Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 13 › Seite 99
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-02-20, Seite 99
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe 11 · Taufe 49 · Taufe 50 · Taufe 51 · Taufe 52
99
Gottes die heilige Taufhandlung verrichten, so daß der HErr selber der Täufer ist, der taufende Diener aber gleichsam seine Hand, wie er in der Predigt des Evangeliums sein Mund ist. (2 Cor. 5, 19.) Zum Dritten endlich heißt „im Namen“ auch, unter Bekenntniß und Anrufung des dreieinigen Gottes taufen; denn wie wüßte man sonst, daß im Namen Gottes getauft wird, wenn sein Name nicht genannt, bekannt und angerufen würde?
So ist also, nach Joh. 3, 5., die heilige Taufe, so der Täufling sich dieses Wortes gläubig annimmt, die Errettung von der Obrigkeit der Finsterniß und die Versetzung aus dem Reiche des Satans in das Reich des lieben Sohnes; und da eigentlich der dreieinige Gott der rechte Täufer ist, so wird der gläubige Täufling dadurch dergestalt in die Lebensgemeinschaft der heiligen Dreifaltigkeit hineinversetzt oder diese ihm also eingepflanzet, daß ihm wesentlich und wahrhaftig zu Theil wird die Gnade des Vaters, das Verdienst des Sohnes und die Kraft des Heiligen Geistes, oder mit andern Worten, daß er wird das Kind des Vaters, der Bruder oder die Schwester des Sohnes, der Tempel und die Wohnung des Heiligen Geistes. Dieses führet uns aber zur Beantwortung der zweiten Frage:
II. Was wirket die heilige Taufe?
Wir sagen nach Gottes Wort Apg. 2, 38. und 22, 16.:
1. Vergebung der Sünde und die Gabe des Heiligen Geistes.
Als Petrus nemlich am Tage der Pfingsten sein Zeugniß von Christo und sonderlich von seiner Auferstehung kühn und kräftig erhob, da wird uns gemeldet Apg. 2, 37.: „Da sie aber das höreten, ging es ihnen durchs Herz und sprachen zu Petro und den andern Aposteln: Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir thun?“ Wäre nun der heilige Petrus ein Methodisten-Apostel gewesen, so hätte er gesagt: Lasset uns miteinander auf unsere Kniee fallen, zu dem HErrn schreien und dem Himmelreich Gewalt anthun, so wird der Heilige Geist ebenso unmittelbar auf euch ausgegossen werden, als auf uns.
Aber gar anders lauten Petri Worte; denn also antwortet er Vers 38.: „Thut Buße (ändert euren Sinn) und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen JEsu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“ (Vergleiche Apg. 22, 16.)
Ueber solche und ähnliche Stellen freilich, die wirkliche Beweiskraft für die Wirksamkeit der heiligen Taufe haben und das Einsetzungs- und Verheißungswort des HErrn Christi, davon oben gemeldet, näher auslegen — über solche Stellen hüpfen die Taufschwärmer, nach beliebter Weise, gern über, und bringen dagegen andere Stellen hervor, die gar nicht her passen, aber vor unkundigen Zuhörern ihren Wahn zu stützen scheinen. So auch unser Methodist. Da bringt er flugs Apg. 8, 14—17. daher, wo also geschrieben steht: „Da aber die Apostel höreten zu Jerusalem, daß Samaria das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrus und Johannes, welche, da sie hinabkamen, beteten sie über sie, daß sie den Heiligen Geist empfingen; denn er war noch auf keinen gefallen, sondern waren allein getauft in dem Namen des HErrn JEsu. Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist.“ Da sehet ihr, spricht er, wie die Taufe den Heiligen Geist nicht mittheile, sondern das Gebet thuts (denn die Handauflegung der Apostel läßt er gern dahinten).
Wie nun aber? steht diese Stelle mit der obigen im wirklichen Widerspruch? Nicht also; sondern hier ist nicht der Heilige Geist gemeint, den jeder Täufling, so er glaubt, kraft der heiligen Taufe empfängt zu bleibender Einwohnung, und darin Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit, wie jener obige Spruch Apg. 2, 38. bezeuget; sondern in dieser letzteren Stelle ist die Rede vom Heiligen Geiste, so fern er im Anfange der christlichen Kirche gewissen Täuflingen besondere Wunder- und Gnadengaben austheilte, z. B. das Zungen-, d. i. in fremden, nie erlernten Sprachen reden, und das Weissagen, welches meist durch Handauflegen der heiligen Apostel geschah. Diese Austheilung geschah ausnahmsweise sogar ohne Taufe und Handauflegung Petri, auf dessen Predigt, an Cornelius und den Seinen, wie solches Apg. 10, 43—46. nachweiset. Damit aber gerade diese Erstlinge aus den Heiden nicht an diese Gaben ihr Herz hängten und in den süßen Gefühlen, die sie bei ihrem Zungenreden hatten, stecken blieben, so sprach Petrus Vers 47.: „Mag auch Jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den Heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? und befahl sie zu taufen in dem Namen des HErrn.“
Also gerade in der von den Schwärmern so höchlich verachteten Wassertaufe sollten Cornelius und die Seinen, die doch die Wundergabe des Heiligen Geistes hatten, die unsere Schwärmer nicht haben, die feste und gewisse Versiegelung ihrer Begnadigung und der Vergebung der Sünden empfangen.
Wie aber die Sündenvergebung in der heiligen Taufe zugeeignet werde, das bezeuget Gal. 3, 27.: „Denn wie viele euer getauft sind, die haben Christum angezogen.“ Das Verdienst Christi also wird dem Täufling in diesem heiligen Wasserbade also mitgetheilt, daß die Schuld der Erb- (und so er ein Erwachsener ist) auch der Thatsünde abgewaschen und er mit der Gerechtigkeit des HErrn und Heilands als mit einem Kleide angethan und ganz und gar bedecket ist. Es ist aber dasselbe, ob wir sagen: die Sünden sind uns vergeben, oder: wir sind gerecht erklärt vor Gott. Wo aber dies ist, da ist auch:
2. der Bund eines guten Gewissens mit Gott; denn also steht geschrieben 1 Petr. 3, 21.: „welches (nämlich das Wasser) nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes (das Wasser der Sündfluth) bedeutet ist, nicht das Abthun des Unflaths am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott, durch die Auferstehung JEsu Christi.“
Hier wird ausdrücklich bezeuget, daß das, versteht sich ins Wort gefassete, Wasser solch großes Ding ausrichte. Dieser Bund aber besteht darin, daß von Seiten Gottes dem Menschen Gottes Gnade und Christi Verdienst durch die heilige Taufe zugeeignet wird, welches nun der Mensch seinerseits durch den Glauben ergreift und sich aneignet, seine Glaubenshand in Gottes dargereichte Gnadenhand legt und daraus Vergebung der Sünden und ein gutes Gewissen zu Gott gewinnt.
3. Summa die Wiedergeburt. Denn also steht geschrieben Tit. 3, 5—7.: „Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch JEsum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben sein des ewigen Lebens nach der Hoffnung.“
Hier wird also der heiligen Taufe klar und rund zugesprochen:
a.) die Wiedergeburt, kraft welcher der alten Geburt aus dem Fleisch (Joh. 3, 6.) der Todesstoß versetzt und die neue Creatur dem Menschen, dem Keime nach, eingepflanzt wird. Da aber gleichwohl, obschon die Schuld der Erbsünde völlig vergeben ist, die Erbsünde selber immer noch bleibt und in Gedanken, Worten und Werken vielfach zur Thatsünde wird, so gilt es eine stete Abtödtung der Erbsünde und eine stete Belebung der Taufgnade, oder, mit andern Worten, es fließet aus der heiligen Taufe auch her:
b.) die Erneuerung des Heiligen Geistes, nämlich, daß der in der heiligen Taufe empfangene Heilige Geist den Getauften von der Befleckung der täglichen Sünde fortwährend reinigt und erneuert und also den neuen Menschen, das in Adam verlorene, aber in Christo wiedergewonnene, und mittelst der heiligen Taufe wiederum eingepflanzte göttliche Ebenbild immer mehr stärkt und fördert, wovon später ein Mehreres. Daß aber dasteht: „welchen, nämlich den Heiligen Geist, Gott ausgegossen über uns reichlich durch JEsum Christum, unsern Heiland“, das will so viel sagen, daß das blutige Sühnopfer und Verdienst Christi und darnach sein glorreicher Hingang zum Vater die Ursache war, daß der Heilige Geist in der heiligen Taufe über den Menschen ausgegossen und die Wiedergeburt und stetige Erneuerung demselben mitgetheilt wird; denn ohne den Hingang und die Verklärung Christi bei dem Vater konnte der Tröster, der Heilige Geist, nicht von dem verherrlichten Gottes- und Marien-Sohne herniederkommen, um diesen wiederum durch Wort und Sacrament in die Herzen der Gläubigen zu bringen und darin zu verklären. Der Zweck aber dieses Bades der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes ist in Vers 7. enthalten, wo es heißt: „auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben sein des ewigen Lebens nach der Hoffnung.“
Hieraus ist aber genugsam klar, daß auch die Vollendung der Wiedergeburt in der seligen und herrlichen Auferstehung der Gerechten in Christo, daß ihr Ererben des Reichs, ihr ewiges und seliges Anschauen des majestätischen glorreichen Got-
English translation AI translation
99
God to perform the holy act of Baptism, so that the LORD Himself is the baptizer, but the baptizing minister, as it were, His hand, as in the preaching of the Gospel he is His mouth. (2 Cor. 5, 19.) In the third place, finally, "in the name" means also to baptize with confession and invocation of the triune God; for how would one otherwise know that baptism is performed in the name of God, if His name were not named, confessed and invoked?
Thus, then, according to John 3, 5., holy Baptism, where the person baptized receives this Word in faith, is the deliverance from the power of darkness and the translation out of the kingdom of Satan into the kingdom of the dear Son; and since in truth the triune God is the true Baptizer, the believing person baptized is thereby so transplanted into the life-fellowship of the Holy Trinity, or the same is so implanted in him, that there falls to him essentially and truly the grace of the Father, the merit of the Son, and the power of the Holy Ghost, or, in other words, that he becomes the child of the Father, the brother or sister of the Son, the temple and dwelling of the Holy Ghost. This leads us, however, to the answering of the second question:
II. What does holy Baptism work?
We say, according to God's Word, Acts 2, 38. and 22, 16.:
1. Forgiveness of sin and the gift of the Holy Ghost.
When Peter, namely, on the day of Pentecost boldly and powerfully raised his testimony of Christ and especially of His resurrection, it is reported to us, Acts 2, 37.: "Now when they heard this, they were pricked in their heart, and said unto Peter and to the rest of the apostles, Men and brethren, what shall we do?" Had holy Peter now been a Methodist apostle, he would have said: Let us fall together upon our knees, cry unto the LORD and do violence to the kingdom of heaven, and so the Holy Ghost will be poured out upon you just as immediately as upon us.
But Peter's words sound quite otherwise; for thus he answers, verse 38.: "Repent (change your mind), and be baptized every one of you in the name of Jesus Christ for the remission of sins, and ye shall receive the gift of the Holy Ghost." (Compare Acts 22, 16.)
Over such and like passages, indeed, which have real power of proof for the efficacy of holy Baptism and which expound more closely the word of institution and promise of the LORD Christ, reported above, over such passages the Baptist fanatics, in their favorite way, gladly skip, and bring forward instead other passages which do not fit at all, but before unknowing hearers seem to support their delusion. So also our Methodist. There he promptly brings up Acts 8, 14—17., where it is thus written: "Now when the apostles which were at Jerusalem heard that Samaria had received the word of God, they sent unto them Peter and John, who, when they were come down, prayed for them, that they might receive the Holy Ghost; for as yet he was fallen upon none of them, only they were baptized in the name of the Lord Jesus. Then laid they their hands on them, and they received the Holy Ghost." There you see, says he, how Baptism does not impart the Holy Ghost, but prayer does it (for the laying on of hands of the Apostles he gladly leaves behind).
How, then? Does this passage stand in actual contradiction with the one above? Not so; but here is not meant the Holy Ghost whom every person baptized, if he believes, receives by virtue of holy Baptism for abiding indwelling, and therein forgiveness of sins, life and salvation, as that passage above, Acts 2, 38., testifies; but in this latter passage the discourse is of the Holy Ghost insofar as He, in the beginning of the Christian Church, distributed to certain persons baptized special gifts of miracles and of grace, for example the speaking with tongues, that is, in foreign languages never learned, and prophesying, which for the most part took place through the laying on of hands of the holy Apostles. This distribution took place, by exception, even without Baptism and laying on of hands of Peter, upon his preaching, to Cornelius and his household, as Acts 10, 43—46. shows. But in order that precisely these firstfruits from among the Gentiles might not set their hearts on these gifts and remain stuck in the sweet feelings which they had in their speaking with tongues, Peter said, verse 47.: "Can any man forbid water, that these should not be baptized, which have received the Holy Ghost as well as we? And he commanded them to be baptized in the name of the Lord."
Thus precisely in the water-baptism so highly despised by the fanatics, Cornelius and his household, who yet had the miraculous gift of the Holy Ghost, which our fanatics do not have, were to receive the firm and certain sealing of their being graciously accepted and of the forgiveness of sins.
How, however, forgiveness of sins is appropriated in holy Baptism, Gal. 3, 27. testifies: "For as many of you as have been baptized into Christ have put on Christ." The merit of Christ, therefore, is so imparted to the person baptized in this holy washing of water that the guilt of original (and, if he be an adult) also of actual sin is washed away, and he is clothed with the righteousness of the LORD and Savior as with a garment, and wholly and entirely covered. It is, however, the same whether we say: our sins are forgiven us, or: we are declared righteous before God. But where this is, there is also:
2. The covenant of a good conscience with God; for thus it is written, 1 Pet. 3, 21.: "which (namely the water) now also saves us in Baptism, which is signified by that (the water of the flood), not the putting away of the filth of the flesh, but the covenant of a good conscience with God, by the resurrection of Jesus Christ."
Here it is expressly testified that the water, understood as comprehended in the Word, accomplishes so great a thing. But this covenant consists in this, that on the part of God, God's grace and Christ's merit are appropriated to man through holy Baptism, which man in turn on his part lays hold of and appropriates through faith, laying his hand of faith in God's extended hand of grace, and from this gains forgiveness of sins and a good conscience toward God.
3. In sum, the new birth. For thus it is written, Tit. 3, 5—7.: "He saved us by the washing of regeneration and renewing of the Holy Ghost, which he shed on us abundantly through Jesus Christ our Saviour; that being justified by his grace, we should be made heirs according to the hope of eternal life."
Here, then, there is ascribed to holy Baptism plainly and roundly:
a.) The new birth, by virtue of which the deathblow is dealt to the old birth out of the flesh (John 3, 6.) and the new creature is implanted in man, as to its germ. But since nevertheless, although the guilt of original sin is fully forgiven, original sin itself still remains and in thoughts, words and works often becomes actual sin, there is need of a constant mortifying of original sin and a constant quickening of the grace of Baptism, or, in other words, there flows from holy Baptism also:
b.) The renewing of the Holy Ghost, namely, that the Holy Ghost received in holy Baptism continually cleanses and renews the baptized from the defilement of daily sin, and thus ever more strengthens and furthers the new man, the divine image lost in Adam but regained in Christ and implanted again by means of holy Baptism, of which more later. But that it stands written: "which, namely the Holy Ghost, God shed on us abundantly through Jesus Christ our Saviour," this means as much as that the bloody sacrifice of atonement and merit of Christ, and after it His glorious going to the Father, was the cause that the Holy Ghost is poured out in holy Baptism upon man and the new birth and constant renewal is imparted to him; for without the going to the Father and the glorification of Christ with the Father the Comforter, the Holy Ghost, could not come down from the glorified Son of God and of Mary, in order to bring Him again through Word and Sacrament into the hearts of believers and there to glorify Him. But the purpose of this washing of regeneration and renewing of the Holy Ghost is contained in verse 7., where it says: "that being justified by his grace, we should be made heirs according to the hope of eternal life."
From this it is, however, sufficiently clear that also the completion of the new birth in the blessed and glorious resurrection of the righteous in Christ, that their inheriting of the kingdom, their eternal and blessed beholding of the majestic glorious God