Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 4 › Seite 31

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-16, Seite 31

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Uuion

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mehr genügen, nur die Ecken der bestehenden Confessionen abzuschleifen, wir wollen keine vereinigte Kirche der Anbequemung aus Höflichkeitsrücksichten, wir wollen keine Indifferenz gegen Glaubensdifferenzen." Wie wahr und beherzigenswerth sind doch diese Worte, aber wie unbegreiflich ist es, daß sie auf den eigenen Verfasser so wenig Einfluß ausüben! Warum läßt er sich selbst von dem Geiste derselben so wenig leiten? Warum? Weil ihm ohne Frage die moderne Schöngeisterei und ein wissenschaftlich sein sollendes, aber im Grunde gehaltloses Geschwätz über Union mehr am Herzen liegt, als die ernste Sache der Union selbst. Oder weiß er denn nicht, daß wir Lutheraner eben nicht mit gutem Gewissen das Wort Gottes, auch nicht einen Buchstaben desselben fahren lassen können? Sollen wir "um des Friedens willen" aufhören, wider jede Abweichung vom Worte Gottes, auch wider den ungehorsamen, wenn auch noch so schön redenden Geist des "Reformismus" zu zeugen, was uns allerdings im "innern Herzen Unfrieden stiften müßte". Warum stellt der Verfasser die jedem Schulkinde bekannten Unterscheidungslehren von der Person JEsu Christi, den Sacramenten ꝛc., die allerdings und zwar ganz allein das Lutherthum vom "Reformismus" trennen, nicht ehrlich und redlich dar und sucht "diese Punkte" ganz zu beseitigen, da er ja selbst sagt: "sind diese Punkte ganz beseitigt, dann ist das Uniren leicht." Er weiß, daß wer dieses nicht gehörig beherzigt, "geradezu Saat zum Unfrieden ausstreut". Aber ohne von seinen eigenen schönen Redensarten gerührt zu sein, ohne jene eigentlichen Differenzpunkte auch nur im geringsten zu berühren, ruft er kühn in den blauen Nebel hinein: "die Geister müssen auf ein neues Ziel hindrängen"! "Soll es zu einer wahren, großartigen Union kommen, so heißt das mit andern Worten Eine neue (?) Kirche. Das muß geschehen durch eine große That einer großen Zeit"!

Welches sind denn nun die Differenzpunkte, welche der interessante Hr. Verfasser so großartig ankündigt? Man höre nur: "Luther hat die Sache in seiner großartigen Weise, worin er seinem über den objectiven Zustand der Verhältnisse stets so richtigen Gefühl mit einem Schlagwort wieder zu einer Objectivität verhilft, vortrefflich bezeichnet, wenn er dort den Repräsentanten reformirter Lehrer geradezu sagt: Ihr habt eben einen andern Geist! Damit ist Alles gesagt, was zur Erklärung der obschwebenden Differenzen nöthig ist." (Sechs Seiten weiter sagt derselbe Verfasser: "Hier in diesen Stammesverschiedenheiten ... da haben wir auch mehr, als anderswo, die tiefen Ursachen der die ganze protestantische Christenheit trennenden Kluft zu suchen." Vorn ist es "der Geist", hinten "die Stammesverschiedenheiten", das ist aber einem solchen geistreichen Periodenbauer alles einerlei.) Und worin besteht nun dem Verf. "die volle Differenz" dieses Geistes? hear! "In beiden spiegelt sich das eine Licht des Evangeliums" und dieses "Eine" bricht sich nur in beiden "in verschiedenem Farbenstrahle". — Aber wozu denn da noch Union, ist denn dem Hrn. W. J. M. das "Eine" noch nicht vereinigt, unirt genug?! — Doch der Verf. kennt noch eine andere Differenz: "Redet man von Riß in der protestantischen Kirche, so ist es gewiß verkehrt. ihn aus Persönlichkeiten, oder aus dreihundertjährigen Mißverständnissen oder aus vorübergehender Vereiferung oder aus entgegengesetzten gelehrten Meinungen ableiten zu wollen. Wären solche Zufälligkeiten die wahre Ursache der Trennung gewesen, so wäre die Union längst vor sich gegangen. Allein die Gründe derselben sind heute noch dieselben, sind heute noch vorhanden und wirksam." Und welche Gründe sind das? die schon obengenannte jüdisch-christliche und heidnisch-christliche Richtung, die dann, von dem Verf. weiter entwickelt, in "die Parole" ausläuft, für den Reformismus: "Ich soll und will", für das Lutherthum: "ich darf und kann" (Also der Reformirte hat kein Dürfen, kein Adiaphoron, und der Lutheraner kein Sollen, kein Gesetz?). "Aber wer will behaupten, daß das Eine oder das Andere ein dem echt christlichen Geist widersprechender Ausdruck sei? Beides hat gleiche Berechtigung auch auf dem Feld der heiligen Schrift." Aber wozu denn nun noch, um des Himmels willen, eine Union? Ist das Feld der heiligen Schrift ein zu weites, zerrissenes, muß auch das erst noch unirt werden? — — Ist das ehrlich gehandelt? Hr. W. J. M. schäme sich seines Mangels an Ernst und lerne erst die Schuhe der Albernheit ausziehen, ehe er auf heiligen Boden tritt. —

Diese Andeutungen mögen vor der Hand genügen, obgleich es leicht wäre, noch viel Oberflächliches und Unbegründetes, ja gänzlich Verwirrtes nachzuweisen. Wir wollen hier nur einige Beispiele anführen. Der Verfasser sagt: "Allein diese Namen (lutherische und reformirte Kirche) an sich repräsentiren uns der eine eine Person, die reformatorisch schuf und wirkte, der andere eine Sache, die Luthers Sache geradezu selbst war." Wer ist nun jene Person, die reformatorisch schuf und dessen Sache seine Sache nicht geradezu selbst war? Oder soll da etwa ein Tadel mit gemeint sein, daß Luthers Sache geradezu seine Sache selbst war? soll das soviel heißen, die lutherische Reformation ist eine subjective? —

Der Verf. sagt ferner S. 274: "Buchstaben an sich trennen und binden unendlich weniger, als man oft glaubt." Das ist wieder schön gesagt, aber doch Unsinn, denn Buchstaben "an sich" trennen und binden nie, sondern nur der Geist, der aus den, von den Buchstaben gebildeten, Worten spricht. Aber die Lutheraner und Reformirten trennt ja in der That nichts anders, als jene "Buchstaben", unter welchen der Verfasser wohl nur die symbolischen Bücher verstehen kann. Ferner: "Jeder sieht nun eben die Sache mit seinen Augen an." Ist das nicht wie Pilatus in alter und Ronge und Uhlich und Consorten in neuerer Zeit gesprochen? — Auch möchten wir uns gern den Nachweis darüber ausbitten, daß "die Gemeinschaft der Heiligen etwas anderes ist als Eine, heilige allgemeine Kirche". —

Nun noch eine Bitte: in Zukunft etwas mehr Wolle und etwas weniger Geschrei und wenn es Hrn. W. J. M. möglich sein sollte, aus der Trunkenheit der Schöngeisterei nüchtern zu werden, einen klareren, einfacheren, solideren Styl. Ueber Californien und die Landenge von Panama läßt man sich schon einige interessante Luftsprünge gefallen, indessen bei einer so wichtigen Sache, als die vorliegende, sollte man dergleichen Quakeleien vermeiden.

(Eingesandt.)

Resultat der Wahl für die Professur an der theologischen Lehranstalt, zur Zeit in Altenburg, Mo.

Es hat dem HErrn nach seinem unerforschlichen Rathschlusse gefallen, zwei theuere Glieder unseres Wahlcollegiums unter die Zahl der vollendeten Gerechten zu versetzen und aus der Arbeit in die selige Ruhe des Himmels, den hochverehrten Senior unserer Synode, Herrn Pastor Löber, und unsern geliebten Bruder, den Herrn Professor Pastor Wolter. Der Letztere hat noch kurz vor seinem Tode am 17. August seine Wahlstimme abgegeben.

Die Glieder unseres Wahlcollegiums stimmen nach den mir gewordenen brieflichen Mittheilungen folgendermaßen:

1. Für Herrn Pastor Walther stimmen der selige Professor Past. Wolter, Hr. Piepenbrink, Hr. Past. Wyneken, Hr. Past. Keyl, Hr. Past. Crämer, Hr. Tschirpe, Hr. Past. Schieferdecker und der Unterzeichnete.

2. Für Herrn Pastor Brohm stimmt Hr. Past. Walther.

Es fehlt nur die Wahlstimme des Herrn Doctor Past. Sihler, dessen Brief bei der Unsicherheit der hiesigen Postverbindungen verloren gegangen sein dürfte.

So weit nun die bisher abgegebenen Wahlstimmen in Betracht kommen, ist Herr Pastor Walther nicht bloß mit Stimmen-Mehrheit, sondern mit völliger Stimmen-Einheit zum ersten Professor unserer theologischen Lehranstalt erwählt.

Herman Fick,
pr. t. Secretär des Wahlcollegiums.

Aufleben des Lutherthums in Elsaß.

Durch Freundes Hand ist uns eine Parthie kleiner in Straßburg gedruckter Tractate zugesandt worden, die zu einem höchst erfreulichen thatsächlichen Belege dienen, daß gegenwärtig nun auch in dem schönen Elsaß der alte lutherische Glaube erwacht ist und daß demzufolge viele, welche vormals, obwohl dem Namen nach Lutheraner, die reformirten und unirten Missionen unterstützten, nun ihre Beiträge den neu entstandenen ausschließlich lutherischen Missionen zuwenden. Unter anderm heißt es in einer Nota zu einem jener Tractate: "In unserm Elsaß und angrenzenden Landen, sind durch Gebet und Handreichung Viele schon thätig, die Missionen der evangelisch-reformirten Kirche zu Paris, Basel und Barmen zu unterstützen. Wir sind der getrosten Zuversicht,

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longer suffice merely to grind off the corners of the existing confessions; we want no united church of accommodation out of considerations of politeness; we want no indifference toward differences of faith." How true and worthy of heeding these words are, and yet how incomprehensible it is that they exert so little influence on the author himself! Why does he let himself be guided so little by their spirit? Why? Because, beyond question, modern aestheticism and a prattle which is meant to be scholarly but is at bottom empty, about union, lies nearer his heart than the earnest cause of union itself. Or does he not know that we Lutherans cannot with a good conscience let go the Word of God, not even one letter of it? Are we, "for the sake of peace," to cease testifying against every departure from the Word of God, also against the disobedient spirit of "Reformism," however beautifully it speaks, which indeed "would have to stir up discord in the inner heart"? Why does the author not set forth honestly and sincerely the distinguishing doctrines, known to every schoolchild, concerning the Person of Jesus Christ, the Sacraments, etc., which indeed, and quite alone, separate Lutheranism from "Reformism," and seek instead to remove "these points" altogether, since he himself says: "if these points are entirely removed, then uniting is easy." He knows that whoever does not duly lay this to heart "directly sows the seed of discord." But without being moved by his own fine phrases, without touching even in the least those actual points of difference, he cries boldly into the blue mist: "the spirits must press toward a new goal"! "If a true, magnificent union is to come, that means in other words One new (?) Church. That must come to pass through a great deed of a great age"!

What, then, are the points of difference which the interesting author announces so grandly? Only listen: "Luther has designated the matter admirably, in his grand manner, in which he helps his feeling, so ever correct about the objective state of affairs, to an objectivity again with a catchword, when he says there outright to the representatives of Reformed teachers: You have just another spirit! With that everything is said that is needful for explaining the differences pending." (Six pages further the same author says: "Here in these tribal differences ... there we have also more than elsewhere to seek the deep causes of the chasm dividing all Protestant Christendom." In the front it is "the spirit," in the back "the tribal differences," but to such a witty builder of periods it is all one.) And in what, then, does "the full difference" of this spirit consist, according to the author? hear! "In both is mirrored the one light of the Gospel," and this "One" is refracted in both only "in a different ray of color." — But why then still union, is, then, the "One" not yet united, "united" enough for Mr. W. J. M.?! — But the author knows yet another difference: "If one speaks of a rent in the Protestant Church, it is certainly wrong to wish to derive it from personalities, or from three-hundred-year-old misunderstandings, or from passing zeal, or from opposing learned opinions. Had such accidents been the true cause of the separation, union would long since have taken place. But the grounds of it are the same today, are still present and operative today." And what grounds are these? The Jewish-Christian and Gentile-Christian tendency already named above, which, further developed by the author, runs out into "the watchword," for Reformism: "I shall and will," for Lutheranism: "I may and can" (So the Reformed man has no may, no adiaphoron, and the Lutheran no shall, no law?). "But who will assert that the one or the other is an expression contradicting the truly Christian spirit? Both have equal justification also on the field of Holy Scripture." But why then still, for heaven's sake, a union? Is the field of Holy Scripture too wide, too torn, must that too first be united? — — Is that honest dealing? Let Mr. W. J. M. be ashamed of his lack of earnestness, and first learn to take off the shoes of foolishness before he steps on holy ground. —

These hints may suffice for the present, although it would be easy to point out much more that is superficial and unfounded, yea, wholly confused. We will here cite only a few examples. The author says: "But these names (Lutheran and Reformed Church) represent to us in themselves, the one a person who created and worked reformatorily, the other a cause which was quite directly Luther's own cause." Who, then, is that person who created reformatorily and whose cause was not quite directly his own cause? Or is a reproach perhaps meant thereby, that Luther's cause was quite directly his own cause? is that to mean, the Lutheran Reformation is a subjective one? —

The author says further, p. 274: "Letters in themselves divide and bind infinitely less than is often believed." That is again beautifully said, yet nonsense, for letters "in themselves" never divide and bind, but only the spirit which speaks from the words formed by the letters. But what divides the Lutherans and Reformed in fact is nothing other than those "letters," by which the author can well understand only the symbolical books. Further: "Everyone now just looks at the matter with his own eyes." Is that not spoken like Pilate in ancient times, and Ronge and Uhlich and their associates in more recent? — We should also like to request the proof that "the communion of saints is something other than One, holy, universal Church." —

Now one more request: in future somewhat more wool and somewhat less cry, and, if it should be possible for Mr. W. J. M. to become sober from the drunkenness of aestheticism, a clearer, simpler, more solid style. About California and the Isthmus of Panama one lets oneself put up with some interesting leaps in the air, but in so important a matter as the present one, such croakings ought to be avoided.

(Submitted.)

Result of the Election for the Professorship at the Theological Institution, at Present in Altenburg, Mo.

It has pleased the LORD, according to His unsearchable counsel, to translate two dear members of our electoral college into the number of the just made perfect, and out of labor into the blessed rest of heaven: the highly revered Senior of our Synod, Pastor Löber, and our beloved brother, Professor Pastor Wolter. The latter cast his vote shortly before his death, on the 17th of August.

The members of our electoral college vote, according to the written communications that have come to me, as follows:

1. For Pastor Walther vote the late Professor Past. Wolter, Mr. Piepenbrink, Past. Wyneken, Past. Keyl, Past. Crämer, Mr. Tschirpe, Past. Schieferdecker, and the undersigned.

2. For Pastor Brohm votes Past. Walther.

Only the vote of Doctor Past. Sihler is lacking, whose letter may have been lost owing to the uncertainty of the postal connections here.

So far as the votes cast up to now are concerned, Pastor Walther is elected first professor of our theological institution not merely by a majority of votes, but by a complete unanimity of votes.

Herman Fick,
pro tem. Secretary of the electoral college.

Revival of Lutheranism in Alsace.

Through the hand of a friend a lot of small tracts printed in Strasburg has been sent to us, which serve as a most gratifying factual proof that at the present time the old Lutheran faith has now awakened also in beautiful Alsace, and that consequently many who formerly, though Lutherans by name, supported the Reformed and United missions, now turn their contributions to the newly arisen exclusively Lutheran missions. Among other things it says in a note to one of those tracts: "In our Alsace and the adjoining lands many are already active, by prayer and helping hand, in supporting the missions of the Evangelical Reformed Church at Paris, Basel, and Barmen. We are of good confidence,