Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 4 › Seite 26
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-10-17, Seite 26
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeéordnungen 1 · Zeremonien 3 · Zeremonien 4 · Zeremonien 7
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den Taufgeräths ist genugsam angezeigt, welchen geringen Werth die heiligen Sacramente in den Augen solcher Gemeinden haben, da schon in der kirchlichen Einrichtung des Gotteshauses nichts an ihre Wichtigkeit erinnert; und schon beim Eintritt z. B. eines entschiedenen und verständigen Lutheraners von drüben in solche Kirchen muß es ihm fast scheinen, als ob schon in dieser reformirten Anordnung ihres Kirchhauses die lutherische Gemeinde der Lehre der Reformirten von den heiligen Sacramenten beipflichte, daß sie bloß äußerliche inhaltsleere Zeichen und Sinnbilder, aber keine wesentlichen Gnadenmittel seien.
Wie wird ihm aber erst zu Muthe, wenn er in solcher Kirche dem Gottesdienste beiwohnt? Da tritt ihm nirgends der Diener der Kirche in lieblicher Wechselwirkung und Vereinigung mit der Gemeinde entgegen, um z. B. in gesalbten Gebeten, Bitten, Fürbitten und Danksagungen ꝛc., welche den Gesammtglauben der Kirche ausdrücken, dem HErrn geistliche Opfer darzubringen, oder am Altar die Segnungen des HErrn im verlesenen Wort Gottes, im gesprochenen Segen, in der Austheilung der heiligen Absolution und des heiligen Abendmahls der Gemeinde zu spenden, sondern ein Mann in seinem schwarzen Frack hält auf gut reformirt auf der Kanzel vor und nach Gesang und langer Predigt mehrmalige lange sogenannte freie Herzensgebete, die im besten Falle Gebetsgeist haben, aber doch schwerlich das Gesammtbedürfniß der Gemeinde überall treffen und den Glauben der Kirche ausdrücken, sondern mehr seine persönliche Stimmung und Empfindung ausdrücken, im schlimmsten Falle aber ungesalzne und ungesalbte Betrachtungen sind, die nur in die Gebetsform gekleidet werden und herzlichen Ekel und Langeweile erregen. Desgleichen findet beim heiligen Abendmahl fast überall Brechen des Brotes und die unirte Spendungsformel: „Christus spricht“ und andere reformirte Formen statt.
Wie sollen sich nun bekenntnißtreue und verständige Lutheraner halten, die Angesichts dieser Uebermacht der reformirten Form in dem Gottesdienste der ältern hiesigen lutherischen Gemeinden zu einer Gemeinde zusammentreten und das heilige Predigtamt aufrichten wollen? Wie sollen sie sich in der Anordnung des öffentlichen Gottesdienstes weislich ihrer Freiheit bedienen? Werden sie es etwa den umgebenden lutherischen Gemeinden nachmachen dürfen, sei es auch, daß diese aus Unwissenheit, und nicht aus bösem Willen, in jene reformirten Formen hineingerathen sind?
Nicht also; denn jedenfalls wäre es ein Mißbrauch der christlichen Freiheit, solche Ceremonien festzusetzen, welche entweder den Abfall von der reinen Sacramentslehre der lutherischen Kirche und die Annahme der reformirten Irrlehre bezeugen und ausdrücken, wie dies thatsächlich bei der sogenannten lutherischen Generalsynode der Fall ist, oder die doch den bösen Schein haben, als sei man gleichgültig um die reine Lehre, ja neige sich eigentlich doch der falschen der Reformirten zu und strebe an, die gottlose, schriftwidrige Union unsrer Tage zwischen Lutheranern und Reformirten aufzurichten, wie dies fast in allen andern Synoden also aussieht. Und welche von ihnen könnte diesem bösen Schein entrinnen, wenn sie reformirte Ceremonien angenommen hat und beibehält?
Hiesige Lutheraner also, die da wissen, was sie sind und was sie sollen, und die erkennen, wie die gottesdienstlichen Formen und Bräuche der reinen Lehre entsprechen, nicht aber den bösen Schein haben sollen, die falsche zu begünstigen — solche Lutheraner würden nun freilich in dem Zusammentritt zu einer Gemeinde und in der Aufrichtung des heiligen Predigtamtes unter sich auch für die Anordnung der gottesdienstlichen Ceremonien gar bald eins sein, nur solche einzuführen, die der reinen Lehre gemäß sind; und so lange der wieder erwachende Geist des Bekenntnisses sich hier zu Lande noch keine besonderen amerikanisch-lutherischen Formen in der Ausrichtung des öffentlichen Gottesdienstes gebildet hat, würden sie natürlich solche annehmen, welche die lutherische Kirche in Deutschland in ihrer bessern Zeit als Ausdruck der reinen Lehre zur Erbauung der Gemeinde und zur kirchlichen Zucht und Gewöhnung des heranwachsenden Geschlechts gehandhabt hat.
Aber freilich solche Lutheraner möchten sich hier schwerlich irgendwo auf einem Haufen zusammenfinden, es sei denn, daß sie als zusammentretende Gemeinlein vielleicht aus denselben Gauen des deutschen Vaterlandes auswandern.
Wo aber dies nicht der Fall ist, da geschieht es meist also, daß z. B. in einer mittelmäßigen Stadt, wie etwa Chicago und Detroit, Lutheraner von allerlei Stufen der Erkenntniß und aus allerlei Ländern zusammenfließen, Süddeutsche, Mitteldeutsche, Norddeutsche — Lutheraner, welche außer dem verschiedensten Herzensstande, der verschiedensten Erkenntniß und der verschiedensten gottesdienstlichen Gewöhnung dennoch eine Gemeinde bilden und das heilige Predigtamt unter sich aufrichten wollen.
Wo nun ein lutherischer Prediger wirklich von ihnen berufen wird, wie wird sich dieser in Hinsicht auf die Einrichtung des öffentlichen Gottesdienstes zu halten haben? Wird er ihn etwa kraft amtlicher Machtvollkommenheit nach seinem Belieben anordnen dürfen? Nicht also; denn in diesem Stück des Kirchenregiments hat auch die Gemeinde ihren Antheil. Oder wird er sich hier allein seiner christlichen Freiheit bedienen und je nach seiner Abstammung, Auferziehung und Gewöhnung, oder nach irgend seinem besondern Geschmack und Vorliebe die Gottesdienste einrichten dürfen? Das sei ferne. Wir Prediger sollen auch darin Vorbilder der Gemeinde sein, durch die Liebe unsre Freiheit zu binden, unsern Kirchkindern zu gefallen, wo es Mitteldinge betrifft und wir nicht dadurch auch nur mittelbar das Bekenntniß verletzen. Wie soll es nun also geschehen? Dergestalt, daß der Prediger, nachdem er ordentlich (d. i. nicht zeit- und miethweise) und auf Grund der kirchlichen Bekenntnißschriften berufen wurde, zweierlei thut. Das Eine nämlich ist, daß er seine Heerde über den Zusammenhang zwischen der reinen Lehre und ihrem erbaulichen Ausdruck in den Formen des öffentlichen Gottesdienstes näher unterweise und darnach auf jene reformirte Mißgestalt in der gemeinsamen Gottesverehrung der meisten hiesigen lutherischen Gemeinden aufmerksam mache und nachweise, wie dadurch so leicht der böse Schein entstehe, durch Annahme reformirter Bräuche auch der reformirten Lehre zu huldigen, und wie hier die christliche Freiheit nicht anwendbar sei, sondern die Nothwendigkeit und die Gewissenspflicht entstehe, um des reinen und folgerichtigen Bekenntnisses wegen nicht bloß die reformirten Ceremonien zu meiden, sondern auch durch Aufrichtung lutherisch-kirchlicher Ceremonien ein Thatbekenntniß für die reine und wider die falsche Lehre abzulegen.
Das Andere, was einem treuen und besonnenen Diener der lutherischen Kirche ferner obliegt, ist dieses, daß er der Gemeinde eine gesunde, erbauliche Form eines lutherisch-kirchlichen Gottesdienstes vorschlage und sie zugleich über die Bedeutung der einzelnen Stücke und deren Zusammenhang näher unterweise. Bei diesem Vorschlage nun wird er natürlich sehr Rücksicht zu nehmen haben auf Willigkeit, Verstand und bisherige gottesdienstliche Gewöhnung der Mehrzahl seiner Kirchkinder und es wäre z. B. nicht weislich und sachdienlich gehandelt, wenn etwa der größte Theil der Gemeinde aus Schwaben herstammte, er selber aber aus Sachsen oder Norddeutschland, daß er alsbald z. B. die reichen und vollständigen Altardienste der sächsisch-lutherischen Kirche zur sofortigen Annahme vorschlüge.
Angenommen aber, der Pastor wäre, wenn gleich nicht mit Absicht und Vorbedacht, so doch aus Leidenschaftlichkeit und Uebereilung, in solchen etwas unweislichen Vorschlag gerathen — wie hat er sich zu verhalten, wenn z. B. die Süddeutschen wider seine Annahme sich erklären und auch bei diesem Widerstande beharren? Meines Erachtens hängt sein darauf folgendes Verfahren ganz davon ab, wie der Widerspruch beschaffen sei? Ist dieser nämlich der Art, daß die Gegner nichts weiter sagen, als daß ihnen jene vorgeschlagene Weise des Gottesdienstes noch zu fremd und neu sei, um sie zu erbauen, da sie in Deutschland nicht daran gewöhnt seien und deshalb wünschten, daß man sie noch nicht einführe: so, achte ich, muß der Prediger und der andere Theil ihnen zu Liebe weichen, selbst wenn die Protestirenden die Minderzahl wären; dann gilt es nach Römer 14. und 1 Cor. 8, 9. die Freiheit zu binden um der Liebe willen, vorausgesetzt, daß die Leute keine reformirten, oder unionistische Ceremonien begehren.
Ist der Widerspruch aber der Art, daß die Gemeindeglieder behaupten, dieser oder jener Theil der vorgeschlagenen Ceremonien, wie z. B. das Crucifix auf dem Altar und das Zeichen des Kreuzes beim Segen, bei der Consecration des Brodes und Weines im heiligen Abendmahl, bei der heiligen Taufe und desgleichen sei „schriftwidrig und papistisch“, wie der Einsender jenes Reiseberichts und Herr Dr. Kurz und mehr oder minder wohl alle die ganze sogenannte lutherische Generalsynode derselben Ansicht sind, so muß der lutherische Prediger sie darüber zunächst gründlich und sanftmüthig belehren und ihnen
English translation AI translation
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of a baptismal vessel it is sufficiently indicated how little value the holy Sacraments have in the eyes of such congregations, since already in the churchly arrangement of the house of God nothing reminds one of their importance; and already upon entering, for example, of a decided and intelligent Lutheran from over there into such churches, it must seem to him almost as though already in this Reformed arrangement of their church building the Lutheran congregation assented to the doctrine of the Reformed concerning the holy Sacraments, that they are merely outward, empty signs and symbols, but no essential means of grace.
But how will he feel when he attends divine service in such a church? There the minister of the Church nowhere meets him in lovely interchange and union with the congregation, in order, for example, in anointed prayers, petitions, intercessions and thanksgivings, etc., which express the common faith of the Church, to offer spiritual sacrifices to the LORD, or at the altar to dispense to the congregation the blessings of the LORD in the read Word of God, in the spoken benediction, in the administration of the holy Absolution and of the holy Lord's Supper; but a man in his black coat holds in good Reformed fashion in the pulpit, before and after the hymn and long sermon, repeated long so-called free prayers of the heart, which in the best case have the spirit of prayer, but yet hardly meet the common need of the congregation everywhere and express the faith of the Church, but rather express his personal mood and feeling, and in the worst case, however, are unsalted and unanointed meditations, which are merely clothed in the form of prayer and arouse hearty disgust and tedium. Likewise at the holy Lord's Supper the breaking of the bread takes place almost everywhere, and the unionist formula of distribution: "Christ says," and other Reformed forms.
How, then, shall confessionally faithful and intelligent Lutherans conduct themselves who, in view of this predominance of the Reformed form in the divine service of the older Lutheran congregations here, wish to come together into a congregation and establish the holy preaching office? How shall they wisely use their liberty in the ordering of public divine service? Shall they perhaps be allowed to imitate the surrounding Lutheran congregations, even though these have fallen into those Reformed forms out of ignorance, and not out of ill will?
Not so; for in any case it would be an abuse of Christian liberty to establish such ceremonies as either testify and express the falling away from the pure doctrine of the Sacraments of the Lutheran Church and the adoption of the Reformed false doctrine, as this is actually the case with the so-called Lutheran General Synod, or which at least have the evil appearance as though one were indifferent about the pure doctrine, yes, as though one inclined in fact to that of the Reformed, which is false, and aimed at setting up the godless, unscriptural Union of our days between Lutherans and Reformed, as it appears to be in almost all other synods. And which of them could escape this evil appearance if it has adopted and retains Reformed ceremonies?
Lutherans here, therefore, who know what they are and what they ought to be, and who recognize how the forms and customs of divine service correspond to the pure doctrine, but ought not to have the evil appearance of favoring the false — such Lutherans would indeed, in coming together into a congregation and in setting up the holy preaching office among themselves, very soon be agreed also concerning the ordering of the ceremonies of divine service, to introduce only such as are in accord with the pure doctrine; and so long as the reawakening spirit of confession has not yet formed in this country any particular American-Lutheran forms in the conduct of public divine service, they would naturally adopt such as the Lutheran Church in Germany, in her better time, has used as an expression of the pure doctrine, for the edification of the congregation and for the churchly discipline and training of the rising generation.
But to be sure, such Lutherans would hardly be likely to gather in a body anywhere here, unless perhaps as little congregations they emigrate from the same districts of the German fatherland.
But where this is not the case, it usually happens thus: that, for example, in a middling city, such as Chicago and Detroit, Lutherans of all sorts of degrees of knowledge and from all sorts of countries flow together, South Germans, Central Germans, North Germans — Lutherans who, besides the most diverse state of heart, the most diverse knowledge, and the most diverse accustomedness in worship, nevertheless wish to form one congregation and to set up the holy preaching office among themselves.
Where now a Lutheran preacher is actually called by them, how will he have to conduct himself with regard to the arrangement of public divine service? Will he perhaps be permitted to ordain it by virtue of official plenary authority according to his pleasure? Not so; for in this part of church government the congregation also has its share. Or will he here use his Christian liberty alone and be allowed to arrange the services according to his descent, upbringing, and habit, or according to any peculiar taste and preference of his own? Far be it. We preachers ought also in this to be examples to the congregation, to bind our liberty through love, to please our parishioners where matters indifferent are concerned and we do not thereby, even indirectly, violate the Confession. How, then, shall it now come about? In this way, that the preacher, after he has been called regularly (that is, not for a term or for hire) and on the basis of the churchly Confessional Writings, does two things. The one, namely, is that he instruct his flock more closely about the connection between the pure doctrine and its edifying expression in the forms of public divine service, and thereafter call attention to that Reformed deformity in the common worship of God of most of the Lutheran congregations here, and show how thereby the evil appearance so easily arises of also doing homage to the Reformed doctrine by adopting Reformed customs, and how here Christian liberty is not applicable, but the necessity and the duty of conscience arise, for the sake of the pure and consistent Confession, not merely to avoid the Reformed ceremonies, but also, by setting up Lutheran-churchly ceremonies, to make a confession in deed for the pure doctrine and against the false.
The other thing which further devolves upon a faithful and prudent servant of the Lutheran Church is this, that he propose to the congregation a sound, edifying form of Lutheran-churchly divine service and at the same time instruct them more closely concerning the significance of the individual parts and their connection. In this proposal he will naturally have to take great regard for the willingness, understanding, and hitherto accustomed worship of the majority of his parishioners, and it would be, for example, not wise and expedient conduct if, say, the greater part of the congregation came from Swabia, but he himself from Saxony or North Germany, that he should at once, for example, propose for immediate adoption the rich and complete altar services of the Saxon-Lutheran Church.
Supposing, however, that the pastor had fallen into such a somewhat unwise proposal, though not with intention and forethought, yet from passion and haste — how is he to conduct himself if, for example, the South Germans declare themselves against his proposal and persist also in this resistance? In my judgment his subsequent course depends altogether on how the opposition is constituted. If it is, namely, of such a kind that the opponents say nothing further than that that proposed manner of divine service is still too strange and new to them to edify them, since they are not accustomed to it in Germany and therefore wish that it not yet be introduced: then, I judge, the preacher and the other part must yield to them out of love, even if the protesters were the minority; then, according to Romans 14 and 1 Cor. 8, 9, the thing to do is to bind liberty for love's sake, provided that the people desire no Reformed or unionistic ceremonies.
But if the opposition is of such a kind that the members of the congregation maintain that this or that part of the proposed ceremonies, as for example the crucifix on the altar and the sign of the cross at the benediction, at the consecration of the bread and wine in the holy Lord's Supper, at holy Baptism and the like, is "unscriptural and papistic," as the sender of that traveler's report and Dr. Kurz and more or less probably all the whole so-called Lutheran General Synod are of the same opinion, then the Lutheran preacher must first instruct them about it thoroughly and gently, and to them