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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-10-31, Seite 33

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Predigt 3

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrgang 5.  St. Louis, Mo., den 31. October 1848.  No. 5.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

J. N. J.

Ueber einige nöthige Stücke, die bei der Privatseelsorge in Betracht kommen.

Eine Predigt,

während der Sitzungszeit der deutsch-evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten zu St. Louis, in der Immanuelskirche gehalten den 29. Juni 1848 von G. H. Löber, Pastor zu Altenburg, Perry Co., Mo. *)

Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott, unserm Vater und von unserm HErrn JEsu Christo. Amen.

Geliebte im HErrn Christo! Insonderheit theure und geliebte Amtsbrüder!

Die öffentliche Predigt, worin wir einer ganzen Versammlung das Wort Gottes verkündigen, ist allerdings ein ganz besonderer Haupttheil des theuern Amtes, das uns befohlen ist. Diese Predigt ist das öffentliche Zeugniß, wodurch Freunde und Feinde in regelmäßig geordnetem Vortrag den ganzen Rath Gottes zu ihrer Seligkeit vernehmen können. Diese Predigt ist darum auch gleichsam der Mittelpunkt des ganzen öffentlichen Gottesdienstes, so wie sie auch die Grundlage der heiligen Sacramente ist, welche der barmherzige Gott als die Gnadensiegel zu seinem Worte hinzufügt.

Wer vermag es nur einigermaßen, die reichen Segnungen in himinlischen Gütern zu übersehen, welche an jeglichem Sonn- und Festtag durch den Mund aller rechtschaffenen Prediger an heiliger Stätte ausgetheilet werden! — „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Boten, die da Friede verkündigen und Gutes predigen!“ So ruft schon Jesaias im alten Bund mit freudiger Verwundrung aus, wenn er von der Predigt des Evangeliums weissagt, die in den seligen Zeiten des Neuen Bundes laut und öffentlich von Berg zu Berg, von Land zu Land ertönen und unter allen Völkern wiederhallen sollte. Wie wurden gleich durch die erste Predigt nach der Ausgießung des Heiligen Geistes bei 3000 Seelen zum seligmachenden Glauben an Christum gebracht! Und wie unzähligemal hat Gott dem Donner seines Worts auch späterhin die Kraft verliehen, daß ganze Schaaren von Zuhörern vielleicht durch ein einziges Zeugniß der Wahrheit von der Finsterniß zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott bekehret wurden. Und wenn auch oftmals viele solche Zeugnisse überhört, ja von einem großen Theile der Menge in Unglauben verworfen, oder von Solchen, die einst glaubten, wieder verleugnet wurden, so soll doch auch jetzt noch das reine und lautere Wort, das in der Gemeinde des HErrn, wie von dem Einzelnen gelesen und betrachtet, so von Kanzel und Altar verkündigt wird, nicht leer zurück kommen, sondern allenthalben, wenigstens an Etlichen ausrichten, wozu es gesendet ist.

*) Diese Predigt wird hier auf ausdrückliches Verlangen der Synode, vor welcher sie gehalten worden ist, mitgetheilt. D. R.

Haben wir darum, geliebte Brüder, den großen Trost, daß der werthe Heilige Geist durch das Wort auch unserer Predigt wirksam sei und das Gnadenreich Christi auch in diesem Lande immer weiter ausbreiten will, so ist es allerdings auch eine unserer vornehmsten Aufgaben, daß wir durch das Vermögen, das Gott darreicht, allen Fleiß auf unsere Predigten wenden, damit der gute und gnädige Wille unsers Gottes immer besser dadurch erreicht werde, daß die Unwissenden belehrt, die Unbußfertigen gestraft, die Irrenden zurecht gewiesen, die Gläubigen gestärkt, die Traurigen getröstet, und alle, die uns hören und das Wort annehmen und bewahren, selig werden können.

Soll aber das geschehen, so dürfen wir es nicht blos bei der öffentlichen Predigt bewendet sein lassen, sondern müssen auch der einzelnen Seelen, die uns anvertraut sind, mit aller Treue wahrnehmen, daß wir ihnen, so wie öffentlich, so auch sonderlich das Wort des Heils verkündigen und die heilige Sorge tragen, daß dies Wort von einem Jeglichen recht verstanden, recht geglaubt, recht bewahrt und wie zu einem frommen Leben, so zu einem seligen Ende angewendet werde.

Und von dieser Privatseelsorge, welche nächst der öffentlichen allgemeinen Predigt uns ebenfalls als ein Haupttheil unsers theuern Amtes befohlen ist, soll nun nach dem mir gewordenen Auftrage jetzt weiter gehandelt werden.

Je mehr ich aber den Umfang und die Schwierigkeiten dieses wichtigen Gegenstandes erwogen habe, desto mehr habe ich in Aufrichtigkeit des Herzens gewünscht, vielmehr Andere meiner hier anwesenden, werthgeschätzten Amtsbrüder von dieser Sache reden zu hören. Was ich indessen aus dem Worte unsers HErrn, welches ja allein auch über die rechte Seelsorge den einzigwahren Unterricht ertheilen kann, als einige wesentliche Hauptpunkte aus dem weiten Gebiete dieses Gegenstandes erkannt habe, das will ich Euch nach meiner Schwachheit unter dem Gnadenbeistand Gottes jetzt kürzlich vorlegen.

Dasjenige Capitel der heiligen Schrift, welches mir zur Wahl des Textes vorgeschlagen worden ist, ist das 20ste der Apostelgeschichte und namentlich darin die bereits vorhin verlesene treffliche Abschiedsrede des Apostels Paulus, worin er den Aeltesten von Ephesus seine letzten Ermahnungen ertheilt. Aus dieser Rede heben wir für jetzt den Abschnitt von Vers 28—32 heraus, welcher also lautet:

„So habet nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Heerde, unter welche euch der Heilige Geist gesetzet hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein eigen Blut erworben hat; denn das weiß ich, daß nach meinem Abschiede werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die der Heerde nicht verschonen werden. Auch aus euch selbst werden aufstehn Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen. Darum seid wacker und denket daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und Nacht einen jeglichen mit Thränen zu ermahnen. Und nun, lieben Brüder, ich befehle euch Gott und dem Worte seiner Gnaden, der da mächtig ist euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt werden.“

Schon einige Verse vor diesem Abschnitt hatte der Apostel bezeugt, daß er „öffentlich und sonderlich“ in der Gemeinde zu Ephesus die Buße zu Gott und den Glauben an unsern HErrn JEsum gelehrt hätte, und in den verlesenen Worten sagt er noch deutlicher, daß er während seines dreijäh-

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's doctrine pass away now and nevermore."

Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 5.  St. Louis, Mo., October 31, 1848.  No. 5.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for subscribers living at a distance, who are to pay the same in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.

Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent here under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

J. N. J.

On Some Necessary Matters Which Come into Consideration in the Private Care of Souls.

A Sermon,

delivered during the sessions of the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States at St. Louis, in the Immanuel Church, on June 29, 1848, by G. H. Löber, Pastor at Altenburg, Perry Co., Mo. *)

Grace, mercy, and peace from God, our Father, and from our Lord Jesus Christ. Amen.

Beloved in the Lord Christ! Especially dear and beloved brethren in the ministry!

The public sermon, in which we proclaim the Word of God to a whole assembly, is indeed a quite special chief part of the dear office which has been committed to us. This sermon is the public testimony by which friends and enemies, in regularly ordered discourse, may hear the whole counsel of God unto their salvation. This sermon is therefore also, as it were, the central point of the whole public worship, just as it is also the foundation of the holy Sacraments, which the merciful God adds to His Word as the seals of grace.

Who is able even in some measure to survey the rich blessings in heavenly goods which are dispensed on every Sunday and festival day through the mouth of all upright preachers in the holy place! — "How beautiful upon the mountains are the feet of them that bring good tidings, that publish peace!" Thus Isaiah in the Old Covenant already cries out with joyful amazement, when he prophesies of the preaching of the Gospel, which in the blessed times of the New Covenant was to resound loudly and publicly from mountain to mountain, from land to land, and to echo again among all peoples. How, by the first sermon after the outpouring of the Holy Ghost, some 3000 souls were brought to saving faith in Christ! And how countless times has God, even afterward, granted to the thunder of His Word such power that whole multitudes of hearers, perhaps through a single testimony of the truth, were converted from darkness to light and from the power of Satan to God. And even though oftentimes many such testimonies were disregarded, yes, cast aside in unbelief by a great part of the multitude, or were again denied by such as once believed, nevertheless even now the pure and clear Word, which is proclaimed from pulpit and altar in the congregation of the Lord, as it is read and meditated upon by the individual, shall not return empty, but shall everywhere, at least in some, accomplish that whereunto it is sent.

*) This sermon is communicated here at the express request of the Synod before which it was delivered. The Editor.

Since, then, beloved brethren, we have the great comfort that the dear Holy Ghost is effectual through the Word also of our preaching, and desires to extend the kingdom of Christ's grace ever farther in this land also, it is certainly also one of our chief tasks that, with the ability which God supplies, we apply all diligence to our sermons, so that the good and gracious will of our God may be attained ever better thereby, that the ignorant may be instructed, the impenitent rebuked, the erring set right, the believing strengthened, the sorrowful comforted, and all who hear us and receive and keep the Word may be saved.

But if this is to come to pass, we must not let it rest merely with the public sermon, but must also with all fidelity take heed to the individual souls entrusted to us, that we proclaim to them the Word of salvation not only publicly but also particularly, and take holy care that this Word be rightly understood, rightly believed, rightly kept by every one, and be applied both to a godly life and to a blessed end.

And of this private care of souls, which next to the public general preaching is likewise committed to us as a chief part of our dear office, we are now to treat further, according to the assignment given me.

But the more I have weighed the scope and the difficulties of this important subject, the more I have wished in sincerity of heart to hear others of my esteemed brethren in the ministry here present speak of this matter. Yet what I have recognized from the Word of our Lord, which alone can give true instruction also concerning right pastoral care, as some essential chief points out of the wide field of this subject, that I will now briefly lay before you according to my weakness, under the gracious assistance of God.

That chapter of Holy Scripture which has been proposed to me for the choice of a text is the twentieth of the Acts of the Apostles, and in particular therein the excellent farewell address of the Apostle Paul, which was read just now, in which he gives his last exhortations to the elders of Ephesus. From this address we take for the present the passage from verse 28 to 32, which reads thus:

"Take heed therefore unto yourselves, and to all the flock, over the which the Holy Ghost hath made you overseers, to feed the church of God, which he hath purchased with his own blood. For I know this, that after my departing shall grievous wolves enter in among you, not sparing the flock. Also of your own selves shall men arise, speaking perverse things, to draw away disciples after them. Therefore watch, and remember, that by the space of three years I ceased not to warn every one night and day with tears. And now, brethren, I commend you to God, and to the word of his grace, which is able to build you up, and to give you an inheritance among all them which are sanctified."

Already some verses before this passage the Apostle had testified that he had taught "publicly, and from house to house" in the congregation at Ephesus repentance toward God and faith in our Lord Jesus, and in the words just read he says still more plainly that during his three-