Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 4 › Seite 29
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-16, Seite 29
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehranſtalt 1 · Lehranſtalt 6
29
meister und Rathsherrn aller Städte deutschen Landes, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen", sagt er: "So lieb als uns das Evangelium ist, so hart laßt uns über den Sprachen. halten. Denn Gott hat seine Schrift nicht umsonst allein in die zwo Sprachen schreiben lassen, das alte Testament in die hebräische, das neue in die griechische. Welche nun Gott nicht verachtet, sondern zu seinem Wort erwählet hat für allen anderen, sollen auch wir dieselben für allen andern ehren. Und lasset uns das gesagt sein, daß wir das Evangelium nicht wohl werden erhalten, ohne die Sprachen. Die Sprachen sind die Scheiden, darin das Messer des Geistes steckt, sie sind der Schrein, darin man das Kleinod trägt, sie sind das Gefäß, darin man diesen Trank fasset."
Wie nothwendig in der Kirche auch gelehrte Prediger sind, die die Schrift auslegen können, und fromme einfältige Prediger es nicht allein thun, das zeigt er in derselben Schrift; er sagt: "Auch Augustinus muß bekennen, daß einem christlichen Lehrer, der die Schrift soll auslegen, noth sind die lateinische, auch die griechische und hebräische Sprache. Es ist sonst unmöglich, daß er nicht allenthalben anstoße, ja, noch Noth und Arbeit da ist, ob einer die Sprachen schon wohl kann. Darum ist's gar viel ein ander Ding um einen schlechten (bloßen) Prediger des Glaubens, und um einen Ausleger der Schrift, oder, wie es St. Paulus nennt, einen Propheten. Ein schlechter Prediger (ist wahr) hat so viel heller Sprüche und Text durch's Dolmetschen, daß er Christum verstehen, lehren, und heiliglich leben und andern predigen kann. Aber die Schrift auszulegen und zu handeln für sich hin, und zu streiten wider die irrigen Einführer der Schrift, ist er zu geringe; das läßt sich ohne Sprachen nicht thun. Nun muß man in der Christenheit solche Propheten haben, die die Schrift treiben und auslegen, und auch zum Streit taugen; und ist nicht genug am heiligen Leben und recht Lehren. Darum sind die Sprachen stracks und aller Dinge von Nöthen in der Christenheit, gleichwie die Propheten und Ausleger, ob's gleich nicht noth ist, noch sein muß, daß ein jeglicher Christ oder Prediger sei ein solcher Prophet, wie St. Paulus sagt 1 Cor. 12, V. 8. und 9., Eph. 4, V. 11." Und von sich selbst sagt Luther: "Das weiß ich aber wohl, wie fast (sehr) der Geist alles allein thut! Wäre ich doch allen Büschen zu ferne gewesen, wo mir nicht die Sprachen geholfen, und mich der Schrift sicher und gewiß gemacht hätten. Ich hätte auch wohl können fromm sein, und in der Stille recht predigen; aber der Pabst und die Sophisten, mit dem ganzen antichristischen Regimente, würde ich wohl haben lassen sein, was sie sind. Der Teufel achtet meinen Geist nicht so fast, als meine Sprache und Feder in der Schrift. Denn mein Geist nimmt ihm nichts, denn mich allein, aber die Schrift und Sprachen machen ihm die Welt zu enge, und thut ihm Schaden in seinem Reich."
Ihr seht, theure Glaubensgenossen, aus dem Angeführten, wie nothwendig Gelehrtenschulen sind, und also die Ausgaben nicht gescheut werden dürfen, die solche Schulen allerdings erheischen.
Auf denn! bedenket, es gilt die Ehre Gottes, die Ihr zu befördern hierdurch aufgefordert werdet. Denn nur allein darum soll ja das Evangelium aller Creatur bis an das Ende der Tage verkündiget werden, daß Gottes Name geheiliget und sein Wille vollbracht werde, daß die nach Gottes Bild geschaffenen, aber gefallenen Menschen zur Erkenntniß ihres Gottes wieder zurückgebracht und eine ewige Gemeine gesammelt werde, die den dreieinigen Gott hier zeitlich und dort von Ewigkeit zu Ewigkeit lobe vor seinem Throne.
Bedenkt, es gilt die höchste Noth Eurer Brüder, der Ihr durch eine kleine Gabe mit abhelfen, und das höchste Gut, das Ihr ihnen durch ein geringes irdisches Gut mit verschaffen sollt. Ihr wißt, wie viele Eurer Mitchristen, die eine Sprache mit Euch reden, ein Vaterland haben, einen Glauben bekennen, geistlich darben und Mangel leiden. Ihr wißt, wie sie in Unglauben und falschen Glauben verführt werden. Ihr könnt doch nimmermehr die Eurigen, um ein zeitliches Gut zu ersparen, an ihren Seelen darben und geistlich verschmachten lassen!
Wir wenden uns zunächst an Euch, denen es am nächsten liegt, Ihr Lutheraner im Westen.
Entweder Ihr habt einen rechtschaffenen Prediger des Evangeliums; dann wißt Ihr ja aus Erfahrung, welche Wohlthat Gott Euch damit erwiesen hat. Solltet Ihr nicht auch Euren Brüdern diese Gnade gönnen? Oder Ihr entbehrt eines treuen Dieners Eurer Kirche; seid entweder jeder Weide durch die Predigt des Evangeliums und durch die Handlung der heiligen Sacramente unter Euch entblößt, oder werdet bestürmt, Euch von denen weiden zu lassen, welche Euch eine Seelennahrung reichen, gegen welche Ihr gerechtes Mißtrauen hegt, ob ihr nicht das Gift seelenverderblicher Irrlehre beigemischt sei. Fühlet Ihr nicht die Größe der Noth, in der Ihr liegt? Sollte daher in Euch nicht längst die Sehnsucht erwacht sein, daß doch diese Eure geistliche Verlassenheit ein Ende nehme? — Ihr liebet Eure Kinder und wünscht, daß sie in der heilsamen Lehre erzogen werden möchten; müßt Ihr aber nicht mit tiefer Besorgniß in die Zukunft blicken, und fragen: "Was wird aus unsern Kindern werden? Wohin werden sie sich wenden? Welcher Partei werden sie in die Hände fallen?" Ihr denkt an herüberkommende Prediger von Deutschland; aber was für eine kümmerliche Aushilfe ist es für uns, wenn wir fort und fort auf die Zusendung von Predigern von so fernen Orten uns verlassen und darauf warten sollen!
Wäre es nicht erschrecklich, wenn dieses schöne Abendland zwar unter Gottes Segen im Irdischen immer herrlicher aufblühte, aber durch unsere Schuld im Geistlichen für uns Lutheraner und unsere Kinder und Nachkommen eine Wüste würde? Auf denn, Brüder! öffnet Herzen und Hände, zu helfen, da für Euch noch Zeit ist, zu helfen und Gutes zu thun. —
Wir wenden uns auch an die lieben Lutheraner im Osten. Oft haben wir in Euren Zeitungen dringende Aufforderungen gelesen, für Eure armen Glaubensgenossen im weiten Westen etwas zu thun. Ihr habt sonach die Noth eingesehen. Es ist eine schreiende Noth. Ihr habt aber bis jetzt nur wenig für den Westen gethan, denn es war Euch keine Gelegenheit geboten, mit geringen Mitteln etwas der großen Noth Abhelfendes zu erzielen. Jetzt bietet sich Euch eine solche Gelegenheit dar. Laßt denn unsere dringende Bitte, die wir hierdurch an Euch richten, keine Fehlbitte sein. Möchten doch insonderheit Diejenigen sich dieser hochwichtigen Angelegenheit annehmen, welche vermöge ihres Amtes und Einflusses dieselbe ganzen Gemeinden ans Herz legen können, die Prediger und Gemeindevorsteher! —
Zum Schluß können wir allen milden Gebern die feierliche Versicherung geben: 1. daß die zu erweiternde Anstalt eine Constitution hat, vermöge welcher in derselben unwiderruflich allein solche Prediger gebildet werden sollen, welche der rechtgläubigen, evangelisch-lutherischen Kirche dienen, deren Lehre in dem Concordienbuche von 1580 aus Gottes Wort hell und klar dargelegt ist; 2. daß die Anstalt nach ihrer Constitution eine deutsche sei, und unveränderlich bleiben müsse; daß daher neben der deutschen Sprache nur die lateinische das Lehrmittel sei und unveränderlich bleiben, und hingegen die englische, wie jede andere fremde Sprache, nur ein Lehrgegenstand sein und bleiben soll; daß die gewissenhafteste Verwendung der eingehenden Beiträge zu dem bestimmten Zwecke von der ganzen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten überwacht und darüber von den Beamten derselben öffentlich von Zeit zu Zeit genaue Rechenschaft abgelegt werden wird.
So haben denn wir, die beauftragt sind, den Bau für die im Obigen bezeichnete Anstalt bei noch sehr geringen Mitteln zu beginnen, dem Drange unseres Herzens gefolgt, uns an die Liebe unserer hiesigen Glaubensgenossen fürbittend zu wenden.*)
Der HErr aber, der die Herzen der Menschen lenkt wie Wasserbäche, lenke auch die Herzen aller Leser Dieses zu vereinter Unterstützung des Werkes, zu dessen Förderung wir sie hierdurch brüderlich angesprochen haben. Er kröne jedes im Glauben dafür geopferte Scherflein mit überschwenglichem Segen zur Ausbreitung Seines seligen Reichs, und sei Selbst allen Gebern ihr sehr großer Lohn. Amen.**)
Die von der evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten erwählte Commission zum Bau des deutschen evangelisch-lutherischen Seminars in St. Louis, Mo.
F. Böhlau, J. F. Bünger,
Ch. König, C. Römer,
E. Roschke, A. B. Tschirpe,
C. F. W. Walther.
*) Die milden Gaben beliebe man unter der Adresse: Mr. E. Roschke, care of Rev. Walther, St. Louis, Mo., einzusenden.
**) Sollten Herausgeber christlicher Zeitschriften sich gedrungen fühlen, Obigem auch durch ihre resp. Blätter eine weitere Verbreitung zu geben, so würden wir dies dankbarlichst anerkennen. D. E.
English translation AI translation
29
mayors and aldermen of all the cities of the German land, that they should establish and maintain Christian schools," he says: "As dear as the Gospel is to us, so firmly let us hold to the languages. For God has not in vain caused His Scripture to be written only in the two languages, the Old Testament in the Hebrew, the New in the Greek. Now those which God did not despise, but chose for His Word above all others, we also ought to honor above all others. And let us be assured of this, that we shall not be able to retain the Gospel well without the languages. The languages are the sheath in which the sword of the Spirit is sheathed; they are the casket in which one carries the jewel; they are the vessel in which one holds this drink."
How necessary learned preachers are in the Church also, who are able to expound the Scripture, and that pious, simple preachers do not suffice alone, he shows in the same writing; he says: "Augustine too must confess that for a Christian teacher, who is to expound the Scripture, the Latin, and also the Greek and Hebrew language are needful. Otherwise it is impossible that he should not stumble everywhere; yea, there is still need and toil, even when one knows the languages well. Therefore it is quite another thing with a plain (mere) preacher of the faith, and with an expounder of the Scripture, or, as St. Paul calls him, a prophet. A plain preacher (it is true) has so many clear passages and texts through the interpreting of others, that he can understand Christ, teach, and live holily and preach to others. But to expound the Scripture and to deal with it on his own, and to contend against the erring perverters of the Scripture, he is too weak; that cannot be done without the languages. Now one must have in Christendom such prophets, who ply and expound the Scripture, and are also fit for the conflict; and it is not enough to have a holy life and to teach aright. Therefore the languages are absolutely and in all things needful in Christendom, just as the prophets and expounders are, although it is not needful, nor must it be, that every Christian or preacher should be such a prophet, as St. Paul says, 1 Cor. 12, v. 8 and 9, Eph. 4, v. 11." And of himself Luther says: "This I know well, however, how much (greatly) the Spirit does everything alone! Had not the languages helped me, and made me sure and certain of the Scripture, I should have kept far enough away from all the bushes. I might well have been pious, and have preached aright in quiet; but the Pope and the sophists, with the whole antichristian regime, I should have let be what they are. The devil does not heed my spirit so much as my tongue and pen in the Scripture. For my spirit takes nothing from him but me alone; but the Scripture and the languages make the world too narrow for him, and do him harm in his kingdom."
You see, dear fellow believers, from what has been quoted, how necessary schools for the learned are, and therefore that the expenses which such schools require must by no means be shunned.
Up, then! consider, it concerns the honor of God, which you are hereby called upon to promote. For only for this reason shall the Gospel be preached to every creature unto the end of the days, that God's name be hallowed and His will done, that men created after God's image, but fallen, be brought back again to the knowledge of their God, and an eternal congregation be gathered, which shall praise the triune God here in time and there from everlasting to everlasting before His throne.
Consider, it concerns the highest need of your brethren, which you are to help relieve through a small gift, and the highest good, which you are to help procure for them through a trifling earthly good. You know how many of your fellow Christians, who speak one language with you, have one fatherland, confess one faith, are spiritually starving and suffering want. You know how they are led astray into unbelief and false belief. You surely can never suffer your own, in order to save a temporal good, to starve in their souls and languish spiritually!
We turn first to you, to whom it lies nearest, you Lutherans in the West.
Either you have an upright preacher of the Gospel; then you know indeed from experience what a benefit God has shown you thereby. Should you not also grant your brethren this grace? Or you lack a faithful servant of your Church; you are either deprived of every pasture through the preaching of the Gospel and through the administration of the holy Sacraments among you, or you are beset to let yourselves be fed by those who offer you a soul-food against which you rightly harbor distrust, whether the poison of soul-destroying false doctrine be not mixed in with it. Do you not feel the greatness of the need in which you lie? Should not the longing have awakened in you long ago that this your spiritual forsakenness might come to an end? — You love your children and wish that they might be brought up in the wholesome doctrine; but must you not look into the future with deep anxiety, and ask: "What will become of our children? Whither will they turn? Into the hands of what party will they fall?" You think of preachers coming over from Germany; but what a wretched makeshift it is for us, if we are to rely forever on the sending of preachers from such distant places, and wait for them!
Would it not be dreadful if this fair Western land, though under God's blessing ever more gloriously flourishing in temporal things, should yet, through our fault, become in spiritual things a wilderness for us Lutherans and our children and posterity? Up then, brethren! open hearts and hands to help, while for you there is yet time, to help and to do good. —
We turn also to the dear Lutherans in the East. Often have we read in your newspapers urgent exhortations to do something for your poor fellow believers in the wide West. You have, then, perceived the need. It is a crying need. But you have hitherto done only little for the West, for no opportunity was offered you to accomplish with small means something to relieve the great need. Now such an opportunity presents itself to you. Let our urgent request, then, which we hereby address to you, be no vain request. Would that especially those might take up this most important matter who by virtue of their office and influence can lay it upon the heart of whole congregations, the preachers and congregational officers! —
In conclusion we can give to all kind givers the solemn assurance: 1. that the institution to be enlarged has a constitution by virtue of which there shall irrevocably be educated in it only such preachers as serve the orthodox, evangelical Lutheran Church, whose doctrine is clearly and plainly set forth from God's Word in the Book of Concord of 1580; 2. that the institution according to its constitution is a German one, and must remain unchangeably so; that therefore, besides the German language, only the Latin is and shall unchangeably remain the medium of instruction, while the English, like every other foreign language, shall be and remain only a subject of study; that the most conscientious application of the contributions received to the appointed purpose will be supervised by the whole Synod of Missouri, Ohio and other States, and that exact account thereof will be rendered publicly from time to time by its officers.
Thus we, who are commissioned to begin the building for the institution described above with still very small means, have followed the impulse of our hearts, to turn in intercession to the love of our fellow believers here.*)
May the LORD, however, who turns the hearts of men like watercourses, turn also the hearts of all readers of this to united support of the work, to the furtherance of which we have hereby addressed them in brotherly fashion. May He crown every mite offered in faith for it with overflowing blessing for the extension of His blessed kingdom, and Himself be to all givers their exceeding great reward. Amen.**)
The commission elected by the Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio and other States for the building of the German Evangelical Lutheran Seminary at St. Louis, Mo.
F. Böhlau, J. F. Bünger,
Ch. König, C. Römer,
E. Roschke, A. B. Tschirpe,
C. F. W. Walther.
*) Kind gifts may be sent under the address: Mr. E. Roschke, care of Rev. Walther, St. Louis, Mo.
**) Should editors of Christian periodicals feel moved to give the above a wider circulation also through their respective papers, we would acknowledge it most thankfully. D. E.