Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 9 › Seite 71

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-27, Seite 71

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chenordnung nicht anerkennen und unterschreiben wollten, ohne Unterricht in der Schule gelassen werden sollten) auf den Standpunkt des Rechts gestellt, und obengedachte Kinder aus der Schule gewiesen oder vielmehr sie ohne Unterricht in derselben gelassen haben. Wohl wird dieses Verfahren manchem Leser des „Lutheraner" als ein hartes erscheinen, und ich muß gestehen, ob wir gleich anfangs nothgedrungen unseren Gegnern ernstlich gegenüber treten mußten, daß es mir auch so erschienen, und daß es mir immer mehr als ein solches erscheint, deßhalb ich schon unter Mitwirkung des Kirchenraths Versuche gemacht, die Gemeinde dahin zu vermögen, die Kinder unseres Widerparts in ihre Schule aufzunehmen, wobei ich mich erboten habe, diese Kinder umsonst zu unterrichten, während jedes wirkliche Glied der Gemeinde verpflichtet ist, ein jährlich festgesetztes Schulgeld zu entrichten. Doch bis jetzt ist es mir noch nicht gelungen, die Gemeinde zur Einwilligung dieses Vorschlags zu bewegen.*) So viel zur Beleuchtung der im Aufsatze des Herrn Suhr angegebenen Thatsachen.

*) Wir können hierbei die Bemerkung nicht zurückhalten, daß es uns herzlich leid thut, zu hören, wie unser lieber Herr Amtsbruder Sauer sammt seiner theuren Gemeinde zur Ergreifung einer solchen Maßregel sich habe verleiten lassen können, die wir gerade unter den obwaltenden Umständen für eine durchaus verwerfliche erklären müssen. Die Red.

G. Sauer.

Wir, der unterzeichnete Kirchenrath der ersten evangelisch-lutherischen St. Johannis-Gemeinde, bezeugen, daß sich die Sache also verhält, wie sie unser Herr Pastor dargethan hat.

Heinrich Otte.
Heinrich Sieg.
Friedrich Surenkamp.
Heinrich Driehaus.
Friedrich Stuckwisch.
Friedrich Kleekamp.

Kirchliche Nachrichten.

Nachdem es der unerforschliche allweise Gott über unsern theuren Amtsbruder, Pastor Lorenz Flessa, verhängt hat, daß derselbe auf beiden Augen erblindet und so zu fernerer Verwaltung seines heiligen Amtes unfähig geworden, auch die Hoffnung der Genesung mehr und mehr geschwunden ist, so hat sich dessen Gemeinde, wiewohl mit herzlicher Betrübniß, genöthigt gesehen, auf Berufung eines Successors ihres aus ihrer Mitte scheidenden geliebten Seelsorgers Bedacht zu nehmen. Die Wahl ist erfolgt und auf den bisherigen Pastor E. O. Wolff in Perryville, Mo., gefallen. Derselbe hat denn auch bereits sein neues Amt am 9ten dieses Monats, Dom. II. Adv., angetreten. Die Adresse desselben ist daher von jetzt an: Union, Jefferson Co., Mo.

Zum Nachfolger des Vorgenannten ist der Candidat des Predigtamtes Herr Friedrich Reißner von Harburg, Kreises Schwaben und Neuburg, Königreich Baiern, gewählt worden. Derselbe, zuletzt Lehrer zu Marienheim bei Neuburg an der Donau, kam, nachdem er sich für das amerikanisch-lutherische Predigtamt vorbereitet hatte, im Sommer des laufenden Jahres nach Amerika, genoß hierauf eine kurze Zeit den Unterricht in dem Seminar zu Fort Wayne, bestand hier vor versammelter Predigerconferenz das Examen pro munere und ist am 12. d. M. durch Pastor Gruber unter Assistenz des Pastor Biltz inmitten seiner Gemeinde in und um Perryville, Perry Co., Mo., ordinirt worden.

Da endlich Pastor Schieferdecker einen Ruf nach Altenburg, Perry Co., Mo., erhalten und sammt seinen bisherigen Gemeinden für göttlich erkannt und angenommen hat, so hat bereits die eine dieser Gemeinden, nemlich die zu Centreville, den Candidaten der Theologie Herrn Heinrich Wunder aus Franken, bisher Zögling des Altenburger theologischen Seminars, an ihr vacant gewordenes Pastorat berufen. Derselbe ist denn, nach Bestehung einer öffentlichen Prüfung, am 16. d. M., Dom. III. Adv., inmitten seiner Gemeinde durch den Präses der Synode ordinirt und in sein Amt feierlich eingewiesen worden. Das Postamt ist: Millstadt P. O., St. Clair Co., Ill.

Mögen diese Nachrichten viele Herzen zur Fürbitte nicht nur für diese neuen Arbeiter im Weinberge des HErrn, sondern überhaupt für unsere ganze nordamerikanische Kirche bewegen, da gegenwärtig insonderheit unter dem Ministerium derselben eben so große, als entscheidungsvolle Veränderungen vor sich gehen, auch, wie wir zu erfahren Gelegenheit haben, mehrere unserer theuren Amtsbrüder mitten in ihren Gemeinden in hartem Kampfe stehen. Vergleiche den letzten Theil des 12. Verses von Cap. 12 der Offenbarung St. Johannis.

Soeben erhalten wir noch die Nachricht, daß der als bereits ordinirter Candidat der Theologie aus Baiern herüber gekommene Herr Ottmar Clöter, welcher von der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde zu Saginaw City in Michigan einen ordentlichen Beruf erhalten hatte, auf sein und der berufenden Gemeinde Ansuchen bei dem Präsidium unserer Synode durch Pastor Sievers kirchlich in sein Amt eingeführt worden ist. Letzterer schreibt uns hierüber u. A. Folgendes: „Auf den 30. November Morgens war, als auf den Tag des heiligen Apostels Andreas, die Feier der Einführung festgesetzt. Morgens 9 Uhr fanden sich die Gemeindeglieder in einem der Säle des Saginawer Courthauses ein. Es fand zuvörderst die Beichthandlung statt. Herr Pastor Clöter hielt die Beichtrede und Privatbeichte; er selbst empfing von mir die Absolution. Nach vollendeter Beichthandlung aber wurde ein öffentliches Colloquium von uns beiden gehalten, wobei die ganze Gemeinde gegenwärtig war. Zum Gegenstande des Colloquiums hatte ich die Concordienformel in ihren Hauptpunkten gewählt. Die ganze Gemeinde hat sich mit mir überzeugt, daß sie einen Pastor berufen hat, der sie und ihre Kinder in der heilsamen Lehre gründen und stärken wird. Auch hat er solches bei der Einführung, die nach Löhe's Agende vor sich ging, angelobt. Es machte auf die Gemeinde einen wohlthuenden Eindruck, sich selber durch unser Colloquium überzeugen zu dürfen, daß das Kleinod der reinen Lehre ihr gewahrt sei. Nach dem Colloquium hielt ich die Introductionspredigt über Matth. 4, 18—22. Thema: Von der Berufung, 1. durch wen und unter welchen Umständen erhielt Andreas seine Berufung und durch wen und unter welchen Umständen erhalten noch heute die rechtmäßigen Prediger des Evangeliums ihre Berufung? 2. wozu ward Andreas berufen, und wozu werden noch heute die Prediger des Evangeliums berufen? — Auf die Predigt folgte die Einführung und Verpflichtung auf das Wort Gottes und die in dem Concordienbuche enthaltenen Bekenntnisse der Kirche, und endlich die Abendmahlshandlung." — Wir schließen diesen Bericht mit dem Wunsche und Gebete zu Gott, daß in Michigan, wo nun schon in so mancher kleinen Gemeinde besonders rüstige Arbeiter stehen, die göttliche Verheißung Ps. 84, 7. 8. immer herrlicher sich erfülle.

Sollt' ich meinem Gott nicht singen.

Unter der Regierung des Herzogs Carl von Würtemberg ward einst durch Hofränke ein in guten Ehren stehender Mann seines Amtes entsetzt und verlor sein Brod, so daß er genöthigt war, in seinen Mutterort, ein kleines Dörflein, sich zurückzuziehen und dort endlich gar das Amt eines Nachtwächters zu übernehmen, nur um sich durchzubringen. Da rief er nun bei jeder Stunde, die er des Nachts als Wächter zu rufen hatte, jedesmal noch nach dem gewöhnlichen Stundenruf den Refrain*) dieses Liedes:

Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.

Diese Worte waren sein Stecken und Stab, an dem er festhielt in seinem Jammer und Unglück, und so tröstete er sich allezeit des, daß Gottes Liebe ewig währe. So hatte er es nun schon manches Jahr getrieben, da übernachtete einsmal in seinem Orte ein hochgestellter herzoglicher Beamter. Als der den Nachtwächter jede Stunde so rufen hörte, fiel es ihm auf und er fragte nach der Person dieses Nachtwächters; nachdem er aber Alles über denselben wohl erkundet hatte, hinterbrachte er die ganze Sache dem Herzog. Dieser, gerührt durch diesen Vorgang, gab dem Manne, der sein Vertrauen auf Gottes Liebe gesetzt, wieder Brod und Amt. Der Winter hatte nun für ihn ausgeschneit und es trat der schöne Sommer ein. (V. 10.) Zeitlebens sang jetzt dieser Mann zu seinem Morgengebet voll herzlichen Dankes:

Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb' in Ewigkeit.

Dieses Lied ist um 1659 von Paul Gerhardt gedichtet.

*) Refrain, ein Wiederholungssatz, besonders Schluß- oder Ringel-Reim am Ende jedes Lied- oder Gesangverses.

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church constitution should not be admitted to the school and who would not sign it should be left without instruction in the school) placed ourselves upon the standpoint of right, and turned the children mentioned out of the school, or rather left them without instruction in it. This procedure will indeed appear to many a reader of the "Lutheraner" as a harsh one, and I must confess, although at the outset we were compelled by necessity to confront our opponents earnestly, that it so appeared to me also, and that it appears to me more and more such, wherefore I have already made attempts, with the cooperation of the church council, to induce the congregation to take the children of our adversary party into their school, whereby I offered to teach these children for nothing, while every actual member of the congregation is obliged to pay a yearly fixed school fee. Yet up to now I have not succeeded in moving the congregation to consent to this proposal.*) So much for the illumination of the facts stated in Mr. Suhr's article.

*) We cannot refrain from remarking here that it grieves us heartily to hear how our dear brother in office, Sauer, together with his dear congregation, could have let himself be led into taking such a measure, which, under the circumstances prevailing, we are bound to declare thoroughly reprehensible. The Ed.

G. Sauer.

We, the undersigned church council of the first Evangelical Lutheran St. John's Congregation, bear witness that the matter stands just as our pastor has set it forth.

Heinrich Otte.
Heinrich Sieg.
Friedrich Surenkamp.
Heinrich Driehaus.
Friedrich Stuckwisch.
Friedrich Kleekamp.

Church News.

Whereas the unsearchable, all-wise God has ordained for our dear brother in office, Pastor Lorenz Flessa, that he has become blind in both eyes and thus unfit for the further administration of his holy office, and the hope of recovery has also more and more vanished, his congregation, though with hearty grief, has seen itself obliged to take thought for the calling of a successor to its beloved pastor departing from its midst. The election has taken place and has fallen upon the former pastor E. O. Wolff in Perryville, Mo. The same has also already entered upon his new office on the 9th of this month, Second Sunday in Advent. His address is therefore from now on: Union, Jefferson Co., Mo.

As successor of the one first named, the candidate of the ministry, Mr. Friedrich Reißner, of Harburg, district of Swabia and Neuburg, Kingdom of Bavaria, has been elected. The same, last a teacher at Marienheim near Neuburg on the Danube, came, after he had prepared himself for the American Lutheran ministry, in the summer of the current year to America, then enjoyed for a short time the instruction in the seminary at Fort Wayne, passed here before the assembled pastoral conference the examination pro munere, and was ordained on the 12th inst. by Pastor Gruber, with the assistance of Pastor Biltz, in the midst of his congregation in and about Perryville, Perry Co., Mo.

Since, finally, Pastor Schieferdecker has received a call to Altenburg, Perry Co., Mo., and together with his former congregations has recognized it as divine and accepted it, one of these congregations, namely that at Centreville, has already called the candidate of theology Mr. Heinrich Wunder, from Franconia, hitherto a pupil of the Altenburg theological seminary, to its vacant pastorate. The same has accordingly, after passing a public examination, on the 16th inst., Third Sunday in Advent, been ordained in the midst of his congregation by the president of the Synod and solemnly installed in his office. The post-office is: Millstadt P. O., St. Clair Co., Ill.

May these tidings move many hearts to intercession, not only for these new laborers in the vineyard of the LORD, but in general for our whole North American Church, since at present, particularly in its ministry, changes as great as they are decisive are taking place, and also, as we have opportunity to learn, several of our dear brethren in office are standing in the midst of their congregations in hard conflict. Compare the last part of the 12th verse of chapter 12 of the Revelation of St. John.

We have just received the further news that Mr. Ottmar Clöter, who came over from Bavaria as an already ordained candidate of theology, and who had received a regular call from the German Evangelical Lutheran congregation at Saginaw City in Michigan, has, at his own request and that of the calling congregation, been churchly inducted into his office through Pastor Sievers, by authority of the presidium of our Synod. The latter writes us concerning it, among other things, as follows: "The celebration of the induction was appointed for the morning of the 30th of November, as being the day of the holy Apostle Andrew. At 9 o'clock in the morning the members of the congregation assembled in one of the halls of the Saginaw courthouse. First of all the confession service took place. Pastor Clöter delivered the confessional address and private confession; he himself received absolution from me. After the confession service was ended, however, a public colloquy was held by us both, at which the whole congregation was present. As the subject of the colloquy I had chosen the Formula of Concord in its chief points. The whole congregation was convinced with me that it has called a pastor who will ground and strengthen it and its children in the wholesome doctrine. He has also pledged this at the induction, which proceeded according to Löhe's Agende. It made a gratifying impression upon the congregation to be allowed to convince itself by our colloquy that the jewel of pure doctrine is preserved to it. After the colloquy I delivered the induction sermon on Matth. 4, 18-22. Theme: Of the Call, 1. by whom and under what circumstances did Andrew receive his call, and by whom and under what circumstances do the lawful preachers of the Gospel still today receive their call? 2. to what was Andrew called, and to what are the preachers of the Gospel still called today? — After the sermon followed the induction and obligation upon the Word of God and the confessions of the Church contained in the Book of Concord, and finally the celebration of the Lord's Supper." — We close this report with the wish and prayer to God that in Michigan, where already in many a small congregation especially able laborers now stand, the divine promise Ps. 84, 7. 8. may be fulfilled ever more gloriously.

Should I not sing to my God.

Under the government of Duke Carl of Württemberg, a man standing in good repute was once deprived of his office through court intrigues and lost his bread, so that he was compelled to withdraw to his native place, a little village, and there at last even to take the office of a night watchman, merely to get by. Then at every hour that he had to call as watchman by night, he would each time, after the usual hour-call, add the refrain*) of this hymn:

Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.

These words were his rod and staff, to which he held fast in his misery and misfortune, and so he comforted himself at all times with this, that God's love endures forever. He had been doing this now for many a year, when once a high-ranking ducal official lodged overnight in his place. When he heard the night watchman call thus at every hour, it struck him, and he inquired after the person of this night watchman; and after he had learned everything about him, he reported the whole matter to the Duke. The latter, moved by this occurrence, gave the man, who had set his trust on God's love, bread and office again. The winter had now snowed itself out for him and the fair summer set in. (V. 10.) All his life this man now sang at his morning prayer, full of hearty thanks:

Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb' in Ewigkeit.

This hymn was composed about 1659 by Paul Gerhardt.

*) Refrain, a repetition-verse, especially a closing or ring rhyme at the end of each verse of a song or hymn.