Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 4 › Seite 27
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-10-17, Seite 27
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeremonien 5 · Zeremonien 7
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nachweisen, daß sie irriger Meinung sind. Er muß sie darüber näher berichten, wie jene von ihnen verworfenen Bräuche und Weisen älter als das Pabstthum seien und aus der besten Zeit der Kirche herstammten; wie ferner das Crucifix eine stumme, aber doch mächtige Predigt von dem Gekreuzigten und das Zeichen des Kreuzes nicht minder eine liebliche Erinnerung an denselben und ein Zeichen des Bekenntnisses zu ihm sei, und deshalb für den einfältigen, gläubigen Christen bedeutsam und erbaulich sei. Daß aber bei den Römisch-Katholischen sich Irrthum und Mißbrauch daran geheftet habe, als sei es keine Sünde, dem Crucifix und Heiligenbildern eine Art besonderer Verehrung zu beweisen, um der dargestellten Personen willen, und als sei das Kreuzeszeichen und andere Ceremonien gleich wesentlich mit der reinen Predigt des göttlichen Wortes, — das benehme ihnen nichts von ihrer Erbaulichkeit und ihrer lieblichen, die Andacht erweckenden und stärkenden Kraft und Bedeutsamkeit, falls nur die reine evangelische Lehre über diese Mitteldinge im Schwang gehe; der Mißbrauch derselben hebe ja nirgends und niemals den rechten Gebrauch auf; und da zwischen der papistischen und lutherischen Lehre der Kirche eine weit größere Kluft befestigt sei, als zwischen der letztern und der reformirten, so sei viel weniger Gefahr vorhanden, durch die Annahme jener Bräuche in den Schein des Römischen, als durch die Nachahmung reformirter Ceremonien in den Verdacht zu gerathen, die reformirte Lehre zu billigen; und dieser letzte Verdacht liege um so näher, da hüben und drüben die falsche schriftwidrige Union zwischen Lutheranern und Reformirten so eifrig betrieben würde. Bleiben nun aber trotz all' dieser Berichtigung jene Lutheraner bei ihrer alten Behauptung, jene und ähnliche gottesdienstliche Bräuche seien nun einmal und blieben auch „schriftwidrig und papistisch“ und es sei deshalb Sünde, sie einzuführen, und beharren sie — jetzt nun nicht mehr in Unwissenheit,*) sondern in Bosheit — bei diesem Satz: so soll und darf ihr Prediger und der ihm gleichgesinnte Theil der Gemeinde ihnen nicht weichen und müssen sich lieber gefallen lassen, daß jene sich scheiden; denn weichen sie ihnen, so würden sie auf folgende Weise sündigen:
Zum Ersten gäben sie den Schein, als billigten sie doch jene falsche Behauptung, obige Ceremonien seien „schriftwidrig und papistisch, und es sei Sünde, sie anzunehmen“. Damit aber bestätigten sie eine falsche Lehre, indem wesentlich nur das Sünde ist, was wider Gottes Gebote ist. Ceremonien aber, sofern sie nicht wider die Schrift sind (wie z. B. das römische Meßopfer), sind Mitteldinge, die Gott der christlichen Kirche weder geboten noch verboten hat und ohne Beschädigung des Gewissens nach Umständen gehalten oder gelassen werden können. Wer aber das Halten oder Lassen derselben an sich entweder zum Gesetz, oder zur Sünde machte, der verdunkelte und entstellte zunächst die evangelische Lehre von der christlichen Freiheit und verunreinigte damit den ganzen Lehrbegriff.
Zum Andern aber bestätigten sie auch durch jenes Weichen nicht nur die erwähnte falsche Lehre und sündigten somit wider Gottes Wort und die reine Lehre, sondern sie verkauften zugleich thatsächlich um Menschengefälligkeit den edeln theuern Schatz ihrer evangelischen Freiheit und würden zu Menschenknechten. Denn dieses geschähe unleugbar in That und Wahrheit, wenn sie das Annehmen jener Ceremonien, die doch nicht Sünde, sondern der evangelischen Freiheit unterworfen sind, sich zur Sünde machen ließen.
Zum Dritten stärkten sie ihre Gegner in ihrem Muthwillen und ihrer Bosheit und schnitten ihnen selbst die Gelegenheit ab, auch von dieser Seite her zur Erkenntniß ihrer Sünde und zu wahrer evangelischer Erleuchtung zu gelangen.
Zum Vierten gäben sie den bekenntnißtreuen und evangelisch-klaren Lutheranern ihrer und anderer Gemeinden durch solche sündhafte Schwäche und Menschelei kein geringes Aergerniß.
Endlich aber könnte es auch leichtlich geschehen, daß sie durch ihr Schweigen und Weichen den Widersachern dazu förderlich wären, den Artikel von der Rechtfertigung zu verletzen; denn wer z. B. wider die heilige Schrift das Annehmen jener Bräuche für Sünde hält, der hält eben so leicht das Lassen derselben für etwas Verdienstliches und richtet, wenn auch vorläufig stillschweigend und im Geheimen, eine Art Eigenverdienste neben Christi Verdienst auf.
Haben nun jene Lutheraner in Detroit, die sich um des Crucifixes, der brennenden Lichter und dergleichen willen von der Gemeinde trennten, auf die letzterwähnte Art widersprochen und sind sie darin geblieben trotz genugsamer Belehrung: so ist's ihrem bösen Willen recht geschehen, daß ihnen nicht gewichen wurde; und mögen sie nun einzeln verdorren oder zu dieser oder jener Secte fallen oder eine neue bilden, der Prediger und die Gemeinde — sei diese die Mehr- oder Minderzahl — sind entschuldigt; jener Blut komme über ihr Haupt. Fände aber der erste obige Fall statt, daß die Mißvergnügten sich mehr aus Unwissenheit und Ungewöhnung gegen die sofortige Annahme jener Bräuche geweigert hätten, ohne die Beschuldigung zu erheben und festzuhalten, letztere seien „schriftwidrig und papistisch“: — so hätten der Prediger und die Gleichgesinnten sich schwer an ihnen versündigt und ihr schwaches Gewissen geschlagen, gröblich wider die Liebe gefehlt, auf fleischliche Weise die eigne Freiheit geltend gemacht, muthwillig Spaltung und Zertrennung angerichtet, den Leib Christi zerrissen und die wahren und treuen Lutheraner, die solches sehen und hören, bitter geärgert und gekränkt.
Und auch wir sogenannten Altlutheraner von der Missouri-Ohio-Synode wollen alles Ernstes unser Zeugniß darüber erhoben haben, indem wir jene Handlungsweise als durchaus unchristlich, unevangelisch und unlutherisch verwerfen müßten; ja wir könnten die Schuldigen nicht eher als echte und ungefälschte Brüder wieder anerkennen, bis sie nicht die Beleidigten herzlich um Verzeihung gebeten und, was an ihnen ist, den Frieden wiederhergestellt und zur brüderlichen Versöhnung und Heilung des Bruchs das Ihre beigetragen hätten.
Ja, wir müßten dann dem Herrn Dr. Kurtz beipflichten (obschon wir ihn fast summarisch als Stimmführer der „falschen Brüder“ d. i. der von der reinen lutherischen Lehre ab- und der falschen reformirten zugefallnen sogenannten lutherischen Generalsynode verwerfen müssen), daß durch jene ungerechte Handlungsweise die Gekränkten um so leichter den geistlichen Parteigängern und Freibeutern und sonderlich den deutschen Methodisten in ihre Netze und Schlingen gerathen und die lutherische Kirche in Detroit durch unweislichen, fleischlichen Eifer sich also selbst zerstöre.
Wir unsrerseits hoffen nun, durch diesen Aufsatz uns theils von dem möglichen Verdachte gereinigt zu haben, als billigten und befolgten wir (als sogenannte Altlutheraner) gleichfalls jene gerügte Handlungsweise und setzten das Wesen der lutherischen Kirche in die möglichst schnelle, sei es auch unevangelischerweise geschehene, Aufrichtung altlutherischer kirchlicher Ceremonien; theils hoffen wir die Unsern und andere aufrichtige und wahrheitsliebende Leser von dem hochwichtigen Artikel der christlichen Freiheit und dem grundsätzlichen Verfahren bei seiner praktischen Anwendung für kirchliche Ceremonien etwas näher berichtet zu haben.
Was übrigens insonderheit das arme unschuldige Crucifix oder ein Christusbild am Kreuz und dergleichen betrifft, das in Dr. Kurtz' Munde so ungerecht die Missethat des Pabstthums tragen muß, so ist daraus ersichtlich, wie Herr Dr. Kurtz und die Seinen der falschen Geistlichkeit der Reformirten auch in diesem Stücke zur Beute geworden sind und den gesunden evangelischen Blick der echten Lutheraner verloren haben. Uebrigens wollten wir ihnen und uns von Herzen wünschen, daß wir diese höchste Liebesthat Gottes durch die Kreuzigung seines Sohnes im Wort (wenngleich in einem Nacheinander) ebenso möchten unsern Gemeinden vor die Augen malen und zu lebendiger Anschauung bringen, als es im Crucifix die bildende Kunst mit Einem Mal thut.
Wollte Gott, der Schreiber dieses hätte mit seinem leiblichen und geistigen Auge auf einem vorhandenen Crucifix einen Ruhe- und Erquickungspunkt finden können, wenn seine Seele auch in englisch- und deutsch-lutherischen Kirchen durch den langen Wortschwall dieses und jenes redefertigen geistlichen speechmaker's, dessen Ausgang und Ziel keineswegs der Gekreuzigte war, bis zum Tode ermüdet und matt wurde! —
Schließlich möchten wir aber dem Doctor der Gottesgelahrtheit Herrn B. Kurtz den Artikel von der christlichen Freiheit und deren richtigen Anwendung in Mitteldingen und sonderlich in kirchlichen Ceremonien zu etwas genauerem Studium und zur Vervollständigung seiner theologischen Gelehrsamkeit, wie nicht minder zu ehrlicher Beherzigung, dringend empfehlen. Denn im
*) Natürlich aber muß der Unterricht hierüber nicht blos einmal, sondern mehrmal geschehen und der Pastor muß sich durch Fragen und Antworten von dem Erkenntnißstande der Einzelnen, falls diese es leiden, möglichst sorgfältig zu überzeugen suchen.
English translation AI translation
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show them that they are in error. He must inform them further how those customs and ways rejected by them are older than Popery and date from the best time of the Church; how, moreover, the crucifix is a mute yet mighty sermon of the Crucified, and the sign of the cross no less a lovely remembrance of Him and a sign of the confession of Him, and for that reason is significant and edifying for the simple, believing Christian. That among the Roman Catholics, however, error and abuse have attached themselves thereto, as though it were no sin to show to the crucifix and images of saints a kind of special veneration for the sake of the persons represented, and as though the sign of the cross and other ceremonies were of equal essence with the pure preaching of the divine Word, — that takes nothing away from their edifying quality and from their lovely power and significance, which awakens devotion and strengthens it, provided only that the pure evangelical doctrine concerning these things indifferent be in vogue; the abuse of them surely nowhere and never does away with the right use; and since between the papistic and the Lutheran doctrine of the Church a far greater gulf is fixed than between the latter and the Reformed, there is much less danger of falling, through the adoption of those customs, into the appearance of being Romish, than, through the imitation of Reformed ceremonies, into the suspicion of approving the Reformed doctrine; and this latter suspicion lies so much the nearer, since on this side and that the false, unscriptural Union between Lutherans and Reformed is being pursued so zealously. If, however, in spite of all this correction, those Lutherans remain by their old assertion, that those and similar customs of divine service are once for all and remain "unscriptural and papistic," and that it is therefore sin to introduce them, and if they persist — no longer now in ignorance,*) but in wickedness — in this proposition: then the preacher and that part of the congregation which is of one mind with him shall not and may not yield to them, and must rather let it be that they separate; for if they yielded to them, they would sin in the following manner:
First, they would give the appearance as though they approved that false assertion, that the above ceremonies are "unscriptural and papistic, and that it is sin to adopt them." But thereby they would confirm a false doctrine, since essentially only that is sin which is contrary to God's commandments. Ceremonies, however, in so far as they are not contrary to Scripture (as, for example, the Roman sacrifice of the Mass), are things indifferent, which God has neither commanded nor forbidden to the Christian Church and which, without injury to the conscience, may be kept or omitted according to circumstances. But whoever made the keeping or omitting of them in itself either a law, or a sin, would obscure and distort first of all the evangelical doctrine of Christian liberty and thereby pollute the whole body of doctrine.
Second, they would by that yielding confirm not only the false doctrine mentioned, and thus sin against God's Word and the pure doctrine, but they would at the same time in fact sell, for the sake of pleasing men, the noble, precious treasure of their evangelical liberty and become servants of men. For this would undeniably happen, in deed and in truth, if they let the adoption of those ceremonies, which are not sin but are subject to evangelical liberty, be made a sin for themselves.
Third, they would strengthen their opponents in their wilfulness and their wickedness and cut off from them the opportunity of coming, from this side also, to the knowledge of their sin and to true evangelical enlightenment.
Fourth, they would give to the confessionally faithful and evangelically clear Lutherans of their own and other congregations, by such sinful weakness and man-pleasing, no small offense.
Finally, however, it might also easily happen that by their silence and yielding they would be helpful to the adversaries in violating the article of justification; for whoever, for example, holds the adoption of those customs to be sin contrary to the Holy Scripture, holds the omission of them just as readily to be something meritorious, and sets up, though for the present silently and in secret, a kind of merits of our own beside the merit of Christ.
Now if those Lutherans in Detroit who separated from the congregation on account of the crucifix, the burning candles, and the like, objected in the last-mentioned manner and have remained therein despite sufficient instruction: then it has happened right according to their evil will that they were not yielded to; and whether they now wither away singly or fall to this or that sect or form a new one, the preacher and the congregation — be this the majority or the minority — are excused; their blood be upon their own head. But should the first case above mentioned occur, that the discontented had refused the immediate adoption of those customs more from ignorance and unaccustomedness, without raising and maintaining the accusation that the latter are "unscriptural and papistic": — then the preacher and those of like mind would have sinned grievously against them and wounded their weak conscience, grossly offended against love, asserted their own liberty in a fleshly manner, wilfully caused division and separation, rent the body of Christ, and bitterly offended and grieved the true and faithful Lutherans who see and hear such things.
And we, too, the so-called Old Lutherans of the Missouri-Ohio Synod, desire most earnestly to have raised our testimony in this matter, since we would have to reject that manner of acting as thoroughly unchristian, unevangelical, and unlutheran; yea, we could not recognize the guilty as genuine and unfeigned brothers again until they had heartily begged the offended for forgiveness and, so far as in them lies, had restored peace and contributed their part to fraternal reconciliation and the healing of the breach.
Yes, we would then have to agree with Dr. Kurtz (although we must reject him, almost summarily, as the spokesman of the "false brethren," that is, of the so-called Lutheran General Synod, fallen away from the pure Lutheran doctrine and into the false Reformed), that through that unjust manner of acting the offended all the more easily fall into the nets and snares of the spiritual partisans and freebooters, and especially of the German Methodists, and the Lutheran church in Detroit, through unwise, fleshly zeal, thus destroys itself.
For our part we hope, by this essay, partly to have cleared ourselves of the possible suspicion that we (as so-called Old Lutherans) likewise approved and followed that censured manner of acting and placed the essence of the Lutheran Church in the swiftest possible setting up, even if done in an unevangelical way, of old Lutheran churchly ceremonies; partly we hope to have informed our own people and other sincere and truth-loving readers somewhat more closely concerning the most important article of Christian liberty and the principled procedure in its practical application to churchly ceremonies.
As to the poor innocent crucifix in particular, or an image of Christ on the cross and the like, which in the mouth of Dr. Kurtz must so unjustly bear the guilt of Popery, it is evident from this how Dr. Kurtz and his followers have fallen prey to the false spirituality of the Reformed also in this matter and have lost the sound evangelical eye of genuine Lutherans. Moreover, we should wish for them and for ourselves from our heart that we might paint before the eyes of our congregations this highest act of love of God through the crucifixion of His Son in the Word (though in a succession) as well, and bring it to living contemplation, as the plastic art does in the crucifix all at once.
Would to God the writer of this had been able to find with his bodily and spiritual eye on an existing crucifix a point of rest and refreshment, when his soul, even in English and German Lutheran churches, through the long flood of words of this or that glib spiritual speechmaker, whose beginning and end was by no means the Crucified, was wearied unto death and faint! —
Finally, we should like to commend to the Doctor of Divinity, Mr. B. Kurtz, the article of Christian liberty and its right application in things indifferent and especially in churchly ceremonies, for somewhat more exact study and for the perfecting of his theological learning, as likewise for honest consideration, most urgently. For in the
*) Naturally, however, the instruction concerning this must be given not merely once, but repeatedly, and the pastor must seek, by questions and answers, to ascertain as carefully as possible the state of knowledge of the individuals, in case these permit it.