Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 10 › Seite 76
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-01-08, Seite 76
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zu erfüllen ja auch schon angefangen. Darum, wie trübe es auch in mancher Hinsicht und insonderheit zu mancher Zeit hier aussieht, gilt es für jetzt doch nur Stille sein, treulich das Seine thun und der Hilfe des HErrn HErrn harren, die gewißlich erfolgen wird, auch dann, wenn sein Wort den Alten allen nur zum Zeugniß gereicht, daß sie am jüngsten Gerichte keine Entschuldigung haben. Du aber, lieber Leser, sei freundlich gebeten, auch das Deine treulich zu thun, nemlich Herz und Hände zu erheben und vor dem Throne der Gnade derer fürbittend zu gedenken, die in finsterer Heidenwelt allein stehen, und gegen mächtige und listige Feinde des HErrn Kriege zu führen haben. Freilich ist der Sieg längst errungen, durch unsern HErrn JEsum Christum; aber daß dieser Sieg auch unser werde, daß auch die armen Heiden dieses Sieges Christi theilhaftig werden, darum bete Du, lieber Leser, mit brünstigem und gläubigem Geiste.
Und hiemit sei denn dieser Ueberblick geschlossen; denn von den beiden andern Horden, die wir noch besuchen, läßt sich vor der Hand noch fast gar nichts sagen, von unserer neuen Station Sibiwaing aber wird von andrer Hand berichtet werden.
Ueber die preußische Kirchennoth und deren Abhülfe.
Gedanken aus einem und einem anderen Sendschreiben, abgesendet im April 1847 von Dr. de Valenti.
Unter dieser Ueberschrift findet sich in der Zeitschrift für die gesammte lutherische Theologie und Kirche, herausgegeben von Dr. Rudelbach und Dr. Guericke, im dritten Quartalhefte des Jahres 1848 eine ausführlichere Mittheilung, der wir Folgendes entnehmen:
„Diese Sendschreiben“, so bemerkt de Valenti selbst, „sind im vorigen Jahre (nemlich 1847) wirklich abgesendet worden, theils an einen hohen Beamten (Herrn Minister Eichhorn), theils selbst anderweit, ohne aber dennoch an ihre eigentliche Bestimmung haben gelangen zu können.“ In denselben gibt der Verfasser dem Könige von Preußen und dem Minister Eichhorn, in Beziehung auf Staat und Kirche, mehrere ernstliche Rathschläge, deren Befolgung er dringend empfiehlt. „Noch“, sagt er, „ist es, wie ich fest glaube, Zeit, unsägliches Unglück zu verhüten, wenn man der freilich oft für's Erste scharfen und einschneidenden Stimme der Wahrheit Gehör gibt.“ Auf die Frage, welchen Beruf er zu diesem Schritt habe, antwortet der Verfasser: „Derselbe liegt eines Theils in meiner ungefärbten Liebe zu Preußen und seinem erlauchten Monarchen, welche oft und viel sowohl allein im Kämmerlein, als in Gemeinschaft mit meiner treuen Hausgemeinde herzliche Gebete opfert, andern Theils aber auch in meiner vielgeprüften und wohlbegründeten Ueberzeugung, daß die von mir gegebenen Winke und Rathschläge jetzt noch frühe genug kommen, um großes, namenloses Unheil und Unglück verhüten zu können.“
Den eigentlichen Zweck seines Schreibens gibt de Valenti selbst mit diesen Worten an: „Ich möchte nemlich die Ueberzeugung wirken, daß selbst die königliche Gewalt, trotz dem Schein des Gegentheils, dennoch durchaus nicht dazu berufen sei, in der preußischen Landeskirche irgend welche wesentliche Reformen ins Leben zu führen, und daß namentlich die Fortführung und Vollendung der bereits dem Namen nach vorhandenen Union nicht nur kein Heil, sondern unsägliches und unübersehbares Unglück in Kirche und Staat herbeiführen muß.“
Der Verfasser begründet dieses Urtheil zunächst, indem er die weit verbreitete Voraussetzung widerlegt, als ob ein bibelgläubiger, dem gekreuzigten Heilande in Liebe ergebener und an der Spitze des mächtigsten deutsch-protestantischen Staates stehender Monarch schon als solcher zu diesem Werke berufen sei. Er straft das sündliche Vertrauen, welches eine große Menge kurzsichtiger Gläubiger auf den frommen König von Preußen gesetzt habe; wobei er erwähnt, daß er vom Geheim-Rath Bunsen selbst vernommen habe, daß seit Davids Zeiten kein König, wie dieser, einen Thron bestiegen habe, und fügt hinzu: „So ist mir eben dieses sündliche Vertrauen auf einen doch erst im Feuer der Prüfung zu bewährenden Menschen ein klares Zeichen, daß der HErr solche falsche Hoffnung auf irgend eine Weise sowohl zum Heile seiner Kirche, als auch zu der Betheiligten und unser Aller Heile zu Schanden machen werde. — O! daß dieses auf eine Weise geschehen möchte, bei welcher diese verblendeten Leute ohne schwere Gerichte wahrhaft bekehrt, oder daß wenigstens der Unschuldige um solcher schmählichen Abgötterei willen nicht selbst mit in das Gericht dieser gefährlichen frommen Schmeichler gezogen würde.“
Der Leser weiß, wie diese Vorhersagung erfüllt ist. Am 18. März des Jahres 1848 brach bekanntlich in Berlin eine furchtbare Revolution aus, durch welche der preußische Staat auf's heftigste erschüttert, der König auf's tiefste gedemüthigt und die sogenannte Union völlig zerrissen wurde.
Als zweiten Grund für das obige Urtheil bezeichnet de Valenti „vor Allem die leicht nachzuweisende Thatsache, daß die eben jetzt betriebene kirchliche Union in Preußen keinesweges als eine Union der Reformirten und Lutheraner, sondern als ein gefährliches, geistliches Komplott (Verschwörung) ausgearteter und falscher Protestanten zu betrachten ist. Sie ist nemlich, namentlich, was die Stimmführer betrifft, eine blos äußere, wollüstig-geistreich-empfindsame und weltgenußsüchtige Liebesvereinigung solcher ausgearteter Frommen, welche in Lehre und Leben keine gesunde reformirte oder lutherisch-protestantische Ader mehr behalten haben. Ja! die eigentlichen, die Union vermittelnden Hauptglieder beider Theile sind eben solche sogenannte gläubige Theologen, welche schon lange in Lehre und Leben den beiden Kirchen gemeinschaftlichen apostolisch-protestantischen Standpunkt*) verlassen, sich mit der krypto-(heimlich-) atheistischen, also falschen Wissenschaft eines Hegel oder Schleiermacher gröber oder feiner geistlich verbrüdert und auf diese Weise die hochheiligsten Glaubens- und Lehrsätze beider Kirchen auf eine herzzerreißende und treulose Weise an den antichristischen Zeitgeist verrathen haben. Die Beweise für dieses Urtheil liegen in des Verfassers beifolgenden Schriften, welche namentlich über Göschel, Nitzsch und Schleiermacher das nöthige Licht verbreiten können. Obschon nun z. B. ein Göschel bei den jetzigen Unionsversuchen nicht so unmittelbar, wie z. B. ein Dr. Nitzsch betheiligt ist, so ist (war) er doch der Stimmführer einer großen Parthei derjenigen, die sich jetzt auf einem ganz außerprotestantischen Boden zur Bildung einer sogenannten unirten Staatskirche vereinigen wollen und welche selbst von einem Hengstenberg und Tholuck, trotz der Fülle von pantheistischem, wahrhaft gotteslästerlichem Aberwitz, welche z. B. in den Göschelschen Schriften zu finden ist, als die Frühlingsvögel der gläubigen Wissenschaft begrüßt worden sind. Eine solche Vereinigung ist aber nicht eine Union zwischen Reformirten und Lutheranern, welche in der That und Wahrheit, d. h. dem Geist und Glauben nach, längst vorhanden ist, sondern ein an beiden Kirchen begangener Verrath, nemlich eine Anerkennung des antichristischen Zeitgeistes, welche, wenn die Pläne der unirenden Personen gelingen, von einem Zugeständnisse zum andern fortschreitend, in Preußen zuletzt unfehlbar den Untergang des Protestantismus (wenigstens des staatskirchlichen) und mit demselben auf politischem Gebiete ein unermeßliches Unglück herbeiführen muß“.
*) Da de Valenti Seite 431 von sich sagt, daß er sich „von ganzem Herzen zum Glauben, zum Bekenntniß und zur kirchlichen Theologie der lutherischen Kirche bekenne“, so ist es um so auffallender, wenn er an diesen Stellen von einem den beiden Kirchen gemeinsamen apostolisch-protestantischen Standpunkte und von einer Union redet, die zwischen den Lutheranern und Reformirten in der That und Wahrheit, d. h. dem Geist und Glauben nach ängst vorhanden sei. Man könnte diese Aeußerungen dadurch für gerechtfertigt halten, daß er Seite 433 sagt, „der Glaube eines Luther habe in der reformirten Kirche, namentlich seit der letzten Glaubenserweckung von selbst immer mehr Anerkennung gefunden“. Allein an einer andern Stelle spricht er von einer „schon bestehenden, durch die Geschichte auch hinlänglich bewiesenen inneren Geistesunion beider Kirchen“ und tadelt es am seligen Scheibel, er habe unweise gethan, „die alten Kirchenwunden wieder aufzureißen, statt zu zeugen gegen das beide Kirchen verwüstende Ungeheuer des Göschel-Hegelschen, so wie des Nitzsch-Schleiermacherschen Modeevangeliums“. Daraus ist klar, daß der uns sonst theure Verfasser über das Verhältniß der lutherischen Kirche zur reformirten offenbar im Irrthum ist. Das Wort, welches Luther den Reformirten in Marburg entgegenhielt: „Ihr habt einen andern Geist, als wir“, hat die Geschichte bis auf den heutigen Tag bewährt. Während Luther sich kindlich demüthig unter das Wort Gottes beugte und seine Vernunft unter den Gehorsam des Glaubens gefangen nahm, so blieb er auf dem alten „apostolisch-protestantischen Standpunkte“, welchen die Reformirten dadurch verließen, daß sie in wichtigen Glaubensartikeln dem Dünkel ihrer sündigen Vernunft folgten.
„Eine andere nähere Begründung des genannten Urtheils“, fährt de Valenti fort, „liegt in dem dermaligen eigenen geistlichen Standpunkte hoher Personen. (Nemlich des Königs von Preußen.) Um in so entscheidungsvollen Zeiten, wie die unsrigen sind, in irgend einer Weise als innerer,
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to fulfil, indeed has already begun. Therefore, however dark it may look here in many respects and especially at many a time, for the present it behooves us only to be still, faithfully to do our own part, and to wait for the help of the LORD, LORD, which will surely come, even when His Word serves the old ones all only for a testimony, that at the last Judgment they have no excuse. But do you, dear reader, be kindly entreated also faithfully to do your part, namely to lift up heart and hands, and before the throne of grace to remember in intercession those who stand alone in dark heathendom and have to wage war against mighty and crafty enemies of the LORD. To be sure, the victory has long been won, through our LORD JESUS Christ; but that this victory may become ours also, that the poor heathen too may become partakers of this victory of Christ, for this pray, dear reader, with fervent and believing spirit.
And herewith let this survey be concluded; for of the two other bands which we still visit nothing, almost, can be said for the present, and of our new station Sibiwaing a report will be given by another hand.
On the Prussian Distress of the Church and Its Remedy.
Thoughts from one and another epistle, sent off in April 1847 by Dr. de Valenti.
Under this title there is found in the Zeitschrift für die gesammte lutherische Theologie und Kirche, edited by Dr. Rudelbach and Dr. Guericke, in the third quarterly number of the year 1848, a fuller communication, from which we take the following:
"These epistles," says de Valenti himself, "were actually sent off last year (namely 1847), partly to a high official (Minister Eichhorn), partly otherwise, without however having been able to reach their proper destination." In them the author gives the King of Prussia and Minister Eichhorn, with reference to State and Church, several earnest counsels, whose observance he urgently recommends. "Still," says he, "it is, as I firmly believe, time to prevent unspeakable misfortune, if one gives ear to the voice of truth, which to be sure is often at first sharp and cutting." To the question what call he has for this step, the author replies: "It lies in part in my unfeigned love for Prussia and her illustrious Monarch, which often and much, both alone in my closet and in company with my faithful household congregation, offers up hearty prayers, and in part also in my well-tried and well-grounded conviction that the hints and counsels given by me still come early enough, to be able to prevent great, nameless woe and misfortune."
The proper purpose of his writing de Valenti himself gives in these words: "I would namely work the conviction that even the royal power, in spite of the appearance of the contrary, is yet by no means called to introduce into the Prussian State Church any essential reforms, and that in particular the continuation and completion of the Union already existing in name must bring not only no salvation, but unspeakable and unforeseeable misfortune in Church and State."
The author bases this judgment first by refuting the widespread presupposition that a Bible-believing monarch, devoted in love to the crucified Savior and standing at the head of the mightiest German Protestant state, is already as such called to this work. He rebukes the sinful confidence which a great multitude of short-sighted believers have placed in the pious King of Prussia; whereby he mentions that he has heard from Privy Councillor Bunsen himself that since the days of David no king like this one has ascended a throne, and adds: "To me, then, this very sinful confidence in a man who is yet to be proved in the fire of trial is a clear sign that the LORD will in some way put such false hope to shame, both for the welfare of His Church and for the welfare of those concerned and of us all. — O that this might happen in such a way that these blinded people be truly converted without grievous judgments, or that at least the innocent one, on account of such shameful idolatry, may not himself be drawn into the judgment of these dangerous pious flatterers."
The reader knows how this prediction has been fulfilled. On the 18th of March of the year 1848 there broke out, as is well known, a terrible revolution in Berlin, by which the Prussian state was shaken in the most violent manner, the King humbled to the very depths, and the so-called Union entirely torn asunder.
As the second ground for the above judgment de Valenti designates "above all the readily demonstrable fact that the ecclesiastical Union now being pursued in Prussia is by no means to be regarded as a Union of the Reformed and Lutherans, but as a dangerous spiritual conspiracy (plot) of degenerate and false Protestants. It is namely, especially as regards the leaders, a merely external, voluptuous-clever-sentimental and worldly-pleasure-seeking love-union of such degenerate pious people, who in doctrine and life have retained no sound Reformed or Lutheran-Protestant vein any more. Yes! the real chief members of both parties who bring about the Union are precisely such so-called believing theologians, who have long since forsaken in doctrine and life the apostolic-Protestant standpoint*) common to the two Churches, have, coarsely or finely, spiritually joined brotherhood with the crypto-(secretly) atheistic, that is false, science of a Hegel or Schleiermacher, and in this manner have betrayed the most holy articles of faith and doctrine of both Churches in a heart-rending and faithless manner to the antichristian spirit of the age. The proofs for this judgment lie in the author's accompanying writings, which can spread the necessary light especially upon Göschel, Nitzsch and Schleiermacher. Although now, for example, a Göschel is not so directly concerned in the present attempts at union as, for example, a Dr. Nitzsch, yet he is (was) the leader of a great party of those who now, upon a quite extra-Protestant ground, wish to unite for the formation of a so-called united State Church, and who have been welcomed even by a Hengstenberg and Tholuck, in spite of the abundance of pantheistic, truly blasphemous absurdity which is to be found, for example, in the writings of Göschel, as the spring-birds of believing science. Such a union, however, is not a Union between the Reformed and Lutherans, which in deed and truth, that is, in spirit and faith, has long existed, but a betrayal committed against both Churches, namely an acknowledgment of the antichristian spirit of the age, which, if the plans of the uniting persons succeed, proceeding from one concession to another, must in Prussia in the end infallibly bring about the downfall of Protestantism (at least of the State-Church sort), and with it, in the political sphere, immeasurable misfortune."
*) Since de Valenti on page 431 says of himself that he "with his whole heart confesses the faith, the Confession and the churchly theology of the Lutheran Church," it is the more striking when he at these places speaks of an apostolic-Protestant standpoint common to the two Churches, and of a Union which exists between the Lutherans and Reformed in deed and truth, that is, in spirit and faith, long since. One might hold these utterances justified by his saying on page 433 that "the faith of a Luther has found of itself ever more recognition in the Reformed Church, especially since the last revival of faith." Yet in another place he speaks of an "already existing inner union of spirit between the two Churches, sufficiently proved also by history," and blames the late Scheibel, saying he acted unwisely "to tear open again the old wounds of the Church, instead of testifying against the monster laying waste both Churches, the fashionable gospel of Göschel-Hegel, and likewise of Nitzsch-Schleiermacher." From this it is clear that the author, otherwise dear to us, is plainly in error concerning the relation of the Lutheran Church to the Reformed. The word which Luther held up against the Reformed at Marburg: "Ye have another spirit than we," history has confirmed to this present day. While Luther childlike and humbly bowed himself under the Word of God and took his reason captive under the obedience of faith, he remained upon the old "apostolic-Protestant standpoint," which the Reformed forsook by following, in important articles of faith, the conceit of their sinful reason.
"Another closer ground for the said judgment," de Valenti continues, "lies in the present own spiritual standpoint of high persons. (Namely of the King of Prussia.) In order in such decisive times as ours are, in some way as inner,