Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 12 › Seite 94

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-02-06, Seite 94

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl—Gebrauch 66

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Freunde mag es darum höchst unpraktisch erscheinen, zu einer solchen Jahreszeit eine Missionsreise in den Norden unternehmen zu wollen; aber Du weißt ja, wir meinten, es sei besser, in diesem Jahre geschehe hinsichtlich des Besuches unserer zerstreuten Glaubensbrüder lieber noch etwas, als gar nichts.

Was ich nun bisher ausgerichtet habe? Wohl nur so viel, daß ich Dir und den Brüdern sagen kann, in Galena, von dem unter uns schon so oft die Rede war, ist uns vom HErrn keine Thüre aufgethan. Und hierüber wollten wir uns ja auch nur durch meinen Besuch Gewißheit verschaffen.

Meine Reise nach Galena war ziemlich langweilig. Als ich am Mittwoch den 7. November mit dem Dampfboote Falcon St. Louis verließ, hoffte ich, am Samstag dort einzutreffen, der Sonntag kam, und das Boot zog erst an Burlington vorüber. Meine ganze Missionsthätigkeit konnte sich daher nur auf Erkundigungen erstrecken, die ich von den Schiffspassagieren über deutsche Ansiedelungen in diesen Gegenden einzog, und wäre ich der englischen Sprache völlig mächtig gewesen, so hätte ich doch auch hier, wo ich der einzige Deutsche war, ein Zeugniß von Christo ablegen können. Es that mir in der Seele wehe, als am Sonntag zu wiederholten Malen mich mehrere Passagiere mit Bitten bestürmten, ihnen eine Predigt zu halten, und, da ich ihnen meine Unfähigkeit erklärte, meinten, sie wollten zufrieden sein, wenn ich auch ganz gebrochen spräche und nur eine Viertelstunde lang reden könute. Ein wichtiger Wink für die jungen Leute, die sich in unsern beiden Seminarien vorbereiten, wie nöthig ihnen sei, daß sie auch der englischen Sprache so weit mächtig werden, um in derselben predigen zu können!

Am Dienstag endlich erreichte ich nach siebentägiger Fahrt Galena. Ein Bild, das ich von dieser Stadt auf dem Dampfboote gesehen hatte, machte mich nach ihrem Anblick lüstern. Und in der That, Galena liegt äußerst malerisch. Da erhoben sich steile Berge auf beiden Seiten des Flüßchens, auf dem das Boot, den Missisippi verlassend, einlief, und an ihnen hinan lagerten sich Häuser und Kirchen, von welchen besonders die katholische Kirche und die im gothischen Styl erbaute Kirche der Episcopalen, deren Thurmspitze ein Kreuz zierte, meine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.

Meine erste Frage war nach dem Tischlermeister Neefe aus Altenburg, an den Du mich empfohlen hattest; aber zu meinem Bedauern vernahm ich, daß derselbe vor etlichen Wochen erst Galena verlassen habe und nach Wisconsin gezogen sei. An wen sollte ich mich nun wenden? Etliche Deutsche, mit denen ich ein Gespräch anzuknüpfen suchte, bezeugten keine sonderliche Lust, mich anzuhören, sondern sagten mir nur so viel, daß ein deutscher Prediger seit kurzem da sei, ohne mir Namen, Bekenntniß ꝛc. desselben angeben zu können.

Ich entschloß mich, denselben aufzusuchen. Herrn Behrendts, so hieß der mir bezeichnete deutsche Prediger, traf ich gerade überm Schulhalten an. Er nahm mich freundlich auf und bat mich, bei ihm zu übernachten. Gleich nach unserer ersten Begrüßung stellte sich's heraus, daß ein „strenger“ Lutheraner zu einem Reformirten gekommen sei, und es entspann sich sogleich eine von meinem freundlichen lieben Wirthe, einem offenen Manne, selbst angeregte Disputation über das heilige Abendmahl und etliche andere Differenzpunkte, die aber bei aller Lebhaftigkeit und Offenheit doch von persönlicher Gereiztheit fern war. Die Schilderungen, die mir Herr B. auf Begehren über seine amtliche Lage und den Zustand der Deutschen Galena's machte, stimmten mit den Berichten, die ich auf mein anderweitiges Befragen erhielt, und überzeugten mich, daß der HErr mich an diesem Orte stille schweigen heiße. Methodisten und Albrechtsleute treiben hier ihr Wesen, jede für ihre Secte mit mancherlei Anstrengungen werbend. Was noch von Lutheranern und Reformirten sowohl in der Stadt, als in der Umgegend auf Kirche etwas gibt, hält sich zu Herrn Behrendts, der übrigens sich hier gar nicht halten könnte, wenn er nicht von der „amerikanischen einheimischen Missionsgesellschaft“ unterstützt würde; die übrigen Deutschen aber, durch frühere schlechte Subjecte vielfach übel betrogen, sind entweder gegen das Predigtamt ganz gleichgültig, oder total Ungläubige, Leser der berüchtigten New Yorker „Fackel“.

Auf Anrathen des Herrn B. begab ich mich heute morgen hierher, um den daselbst stationirten Missionar, Herrn Flury, früher Pfarrer in der Schweiz, aufzusuchen, um von ihm einiges über den Zustand deutscher Lutheraner in der Umgegend von Dubuque zu erfahren. Es thut mir leid, daß ich das gethan. Herrn Pfr. F.'s Frau lag gerade am Sterben und dieser Umstand möchte wohl den sehr unfreundlichen Empfang, der mir von ihm zu theil wurde, und die Heftigkeit seiner Aeußerungen über unsere ganze Richtung einigermaßen entschuldigen. Ich hielt mich darum nur wenige Augenblicke bei ihm auf. Das, was ich jedoch beim Abschiede von demselben über die Lutheraner in dieser Gegend erfuhr, konnte mich nicht ermuthigen, weiter in den Norden zu gehen, und sein (soll ich sagen, spöttisches?) Anerbieten, in Dubuque einen Versuch zur Sammlung der zu ihm sich haltenden Lutheraner durch eine Predigt in seiner Kirche zu machen, schlug ich natürlich aus.

Ich werde nun morgen eine Reise nach Davenport machen, wo viele Deutsche wohnen sollen, und Dir von da aus wieder Nachricht geben. Gott gebe, daß ich Dir alsdann Erfreulicheres berichten kann.

Dein treuer
Lochner.

Davenport, Jowa, 18. Nov. 1848.

Lieber W.!

Meine Reise war ziemlich beschwerlich. Ohne ein Frühstück zu mir nehmen zu können, fuhr ich in einem offenen Wagen mit zwei andern Passagieren früh morgens vier Uhr von Dubuque ab. Die Kälte war sehr empfindlich, daß ich und der neben mir sitzende leicht gekleidete Passagier schon nach einer Fahrt von etlichen Meilen absteigen und hinter dem rasch dahinfahrenden Wagen herlaufen mußte, ein Umstand, der sich im Laufe des Tages gar oft wiederholte. Nach vier Stunden wurde Halt gemacht und ein Frühstück eingenommen; dann ging's rasch weiter über Berg und Thal. Der grimmigen Kälte wegen hielt sich die ganze Reisegesellschaft anfangs mäuschenstill; als aber die Sonne etwas höher heraufkam und der Mund von seiner Hülle etwas befreit werden konnte, entspann sich ein lebhaftes Gespräch, das bald auf religiöse Dinge überging. Mein Nebenmann, ein irischer Katholik, pries die Herrlichkeit seiner Kirche und ihres Oberhauptes, und der andere Reisende, ein gebildeter Amerikaner, verwarf alle göttliche Offenbarung und behauptete, Sünde sei nicht Sünde, indem das göttliche Wesen Ursache aller Bewegung und alles Handelns ist. Eine wunderliche Reisegesellschaft, wie sie in Amerika auf Reisen sich oft zusammenfindet. Der Irländer eiferte immer heftiger, je weniger ich seine Lobpreisungen gelten ließ; der Amerikaner ließ nichts von allem gelten, weder Lobpreisung noch Widerlegung. Ich war froh, als endlich das Gespräch hierüber abgebrochen und auf die herrlichen Gegenden gelenkt wurde, die wir den Mittag und Nachmittag passirten. Was ich früher über die schöne, liebliche und fruchtbare Lage Jowa's hörte, sahe ich hier theilweise mit eigenen Augen. Meist waren es Prairieen, über welche wir zogen, aber nicht jene ebenen, langweiligen Grasfluren, wie ich sie in Illinois antraf. Sanft ablaufende Hügel wechselten mit kurzen Ebenen ab; kleine Waldparthieen unterbrachen lieblich die Gegend, die sich oft weit vor uns ausbreitete, wenn wir eine Anhöhe erreicht hatten, und mehrere Niederlassungen, die wir dann mit Einem Blicke überschauen konnten, erinnerten mich an so manche Gegend der Heimath. Ueberhaupt, Jowa scheint für die deutsche Ansiedlung vorzüglich geeignet zu sein und das nicht nur wegen seiner Fruchtbarkeit und seiner gesunden Lage, sondern auch wegen der Aehnlichkeit des Charakters seiner Gegenden mit manchen unseres lieben Deutschlands. Denn, wie man mir versicherte, so wie hier soll es in andern Theilen des Staates auch sein.

Die Nacht brach ein und ich hatte Gelegenheit, eine von mir noch nie so gesehene Erscheinung zu beobachten. Der ganze Horizont, oft die nächsten Hügel standen in vollem Feuer und machten die Nacht hell und licht. Es war dies das bekannte Prairiefeuer. Da wir solchen brennenden Strecken oft ganz nahe kamen, so waren wir nicht ganz ohne Gefahr; aber um so lebendiger trat mir die Verheißung Jes. 43, 2. vor die Seele: „So du durch's Feuer gehest, sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht anzünden.“ Der eisige Nachtwind, der sich erhob, nöthigte mich, den Mantel dichter anzuziehen. Ich sang meinem JEsu eine gute Nacht mit Scrivers schönem Liede: „Der lieben Sonne Licht und Pracht“, und schlief dann vor Mattigkeit und Kälte etwas ein. Ich mochte nicht lange geschlummert haben. Das Herabfallen meines Hutes, den der Wind herun-

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friends it may therefore seem most impractical to want to undertake a mission journey into the north at such a season; but you know, we thought it better that this year something be done, rather than nothing at all, in regard to visiting our scattered fellow believers.

What have I accomplished so far? Probably only this much, that I can tell you and the brethren that in Galena, of which we have already spoken so often among ourselves, no door has been opened to us by the LORD. And it was only about this that we wished to obtain certainty through my visit.

My journey to Galena was rather tedious. When I left St. Louis on Wednesday, the 7th of November, on the steamboat Falcon, I hoped to arrive there on Saturday; Sunday came, and the boat was only just passing Burlington. My whole missionary activity could therefore extend only to inquiries which I made of the ship's passengers about German settlements in these regions, and had I been fully master of the English language, I might still have borne witness of Christ here also, where I was the only German. It grieved me to the soul when on Sunday several passengers repeatedly beset me with entreaties to preach them a sermon, and, when I explained to them my inability, said they would be content if I spoke quite brokenly and could talk only a quarter of an hour. An important hint for the young men who are preparing in our two seminaries, how necessary it is for them to become so far masters of the English language as to be able to preach in it!

On Tuesday at last, after a voyage of seven days, I reached Galena. A picture which I had seen of this city on the steamboat had made me eager for the sight of it. And in truth, Galena lies extremely picturesquely. Steep hills rose on both sides of the little river into which the boat steered, leaving the Mississippi, and up the hillsides houses and churches were ranged, of which especially the Catholic church and the church of the Episcopalians, built in the Gothic style, the tip of whose spire was adorned with a cross, claimed my attention.

My first question was for the master carpenter Neefe from Altenburg, to whom you had recommended me; but to my regret I learned that he had left Galena only a few weeks before and had gone to Wisconsin. To whom should I now turn? Some Germans with whom I tried to start a conversation showed no particular desire to listen to me, but told me only this much, that a German preacher had been there for a short time, without being able to give me his name, confession, etc.

I resolved to look him up. Mr. Behrendts, for that was the name of the German preacher pointed out to me, I found just keeping school. He received me kindly and asked me to spend the night with him. Immediately after our first greeting it became evident that a "strict" Lutheran had come to a Reformed man, and there arose at once, started by my friendly, dear host himself, an open man, a disputation about the Holy Supper and several other points of difference, which, however, with all its liveliness and openness was far from personal irritation. The accounts which Mr. B., at my request, gave me of his official situation and the condition of the Germans of Galena agreed with the reports which I received on inquiring elsewhere, and convinced me that the LORD bade me keep silent at this place. Methodists and Albrechtsleute carry on their doings here, each canvassing for its own sect with all sorts of exertions. Those Lutherans and Reformed, both in the town and in the surrounding country, who care anything for church, keep to Mr. Behrendts, who moreover could not maintain himself here at all if he were not supported by the "American Home Missionary Society"; the remaining Germans, however, having been much deceived by former bad characters, are either quite indifferent to the preaching office, or total unbelievers, readers of the notorious New York "Fackel."

On the advice of Mr. B. I betook myself this morning to this place, in order to look up the missionary stationed here, Mr. Flury, formerly a pastor in Switzerland, to learn from him something about the condition of German Lutherans in the neighborhood of Dubuque. I am sorry that I did so. The wife of Pastor F. was just then dying, and this circumstance may perhaps to some extent excuse the very unfriendly reception which I received from him, and the vehemence of his utterances about our whole tendency. I therefore stayed with him only a few moments. What I learned, however, at parting from him about the Lutherans in this region could not encourage me to go farther north, and his (shall I say, mocking?) offer to make an attempt in Dubuque to gather the Lutherans adhering to him by a sermon in his church I naturally declined.

I shall now make a journey tomorrow to Davenport, where many Germans are said to live, and shall send you word again from there. God grant that I may then report more pleasing things to you.

Your faithful
Lochner.

Davenport, Iowa, Nov. 18, 1848.

Dear W.!

My journey was rather toilsome. Without being able to take any breakfast, I set out from Dubuque early in the morning at four o'clock in an open wagon with two other passengers. The cold was so severe that I and the lightly clad passenger sitting beside me had to get down after a ride of some miles and run behind the swiftly moving wagon, a circumstance which was repeated very often in the course of the day. After four hours a halt was made and breakfast was taken; then we went briskly on over hill and dale. Because of the grim cold the whole company of travelers kept as still as mice at first; but when the sun had risen somewhat higher and the mouth could be somewhat freed from its covering, a lively conversation arose, which soon turned to religious matters. My neighbor, an Irish Catholic, extolled the glory of his church and of its head, and the other traveler, an educated American, rejected all divine revelation and maintained that sin is not sin, inasmuch as the divine Being is the cause of all motion and all action. A strange traveling company, such as often comes together on journeys in America. The Irishman grew ever more vehement the less I allowed his praises to pass; the American allowed nothing at all to pass, neither praise nor refutation. I was glad when at last the conversation on this subject was broken off and turned to the glorious regions which we passed at noon and in the afternoon. What I had heard earlier about the beautiful, lovely and fruitful situation of Iowa I saw here in part with my own eyes. For the most part they were prairies over which we traveled, but not those level, tedious grass-plains such as I met with in Illinois. Gently sloping hills alternated with short plains; small clumps of woodland pleasantly broke the landscape, which often spread out far before us when we had reached a height, and several settlements, which we could then survey at a single glance, reminded me of many a region of the homeland. In general, Iowa seems to be especially suited for German settlement, and that not only on account of its fertility and its healthful situation, but also on account of the similarity of the character of its regions to many of our dear Germany. For, as I was assured, it is to be so in other parts of the state also, as here.

Night fell, and I had opportunity to observe a phenomenon such as I had never seen. The whole horizon, often the nearest hills, stood in full fire and made the night bright and light. This was the well-known prairie fire. Since we often came quite near such burning stretches, we were not wholly without danger; but all the more vividly the promise Is. 43, 2. came before my soul: "When thou walkest through the fire, thou shalt not be burned; neither shall the flame kindle upon thee." The icy night wind which arose compelled me to draw my cloak closer. I sang my JESUS a good night with Scriver's beautiful hymn: "Der lieben Sonne Licht und Pracht," and then fell somewhat asleep from weariness and cold. I cannot have slumbered long. The falling of my hat, which the wind blew down