Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 9 › Seite 65

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-27, Seite 65

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 2

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrgang 6.  St. Louis, Mo., den 27. December 1849.  No. 9.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

Die Inauguralrede Herrn Dr. Sprechers.

(Schluß.)

Herr Dr. Sprecher fährt in seiner Rede weiter also fort: „Sieben Jahre nach Uebergabe der Augsburgischen Confession (des einzigen je allgemein von der lutherischen Kirche angenommenen Symbols), nemlich im Jahre 1537, trugen die protestantischen Fürsten ihren Theologen bei einer Convention zu Torgau auf, die Augsburgische Confession noch einmal nach der Schrift zu prüfen und alles zu ändern, was sich darin als mit dieser untrüglichen Regel nicht bestehend erfinden möge. (Siehe Dr. Tittmann, „Die Evangelische Kirche“, Leipzig, 1831. S. 3.)“

Herr Dr. Sprecher will mit dieser Notiz offenbar einen Wink geben, wie die lutherische Kirche selbst immer ungewiß gewesen sei, ob auch die Augsburgische Confession in ihren Lehrartikeln eine strenge Prüfung nach Gottes Wort aushalte, und wie daher ihr Sinn gewesen sei, daß dieses ihr Bekenntniß von ihren aufgeklärteren Nachkommen immer aufs neue geprüft, von seinen Irrthümern gereinigt und verbessert werden solle.

Daß der gelehrte Redner, wie es scheint, von Tittmann irregeleitet, obige historische Notiz gibt, darin sogar Torgau mit Schmalkalden verwechselt wird, das wollen wir ihm gerne verzeihen, da es sein Fach nicht zu sein scheint, die Geschichte aus den Quellen zu studiren, und er nicht wissen konnte, daß sein Gewährsmann, den wir im Jahre 1831 zu unseren Lehrern zählten, oft tiefer in das Champagnerglas, als in die Quellen der Reformationsgeschichte guckte. Die Sache verhält sich aber folgendermaßen. Pabst Paul III. hatte versprochen, ein Generalconcilium auszuschreiben, und die protestantischen Fürsten eingeladen, daselbst in ihren Vertretern zu erscheinen, damit die streitigen Religionshändel endlich verglichen werden möchten. Unter der Bedingung, daß das Concilium ein „freies und christliches“ sei, waren denn auch die protestantischen Fürsten und Theologen nicht abgeneigt, zu erscheinen, jedoch nicht, weil man für nöthig erachtet hätte, daß ein Concilium die öffentlich bekannte Lehre der Protestanten prüfe und läutere, sondern daß das von ihnen erkannte Wort Gottes weiter leuchte in die noch vom Pabstthum umnachteten Länder und Reiche. Als daher u. A. der päbstliche Nuncius Peter Paul Vergerius am 6ten November 1535 in Angelegenheiten des zusammenzuberufenden Concils in Wittenberg erschien, äußerte Luther gegen ihn Folgendes: „Wir sind durch den Heiligen Geist der Dinge aller gewiß und dürfen gar keines Concilii, sondern andere arme Leute, so durch eure Tyrannei unterdrückt werden; denn ihr wisset nicht, was ihr gläubet. Nun wohlan, habt ihr Lust dazu, so machet eins; ich will, ob Gott will, kommen, und wenn ich wüßte, daß ihr mich verbrennen solltet.“ (Luthers Werke. Hall. A. XVI, 2294.) Als nun der genannte Pabst im Jahr darauf ein im Mai 1537 zu Mantua zu haltendes Concilium ausgeschrieben hatte, stellten die Protestanten im Februar dieses Jahres einen Convent zu Schmalkalden an, um sich über eine definitive Antwort auf die Frage, ob auch sie Theil nehmen wollten, zu berathen. Hierbei sollen nun nach dem Bericht des verewigten Dr. Tittmann die protestantischen Fürsten ihren Theologen den Auftrag gegeben haben, die Augsburgische Confession noch einmal sorgfältig durchzulesen und was dieselben als mit der heiligen Schrift unvereinbar darin finden würden, zu streichen. Diese Darstellung der Sache hat Tittmann in seiner Schrift: „Die Evangelische Kirche“, die leider! nicht in unseren Händen ist, ohne Zweifel aus Johann Aurifaber's kurzem „Bericht, was sich mit Luthero begeben“, genommen, darin allerdings dergleichen berichtet und zugleich gemeldet wird, daß jedoch „die Theologen und unter denselben auch Bucer im Namen des ganzen Straßburger Ministeriums die Augsburgische Confession und deren Apologie aufs neue mit eigener Hand unterschrieben“ haben, und daß dieß am 24sten Februar 1537 geschehen sei. Gesetzt nun, Aurifaber hätte, warum es sich damals handelte, wirklich richtig gefaßt und wiedergegeben, so würde daraus doch nur so viel mit Recht geschlossen werden können, daß es sich einige protestantische Fürsten damals als möglich gedacht, es dürfte wohl noch etwas Irriges in den genannten Bekenntnissen sich vorfinden, und daß sie daher, da es zur letzten Entscheidung durch eine allgemeine Kirchenversammlung kommen sollte, eine schließliche nochmalige Revision (Musterung) für nöthig erachtet haben. Es ist uns jedoch außer Zweifel, daß der liebe Aurifaber, wie er sich durch seine Sammlung der Tischreden Lutheri bekanntlich nicht eben als ein kritisches Genie bewiesen, auch die Sache, um die es sich hier handelte, falsch aufgefaßt hat. Hierzu kommt, daß Aurifaber zu der Zeit, als der Convent zu Schmalkalden gehalten wurde, noch ein Jüngling von siebenzehn Jahren war und erst darnach die Wittenberger Universität bezog, um da-Theologie zu studiren. Er redet also nicht als Augen- und Ohrenzeuge, sondern erzählt die Sache, wie er sie vernommen. Wie drücken sich aber die Augen- und Ohrenzeugen aus? Luther erstlich gibt den erhaltenen Befehl in der Vorrede zu den Schmalkaldischen Artikeln mit den Worten an: „(Es) ward mir befohlen, Artikel unserer Lehre zu stellen, und zusammen zu bringen, ob's zur Handlung käme, was und wie ferne wir wollten oder könnten den Papisten weichen, und auf welchen wir gedächten endlich zu beharren und zu bleiben.“*) Ferner schreibt davon Melanchthon in einem Briefe an Camerarius am 1ten März noch von Schmalkalden aus folgendermaßen: Man sei auf Befehl der Fürsten zusammengekommen, „daß man beschlösse, über welchen Artikeln man fest halten und solche aufs äußerste mit Hintansetzung der gemeinen Ruhe und aller menschlichen Dinge behaupten; und welche man dagegen dem

*) Zu bemerken ist, daß Luther die Augsburgische Confession, welche ihm noch vor deren öffentlicher Uebergabe zur Revision zugesendet worden war im Mai 1530, mit der Antwort dem Kurfürsten wieder zustellte: „Ich habe M. Philipps Apologia überlesen; die gefällt mir fast (d. i. sehr) wohl, und weiß nichts daran zu bessern, noch zu ändern, würde sich auch nicht schicken; denn ich so sanft und leise nicht treten kann.“

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's doctrine shall never pass away."

Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio and other States.

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 6.  St. Louis, Mo., the 27th of December 1849.  No. 9.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the yearly subscription price of One Dollar for subscribers living at a distance, who have to pay the same in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 Cents.

Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the Editor; all others, however, which concern business, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

The Inaugural Address of Dr. Sprecher.

(Conclusion.)

Dr. Sprecher continues in his address as follows: "Seven years after the presentation of the Augsburg Confession (the only symbol ever generally received by the Lutheran Church), namely in the year 1537, the Protestant princes charged their theologians at a convention at Torgau to examine the Augsburg Confession once more by the Scripture, and to alter everything that might be found in it not to stand the test of this infallible rule. (See Dr. Tittmann, "Die Evangelische Kirche," Leipzig, 1831, p. 3.)"

Dr. Sprecher evidently wishes by this notice to give a hint how the Lutheran Church herself was always uncertain whether the Augsburg Confession, in its articles of doctrine, could endure a strict examination according to God's Word, and how it was therefore her mind that this her Confession should be examined anew again and again by her more enlightened descendants, and purged of its errors and improved.

That the learned speaker, misled, as it seems, by Tittmann, gives the above historical notice, in which Torgau is even confounded with Smalcald, we are quite willing to forgive him, since it does not seem to be his province to study history from the sources, and since he could not know that his authority, whom we counted among our teachers in the year 1831, looked oftener deep into the champagne glass than into the sources of the history of the Reformation. The matter, however, stands as follows. Pope Paul III had promised to summon a general council, and had invited the Protestant princes to appear there in their representatives, so that the disputed religious controversies might at last be settled. On the condition that the council should be a "free and Christian" one, the Protestant princes and theologians were also not disinclined to appear, yet not because they thought it necessary that a council should examine and purify the publicly confessed doctrine of the Protestants, but that the Word of God, which they had recognized, might shine farther into the lands and kingdoms still benighted by Popery. When therefore, among others, the papal nuncio Peter Paul Vergerius appeared at Wittenberg on the 6th of November 1535 on business of the council to be convened, Luther said the following to him: "We are by the Holy Ghost certain of all things, and have no need at all of a council, but other poor people have, who are oppressed by your tyranny; for ye know not what ye believe. Well then, if ye have a mind to it, hold one; I will come, God willing, even if I knew that ye would burn me." (Luthers Werke. Hall. A. XVI, 2294.) When now the said Pope had, in the year following, called a council to be held at Mantua in May of 1537, the Protestants in February of that year convoked a convention at Smalcald, to deliberate on a definitive answer to the question whether they also would take part. On this occasion, according to the report of the late Dr. Tittmann, the Protestant princes are said to have given their theologians the charge to read the Augsburg Confession through once more with care, and to strike out whatever they should find in it irreconcilable with the Holy Scripture. Tittmann, in his work "Die Evangelische Kirche," which, alas! is not in our hands, has doubtless taken this account of the matter from Johann Aurifaber's brief "Bericht, was sich mit Luthero begeben," in which something of the kind is indeed reported, and at the same time it is stated that nevertheless "the theologians, and among them Bucer also in the name of the whole Strasburg ministry, again subscribed the Augsburg Confession and its Apology with their own hand," and that this took place on the 24th of February 1537. Suppose, now, that Aurifaber had really grasped and reported correctly what was then at stake, still only so much could rightly be concluded from it, that some Protestant princes had then thought it possible that something erroneous might yet be found in the said Confessions, and that they therefore, as it was to come to the final decision by a general assembly of the Church, deemed a final renewed revision (review) necessary. We, however, have no doubt that the good Aurifaber, as he has notoriously not shown himself a critical genius by his collection of Luther's Table-Talk, has also misconceived the matter that was here at stake. To this it must be added that Aurifaber, at the time when the convention at Smalcald was held, was still a youth of seventeen years, and only afterwards went to the University of Wittenberg to study theology there. He speaks therefore not as an eye- and ear-witness, but relates the matter as he heard it. But how do the eye- and ear-witnesses express themselves? Luther first states the command received, in the preface to the Smalcald Articles, in these words: "(It) was commanded me to draw up articles of our doctrine, and to bring them together, in case it should come to a negotiation, what and how far we were willing or able to yield to the Papists, and on which we purposed finally to persist and abide."*) Further, Melanchthon writes of it in a letter to Camerarius on the 1st of March, still from Smalcald, as follows: They had come together by command of the princes, "that it might be resolved on which articles they should hold fast, and maintain them to the uttermost, setting aside the common peace and all human things; and which, on the other hand, they should

*) It is to be noted that Luther, when the Augsburg Confession, which had been sent to him for revision before its public presentation, in May 1530, returned it to the Elector with the answer: "I have read through Master Philip's Apology; it pleases me almost (that is, very) well, and I know nothing in it to improve or to alter, nor would it be fitting; for I cannot tread so softly and gently."