Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 3 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-10-03, Seite 22
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wie durch tiefe Wasser gegangen (Ezech. 21, 7.). O wie eine schmerzliche Versammlung ist diese, dergleichen Friedland, so lange es gestanden, nicht gehabt! Es ist uns wahr geworden, was im Propheten Jeremias gelesen wird Cap. 30, V. 7.: „„Dies ist ein großer Tag und seines gleichen ist nicht gewesen, und ist eine Zeit der Angst in Jakob.““ Wie sehe ich aller Angesicht unter euch so voll Betrübniß! Wie sehe ich aller Augen mit Wasser fließen! Was für ein Händeaufheben, was für ein Händeringen sehe ich! Was für ein Winseln, was für eine Jammerklage habe ich im Herausgehen gehört! — Der HErr hat uns also voll Jammers gemacht um unserer Sünden willen (Klagl. 1, 5.), denn eure Augen haben sehen müssen, daß mit gewehrter Hand, mit Hochmuth und Trotz ein katholischer Meßpfaffe über mich eingeführet, daß ihm Kirche und Pfarrhaus eingeräumet und daß, ach leider! euer Heiligthum nun verunreinigt worden ist! (Klagl. 1, 10.) Es müssen eure Augen sehen mich euren Lehrer, den Tröster, der eure Seele erquicken sollte, von euch ziehen! (Klagl. 1, 16.) Darum rinnen auch meine Augen mit Thränen über den Jammer der Tochter meines Volkes. (Klagl. 3, 48.) Denn da ich sonst die über uns ergangene Verfolgung mit großer Freudigkeit habe erdulden und den Raub meiner Güter, die ich habe hinter mir lassen und an denen ich eben jetzt zum Theil habe vorübergehen müssen, ohne Bewegung verschmerzen können: so habt doch ihr mir mit euerem Weinen und Klagen mein Herz gebrochen, doch auch zugleich getröstet, daß ich habe empfinden können, wie ihr in meinem Herzen und ich in euerem Herzen sei, mit zu sterben und mit zu leben. (2 Cor. 7, 3.) Wer wollte es denn mir verargen, daß ich meinen Mund zu euch aufthue, mein Herz ferner gegen euch ausschütte und mich mit euch geletze? Ihr gehet mir aber mit eurer Liebe und Theilnahme, mit eueren Seufzern und Thränen an die Hand, daß ich meine Gedanken wende auf das Valet, welches der heilige Apostel Paulus von seinen Zuhörern genommen.“ Nachdem unser Günther in dem zweiten Theile seiner Predigt Alle, Mann und Weib, Klein und Groß, um Gottes Barmherzigkeit und der Wunden Christi willen angefleht und vermahnt hat, daß sie weder den eingeführten päbstischen Priester, noch andere dergleichen Lehrer zum Abfall, es möchte ihnen derselbe durch süße Worte oder harte Drohungen angemuthet werden, sich bewegen lassen, sondern in geduldiger Ertragung ihres Kreuzes, in Beständigkeit ihres Glaubens und in emsigem Gebete zu Gott aushalten sollten, fährt er hierauf also fort: „Höret doch, was Christus euer Heiland sagt: Wer beharret bis ans Ende, der wird selig werden. Er vermahnet treulich: Seid getreu bis in den Tod. Siehe, ich komme bald. Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme. Er vertröstet reichlich: Fürchte dich für der keinem, das du leiden wirst. Ich will dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, der wird alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein. Wer verlässet Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Aecker um meines Namens willen, der wird es hundertfältig nehmen, und das ewige Leben ererben. Wer sein Leben verlieret um meinetwillen, der wird es finden. Er dräuet aber auch schrecklich: Wer mich verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. Und: Wer sein Leben erhalten will, der wirds verlieren; und wer sich mein und meiner Worte schämet, des wird sich des Menschen Sohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und seines Vaters und der heiligen Engel. Ja, bei Mose dräut der eifrige Gott: Er wolle den Namen dessen, der von ihm und seinen Geboten weiche, unter dem Himmel austilgen und absondern zum Unglück und Fluch. 5 Mos. 29, 20. 21.“ Zuletzt bricht der Valet-Redner in die Worte aus: „Das ist meine väterliche und herzliche Vermahnung, die ich euch zum Valet hinter mir lasse. Seid wacker und gedenket daran, daß ich euch mit Thränen hierzu ermahnet habe. Sonderlich haltet ob dem Wort des Lebens, Gott zu Ehren, euch zur Seligkeit und mir zu einem Ruhme an dem Tage JEsu Christi, als der ich nicht vergeblich gelaufen, noch vergeblich gearbeitet habe (Phil. 2, 16.). Erkennet, wie ich an euch die neun Jahre über und auch jetzo diese Stunde gearbeitet habe (1 Thessal. 5, 12.). Wir stehen jetzo versammelt unter dem freien Himmel vor dem HErrn unserem Gott; so zeuge ich nun, daß ich rein bin von aller Blut; denn euere Ohren haben aus meinem Munde gehöret, wie treulich ich euch vermahnet und vor Abfall gewarnet habe. Ich habe euch vorgelegt den Segen und den Fluch, das Leben und den Tod (5 Mos. 11, 25. 30, 15.). Gott im Himmel und seine heiligen Engel, welche uns zugegen sind, dieser sichtbare Himmel, die helleuchtende Sonne, die wir über uns sehen, und dieses Feld und Erdreich, darauf unsere Füße stehen (5 Mos. 31, 28. und 1 Tim. 5, 21.), die vielen Thränen, so allerseits vergossen worden, sind des Zeugen. Würde nun Jemand unter euch vom Glauben abfallen, dem sei sein Blut über sein Haupt. (Ap. Gesch. 18, 6.) Er gedenke doch, wie er mich dort an jenem Tage ansehen werde, wenn ich wider ihn vor Christo werde zeugen müssen. Er gedenke, wie der Himmel, die Sonne und die Erde, die ich zu Zeugen aufgerufen habe, dann wider ihn stehen und ihn anklagen werden. Ja, er gedenke, wie er vor Christo, dem Richter alles Fleisches, bestehen wolle. Wie will er der Strafe entfliehen, weil er hier solche große Seligkeit nicht geachtet hat, um Gottes willen nichts hat verlassen, nichts leiden wollen? Was würde es seiner armen und verdammten Seele helfen, ob er gleich in diesem Leben die ganze Welt gewonnen hätte? Da wird ein solcher mit ewigem Ach und Weh, in unaufhörlicher Pein und unauslöschlichem Feuer erfahren müssen, was solchen Mameluken Offenb. Joh. 14, 9—11. gedräuet wird: „„So Jemand das Thier anbetet und sein Bild, und nimmt das Maalzeichen an seine Stirn und an seine Hand (d. i. wer zu des Antichrists Lehre treten und dieselbe annehmen wird): der wird von dem Weine des Zornes Gottes trinken, der eingeschenkt und lauter ist in seines Zornes Kelch; und wird gequälet werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln, und vor dem Lamm; und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht.““ Ich bezeuge daher nochmals vor Gott und euch, an diesem heutigen Tage und zu dieser Stunde, daß ich rein bin von eines solchen Menschen Blut. Das Wort, das ich geredet und er jetzt mit seinen Ohren gehöret, das wird mich entschuldigen und ihn richten am jüngsten Tage. Ich aber bitte mit Thränen zu meinem Gott, er wolle solches verhüten und mich meines Wunsches gewähren: Utinam nemo auditorum meorum pereat! Ach, daß Niemand unter meinen gewesenen Zuhörern abfallen und ewig verloren werden möge!“ Endlich schließt er also: „Ob wir zwar nunmehro dem Leibe nach geschieden sein müssen, so wollen wir doch mit dem Gemüthe und Herzen, wie auch mit dem lieben Gebete, allezeit beisammen und in dem HErrn Christo eins sein und bleiben, bis uns der barmherzige Gott dermaleins wiederum nach seinem gnädigen Willen erfreue, wo nicht in diesem, doch in jenem Leben, da ihr denn meine Freude, Ruhm und Krone sein werdet, vor unserem HErrn JEsu Christo. Und nun befehle ich euch, o erwünschte Brüder und Schwestern! Gott und dem Worte seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter Allen, die geheiliget werden. Er wolle euch auch fest behalten bis ans Ende, daß, wie er in euch angefangen hat das gute Werk und euch das Wollen gegeben, ers auch vollführe und das Vollbringen in euch wirke nach seinem Wohlgefallen, euch durch und durch heilige und unsträflich behalte bis auf die Zukunft unseres HErrn JEsu Christi. Getreu ist er, der euch berufen hat, welcher wird's auch thun; ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der HErr segne euch und behüte euch. Der HErr erleuchte sein Angesicht über euch und sei euch gnädig. Der HErr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden, vornehmlich den geistlichen und Seelenfrieden. Der HErr segne euch je mehr und mehr, euch und euere Kinder. (Ps. 115, 14.) Amen.“
Nach beendigter Predigt ermahnte er die Versammelten, mit ihm auf die Kniee niederzufallen, worauf er also betete: „Gerechter und barmherziger Gott und Vater, wir liegen vor dir auf unserem Angesicht in höchster Betrübniß und Schmerzen und beweinen bitterlich vor dir das große Uebel, das uns und unsere Kinder betroffen hat. Denn wir sind nun wie die Waisen, die keinen Vater haben; den Tröster, der unsere Seelen erquicken sollte, sollen wir nicht mehr haben. Unser Herz ist betrübt und unsere Augen sind trübe geworden, ja das ganze Land ist finster vor Angst. Du HErr bist gerecht — denn wir sind deinem Munde ungehorsam, wir sind dir für dein heiliges Wort undankbar gewesen. Aber, o barmherziger Vater! um aller deiner Güte willen siehe an, wie deine und unsere Widersacher so hart toben, wie
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as through deep waters (Ezek. 21, 7.). O what a sorrowful assembly is this, the like of which Friedland, as long as it has stood, has not had! That has come true for us which is read in the prophet Jeremiah, chap. 30, v. 7.: "Alas! for that day is great, so that none is like it: it is even the time of Jacob's trouble." How I see the countenance of you all so full of affliction! How I see the eyes of you all flowing with water! What a lifting up of hands, what a wringing of hands I see! What a wailing, what a lamentation I heard as I came out! — The Lord has thus made us full of misery for the sake of our sins (Lam. 1, 5.), for your eyes have been obliged to see that with a weapon in hand, with arrogance and defiance, a Catholic mass-priest was set over me, that church and parsonage were surrendered to him, and that, alas! your sanctuary has now been defiled! (Lam. 1, 10.) Your eyes must see me, your teacher, the comforter who should refresh your soul, depart from you! (Lam. 1, 16.) Therefore mine eyes also run down with tears for the destruction of the daughter of my people. (Lam. 3, 48.) For whereas I otherwise bore the persecution that came upon us with great cheerfulness, and was able to bear without emotion the plunder of my goods, which I had to leave behind me and by which I had just now in part to pass: yet you, with your weeping and lamenting, have broken my heart, yet have also at the same time comforted it, so that I have been able to perceive how you are in my heart and I in your heart, to die and live with you. (2 Cor. 7, 3.) Who then would take it amiss in me that I open my mouth unto you, pour out my heart further toward you, and refresh myself with you? You, however, with your love and sympathy, with your sighs and tears, lend me a hand, that I turn my thoughts to the farewell which the holy Apostle Paul took of his hearers." After our Günther, in the second part of his sermon, had implored and admonished all, man and woman, small and great, for the sake of God's mercy and of the wounds of Christ, that they should not let themselves be moved to apostasy, either by the papistical priest who had been introduced, or by other such teachers, whether it be urged upon them by sweet words or harsh threats, but should hold out in patient bearing of their cross, in steadfastness of their faith, and in diligent prayer to God, he proceeds thereupon as follows: "Hear then what Christ your Saviour says: He that endureth to the end shall be saved. He admonishes faithfully: Be thou faithful unto death. Behold, I come quickly. Hold that fast which thou hast, that no man take thy crown. He comforts richly: Fear none of those things which thou shalt suffer. I will give thee a crown of life. He that overcometh shall inherit all things; and I will be his God, and he shall be my son. Whosoever forsaketh houses, or brethren, or sisters, or father, or mother, or wife, or children, or lands, for my name's sake, shall receive a hundredfold, and shall inherit everlasting life. He that loseth his life for my sake shall find it. He threatens also terribly: Whosoever shall deny me before men, him will I also deny before my Father which is in heaven. And: Whosoever will save his life shall lose it; and whosoever shall be ashamed of me and of my words, of him shall the Son of man also be ashamed, when he shall come in his glory, and in his Father's, and of the holy angels. Yea, through Moses the jealous God threatens: He will blot out the name of him that turneth away from him and his commandments from under heaven, and separate him unto evil and curse. Deut. 29, 20. 21." Last of all the farewell speaker breaks out in these words: "This is my fatherly and hearty admonition, which I leave behind me to you at my departure. Be vigilant and remember that I have admonished you hereunto with tears. Above all hold fast to the word of life, to the honor of God, to your salvation, and to me for a rejoicing in the day of Jesus Christ, that I have not run in vain, neither laboured in vain (Phil. 2, 16.). Know how I have laboured among you these nine years and also now this hour (1 Thess. 5, 12.). We stand now assembled under the open heaven before the Lord our God; so I testify now that I am pure from the blood of all; for your ears have heard from my mouth how faithfully I have admonished you and warned you against apostasy. I have set before you the blessing and the curse, life and death (Deut. 11, 25. 30, 15.). God in heaven and His holy angels, who are present with us, this visible heaven, the bright-shining sun which we see above us, and this field and earth on which our feet stand (Deut. 31, 28. and 1 Tim. 5, 21.), the many tears that have been shed on all sides, are witnesses of it. Should any one among you fall away from the faith, let his blood be upon his own head. (Acts 18, 6.) Let him consider how he will look upon me yonder on that day, when I shall have to bear witness against him before Christ. Let him consider how heaven, the sun and the earth, which I have called to witness, will then stand against him and accuse him. Yea, let him consider how he will stand before Christ, the Judge of all flesh. How will he escape the punishment, since he has here not regarded so great a salvation, and for God's sake has forsaken nothing and been unwilling to suffer anything? What would it profit his poor and damned soul, though he had gained the whole world in this life? There such a one with eternal woe and misery, in unceasing pain and unquenchable fire, will have to learn what is threatened to such Mamelukes, Rev. 14, 9—11.: 'If any man worship the beast and his image, and receive his mark in his forehead, or in his hand (that is, whoever shall turn to the doctrine of Antichrist and accept the same): the same shall drink of the wine of the wrath of God, which is poured out without mixture into the cup of his indignation; and he shall be tormented with fire and brimstone in the presence of the holy angels, and in the presence of the Lamb: and the smoke of their torment ascendeth up for ever and ever: and they have no rest day nor night.' I testify therefore once more before God and you, on this present day and at this hour, that I am pure from the blood of such a man. The word which I have spoken and which he has now heard with his ears will excuse me and judge him at the last day. But I beseech my God with tears that He would prevent this and grant me my wish: Utinam nemo auditorum meorum pereat! Ah, that none among my former hearers might fall away and be lost eternally!" At last he concludes thus: "Although we must now be parted in body, yet let us in mind and heart, and also in dear prayer, be always together and remain one in the Lord Christ, until the merciful God at some time again, according to His gracious will, gladden us, if not in this, yet in that life, where you then shall be my joy, rejoicing and crown, before our Lord Jesus Christ. And now I commend you, O longed-for brethren and sisters, to God and to the word of His grace, which is able to build you up and to give you an inheritance among all them which are sanctified. May He also keep you fast unto the end, that, as He hath begun a good work in you and given you the will, He may also perform it and work in you the doing of it, according to His good pleasure, sanctify you wholly and preserve you blameless unto the coming of our Lord Jesus Christ. Faithful is He that calleth you, who also will do it; to Him be honor from everlasting to everlasting. The Lord bless you and keep you. The Lord make His face shine upon you and be gracious unto you. The Lord lift up His countenance upon you and give you His peace, especially spiritual peace and peace of soul. The Lord bless you more and more, you and your children. (Ps. 115, 14.) Amen."
After the sermon was ended he exhorted the assembled to fall down upon their knees with him, whereupon he prayed thus: "Righteous and merciful God and Father, we lie before Thee upon our face in utmost affliction and sorrow, and weep bitterly before Thee over the great evil that has befallen us and our children. For we are now as the fatherless, who have no father; the comforter who should refresh our souls we shall have no more. Our heart is troubled and our eyes are grown dim, yea, the whole land is dark with anguish. Thou Lord art righteous — for we have been disobedient to Thy mouth, we have been ungrateful to Thee for Thy holy Word. But, O merciful Father! for the sake of all Thy goodness behold how Thine adversaries and ours rage so fiercely, how