Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 10 › Seite 79
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-01-08, Seite 79
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Falſche Lehre 28 · Paſtor 11
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Predigt zu übernehmen. Ich versprachs, wiewohl ich mich nur für eine kleine Ansprache, die ich am Abend des Festes zu halten gedachte, vorbereitet hatte. Ich wunderte mich sehr, als ich die Kirche sah. Für die noch junge und kleine Gemeinde hatte ich mir ein kleines Kirchlein vorgestellet, aber ich fand sie sehr geräumig und besonders zogen die schönen, hohen und breiten Fenster, mehr noch die wohl bekleidete und mit Kränzen lieblich gezierte Kanzel und der Altar meine Aufmerksamkeit auf sich. Sehr viele Leute waren gegenwärtig. Der Gesang beim Gottesdienste war köstlich, rein und helltönend. Nach der Hauptpredigt wurde das herrliche Lied: „Wachet auf! ruft uns die Stimme" ꝛc. nach Layritz gesungen.
Die Hauptpredigt hielt Pastor Schieferdecker. Er predigte über 2 Mos. 20, 24. „Von dem Segen des Hauses Gottes; und zwar: 1. worin dieser Segen bestehe, und sodann 2. wovon er abhange." Er stellte hiebei besonders ins Licht, daß der Segen des Hauses Gottes ein Segen sei, der nur da gefunden werden könne, wo Gott seines Namens Gedächtniß gestiftet habe. Weil nun im Hause Gottes seines Namens Gedächtniß sei, indem darin sein Wort, seine Werke und Wunder gepredigt würden, so sei auch nur da sein besonderer Segen, und sonst nirgends zu finden. Er wies auch darauf hin, daß man es als ein erfreuliches Zeichen ansehen dürfe, daß die erste Kirche in Centreville eine Kirche des reinen lutherischen Bekenntnisses sei; wobei er die Hoffnung aussprach, daß Gott wohl im Sinne habe, daselbst sein lutherisches Zion zu bauen, das Wort seiner Wahrheit auf einen Leuchter zu stellen und jenes Haus zu einem Hause des Segens zu machen, der sich auf Kinder und Kindeskinder erstrecke. Die Nachmittagspredigt hielt ich über Psalm 84, 2. und 3., wornach ich die Herrlichkeit des Hauses Gottes vorzustellen suchte. Dieser herrliche Tag wurde damit beschlossen, daß von dem Sängerchor noch viele, der Feierlichkeit des Festes entsprechende Lieder (mehrstimmig) im Tone christlicher Heiterkeit gesungen wurden. Am folgenden Tage traf Pastor Johannes noch bei uns ein, der auf Ansuchen des Pastors Schieferdecker und seiner Gemeinde eine Predigt zur Nachfeier am Nachmittage zu halten übernahm. Er hielt sie über das zur Kirchweihe sehr geeignete Evangelium Matth. 22. des vorigen Tages und stellte darin die Einladung zur königlichen Hochzeit namentlich für die Diener Gottes recht tröstlich und erquickend vor.
Gott wolle denn in diesem neueingeweihten Kirchlein sein reines Wort immerdar erschallen lassen, und geben, daß dadurch ihm viele Kinder geboren werden, die da bei der rechten Lehre unserer lutherischen Kirche bleiben und dem HErrn, ihrem Gott, dienen nach seinem Willen.
Glaubensprobe.
Ich habe, erzählt Luther, einen Tischgänger zu Wittenberg gehabt, mit Namen Matthias de Vay, einen Ungar, welcher auch in meinem Hause zu Wittenberg gewohnt hat. Dieser, nachdem er heim in Ungarn kommt und allda ein Prediger wird, da war er mit einem papistischen Prediger uneins geworden. Als nun der Papist ihn vor dem Mönch Georgen, des Woiwoda Bruder, damals Statthalters und Regenten zu Ofen, verklagt und in dem Verhör einer den andern hart verdammet hatte, und der Mönch die Parten nicht konnte eines machen, denn es wollte ein jeglicher recht haben; da sagte Mönch George: „Harret, ich will bald erfahren, welches Theil recht habe oder nicht"; und fähret zu und setzet zwo Tonnen Pulver auf den Markt zu Ofen und spricht: „Wer seine Lehre vertheidigen will, daß sie recht sei und das wahrhaftige Wort Gottes, der setze sich auf der Tonnen eine; so will ich Feuer unterstoßen, welcher denn lebendig bleibet, wenn das Feuer mit dem Pulver angehet, daß er nicht verbrennet, des Lehre ist recht." Da springt Matthias von Vay flugs auf der Tonnen eine und setzt sich darauf, aber der Papist wollte mit seinem Beistand nicht auf die andere Tonne. Da sagt der Mönch George: „Nun sehe ich, daß der Glaube und die Lehre des Vay recht und euer, der Papisten, Religion falsch ist"; strafte den papistischen Pfaffen und seinen Beistand um 4000 ungarische Gülden und mußten ihm eine Zeitlang 200 Kriegsknechte besolden und unterhalten, aber Matthiam de Vay ließ er öffentlich das Evangelium predigen. (Luthers Werke. Hall. Bd. XXII, 72. 73.) — Guericke schreibt in seiner Kirchengeschichte, daß dieser Matthias „Devay" der „ungarische Luther" genannt werde, seit 1531 in Ungarn gewirkt habe und endlich 1549 gestorben sei.
Ein Prediger ohne Zuhörer.
In der letzten Nummer des Apologeten lesen wir folgende, wir möchten wohl sagen possierliche, Geschichte, wenn selbige nicht zugleich einen höchst sündlichen Mißbrauch des Wortes Gottes enthielte:
„Kürzlich lasen wir von einem Methodistenprediger, welcher predigte, ohne einen einzigen Zuhörer zu haben, und doch hatte es einen guten Erfolg. Seine Bestellung war an einem Samstag-Nachmittag in einem Schulhaus, kein Mensch kam in das Haus, nur einige Kinder spielten in der Nähe. Der Prediger ließ sich aber nicht abschrecken, sang, betete und predigte, während die Kinder bisweilen ihren Kopf in die offene Thüre steckten." (Was mögen diese wohl von dem Manne gedacht haben, lieber Leser?) „Als er fertig war, sagte er ihnen, er werde in vierzehn Tagen wieder daselbst predigen. Und als er zum zweitenmale kam, war das Schulhaus voll." Das wundert uns nicht; wer sollte nicht begierig sein, einen so merkwürdigen Menschen zu sehen! — Dieser Geschichte gibt Herr Dr. Nast die Ueberschrift: „Wie ein Prediger Zuhörer bekommen kann." Vortrefflicher Rath! Das gehört wahrscheinlich zu den allerneuesten Maßregeln.
„Der Friedensbote."
Unter diesem Titel ist in unserer Stadt jüngst die erste Nummer einer religiösen Zeitschrift erschienen, welche von nun an als Organ der „Deutsch-Evangelischen" d. i. unirten oder gemischten „Gemeinen Nord-Amerika's" jemonatlich herauskommen soll. Herausgegeben wird das Blatt von dem „Evang. Kirchenverein des Westens". Es soll laut des ihm vorangestellten Prospectus „den Zweck haben, zur Erbauung zu dienen. Auf Grund dessen", heißt es daher ferner, „kann und wird der Friedensbote niemals in Streit mit andern deutschen Blättern sich einlassen, und wie er nie Angriffe machen wird, so wird er dieselben auch, werden sie gegen ihn gerichtet, nie anders als mit Stillschweigen zurückweisen."
Sähe man nun aus dem Blatte selbst, daß es die Herren Herausgeber mit diesen Erklärungen ehrlich gemeint hätten, so würde gewiß Niemand etwas dagegen einzuwenden haben und es wäre fürwahr grausam, einen solchen harmlosen Friedensboten nicht ruhig seines Weges ziehen zu lassen. Leider zeigt aber schon die erste Nummer, welche uns dieser angebliche „Friedensbote" bringt, daß er kein Buchstäbler ist, und daß daher auch seine eigenen Worte nicht, wie sie lauten, verstanden werden dürfen. Schon diese erste Nummer nemlich ist — wer sollte es erwarten? — in der Gestalt einer Friedensboten-Tasche nichts anderes, als ein Köcher voll vergällter und vergifteter Pfeile, die, wie jedermänniglich alsbald sieht, vor allen gegen uns arme Lutheraner gerichtet sind und allerdings nicht aus offener Schlachtordnung, sondern heimlich wie aus einem friedlichen Gebüsch auf uns abgeschossen werden. Denn wenn darin nach denjenigen Gliedern der Christenheit, welche ihren Namen von einem Menschen haben, bei jeder Gelegenheit Seitenhiebe gethan und dieselben darin als stolze Christusfeinde hingestellt werden, welche „Partheinamen, von Menschen hergenommen, lieber tragen, als den Namen Jesu", so sind damit schwerlich die Israeliten, Muhamedaner, Campbeliten u. a., sondern jedenfalls wir armen Lutheraner gemeint. Wofür sollen wir nun aber hiernach die Erklärungen des „Friedensboten", nie Angriffe machen und nie Angriffe erwidern zu wollen, ansehen? Wir gestehen es ehrlich, wir sehen die erste Erklärung für eine unehrliche, und die andere für eine feige an. Mag man dies Urtheil hart finden: ein echter deutscher Lutheraner kann nicht heucheln und hält sich an das gute, alte deutsche Sprichwort: Ehrlich währt am längsten. Wollte der „Friedensbote" den Namen „Evangelisch" rechtfertigen, so war es durchaus nicht nöthig, daß er schon bei seinem ersten Gange den von ihm äußerlich zur Schau getragenen Charakter aufgab, in die Kriegstrompete stieß und seinen Namen auf Anderer Unkosten rühmte. Daß der Name Evangelisch ein vortrefflicher Name ist, ist eine unbestrittene Sache; am wenigsten wird dies von den Lutheranern, die diesen Namen von Anfang an in Anspruch genommen
English translation AI translation
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sermon. I promised it, although I had prepared myself only for a short address which I had intended to give on the evening of the festival. I was greatly surprised when I saw the church. For the still young and small congregation I had pictured to myself a little church, but I found it very spacious, and especially the beautiful, high and broad windows drew my attention, and still more the well-draped pulpit, charmingly adorned with wreaths, and the altar. Very many people were present. The singing at the service was delightful, pure and clear-toned. After the chief sermon the glorious hymn "Wachet auf! ruft uns die Stimme," etc., was sung to Layritz's tune.
The chief sermon was preached by Pastor Schieferdecker. He preached on Exodus 20, 24, "Of the Blessing of the House of God; and indeed: 1. wherein this blessing consists, and then 2. on what it depends." In this he brought especially into the light that the blessing of the house of God is a blessing which can be found only where God has recorded His name. Because, now, in the house of God His name is remembered, since therein His Word, His works and wonders are preached, so also only there is His special blessing, and nowhere else is it to be found. He also pointed out that one may regard it as a gratifying sign that the first church in Centreville is a church of the pure Lutheran Confession; whereupon he expressed the hope that God has it well in mind to build His Lutheran Zion there, to set the Word of His truth upon a candlestick, and to make that house a house of blessing which shall extend to children and children's children. The afternoon sermon I preached on Psalm 84, 2 and 3, according to which I sought to set forth the glory of the house of God. This glorious day was concluded by the singers' choir singing yet many songs (in several parts), fitting the solemnity of the festival, in a tone of Christian cheerfulness. On the following day Pastor Johannes also arrived among us, who at the request of Pastor Schieferdecker and his congregation undertook to preach a sermon for the after-celebration in the afternoon. He preached it on the Gospel of Matth. 22 of the preceding day, very suitable for a church dedication, and set forth therein the invitation to the king's wedding, especially for the servants of God, most comfortingly and refreshingly.
May God, then, in this newly consecrated little church let His pure Word resound evermore, and grant that thereby many children may be born to Him, who shall abide by the right doctrine of our Lutheran Church and serve the LORD, their God, according to His will.
A Test of Faith.
I have had, Luther relates, a table-companion at Wittenberg, by name Matthias de Vay, a Hungarian, who also lived in my house at Wittenberg. When he came home to Hungary and became a preacher there, he fell into dispute with a papistical preacher. When now the papist had accused him before the monk George, brother of the Voivode, at that time governor and regent at Ofen, and in the hearing each had severely condemned the other, and the monk could not bring the parties to agreement, for each one wanted to be in the right, Monk George said: "Wait, I will soon find out which side is right or not"; and he went to work and set two barrels of powder in the market at Ofen and said: "Whoever will defend his doctrine, that it is right and the true Word of God, let him sit upon one of the barrels; then I will put fire under it, and whoever remains alive when the fire catches the powder, so that he is not burned, his doctrine is right." Then Matthias von Vay sprang quickly upon one of the barrels and sat down upon it, but the papist with his assistant would not get upon the other barrel. Then Monk George said: "Now I see that the faith and doctrine of Vay is right, and yours, the papists', religion is false"; he fined the papistical priest and his assistant 4000 Hungarian guilders, and they had to pay and maintain for him for a time 200 men-at-arms, but Matthiam de Vay he let preach the Gospel publicly. (Luthers Werke. Hall. Bd. XXII, 72. 73.) — Guericke writes in his Kirchengeschichte that this Matthias "Devay" is called the "Hungarian Luther," labored in Hungary since 1531, and died at last in 1549.
A Preacher Without Hearers.
In the last number of the Apologet we read the following story, which we might well call comical, if it did not at the same time contain a most sinful abuse of the Word of God:
"Lately we read of a Methodist preacher who preached without having a single hearer, and yet it had a good result. His appointment was on a Saturday afternoon in a schoolhouse; no one came into the house, only a few children were playing near by. But the preacher was not discouraged, sang, prayed and preached, while the children now and then stuck their heads in at the open door." (What may these have thought of the man, dear reader?) "When he was done, he told them he would preach there again in two weeks. And when he came the second time the schoolhouse was full." That does not surprise us; who would not be eager to see so remarkable a man! — To this story Dr. Nast gives the heading: "How a Preacher Can Get Hearers." Excellent counsel! This probably belongs among the very newest measures.
"Der Friedensbote."
Under this title there has lately appeared in our city the first number of a religious periodical, which from now on is to come out monthly as the organ of the "German-Evangelicals," that is, of the united or mixed "congregations of North America." The paper is published by the "Evang. Kirchenverein des Westens." According to the prospectus placed at its head, it is to "have the purpose of serving for edification. On the ground of this," it says further, "the Friedensbote can and will never engage in strife with other German papers, and as it will never make attacks, so it will, if they are directed against it, never repel them otherwise than with silence."
If one could see from the paper itself that the gentlemen editors had meant these declarations honestly, no one would surely have anything to object against it, and it would be truly cruel not to let such a harmless messenger of peace go quietly on his way. Unfortunately, however, the very first number which this alleged "Friedensbote" brings us shows that he is no literalist, and that therefore even his own words must not be understood as they sound. For this very first number — who would have expected it? — in the shape of a messenger-of-peace's pouch is nothing other than a quiver full of embittered and poisoned arrows, which, as everybody soon sees, are directed above all against us poor Lutherans, and indeed are shot at us not from open battle array, but secretly as out of a peaceful thicket. For when in it side-thrusts are made on every occasion at those members of Christendom who have their name from a man, and these are represented therein as proud enemies of Christ, who "prefer to bear party names taken from men rather than the name of Jesus," then it is hardly the Israelites, Mohammedans, Campbellites and others, but certainly we poor Lutherans who are meant. What, then, are we to take the declarations of the "Friedensbote," never to make attacks and never to return attacks, to be? We confess honestly, we regard the first declaration as dishonest and the other as cowardly. Though one may find this judgment hard: a genuine German Lutheran cannot dissemble and holds to the good old German proverb: Honesty lasts longest. If the "Friedensbote" wished to justify the name "Evangelical," it was by no means necessary that already at his first outing he should abandon the character outwardly displayed by him, blow the war trumpet, and glorify his name at the expense of others. That the name Evangelical is an excellent name is an undisputed matter; least of all will this be disputed by the Lutherans, who from the beginning have laid claim to this name