Was denn eigentlich eineschristliche
Bildung und Erziehung istz und
II. Daß sie wahrhaftig der größte
und herrlichste Schatz ist, denschristliche
Eltern ihren Kindern mitgeben können.
J.
Jede Art von Bildung, sei sie eine geistliche
oder weltliche, eine physische oder moralische, eine
politische oder künstlerische u. s. w., erfordert vor⸗
nehmlich drei Stücke: ein bestimmtes Wissen,
ein richtiges Urtheil und eine gewisse Kunst⸗
fertigkeit. Diese drei Stücke müssen sich auch
bei der christlichen Bildung finden, d. i. bei
der Bildung, die einen getauften Menschen be⸗
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