Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 12 › Seite 92
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-02-06, Seite 92
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drückten von ihrem Dränger befreien, und sie ausführen in's Geraume. —
„Der HErr wird für euch streiten und ihr werdet stille sein!“
Hübner's biblische Historien.
Herausgegeben von C. G. Weyl, Prediger an der ev.-luth. Dreieinigkeits-Kirche in Baltimore.
Es ist ein je und je gebrauchter Kunstgriff des Teufels, seinen Unrath unter dem Namen von Männern, welche sich als treu erwiesen haben, in die Kirche zu bringen. Schon die lieben Apostel klagen darüber. Unter andern schreibt der heilige Paulus: „Solche falsche Apostel und trügliche Arbeiter verstellen sich zu Christi Aposteln. Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellet sich zum Engel des Lichts.“ 2 Cor. 11, 13. 14. Auch Luther hat dies erfahren müssen. Kaum hatte sein Name in der Kirche einen guten Klang bekommen, so benutzte ihn auch alsbald Satan, um unter demselben seine Lügen zu verbreiten. Um nur Ein Beispiel anzuführen, als Luther seine Kirchenpostille herausgegeben hatte und nach diesem köstlichen Buche allenthalben Nachfrage entstand, da machte sich der damals noch Zwinglianisch gesinnte Bucer in Straßburg eilends darüber, eine Ausgabe dieses gesuchten Buches zu besorgen, in welche er die falsche Zwinglianische Lehre von den Sacramenten eingeschwärzt hatte. Kurz zuvor hatte er schon mit der herrlichen Auslegung des Psalters so verfahren, von welcher Bugenhagen (gewöhnlich Pomeranus oder Dr. Pommer genannt) der Verfasser war. Von diesem bösen Stück schreibt Luther in seiner Schrift: „daß diese Worte Christi: Das ist mein Leib, noch feste stehen“, am Schlusse Folgendes: „Martinus Bucerus ist unter euch der Vornehmsten einer, und ein christlicher lieber Bruder und Mitdiener Christi unter euch, der euch auch schon beim Leben heilig macht, derselbe hat unseres Pfarrherrs, Er (Herr) Johann Pommers, Psalter verlateinet (als er die große Gnade hat von Gott zu reden und zu verdolmetschen) und hat das feine Buch mit dem Gift euer Lehre vom heiligen Sacrament also verderbt, daß da schwerlich Rath mag funden werden, weil dasselbige Buch unter so viel Leute kommt, und unter Er Johanns Namen und Arbeit mit unter verkauft wird eben der Irrthum, da er doch mit Hand und Mund stetiglich widerficht. Solch Stücklein laßt ihr heiligen Leute gehen, als hättet ihr Gefallen drinnen, und haltet ihn nicht zum Widerruf und Widerstellung, so ihr doch wohl wisset, was Er Johann dran gelegen ist, und wie hoch er mit solchem Bubenstück beleidigt ist. Desselbigengleichen mein allerbestes Buch, das ich je gemacht habe, die Postillen, welche auch die Papisten gerne haben, hat er mit Vorreden, Unterreden und Einreden auch also zugericht, daß unter meinem Namen diese lästerliche, schändliche Lehre weiter bracht und geführet wird, denn vielleicht durch alle andre Bücher. Was soll ich thun? Wie kann ich der Sachen nun rathen? Ich muß haben, als hätte mich ein Hund gebissen. Ich habs mit Vorreden gestraft, aber was hilfts? Der Teufel sahe wohl, daß dies Buch durchdrang allenthalben, darum ergriff er dasselbige, lud und schmiert seinen Dreck drauf. Und ich unschuldiger Mann muß also des Teufels Dreckführer sein, ich wolle oder wolle nicht. Noch leiden wir (nach ihren Gedanken) nichts, sondern gehen auf Rosen, und sind Schelter und Beißer! Sie aber sind eitel Heiligthum: und treiben gleichwohl daneben solche giftige Tücklein und Mordstiche, die nicht zu heilen sind. Und zwar wenn ich ein Christe wäre (wofür sie mich freilich nicht halten), so wäre ich gesinnet, daß mir einer lieber den Hals abstäche, denn solche Tücklein beweisete, daß ich mit meinem Buch muß den Seelen Gift vortragen, unwissens und unwillens. Also jach ist den Leuten und ihrem Teufel mit ihrem Irrsal, daß sie auch durch fremde Bücher denselbigen ausbreiten, gerade als wären der Bücher zu wenig, damit sie jetzt die Welt täuben wollen. Was sollte nach meinem Tode geschehen? Das thut man mir bei meinem Leben und lässet mich hier zu Wittenberg sitzen und zusehen!“
Die Befürchtungen Luthers, wie es seinem Namen und seinen Schriften nach seinem Tode ergehen würde, sind leider nichts weniger als grundlos gewesen. Insonderheit in dieser unserer Zeit hat es der heuchlerische Rationalismus dahin gebracht, daß sich fast niemand mehr des Betruges in Religionssachen schämt. Jene Art des Betrugs, Bücher so wieder aufzulegen, daß man zwar Titel und Namen der alten Verfasser beibehält, aber den Inhalt derselben so total verändert, daß die alten Bücher nicht wieder zu erkennen sind, ist jetzt völlig gäng und gebe geworden. Wie schändlich hat man in unseren Zeiten insonderheit den kleinen Katechismus Lutheri zugerichtet! Welche Berge von Unflath falscher Lehre hat Luther mit diesem seinem unvergleichlichen Büchlein in den Schulen und Familien unseres betrogenen deutschen Volkes tragen müssen! Wie gräulich hat man in unseren Tagen die lieblichen Blumengärten unserer alten Gesangbücher zerwühlt! Unter was für erbärmlichen Reimereien stehen jetzt oft noch die Namen alter Sänger heiliger glühender Psalmen, eines Luthers, eines Philipp Nicolai, eines Johann Heermann, eines Paul Gerhard u. a.! Wir erinnern nur an das hiesige jämmerliche und gottlose „Gemeinschaftliche Gesangbuch“. Wie arg hat man auch viele alte Erbauungs- und Gebetbücher, welche Lieblingsbücher des noch nach Gott fragenden Volkes geworden sind, jetzt verfälscht und verderbt! Wir erinnern nur an Arnds wahres Christenthum,*) an Starke's Handbuch und an Schmolke's Communionbuch. Und welchem Lug und Trug begegnet man vollends in unsern Tagen, wenn man an die Synoden, Gemeinden und Prediger und an die Zeitschriften denkt, welche jetzt den Namen „Luther“ und „lutherisch“ noch immer an der Stirne tragen! Wir erinnern nur an die hiesige sogenannte „Generalsynode der amerikanisch-lutherischen Kirche“, an den „Lutheran Observer“ und an den „lutherischen Kirchenboten“ in Baltimore. Welcher Seelenschade durch diese religiöse Falschmünzerei angerichtet und wie viele unschuldige, arglose, einfältige Seelen dadurch verführt, um ihren Glauben betrogen und in Hölle und Verdammniß gestürzt worden, ist nicht zu berechnen und auszusprechen. Wehe denen, die sich dieser Schuld theilhaftig machen, und nicht ernstlich Buße thun! Denn wenn Christus spricht: „Wer aber ärgert dieser geringsten Einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget würde, und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist“, — was haben diejenigen zu erwarten, die Tausende und aber Tausende durch die Maske eines im Reiche Gottes gefeierten Mannes um Seel' und Seligkeit betrügen, indem sie neue Bücher, die mit dem Gift der falschen Lehre angefüllt sind, unter dem Titel eines alten, guten rechtgläubigen Buches in Schulen und Häuser bringen, und dergl.!
*) Mit Schmerz haben wir gesehen, daß auch die durch die amerikanische Tractat-Gesellschaft neuerlich besorgte und prachtvoll ausgestattete Ausgabe des 1. Buches dieser Erbauungsschrift nicht den alten Arnd unverändert enthalt.
Doch wir gehen zu unserem eigentlichen Gegenstande über. Herr Weyl machte im vorigen Jahre in seinem „Kirchenboten“ (Jahrg. 7, Nro. 14.) bekannt, daß er beabsichtige, die Hübner'schen biblischen Historien „in ihrer alten unveränderten Form und Wesen“ wieder abdrucken zu lassen. So sehr wir nun sonst Ursache hatten, zu zweifeln, ob auch Hr. Weyl wirklich das alte gut lutherische Schulbuch unverfälscht unter seinem Namen wieder ausgehen lassen werde, so schlug doch das öffentlich gegebene ausdrückliche Versprechen des Herrn, das Buch „in seiner alten unveränderten Form und Wesen“ wieder erscheinen zu lassen, unsere Zweifel nieder. Wir dachten, der gewissenloseste Weltmensch würde ein so gegebenes Wort halten, schon um seines ehrlichen Namens willen, wie viel mehr ein Mann, der als ein Diener Christi dastehen will! Wir meinten diesmal so sicher zu sein, daß wir einen hiesigen Buchhändler ermunterten, getrost eine bedeutende Parthie kommen zu lassen, da die Bücher ohne Zweifel allein in den (von circa 400 Kindern besuchten) vier Schulen unserer lutherischen Gemeinde bald verbraucht sein würden. Wir freuten uns schon mit den an unseren Schulen angestellten eifrigen Lehrern auf die Erscheinung des herrlichen Buches, wie die Kinder auf ein Weihnachtsgeschenk. Aber, wie bitter sind wir getäuscht worden! Je größer die Freude war, mit welcher wir von der Ankunft der Bücher hörten, desto größer war die Entrüstung, als wir schon nach dem flüchtigsten Blick in eins derselben sahen, daß darin auch nicht eine Spur von dem alten Hübner zu finden sei! Denn, siehe! da war anderer Text, andere Lehren, andere Reimverse, andere Anordnung, Anzahl und Auswahl der Geschichten, andere Fragen; kurz, alles war anders, als in dem, zweimal zwei und funfzig auserlesene biblische Historien aus dem Alten und Neuen Testamente enthaltenden, Buche von Johann Hübner, weiland Rector des Johanneums zu Hamburg. Anstatt dessen
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oppressed from their oppressor, and lead them out into a spacious place. —
"The LORD shall fight for you, and ye shall hold your peace!"
Hübner's biblische Historien.
Edited by C. G. Weyl, Pastor of the Ev. Lutheran Trinity Church in Baltimore.
It is a stratagem used ever and again by the devil to bring his filth into the Church under the name of men who have proved themselves faithful. The dear Apostles already complain of it. Among other things the holy Paul writes: "For such are false apostles, deceitful workers, transforming themselves into the apostles of Christ. And no marvel; for Satan himself is transformed into an angel of light." 2 Cor. 11, 13. 14. Luther also has had to experience this. Hardly had his name gained a good repute in the Church, when Satan at once made use of it in order to spread his lies under it. To cite only one example, when Luther had published his Kirchenpostille and there arose on every side a demand for this precious book, Bucer in Strassburg, who was at that time still of Zwinglian sentiments, hastened to procure an edition of this sought-after book, into which he had smuggled the false Zwinglian doctrine of the Sacraments. Shortly before he had already proceeded in the same way with the glorious exposition of the Psalter, of which Bugenhagen (commonly called Pomeranus or Dr. Pommer) was the author. Of this wicked piece Luther writes in his treatise: "That these words of Christ, This is my body, still stand fast," at the close as follows: "Martin Bucer is among you one of the foremost, and a Christian dear brother and fellow-servant of Christ among you, who also makes you holy even in this life, the same has Latinized the Psalter of our pastor, Sir (Herr) Johann Pommer (as he has the great grace from God to speak and to interpret), and has so corrupted the fine book with the poison of your doctrine of the holy Sacrament, that hardly any remedy may be found, since the same book comes among so many people, and under Sir Johann's name and labor the very error is sold along with it, which he nevertheless constantly opposes with hand and mouth. Such a trifle you holy people let pass, as though you had pleasure therein, and do not hold it for a retraction and counter-statement, though you know well what Sir Johann thinks of it, and how highly he is offended by such a knavish trick. In like manner my very best book that I ever made, the Postils, which even the Papists gladly have, he has likewise so fitted up with prefaces, interludes and interjections, that under my name this blasphemous, shameful doctrine is carried further and spread, than perhaps through all other books. What shall I do? How can I now remedy the matter? I must act as if a dog had bitten me. I have rebuked it with prefaces, but what avails it? The devil saw well that this book was spreading on every side, therefore he seized upon it, loaded and smeared his dirt upon it. And I, an innocent man, must thus be the devil's dung-carrier, whether I will or not. Yet we suffer nothing (in their thoughts), but walk on roses, and are scolders and biters! They, however, are all holiness: and yet withal practice such poisonous little tricks and murderous stabs as cannot be healed. And indeed, if I were a Christian (for which they surely do not hold me), I should be so minded that I would rather have one cut my throat than that such little tricks should be done, that with my book I must carry poison to souls, unknowingly and unwillingly. So hasty are the people and their devil with their error, that they spread it also through other men's books, just as though the books were too few with which they now would stupefy the world. What would happen after my death? This they do to me in my lifetime, and let me sit here at Wittenberg and look on!"
The fears of Luther, as to how it would go with his name and his writings after his death, have, alas, been nothing less than groundless. Especially in this our time hypocritical Rationalism has brought it about that almost no one any more is ashamed of deceit in matters of religion. That kind of deceit, of republishing books in such a way that one indeed retains the title and name of the old authors, but alters their contents so completely that the old books are no longer to be recognized, has now become quite current. How shamefully has the small Catechism of Luther in particular been dressed up in our times! What mountains of the filth of false doctrine has Luther had to bear with this his incomparable little book in the schools and families of our deceived German people! How hideously have the lovely flower-gardens of our old hymn-books been rooted up in our days! Under what pitiful rhymings do there now often stand the names of old singers of holy, glowing psalms, of a Luther, of a Philipp Nicolai, of a Johann Heermann, of a Paul Gerhard, and others! We call to mind only the wretched and godless "Gemeinschaftliche Gesangbuch" of this place. How badly have many old books of edification and prayer, which have become favorite books of the people still asking after God, been falsified and corrupted now! We call to mind only Arnds wahres Christenthum,*) Starke's Handbuch and Schmolke's Communionbuch. And what lying and deceit one meets with altogether in our days, when one thinks of the synods, congregations and preachers, and of the periodicals, which now still always bear the name "Luther" and "Lutheran" on their foreheads! We call to mind only the so-called "General Synod of the American Lutheran Church" of this place, the "Lutheran Observer" and the "lutherischer Kirchenbote" in Baltimore. What soul-damage has been done by this religious counterfeiting, and how many innocent, guileless, simple souls have been seduced thereby, cheated of their faith, and plunged into hell and damnation, cannot be reckoned or told. Woe to those who make themselves partakers of this guilt, and do not earnestly repent! For if Christ says: "Whoso shall offend one of these little ones which believe in me, it were better for him that a millstone were hanged about his neck, and that he were drowned in the depth of the sea," — what have those to expect who cheat thousands and again thousands of soul and salvation through the mask of a man honored in the kingdom of God, by bringing new books, filled with the poison of false doctrine, under the title of an old, good, orthodox book into schools and houses, and the like!
*) With pain we have seen that even the edition of the 1st Book of this devotional work, recently provided and splendidly got up by the American Tract Society, does not contain the old Arnd unaltered.
But we pass on to our proper subject. Mr. Weyl made known last year in his "Kirchenbote" (Vol. 7, No. 14) that he intended to have Hübner's biblische Historien reprinted "in their old unaltered form and essence." However much cause we otherwise had to doubt whether Mr. Weyl would really let the old good Lutheran school-book go forth again unfalsified under his name, yet the publicly given express promise of the gentleman, to let the book appear again "in its old unaltered form and essence," beat down our doubts. We thought that the most unscrupulous worldling would keep a word so given, were it only for the sake of his honest name, how much more a man who would stand forth as a servant of Christ! We believed ourselves this time so sure that we encouraged a bookseller of this place to order confidently a considerable lot, since the books would without doubt be used up soon in the four schools of our Lutheran congregation alone (attended by about 400 children). We rejoiced already with the zealous teachers employed in our schools at the appearance of the glorious book, as children at a Christmas present. But how bitterly have we been deceived! The greater the joy was with which we heard of the arrival of the books, so much the greater was the indignation when, at the very first cursory glance into one of them, we saw that there was not so much as a trace of the old Hübner to be found in it! For, behold! there was other text, other doctrines, other rhyme-verses, other arrangement, number and selection of the stories, other questions; in short, everything was different from what was in the book, containing twice two and fifty select biblical histories out of the Old and New Testaments, by Johann Hübner, formerly Rector of the Johanneum at Hamburg. Instead of which