Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 17 › Seite 262
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. August 1912, Seite 262
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang 8 · Staatsſchule · Gemeindeſchule
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können, daß wir so nach und nach gering und immer geringer
davon halten? Die meisten unserer Lutheraner kennen wohl
den Ausspruch Luthers über Gottes Wort: „Gottes Wort ist
wie ein fahrender Platzregen“ usw. Sollte das Wort, auf
unsere Schulen angewandt, vielleicht später einmal so lauten:
Die Missourisynode hat sie (die Gemeindeschule) auch gehabt.
Hin ist hin, sie haben nun — die public school? Gott wolle
uns in Gnaden bewahren, daß es dahin kommen sollte! Oder
ist vielleicht hin und wieder ein lutherischer Christ unter uns,
der das Kleinod der Gemeindeschule schon von sich geworfen
hat und seine Kinder in die öffentlichen Staatsschulen schickt?
Du weißt doch, daß deine Kinder dort nicht in der Zucht und
Vermahnung zum SErrn erzogen werden. Du sagst vielleicht:
Religion lernt mein Kind in der Sonntagsschule beim Pastor.
Jawohl, aber dein Kind lernt auch „Religion“ in der Staats⸗
schule, sehr oft, ohne daß du eine Ahnung davon hast.
Dafür will ich ein Beispiel bringen, für dessen Wahrheit
ich verbürge. Zwei Mädchen besuchten nach der Konfirmation
eine öffentliche Schule. Der Gegenstand des Unterrichts war
Geologie. Der Lehrer erklärte den Kindern, daß nach der
Lehre der Geologie die Welt nach und nach aus dem Wasser
sich entwickelt habe, und so werde sie auch im Wasser wieder
untergehen. Alle Menschen und alle Landtiere würden also
aufhören zu existieren. Die beiden Mädchen nahmen den Mut,
dem Lehrer zu sagen, daß dies niemals geschehen könne, denn
Gott habe dem Noah versprochen, daß die Welt niemals wieder
durch Wasser vertilgt werden solle. Gott habe ferner gesagt,
die Welt würde am Jüngsten Tage durch Feuer zerstört werden.
Der Lehrer fragte: „Wo habt ihr das gelesen?“ Antwort:
„In der Bibel.“ Lehrer: „O ihr müßt nicht alles glauben,
was in der Bibel steht. Die Bibel ist ein Märchenbuch.“ Die
beiden Mädchen, die durch den Unterricht in der Gemeinde⸗
schule in der Lehre fest gegründet waren, konnten sich gegen
den elenden Lästerer wehren. Die andern Kinder haben ge⸗
lernt, daß man nicht alles glauben müsse, was in der Bibel
stehe, denn sie sei ein Märchenbuch. — Wer will den Schaden
beschreiben, der durch solche gottlose Lehrer in den Kinderherzen
angerichtet wird?
O ihr lieben Lutheraner, „kaufet, weil der Markt vor der
Tür ist“! Haltet das kostbare Gut, eure Gemeindeschulen, lieb
und wert! Ernstgesinnte Amerikaner beklagen in unsern Tagen
fort und fort das Verderben, das über unser Volk hereinbricht.
Sie merken auch, daß die religionslose Erziehung in den öffent⸗
lichen Schulen daran schuld ist, aber sie wissen keine Abhilfe.
Uns, uns in der Missourisynode, hat Gott einen großen Schatz
anvertraut; er wolle ihn uns noch lange erhalten. Was hülfe
es deinem Kinde, wenn es die ganze Welt gewönne und nähme
Schaden an seiner Seele? Bs.
Die Mormonen.
Wir sind von verschiedenen Seiten angegangen worden,
etwas über die Mormonen und ihre Lehre zu schreiben. Manche
Gemeinden werden ernstlich von ihnen beunruhigt. Es ist ja
bekannt, mit welchem Eifer diese Leute in unserm Lande und
in allen Ländern der Erde missionieren. Regierungen, Kon⸗
gresse und Parlamente befassen sich mit den Mormonen. Es
bilden sich hier und in andern Ländern Vereine, die dem Vor⸗
dringen der Mormonen entgegenarbeiten wollen. Da ist es
gewiß in Ordnung, wenn eine kirchliche Zeitschrift ihre Leser
über diese Erscheinung auf dem Gebiet der Kirchengeschichte
unterrichtet, und besonders weil diese Leute greuliche falsche
Lehren führen und zu verbreiten suchen, Gottes Wort aber den
Christen gebietet, sich vorzusehen vor den falschen Propheten.
Und das kann man nur, wenn man ihre Lehre kennt. Ihre
Missionare kommen aber nicht gleich mit ihrer ganzen greulichen
falschen Lehre heraus, sondern reden oft christlich oder wenig⸗
stens zweideutig. Auch ist die Prüfung damit nicht getan, daß
man sich etwa ihr heiliges Buch, das „Buch Mormon“, an⸗
schafft. Ihre Lehre hat im Lauf der Zeit eine große Entwick⸗
lung und ein Wachstum durchgemacht, und zwar zum Schlim⸗
meren. Da muß man viele von ihren neueren Büchern
kaufen und durchlesen. Das verursacht Kosten, die nicht jeder
sich zu machen braucht. Auch ist das Lesen der Bücher gar nicht
so sehr interessant und erbaulich — Strafe genug, wenn einer
es tun muß. Wir haben uns diese Bücher aus ihrem eigenen
Verlag kommen lassen und werden ihre Lehre nach ihrer eigenen
Darstellung bringen, so daß unsere Christen und Gemeinden
das nötige Material gegen sie haben. Der „Lutheraner“ will
ja den Gemeinden dienen.
Zum Verständnis dieser Sekte und ihrer Lehre dient auch
ihre Geschichte. So werden wir erst einen kurzen überblick
geben über ihre Entstehung und Verbreitung.
Der Stifter des Mormonentums ist ein gewisser Joseph
Smith. Aber Leute, die selber nicht Mormonen sind, fangen
die Geschichte nicht mit ihm an, sondern mit einem Mann, der
keine Ahnung davon hatte, daß er zur Bildung einer neuen
Lehre und Kirche geholfen habe. Um 1809 lebte in New
Salem, O., ein Mann namens Solomon Spaulding. Der war
Presbyterianerprediger gewesen und hatte dann einen weltlichen
Beruf ergriffen. Nachdem er darin Bankrott gemacht hatte,
versuchte er, durch Bücherschreiben sein Leben zu machen. Er
schrieb einen historischen Roman, in dem er eine fabelhafte Ge⸗
schichte der Indianer vortrug und ihren Ursprung auf eine
jüdische Auswanderung nach Amerika zurückführte. Er betitelte
diese Schrift „Gefundenes Manufkript“, als „Übersetzung einer
alten Handschrift“. Spaulding starb, ehe sein Buch im Druck
erschien. Das ungedruckte Manuskript fiel einem Manne na⸗
mens Sidney Rigdon, der später mit Smith zusammenwirkte,
in die Hände, und man glaubt, daß Smith einfach dieses Buch
benutzt habe. Die Mormonen leugnen natürlich diese Darstel⸗
lung und behaupten, daß Smith durch eine besondere göttliche
Offenbarung zu seinem Buch gekommnen sei.
Das „Buch Mormon“ erzählt folgende Geschichte. Auf
dem amerikanischen Festlande hat sich lange vor der Entdeckung
Amerikas die Geschichte zweier Nationen abgespielt, die beide
jüdischer Abstammung waren. Als die Menschen nach dem
Turmbau zu Babel zerstreut wurden, wanderten auch Leute
unter Führung des Bruders Jareds nach Amerika aus. Sie
hatten acht Schiffe, und Gott gab ihnen einige leuchtende Steine,
die ihnen Licht gaben. Sie siedelten sich in Nordamerika an
bei dem Golf von California. Sie vermehrten sich, wurden
ein starkes Volk. Aber durch innere Kriege rieben sie sich
gegenseitig ganz auf. Die letzte Schlacht geschah am Hügel
Cumorah in New Nork. Sie hatten unter sich einen Propheten
narnens Ether, der ihre Geschichte auf 24 Goldplatten be⸗
schrieb. Das geschah um das Jahr 590 vor Christo.
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