Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 17 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-04-17, Seite 131
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Apoſtel 76 · Apoſteltage · Apoſteltage 1 · Kirchenjahr · Maria 7 · Prophet 1 · Reformation 197
131
Evangelium, Joh. 3., preiset die Gabe, welche der Heilige Geist durch das Wort des Evangelii den Menschen verkündigt und den Gläubigen schenkt, nemlich unsern HErrn JEsum Christum. Das dritte Evangelium, Joh. 10., gibt einen Unterricht vom heiligen Predigtamte, als dem Amte des Heiligen Geistes, und zeigt namentlich den Unterschied zwischen rechten und falschen Lehrern. Die Episteln des zweiten und dritten Feiertages (Apostelg. 10, 42—48. und 2, 29—36. oder 8, 14—25.) geben Zeugniß von den Predigten der Apostel und ihrer Frucht.
Das Trinitatisfest fordert nach Dr. Luthers Ausspruch, die Leute zu unterrichten, zu erinnern und zu stärken im Glauben des Artikels der heiligen Dreifaltigkeit; denn wo dies nicht geschehe, so könnten auch die anderen Artikel nicht rein, noch fruchtbarlich gehandelt werden; hinsichtlich des Unterschiedes dieses und der andern hohen Feste fügt er Folgendes hinzu: „Die anderen Feste im Jahr wickeln unsern HErrn Gott ein in seine Werke und Wunder, die er gethan hat; als, in den Weihnachten Christi begeht man, daß Gott ist Mensch worden; am Ostertage, daß er ist von Todten auferstanden; am Pfingsttage, wie er den Heiligen Geist gegeben und die christliche Kirche angerichtet hat, und so fort an; daß alle andere Feste von unserm HErrn Gott so predigen, wie er bekleidet ist, etwa mit einem Werk; aber dies Fest hält uns für, wer er an ihm selbst sei, außer allen Kleidern oder Werken, bloß an seinem göttlichen Wesen. Da muß man hoch über alle Vernunft kommen, alle Kreaturen hienieden lassen und allein hören, was Gott von ihm selbst sagt und von seinem innerlichen Wesen, sonst werden wir es nicht erfahren.“ (XII, 852 ff.)
Nach seiner Meinung ist das gewöhnliche Evangelium Joh. 3. deßhalb für dieses Fest bestimmt worden, weil darin der Unterschied der drei Personen in ihrem höchsten Werk, nämlich unserer Rechtfertigung, so deutlich angezeigt wird, wie nemlich der Vater der Welt seinen Sohn schenkt, der Sohn am Kreuz sich erhöhen läßt und der Heilige Geist durch das Wasser der heiligen Taufe uns wiedergebieret zum Reiche Gottes.
Die Perikopen der 27 Trinitatissonntage waren mit unbedeutenden Ausnahmen dieselben, wie wir sie jetzt noch haben.
Die ganzen Feiertage, welche während der Trinitatiszeit nach den alten lutherischen Kirchenordnungen gefeiert werden, sind mit Ausschluß der Aposteltage folgende:
Der Tag Johannis des Täufers (24. Juni) soll, wie Dr. Luther sagt, um der geistlichen Freude willen begangen werden, daß Johannes der erste Prediger ist, welcher mit seinem Finger den gebenedeieten Samen zeigen und uns das Heil und Vergebung der Sünden weisen soll; folglich wird dies Fest nicht um Johannis, sondern um Christi willen gefeiert, und zwar ist der Lobgesang oder das Benedictus des Zacharias das rechte Hauptstück im ganzen Text, weil er darin „mit den allerfeinesten Worten das Evangelium und Reich Christi mit allen seinen Früchten, Farben und Eigenschaften auf das allermeisterlichste abmalet, daß es sei ein Wort und Reich der Gnaden, Vergebung, Friedens, Freuden, Sicherheit, Seligkeit und alles Gutes“. (XI, 3059.)
Der Tag Mariä Heimsuchung (2te Juli) ist ebenfalls ein Fest des HErrn, denn wir feiern es darum, „erstlich, daß man Gott danke für die herrliche Offenbarung, die auf diesen Tag geschehen ist, daß die fromme und alte Matrona, die liebe Elisabeth, so des Heiligen Geistes voll ist, und die vor von Christo und seiner Empfängniß nichts weiß, jetzund herausfähret und bekennet, daß das Jungfräulein Maria sei die rechte Mutter ihres HErrn und Gottes: wird derohalben froh, daß sie so einen großen herrlichen Gast bekommen hat, der da heißt Gottessohn. Und das Kindlein in ihrem Leibe, der liebe Johannes, meldet solchen Gast auch, wird fröhlich und hüpfet im Mutterleibe: Bezeugen also beide, die Mutter mit ihrer Predigt, und das Kindlein mit seinem Hüpfen, daß Christus vorhanden sei, durch welchen aller Welt, zuvörderst aber dem jüdischen Volk, von Tod, Sünde und Teufel soll geholfen werden. Solches soll uns zugleich zur Freude und ernstem Dank gegen Gott bewegen. Denn wo Gott diesen Schatz heimlich halten und nicht gewollt hätte, daß wir davon wissen und sein genießen sollten, würde solche wunderbarliche Offenbarung wohl dahinten geblieben sein. Auf diese Offenbarung folget darnach auch ein sonderliches Stück, nämlich der schöne Lobgesang, das Magnificat: das ist auch werth, daß wir einen Feiertag ihm zu Ehren machen, daß man es predige und wohl verstehen lerne, denn es ist zumal ein feiner Gesang.“ (XIII, 2720. ff.)
„Den Tag Michaelis des Erzengels (den 29. September) halten wir, daß wir Gott dem HErrn danken für diese Wohlthat, Trost und Freude, daß er uns gegeben hat den Schutz und Beistand seiner lieben Engel, daß wir nicht dahin leben, wie die undankbaren gottlosen Leute, deren leider allzuviel ist auf Erden, — wenn man aber von den lieben Engeln predigt, so kann man nicht umgehen, man muß auch predigen von Teufeln; sintemal die Teufel auch Engel sind, — wenn man aber dieß nicht weiß, daß uns der Teufel so nahe ist, so verleuret man die Erkenntniß der Wohlthat, die uns Gott durch seine Engel thut, gleichwie einer, der den Tod nicht kennet, kann nicht wissen, wie edel das Leben ist; und wer keinen Hunger gelitten hat, weiß nicht, wie theuer und werth das liebe Brod sei.“ (X, 1234. ff.)
Das Reformationsfest wurde nach der pommerschen Kirchenordnung als ein besonderes Fest am Tauftag Dr. Luthers (11. November) gefeiert. Dieser Tag erhielt dann als Evangelium Luc. 12, 35—48., und als Epistel Offenbarung St. Joh. 14, 6. 7. In Sachsen wurde vom Jahre 1669 an dies Fest am 31. October gefeiert, wobei als Evangelium Offenbarung St. Joh. 14, 6—13., und als Epistel Ps. 46. vorgeschrieben war; übrigens war der erste, welcher den Engel mit dem ewigen Evangelio auf Dr. Luther gedeutet, nicht, wie man gewöhnlich annimmt, Dr. Bugenhagen in der Leichenpredigt Luthers, sondern Michael Stiefel, der darüber schon um das Jahr 1520 eine besondere Schrift herausgegeben hat.
Der Kirchweihtag wurde nach einer sächsischen Verordnung in dem Zeitraume vom 11ten November bis 6ten December gefeiert, wie dies auch schon zu Dr. Luthers Zeiten geschah; er sagt davon: „Ich halte, daß es aus sonderlicher Gottes Vorsehung geschehen sei, daß die lieben Väter dies Evangelium (Luc. 19, 1. ff.) auf diesen Tag zu lesen und zu predigen verordnet haben, da sie (die späteren Lehrer) die Larven und Gepräng der äußerlichen Kirchweihung eingesetzet haben; wiewohl sie mit einem thürstigen Frevel das menschliche Herz, so mit äußerlichen Dingen befangen ist, merklich sehr verhindern, daß es nichts Tiefes indeß bedenken kann. Doch zeuget das Evangelium, welches Geist und Leben ist, an, daß der Tempel solle Gott geheiliget sein: nicht der Tempel, der von Stein oder Holz gebauet ist und mit Schiefer bedecket, sondern es sagt, daß dem Hause sei Heil widerfahren, welches da ist ein Sohn Abrahä.“ (XI, 3219.)
Die Aposteltage sind in vielen lutherischen Landeskirchen mit ganztägiger, in mehreren, wie in der pommerschen, mit halbtägiger Feier begangen, selten aber auf den nächstfolgenden Sonntag und noch weit seltener, nach dem Vorgange der Reformirten, auf die Wochenpredigten verlegt worden. Die Legenden der Apostel, ausgenommen Pauli, sollen nach Dr. Luthers Rath, wobei er sich auf Eusebius' Kirchengeschichte beruft, deßhalb verworfen werden, weil sie durch die Bosheit der Ketzer verderbt worden sind; hinsichtlich dessen aber, was die heilige Schrift von ihnen erzählt, sagt Dr. Luther: „Es ist sehr gut, daß man in der Kirche etliche Historien der Heiligen beibehalten hat, welche in der heiligen Schrift darum so fleißig aufgezeichnet sind, auf daß wir nach solchen Erempeln uns halten und unser Leben bessern sollten. Denn um dieser Ursach willen hat es der Heilige Geist so verordnet, daß man nicht allein von ihrer Heiligkeit, Glauben und guten Werken, sondern auch von ihrer Schwachheit und Sünden hat schreiben müssen, uns zum Unterricht und Lehre, daß, gleichwie ihr Glaube und gute Werke uns vorleuchten und wir ihrem Exempel folgen sollen, also auch ihre Sünde und Schwachheit uns warnen soll, daß wir nicht sicher sein, sondern uns in guter Hut halten sollen. Denn, so es so großen trefflichen Leuten, denen wir unser Lebtag nicht gleich werden, gefehlet hat, daß sie gestrauchelt und bisweilen gar gefallen sind, wie viel mehr kann es sich mit uns zutragen, ob wir gleich jetzt stehen, daß wir unversehens fallen und liegen. Darum gehört großer Fleiß und stetes Beten dazu, daß Gott uns erhalten und nicht in Versuchung wolle sinken lassen.“ (XIII, 2798. ff.) Die Reihe der Aposteltage, deren Perikopen mit wenigen Ausnahmen am Ende unserer Bibeln angegeben sind, ist nach dem Laufe des Kirchenjahres folgende: Tag des Andreas 30. November, des Thomas 21. December, Johannis des Evangelisten den 27. December (meistens durch den drit-
English translation AI translation
131
Gospel, John 3, extols the gift which the Holy Ghost through the Word of the Gospel proclaims to men and bestows on believers, namely our LORD JESUS Christ. The third Gospel, John 10, gives instruction concerning the holy office of preaching, as the office of the Holy Ghost, and shows in particular the difference between true and false teachers. The Epistles of the second and third festival days (Acts 10, 42-48, and 2, 29-36, or 8, 14-25) bear witness to the preachings of the Apostles and their fruit.
The Feast of the Trinity requires, according to Dr. Luther's saying, that the people be instructed, reminded and strengthened in the faith of the article of the holy Trinity; for where this is not done, the other articles also could not be treated purely, nor to profit; concerning the difference between this and the other high feasts he adds the following: “The other feasts of the year wrap up our LORD God in His works and wonders which He has done; as, at the Nativity of Christ it is celebrated that God has become man; on Easter Day, that He is risen from the dead; on Whitsunday, how He has given the Holy Ghost and established the Christian Church, and so forth; so that all other feasts preach of our LORD God as He is clothed, so to speak, with a work; but this feast sets before us who He is in Himself, apart from all garments or works, simply in His divine essence. Here one must rise high above all reason, leave all creatures here below, and hear alone what God says of Himself and of His inward being, otherwise we shall not learn it.” (XII, 852 ff.)
In his opinion the usual Gospel, John 3, has therefore been appointed for this feast because in it the distinction of the three Persons in their highest work, namely our justification, is so clearly shown, how, to wit, the Father gives His Son to the world, the Son lets Himself be lifted up on the cross, and the Holy Ghost through the water of holy Baptism regenerates us unto the kingdom of God.
The pericopes of the 27 Sundays after Trinity were, with insignificant exceptions, the same as we still have them now.
The whole festival days which, according to the old Lutheran church orders, are celebrated during the Trinity season, with the exception of the Apostles' days, are the following:
The Day of John the Baptist (June 24) is to be observed, as Dr. Luther says, for the sake of spiritual joy, that John is the first preacher who with his finger is to point out the blessed Seed and show us salvation and forgiveness of sins; consequently this feast is celebrated not for John's sake, but for Christ's sake, and indeed the song of praise, or the Benedictus of Zacharias, is the true principal part of the whole text, because in it he paints “in the very finest words the Gospel and kingdom of Christ, with all its fruits, colors and properties, in the most masterly manner, that it is a word and kingdom of grace, forgiveness, peace, joys, security, blessedness and all good.” (XI, 3059.)
The Day of the Visitation of Mary (July 2) is likewise a feast of the LORD, for we celebrate it, “first, that we thank God for the glorious revelation which took place on this day, that the pious and aged matron, dear Elisabeth, who is full of the Holy Ghost, and who before knew nothing of Christ and His conception, now comes forth and confesses that the virgin Mary is the true mother of her Lord and God: she becomes therefore glad that she has received so great and glorious a guest, who is called the Son of God. And the little child in her womb, dear John, also announces such a guest, becomes joyful and leaps in the mother's womb. Thus both bear witness, the mother with her preaching, and the little child with his leaping, that Christ is at hand, through whom all the world, but first of all the Jewish people, shall be helped from death, sin and devil. This should at the same time move us to joy and earnest thanks toward God. For if God had wished to keep this treasure secret, and had not willed that we should know of it and enjoy it, such a wonderful revelation would surely have remained behind. Upon this revelation there follows thereafter also a special piece, namely the beautiful song of praise, the Magnificat: that also is worth our making a feast day in its honor, that it may be preached and well understood, for it is altogether a fine song.” (XIII, 2720 ff.)
“The Day of Michael the Archangel (the 29th of September) we keep, that we may thank God the LORD for this benefit, comfort and joy, that He has given us the protection and assistance of His dear angels, that we may not live on as the unthankful godless people, of whom there are, alas, far too many on earth, — but when one preaches of the dear angels, one cannot avoid it, one must also preach of devils; seeing that the devils also are angels, — but if one does not know this, that the devil is so near us, one loses the knowledge of the benefit which God does us through His angels, even as one who does not know death cannot know how precious life is; and he who has suffered no hunger does not know how dear and valuable the good bread is.” (X, 1234 ff.)
The Reformation Festival was celebrated, according to the Pomeranian church order, as a special feast on the baptismal day of Dr. Luther (November 11). This day then received as Gospel Luke 12, 35-48, and as Epistle Revelation of St. John 14, 6. 7. In Saxony from the year 1669 this feast was celebrated on the 31st of October, whereby as Gospel Revelation of St. John 14, 6-13, and as Epistle Psalm 46 were prescribed; moreover, the first who interpreted the angel with the everlasting Gospel as referring to Dr. Luther was not, as is commonly supposed, Dr. Bugenhagen in the funeral sermon of Luther, but Michael Stiefel, who had already published a special writing on it about the year 1520.
The Day of Dedication of the Church was celebrated, according to a Saxon ordinance, in the period from the 11th of November to the 6th of December, as was done already in Dr. Luther's time; he says of it: “I hold that it came to pass by a special providence of God that the dear fathers appointed this Gospel (Luke 19, 1 ff.) to be read and preached on this day, since they (the later teachers) had instituted the masks and pomp of the outward church-consecration; although with a thirsty presumption they notably hinder the human heart, which is entangled with outward things, so that it can meanwhile reflect on nothing deep. Yet the Gospel, which is spirit and life, testifies that the temple shall be hallowed to God: not the temple which is built of stone or wood and covered with slate, but it says that salvation has come to the house, which is a son of Abraham.” (XI, 3219.)
The Apostles' days were observed in many Lutheran territorial churches with a whole-day, in several, as in the Pomeranian, with a half-day celebration, but seldom transferred to the next following Sunday, and still much more seldom, after the example of the Reformed, to the weekday sermons. The legends of the Apostles, Paul excepted, are to be rejected, according to Dr. Luther's counsel, wherein he appeals to Eusebius' Church History, because they have been corrupted by the wickedness of heretics; but concerning what the Holy Scripture relates of them, Dr. Luther says: “It is very good that some histories of the saints have been retained in the Church, which are so diligently recorded in the Holy Scripture for this reason, that we should hold ourselves by such examples and amend our life. For on this account the Holy Ghost has so ordained that one has had to write not only of their holiness, faith and good works, but also of their weakness and sins, for our instruction and teaching, that, just as their faith and good works shine before us and we are to follow their example, so also their sin and weakness should warn us, that we be not secure, but keep ourselves in good watch. For if it failed with such great and excellent people, to whom we shall never in our lifetime be equal, so that they stumbled and sometimes even fell, how much more may it happen to us, though we now stand, that we fall and lie unawares. Therefore great diligence and constant prayer belong thereto, that God may keep us and not suffer us to sink into temptation.” (XIII, 2798 ff.) The series of the Apostles' days, whose pericopes with few exceptions are given at the end of our Bibles, is, according to the course of the Church year, as follows: Day of Andrew, November 30, of Thomas, December 21, of John the Evangelist, December 27 (for the most part through the thir-